Iran Der Protest im Netz

Die neuen Helden des Aufstandes sind Bon Jovi, Paulo Coelho und Wyclef Jean. Die Kommentare auf Twitter werden immer zynischer.


Noch am Montag beschäftigte die Solidaritätsaktion des Schriftstellers Paulo Coelho die iranische Internetgemeinde. Manche wollen Tränen der Freude vergossen haben. Denn Coehlo stellte das Video von Neda Agha Soltan, die vor laufender Kamera verblutete, in sein Weblog. Paulo Coelho hatte das Video bei YouTube entdeckt und einen der beiden Männer erkannt – einen befreundeten Arzt namens Arash Hejazi. Neda wurde zur Ikone des Aufstandes, Coelho zum "Förderer der Demokratie in Iran".

Andy, Jon Bon Jovi, Richie Sambora & Friends

So lautet der Titel eines Videoclips auf YouTube,  der seit Samstag von den iranischen Bloggern und Twittern herumgereicht wird. Darin singt das iranische Pop-Idol Andy in Begleitung von Bon Jovi und dem Gitarristen Richie Sambora den Song Stand by me. Bon Jovi singt auf Persisch: "Dein Schmerz ist mein Schmerz." Er hält auch ein weißes Din A4 Blatt in der Hand, auf dem in persischer Schrift steht: "Wir sind eins." Das berührt Iranerinnen und Iraner unterschiedlichen Alters. 

Emergency Concert for Iran

Wyclef Jean, im grünen Outfit auf YouTube: Er sitzt am Klavier und beginnt seinen Song mit dem Namen der iranischen Hauptstadt. Ein Solidaritätskonzert im Stillen. In dem über neunminütigen Lied bekundet er seine Sympathie für die Protestierenden in Iran und der "Green City" Teheran. Und dann folgt No Woman, no cry. Das kommt bei den Iranern im Netz gut an. "Mir wird es warm ums Herz", schreibt ein Blogger.

Clinch mit Großbritannien

Die Verhaftung von acht iranischen Mitarbeitern der britischen Botschaft in Teheran und die spätere Freilassung einiger von ihnen war am Montag ein wichtiges Thema für die Internet-Aktivisten. Das iranische Regime wirft der britischen Regierung vor, den Aufstand angezettelt zu haben. Viele der iranischen Internetuser sehen darin einen Einschüchterungsversuch und freuen sich, dass die EU geschlossen und "richtig hart" reagiert hat. Die EU verurteilte diese Aktion der iranischen Machthaber und drohte mit Konsequenzen.

Twitters nach wie vor aktiv, aber milder als bisher

Die Anhänger von Mir Hussein Mussawi beherrschen nach wie vor Twitter, Facebook und YouTube. Sie schwören, den Widerstand fortzuführen und mahnen zugleich zur Vorsicht, wenn es um Aktionen auf der Straße geht. Doch die Zahl der besorgten Twitters, die bis zum Wochenende vor einer brutalen Revanche des Regimes warnten, machen immer mehr zynischen Kurznotizen Platz. Ein Beispiel: "Sie benutzten die Methode von Mugabe beim Zählen der Stimmen:  zehn für mich, eins für die Anderen, oh ja, zehn für mich, äh, eins für die Anderen."
 

 
Leser-Kommentare
  1. Die Erfahrungen aus persischen Palastrevolutionen haben laut Diels, Fragmente der Vorsokratiker, zum Begriff der Gerechtigkeit gefuehrt.

    Was die Leute heute wollen ist nebuloes. Nehmen wir einmal an, dass die Wahlen im Wesentlichen nicht gefaelscht waren, was jedenfalls in den USA mit guten Argumenten von denen vertreten wird, die sich mit der Frage intensiver befasst haben, dann bleibt, abgesehen vom Ehrgeiz alter Maenner, die ganz persoenliche offene Rechnungen haben, nur eine Glaubwuerdigkeitskrise und allgemeine Unlust auf "das Regime". "Tod dem Diktator", schoen klingt das nicht!

    Wunderlich auch die Liebe zum Blut in vielen Youtube Videos. Der Wunsch fuer eine angeblich gute Sache zu sterben. "Lieber tot als rot" war schon in Deutschland nicht sehr ueberzeugend. Solche Twitterbotschaften passen nicht zur tatsaechlichen Lage. Wuensche nach einem Generalstreik sind absurd.

