Chamenei-Rede Die zweite iranische Revolution geht in Phase zwei
Einen Moment lang sah es so aus, als wären die Theokraten von Teheran unsicher geworden. Doch das Chomeinisten-Regime schließt sich wieder gegen das Volk zusammen. Ein Kommentar

© Behrouz Mehri/AFP/Getty Images
Kleriker lauschen Ajatollah Chamenei: Der Aufstand bekommt stärkeren Gegenwind
Als ob die Theokratie ins Wanken geraten wäre: Da sprach plötzlich der “Oberste Religionsführer” Chamenei von einer “begrenzten Nachzählung” der Stimmen. Gewiss wollte er damit das aufrührerische Volk besänftigen, aber zugleich schien doch ein Signal gegen den obersten Wahlfälscher Ahmadineschad darin auf. Etwa: Du gehst zu weit, das riecht nach Machtergreifung und einem Putsch an der Urne, der sich gegen uns, die Alt-Revolutionäre richtet.
In der selten öffentlichen Rede beim Freitagsgebet in der Universität Teheran sprach der Religionsführer wieder wie unmittelbar nach der Wahl, als er den Ausgang als “Gottespruch” bezeichnet hatte. Ahmadineschad hätte einen “klaren Wahlsieg” errungen; von Wahlfälschung könne keine Rede sein. Im Übrigen dürfe niemand auf eine Spaltung des Regimes spekulieren; das ganze sei doch nicht mehr als ein Familienkrach im Rahmen der Islamischen Republik. Nie sei die Legitimität des Regimes in Zweifel geraten.
Es folgten die dunklen Warnungen an die folgenden Adressen: Erstens an den halb unfreiwilligen Rädelsführer der Revolte, den abgedrängten Mir Hussein Mussawi, der einst als Premier eine Säule des Chomeinismus gewesen ist und nun den Mantel des Reformers trägt. Mussawi möge doch bitte nicht ein Wahlverdikt an der Urne auf den Straßen Teheran zu revidieren versuchen.
Zweitens eine milde Ohrfeige, eher ein Backenstreich, für Ahmadineschad. Der dürfe seine Gegner wie den Ex-Präsidenten Rafsandschani nicht der Korruption bezichtigen; das seien nur haltlose Gerüchte.
Drittens wurde der bewährte Feind zur Ablenkung auf die Bühne gezerrt: Der Westen, die "Zionisten", die in Wahrheit für den ganzen Aufruhr verantwortlich seien. "Unsere Feinde und deren Medien haben ein paar Opportunisten und unzuverlässige Elemente angeheuert und die schlichten Leute missbraucht, um Unruhe zu schaffen", gab die Regierung bekannt. In Wahrheit halten sich Amerikaner wie auch Israelis auffallend zurück in ihren Auslassungen.
Derweil protestierte der Feind daheim friedvoll und en masse, wieder mit Hunderttausenden wie am Donnerstag. Derweil gingen aber auch die Verhaftungen weiter. Shirin Ebadi, die Nobelpreisträgerin, berichtet von 500, die ins Gefängnis gekarrt worden wären.
Und Ahmadineschad gab den Versöhner: "Die Regierung will jedem Iraner dienen. Wir mögen sie alle."
- Datum 22.06.2009 - 11:00 Uhr
- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE, 19.6.2009 - 21:19 Uhr
- Kommentare 18
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Ich würde gerne das chomeinistische regime, in das terroristische regime umbenennen.
Oh ja.
"ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!"
Eigentlich ist es ja die dritte Revolution.
Die erste begann 1905:
http://de.wikipedia.org/wiki/Konstitutionelle_Revolution_(Iran)
England und Russland haben sich gründlich mit Schuld und Schande bekleckert damals.
die religiös-bodenverwurzelten Perser bleiben unter sich und im Land, die wohlhabende Intelligetia ist eh traditionell im Exil, man könnte das Resultat dieser momentanen CIA-Operation hierzulande eh nur daran ablesen, wieviele Teppichhandels-Ausverkäufe in den nächsten Monaten annonciert werden.
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Wissen Sie Herr Joffe, daß das kleine Deutschland der drittgrößte waffenexporteur der Welt ist?
Vielleicht verdienen unsere Produduzenten auch an Ihren Stimmungsartikeln?
Glauben Sie noch, was unsere Medien produzieren?
Lesen Sie bitte selbst:
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Was darf der Mensch. Wie steht's mit dem Konsum, wie lebt es sich in einer Theokratie. Welche Freiheiten erstrebt man für sich. Ist unsere westliche Konsumgesellschaft Vorbild für die städtischen Eliten im Iran?
Unter diesen grundsätzlichen Fragenstellungen läuft die Diskussion in den Medien noch nicht.
Ich kann nur feststellen: Eine Säkularisierung des gesellschaftlichen Lebens wollen auch die Reformer nicht. Auch diese Gruppierung will kein Bürgerliches Gesetzbuch. Für mich ist eine Reform erst eine richtige, wenn Religion zur Privatsache wird und weltliche Ziele wieder Vorrang vor spirituellen Zielen haben. Es darf dabei auch keinen Zynismus geben: Die Armen gewinnen das Paradies, die Reichen gewinnen das Wohlleben.
Wo sind die Reformer, die Glauben und Kultur so in Einklang bringen können, dass damit alle Bürger einverstanden sein wollen?
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Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.
"Allahu Akbar" schallt es von den Dächern in Teheran. Anmassung hat noch keinen noch so mächtigen Menschen zum Gott werden lassen. Wenn geistliche Führer ihre Position für Machtansprüche missbrauchen, statt die Verantwortung dieser Aufgabe in den Vordergrund zu stellen, brüskieren sie die Achtung der Menschen vor dieser Position und bahnen den Weg, diese Macht in Frage zu stellen.
Hier ist die menschliche Macht immer schon an ihre Grenzen gestoßen. Kaum zu glauben, dass die ursprüngliche Glaubenslehre des Islam menschlicher Selbstherrlichkeit Tribut pflichtet.
Chameni ist in einer Zwangslage. So autoritär sein Auftreten auch sein mag. Die beanspruchte Autorität liegt nicht in den Händen des Sachwalters, sondern wird da bleiben von wo sie verliehen wurde. Ob und wann das wirklich geschah, wird für uns Menschen nicht überprüfbar sein.
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