Die Zahl der verhafteten Oppositionsanhänger in Iran steigt. Selbst vor prominenten Namen schreckt das Regime nicht mehr zurück. Dennoch nehmen die Proteste in Teheran und anderen Großstädten kein Ende.

Getragen wird die Opposition um Mir Hussein Mussawi von einer breiten Masse. Im Hintergrund ziehen jedoch einige große und angesehene Familien die Fäden. Eine von ihnen heißt Rafsandschani. Sie stellte mit Ali Akbar Haschemi Rafsandschani bereits einen iranischen Präsidenten. Dessen Tochter Faeseh hält Ansprachen bei verbotenen Demonstrationen und organisiert die Protestmärsche mit. Dafür kam sie bereits ins Gefängnis. Andere Familienmitglieder des ehemaligen Präsidenten wurden an der Ausreise gehindert.

Politikexperten sehen darin den Versuch des Regimes, eine der einflussreichsten und reichsten Familien des Landes einzuschüchtern. Haschemi Rafsandschani ist seit mehr als zwei Jahren Vorsitzender des iranischen Expertenrates. Das Gremium ernennt den religiösen Führer des Landes. Der Expertenrat kontrolliert die Politik von Ajatollah Said Ali Chamenei.

Im Kampf um die Führung des Expertenrates setzte sich Rafsandschani gegen einen konservativen Ajatollah durch. Damit revanchierte er sich für die verlorene Präsidentenwahl 2005, als er sich Ahmadineschad geschlagen geben musste. Ahmadineschad hatte dann 2007 vergeblich versucht, Rafsandschanis Wahl an die Spitze des Expertenrates zu verhindern. Beide Politiker verachten und bekämpfen sich bei jeder Gelegenheit. Ahmadineschad wirft seinem Konkurrenten vor, sich auf Kosten der Iraner bereichert zu haben. Im Gegenzug hatte Rafsandschani dem Regime bereits 2005 Wahlbetrug vorgeworfen. Beweisen konnte er die Vorwürfe nicht.

"Reichster Mann des Iran" nennen seine Freunde und Kritiker Rafsandschani. Seinen Wohlstand erwarb er im Pistazienhandel, den seine Familie beherrscht. Der Mullah erlebte nach der Revolution einen steilen Aufstieg, er war Oberbefehlshaber der Armee, Präsident und Vorsitzender verschiedener Räte. Die Rafsandschanis kontrollieren außerdem die Kargosaran-Partei, deren wichtigsten Ämter mit Familienmitgliedern oder Vertrauten besetzt sind.

Rafsandschanis Spitzname lautet "Der Hai". Als Politiker und als Geschäftsmann schluckt er Konkurrenten. Er ist ein gefährlicher Gegenspieler – dass das Regime nun offensiv gegen den früheren Schüler Khomeinis vorgeht, deuten Experten als Beleg für dessen Nervosität. Es könnte aber auch zeigen, wie stark Ahmadineschad sich fühlt.

Denn nicht nur die Familie Rafsandschani ist im Visier des Regimes. Auch der Bruder des früheren Präsidenten Mohammed Chatami und andere Verwandte wurden verhaftet. Die Familie Chatami unterstützt ebenfalls den Reformpolitiker Mussawi. Chatami war von 1997 bis 2005 Staatsoberhaupt, in seiner Amtszeit blühte die Presse auf, die Zivilgesellschaft erstarkte und öffnete das Land nach außen. Chatami verbündete sich mit Haschemi Rafsandschani und anderen Reformpolitiker, um Chamenei in die Schranken zu verweisen.