    Bemerkenswert ist, dass die Gewalt der Staatsorgane abgenommen hat, dass mehr diskutiert wird. Der zufaellige Tod der ganz unbeteiligten, dem Geschehen nur zuschauenden Neda war wahrscheinlich die Wende. Neda gilt als Martyrer, nach traditionellem Verstaendnis, wonach Martyrer gezielt und wegen ihres Glaubens getoetet werden, war sie das uebrigens nicht. Klingt auch nicht schoen.

    Das laeuft auf eine baldige "gerechte" Loesung innerhalb der Islamischen Verfassung hinaus. Insgesamt wird "das Regime" dadurch staerker. Immerhin hat es diese Demonstrationen tatsaechlich gegeben. Das unterscheidet den Iran wohltuend von anderen Staaten in der Region.

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    • Buker
    • 30.06.2009 um 15:04 Uhr

    Irans Jugend will endlich LEBEN!!!
    Sie wollen die gleichen Freiheiten, wie jede andere Jugend dieser Welt und vielleicht sogar noch ein bißchen mehr, denn sie fordern diese trotz aller Represalien und Gefahren auf der Straße ein.
    Ansonsten ist die "grüne Bewegung" so heterogen wie ihre Ziele. Frauenrechte, Meinungsfreiheit, faire und freie Wahlen, Chancen oder das Ende der politischen Isolation...

    Inwieweit die brutale Niederschlagung der Proteste auf eine gerechte Lösung hinausläuft müssen Sie mir wirklich nochmal erklären.
    Gestärkt geht das Regime höchstens hervor, weil die Angst das Land jetzt wieder für Jahrzehnte lähmen könnte. Am meisten ärgert mich aber, dass Sie versuchen das Unrecht im Iran mit dem Unrecht in anderen Staaten der Region zu relativieren!!! Nur weil es einem Krebspatienten noch schlechter geht tun mir meine gebrochenen Knochen nämlich nicht weniger weh!!

    "Was die Leute heute wollen ist nebuloes. Nehmen wir einmal an, dass die Wahlen im Wesentlichen nicht gefaelscht waren, was jedenfalls in den USA mit guten Argumenten von denen vertreten wird, die sich mit der Frage intensiver befasst haben"

    Ich kann mich nicht oft genug wiederholen: bitte LINKS/QUELLEN. Ansonsten ist das nur eine Tatsachenbehauptung, sonst nichts. Es gibt ein paar Statistiken (z.B. http://www.chathamhouse.o...), denen die offiziellen Wahlergebnisse zugrunde liegen und die daraus direkt gegensätzliche Schlüsse ziehen. Daher würden mich (ernsthaft jetzt) gegensätzliche Meinungen durchaus interessieren.

    "Bemerkenswert ist, dass die Gewalt der Staatsorgane abgenommen hat, dass mehr diskutiert wird. Der zufaellige Tod der ganz unbeteiligten, dem Geschehen nur zuschauenden Neda war wahrscheinlich die Wende."

    Da habe ich wohl was verpasst. Nach dem ersten Gewaltexzess am Wochenende direkt nach der Wahl trat eine Woche weitestgehend friedlicher Massenproteste ein, die mit dem Freitagsgebet des obersten geistlichen Führers endete und am darauffolgenden Samstag in einer Niederschlagung jeglicher Opposition mündete. An diesem besagten Samstag starb auch Neda. Dieser Tag war jedoch erst der Beginn des Niederknüppelns und -schießens. Wendepunkt ist sicherlich richtig, aber in die andere Richtung: Die Gewalt nahm in den darauffolgenden Tagen nicht ab, im Gegenteil der Druck vom Samstag wurde aufrechterhalten wenn nicht sogar noch verstärkt.

    Das es derzeit (fast 1,5 Wochen(!) später) ruhiger ist, ist richtig. Das hängt aber auch damit zusammen, dass bis etwa Ende letzter Woche jeden Tag alle Demonstrationen (bzw. Versuche welche durchzuführen) im Keim erstickt wurden und die Organisatoren weitestgehend verhaftet wurden oder untergetaucht sind. Die Milizen und Bereitsschaftspolizisten sind Augenzeugenberichten zufolge immer noch allgegenwärtig.

    Selbst der harte Kern der Demonstranten sucht sich irgendwann andere Formen des Widerstands oder resigniert, wenn Tag für Tag hart zugeschlagen wird. Vom "Normalbürger" ganz zu schweigen.

    Was jetzt im Iran stattfand, ist imho eher mit dem Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens zu vergleichen, wo es ja zunächst auch friedliche Proteste gab, die dann niedergeschlagen wurden.

    "Immerhin hat es diese Demonstrationen tatsaechlich gegeben. Das unterscheidet den Iran wohltuend von anderen Staaten in der Region."

    Es zeigt, dass diese Menschen sich nicht veralbern lassen und scheinbar einen Wandel (nicht mal zwangsweise weg von der Islamischen Republik!) wollen und das die Herrscher festgelegt haben: nö, das wollen wir aber nicht.

    Die Frage ist, wer hier wirklich die Fäden in der Hand hält. Kommt es vom obersten religiösen Führer oder fand da hinter den Kulissen möglicherweise ein Putsch statt und dieser ist auch nur noch eine Marionette?

    So oder so, eine "echte" Wahl war es so oder so nicht (alle Kandidaten waren ja Mitglieder des Systems), aber immerhin hatten die Leute die Möglichkeit jedes Spektrum zu wählen. Von Ultra-Konservativ bis Liberal war mit Mischformen alles dabei. Das hier möglicherweise aber nicht alles mit rechten Dingen zuging und das Regime gleichzeitig mit einem Schröderschen "Basta!" alle Bedenken wegwischte und jede Opposition niederknüppelte und verhaftete, werden die Leute aber sicherlich auch nicht vergessen und in 4 Jahren (sollte es dann wieder Wahlen geben) an diese Wahl zurückdenken. Motto: Eigentlich ist es eh egal wen wir wählen.

    Man wird sehen, wie sich das auswirkt, Chamenei hat sich bereits am Wahlabend an Ahmadinedschad gebunden (jeder Kompromiss wäre mit einem Gesichtsverlust verbunden gewesen so dass immer mehr auf Konfrontation/Eskalation gesetzt wurde) und der Wächterrat hat sich an Chamenei gebunden. Der Widerstand innerhalb des Systems ist nicht zu übersehen ("Siegesfeier" bei der nur 1/3 der Paralamentsabgeordneten erschienen, weiter verhärtete Fronten zwischen Hardlinern und Liberalen usw), mal schauen wohin das führt. Schlimmstenfalls endgültig in eine Diktatur.

    • Buker
    • 30.06.2009 um 15:04 Uhr

    Irans Jugend will endlich LEBEN!!!
    Sie wollen die gleichen Freiheiten, wie jede andere Jugend dieser Welt und vielleicht sogar noch ein bißchen mehr, denn sie fordern diese trotz aller Represalien und Gefahren auf der Straße ein.
    Ansonsten ist die "grüne Bewegung" so heterogen wie ihre Ziele. Frauenrechte, Meinungsfreiheit, faire und freie Wahlen, Chancen oder das Ende der politischen Isolation...

    Inwieweit die brutale Niederschlagung der Proteste auf eine gerechte Lösung hinausläuft müssen Sie mir wirklich nochmal erklären.
    Gestärkt geht das Regime höchstens hervor, weil die Angst das Land jetzt wieder für Jahrzehnte lähmen könnte. Am meisten ärgert mich aber, dass Sie versuchen das Unrecht im Iran mit dem Unrecht in anderen Staaten der Region zu relativieren!!! Nur weil es einem Krebspatienten noch schlechter geht tun mir meine gebrochenen Knochen nämlich nicht weniger weh!!

    "Was die Leute heute wollen ist nebuloes. Nehmen wir einmal an, dass die Wahlen im Wesentlichen nicht gefaelscht waren, was jedenfalls in den USA mit guten Argumenten von denen vertreten wird, die sich mit der Frage intensiver befasst haben"

    Ich kann mich nicht oft genug wiederholen: bitte LINKS/QUELLEN. Ansonsten ist das nur eine Tatsachenbehauptung, sonst nichts. Es gibt ein paar Statistiken (z.B. http://www.chathamhouse.o...), denen die offiziellen Wahlergebnisse zugrunde liegen und die daraus direkt gegensätzliche Schlüsse ziehen. Daher würden mich (ernsthaft jetzt) gegensätzliche Meinungen durchaus interessieren.

    "Bemerkenswert ist, dass die Gewalt der Staatsorgane abgenommen hat, dass mehr diskutiert wird. Der zufaellige Tod der ganz unbeteiligten, dem Geschehen nur zuschauenden Neda war wahrscheinlich die Wende."

    Da habe ich wohl was verpasst. Nach dem ersten Gewaltexzess am Wochenende direkt nach der Wahl trat eine Woche weitestgehend friedlicher Massenproteste ein, die mit dem Freitagsgebet des obersten geistlichen Führers endete und am darauffolgenden Samstag in einer Niederschlagung jeglicher Opposition mündete. An diesem besagten Samstag starb auch Neda. Dieser Tag war jedoch erst der Beginn des Niederknüppelns und -schießens. Wendepunkt ist sicherlich richtig, aber in die andere Richtung: Die Gewalt nahm in den darauffolgenden Tagen nicht ab, im Gegenteil der Druck vom Samstag wurde aufrechterhalten wenn nicht sogar noch verstärkt.

    Das es derzeit (fast 1,5 Wochen(!) später) ruhiger ist, ist richtig. Das hängt aber auch damit zusammen, dass bis etwa Ende letzter Woche jeden Tag alle Demonstrationen (bzw. Versuche welche durchzuführen) im Keim erstickt wurden und die Organisatoren weitestgehend verhaftet wurden oder untergetaucht sind. Die Milizen und Bereitsschaftspolizisten sind Augenzeugenberichten zufolge immer noch allgegenwärtig.

    Selbst der harte Kern der Demonstranten sucht sich irgendwann andere Formen des Widerstands oder resigniert, wenn Tag für Tag hart zugeschlagen wird. Vom "Normalbürger" ganz zu schweigen.

    Was jetzt im Iran stattfand, ist imho eher mit dem Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens zu vergleichen, wo es ja zunächst auch friedliche Proteste gab, die dann niedergeschlagen wurden.

    "Immerhin hat es diese Demonstrationen tatsaechlich gegeben. Das unterscheidet den Iran wohltuend von anderen Staaten in der Region."

    Es zeigt, dass diese Menschen sich nicht veralbern lassen und scheinbar einen Wandel (nicht mal zwangsweise weg von der Islamischen Republik!) wollen und das die Herrscher festgelegt haben: nö, das wollen wir aber nicht.

    Die Frage ist, wer hier wirklich die Fäden in der Hand hält. Kommt es vom obersten religiösen Führer oder fand da hinter den Kulissen möglicherweise ein Putsch statt und dieser ist auch nur noch eine Marionette?

    So oder so, eine "echte" Wahl war es so oder so nicht (alle Kandidaten waren ja Mitglieder des Systems), aber immerhin hatten die Leute die Möglichkeit jedes Spektrum zu wählen. Von Ultra-Konservativ bis Liberal war mit Mischformen alles dabei. Das hier möglicherweise aber nicht alles mit rechten Dingen zuging und das Regime gleichzeitig mit einem Schröderschen "Basta!" alle Bedenken wegwischte und jede Opposition niederknüppelte und verhaftete, werden die Leute aber sicherlich auch nicht vergessen und in 4 Jahren (sollte es dann wieder Wahlen geben) an diese Wahl zurückdenken. Motto: Eigentlich ist es eh egal wen wir wählen.

    Man wird sehen, wie sich das auswirkt, Chamenei hat sich bereits am Wahlabend an Ahmadinedschad gebunden (jeder Kompromiss wäre mit einem Gesichtsverlust verbunden gewesen so dass immer mehr auf Konfrontation/Eskalation gesetzt wurde) und der Wächterrat hat sich an Chamenei gebunden. Der Widerstand innerhalb des Systems ist nicht zu übersehen ("Siegesfeier" bei der nur 1/3 der Paralamentsabgeordneten erschienen, weiter verhärtete Fronten zwischen Hardlinern und Liberalen usw), mal schauen wohin das führt. Schlimmstenfalls endgültig in eine Diktatur.

    • Buker
    • 30.06.2009 um 15:04 Uhr

    Irans Jugend will endlich LEBEN!!!
    Sie wollen die gleichen Freiheiten, wie jede andere Jugend dieser Welt und vielleicht sogar noch ein bißchen mehr, denn sie fordern diese trotz aller Represalien und Gefahren auf der Straße ein.
    Ansonsten ist die "grüne Bewegung" so heterogen wie ihre Ziele. Frauenrechte, Meinungsfreiheit, faire und freie Wahlen, Chancen oder das Ende der politischen Isolation...

    Inwieweit die brutale Niederschlagung der Proteste auf eine gerechte Lösung hinausläuft müssen Sie mir wirklich nochmal erklären.
    Gestärkt geht das Regime höchstens hervor, weil die Angst das Land jetzt wieder für Jahrzehnte lähmen könnte. Am meisten ärgert mich aber, dass Sie versuchen das Unrecht im Iran mit dem Unrecht in anderen Staaten der Region zu relativieren!!! Nur weil es einem Krebspatienten noch schlechter geht tun mir meine gebrochenen Knochen nämlich nicht weniger weh!!

  2. "Was die Leute heute wollen ist nebuloes. Nehmen wir einmal an, dass die Wahlen im Wesentlichen nicht gefaelscht waren, was jedenfalls in den USA mit guten Argumenten von denen vertreten wird, die sich mit der Frage intensiver befasst haben"

    Ich kann mich nicht oft genug wiederholen: bitte LINKS/QUELLEN. Ansonsten ist das nur eine Tatsachenbehauptung, sonst nichts. Es gibt ein paar Statistiken (z.B. http://www.chathamhouse.o...), denen die offiziellen Wahlergebnisse zugrunde liegen und die daraus direkt gegensätzliche Schlüsse ziehen. Daher würden mich (ernsthaft jetzt) gegensätzliche Meinungen durchaus interessieren.

    "Bemerkenswert ist, dass die Gewalt der Staatsorgane abgenommen hat, dass mehr diskutiert wird. Der zufaellige Tod der ganz unbeteiligten, dem Geschehen nur zuschauenden Neda war wahrscheinlich die Wende."

    Da habe ich wohl was verpasst. Nach dem ersten Gewaltexzess am Wochenende direkt nach der Wahl trat eine Woche weitestgehend friedlicher Massenproteste ein, die mit dem Freitagsgebet des obersten geistlichen Führers endete und am darauffolgenden Samstag in einer Niederschlagung jeglicher Opposition mündete. An diesem besagten Samstag starb auch Neda. Dieser Tag war jedoch erst der Beginn des Niederknüppelns und -schießens. Wendepunkt ist sicherlich richtig, aber in die andere Richtung: Die Gewalt nahm in den darauffolgenden Tagen nicht ab, im Gegenteil der Druck vom Samstag wurde aufrechterhalten wenn nicht sogar noch verstärkt.

    Das es derzeit (fast 1,5 Wochen(!) später) ruhiger ist, ist richtig. Das hängt aber auch damit zusammen, dass bis etwa Ende letzter Woche jeden Tag alle Demonstrationen (bzw. Versuche welche durchzuführen) im Keim erstickt wurden und die Organisatoren weitestgehend verhaftet wurden oder untergetaucht sind. Die Milizen und Bereitsschaftspolizisten sind Augenzeugenberichten zufolge immer noch allgegenwärtig.

    Selbst der harte Kern der Demonstranten sucht sich irgendwann andere Formen des Widerstands oder resigniert, wenn Tag für Tag hart zugeschlagen wird. Vom "Normalbürger" ganz zu schweigen.

    Was jetzt im Iran stattfand, ist imho eher mit dem Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens zu vergleichen, wo es ja zunächst auch friedliche Proteste gab, die dann niedergeschlagen wurden.

    "Immerhin hat es diese Demonstrationen tatsaechlich gegeben. Das unterscheidet den Iran wohltuend von anderen Staaten in der Region."

    Es zeigt, dass diese Menschen sich nicht veralbern lassen und scheinbar einen Wandel (nicht mal zwangsweise weg von der Islamischen Republik!) wollen und das die Herrscher festgelegt haben: nö, das wollen wir aber nicht.

    Die Frage ist, wer hier wirklich die Fäden in der Hand hält. Kommt es vom obersten religiösen Führer oder fand da hinter den Kulissen möglicherweise ein Putsch statt und dieser ist auch nur noch eine Marionette?

    So oder so, eine "echte" Wahl war es so oder so nicht (alle Kandidaten waren ja Mitglieder des Systems), aber immerhin hatten die Leute die Möglichkeit jedes Spektrum zu wählen. Von Ultra-Konservativ bis Liberal war mit Mischformen alles dabei. Das hier möglicherweise aber nicht alles mit rechten Dingen zuging und das Regime gleichzeitig mit einem Schröderschen "Basta!" alle Bedenken wegwischte und jede Opposition niederknüppelte und verhaftete, werden die Leute aber sicherlich auch nicht vergessen und in 4 Jahren (sollte es dann wieder Wahlen geben) an diese Wahl zurückdenken. Motto: Eigentlich ist es eh egal wen wir wählen.

    Man wird sehen, wie sich das auswirkt, Chamenei hat sich bereits am Wahlabend an Ahmadinedschad gebunden (jeder Kompromiss wäre mit einem Gesichtsverlust verbunden gewesen so dass immer mehr auf Konfrontation/Eskalation gesetzt wurde) und der Wächterrat hat sich an Chamenei gebunden. Der Widerstand innerhalb des Systems ist nicht zu übersehen ("Siegesfeier" bei der nur 1/3 der Paralamentsabgeordneten erschienen, weiter verhärtete Fronten zwischen Hardlinern und Liberalen usw), mal schauen wohin das führt. Schlimmstenfalls endgültig in eine Diktatur.

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    Zu Ihrer Frage nach den behaupteten Indizien dafür, dass die Wahlergebnisse im Grossen und Ganzen stimmen könnten:
    Es gab auch im Iran vor der Wahl Umfragen, sogar fast 30.
    http://en.wikipedia.org/w...
    Fast alle dieser Umfragen werden aber als nicht aussagekräftig/nicht vertrauenswürdig/Wahlkampfpropaganda eingestuft, weil fast keine davon wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Sieht man sich die völlig unterschiedlichen Ergebnisse der diverse Umfragen an, sieht man schnell dass da etwas dran ist.
    Es ist z.B. wirklich auffällig, dass bei ganz vielen Umfragen bei denen "reported by Tabnak" steht Rezaee völlig unrealistisch hohe Umfragewerte hat. Tabnak ist eine iranische Nachrichten-Webseite die offenbar sehr eng mit Rezaee verbunden ist - in der englischen Wikipedia wird man bei "Tabnak" sogar direkt zum Artikel zu Mohsen Rezaee weitergeleitet.

    Es gibt aber eine Umfrage, die als einigermassen glaubwürdig gilt:
    "An independent poll, conducted by Terror Free Tomorrow: The Center for Public Opinion, a nonprofit institute that researches attitudes toward extremism, found that Ahmadinejad was leading by a margin of 2 to 1. 34% said they'd vote for Ahmadinejad, 14% favored Mousavi, 2% favored Karroubi, 1% favored Rezaee and 27% were undecided. The poll was taken from May 11 to May 20. The poll was carried out by a company whose work for ABC News and the BBC in the Middle East has received an Emmy award. Polling itself was funded by the Rockefeller Brothers Fund. Writing in the Washington Post, pollsters Ken Ballen and Patrick Doherty have used this to suggest that Ahmadinejad's apparent victory might reflect the will of the Iranian people."

    Wenn man nur die Leute zählt die sich tatsächlich entschieden haben, so kommt man auf eine Prognose die nicht weit vom offiziellen Endergebnis liegt. Nach dieser Prognose hätte Ahmadineschad sogar mehr und Mousavi weniger Stimmen als im offiziellen Endergebnis bekommen.

    Zu Ihrer Frage nach den behaupteten Indizien dafür, dass die Wahlergebnisse im Grossen und Ganzen stimmen könnten:
    Es gab auch im Iran vor der Wahl Umfragen, sogar fast 30.
    http://en.wikipedia.org/w...
    Fast alle dieser Umfragen werden aber als nicht aussagekräftig/nicht vertrauenswürdig/Wahlkampfpropaganda eingestuft, weil fast keine davon wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Sieht man sich die völlig unterschiedlichen Ergebnisse der diverse Umfragen an, sieht man schnell dass da etwas dran ist.
    Es ist z.B. wirklich auffällig, dass bei ganz vielen Umfragen bei denen "reported by Tabnak" steht Rezaee völlig unrealistisch hohe Umfragewerte hat. Tabnak ist eine iranische Nachrichten-Webseite die offenbar sehr eng mit Rezaee verbunden ist - in der englischen Wikipedia wird man bei "Tabnak" sogar direkt zum Artikel zu Mohsen Rezaee weitergeleitet.

    Es gibt aber eine Umfrage, die als einigermassen glaubwürdig gilt:
    "An independent poll, conducted by Terror Free Tomorrow: The Center for Public Opinion, a nonprofit institute that researches attitudes toward extremism, found that Ahmadinejad was leading by a margin of 2 to 1. 34% said they'd vote for Ahmadinejad, 14% favored Mousavi, 2% favored Karroubi, 1% favored Rezaee and 27% were undecided. The poll was taken from May 11 to May 20. The poll was carried out by a company whose work for ABC News and the BBC in the Middle East has received an Emmy award. Polling itself was funded by the Rockefeller Brothers Fund. Writing in the Washington Post, pollsters Ken Ballen and Patrick Doherty have used this to suggest that Ahmadinejad's apparent victory might reflect the will of the Iranian people."

    Wenn man nur die Leute zählt die sich tatsächlich entschieden haben, so kommt man auf eine Prognose die nicht weit vom offiziellen Endergebnis liegt. Nach dieser Prognose hätte Ahmadineschad sogar mehr und Mousavi weniger Stimmen als im offiziellen Endergebnis bekommen.

  3. Zu Ihrer Frage nach den behaupteten Indizien dafür, dass die Wahlergebnisse im Grossen und Ganzen stimmen könnten:
    Es gab auch im Iran vor der Wahl Umfragen, sogar fast 30.
    http://en.wikipedia.org/w...
    Fast alle dieser Umfragen werden aber als nicht aussagekräftig/nicht vertrauenswürdig/Wahlkampfpropaganda eingestuft, weil fast keine davon wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Sieht man sich die völlig unterschiedlichen Ergebnisse der diverse Umfragen an, sieht man schnell dass da etwas dran ist.
    Es ist z.B. wirklich auffällig, dass bei ganz vielen Umfragen bei denen "reported by Tabnak" steht Rezaee völlig unrealistisch hohe Umfragewerte hat. Tabnak ist eine iranische Nachrichten-Webseite die offenbar sehr eng mit Rezaee verbunden ist - in der englischen Wikipedia wird man bei "Tabnak" sogar direkt zum Artikel zu Mohsen Rezaee weitergeleitet.

    Es gibt aber eine Umfrage, die als einigermassen glaubwürdig gilt:
    "An independent poll, conducted by Terror Free Tomorrow: The Center for Public Opinion, a nonprofit institute that researches attitudes toward extremism, found that Ahmadinejad was leading by a margin of 2 to 1. 34% said they'd vote for Ahmadinejad, 14% favored Mousavi, 2% favored Karroubi, 1% favored Rezaee and 27% were undecided. The poll was taken from May 11 to May 20. The poll was carried out by a company whose work for ABC News and the BBC in the Middle East has received an Emmy award. Polling itself was funded by the Rockefeller Brothers Fund. Writing in the Washington Post, pollsters Ken Ballen and Patrick Doherty have used this to suggest that Ahmadinejad's apparent victory might reflect the will of the Iranian people."

    Wenn man nur die Leute zählt die sich tatsächlich entschieden haben, so kommt man auf eine Prognose die nicht weit vom offiziellen Endergebnis liegt. Nach dieser Prognose hätte Ahmadineschad sogar mehr und Mousavi weniger Stimmen als im offiziellen Endergebnis bekommen.

    Antwort auf "@k-fisch"
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    Vielen Dank dafür, ich werde da mal weiterlesen.

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