Protest in Iran Mussawis Anhänger verlangen nach der UN

Demonstranten sind in Teheran vor das UN-Gebäude gezogen. Ihren Protest gegen die umstrittene Präsidentenwahl widmet die Opposition den Opfern der vergangenen Tage

Anhänger des Oppositionsführers Mir Hussein Mussawi - ein von der staatlichen Nachrichtenagentur Fars verbreitetes Bild

Am sechsten Tag der Massenproteste gegen die Wertung der Präsidentschaftswahl sind Demonstranten vor das Gebäude der Vereinten Nationen in Teheran gezogen. Sympathisanten des unterlegenen Kandidaten Mir Hussein Mussawi hielten Transparente mit der Aufschrift "UN Wo seid ihr?" in die Höhe, schilderten Augenzeugen. Die meisten der Demonstranten trugen die Trauerfarbe schwarz.

Mussawi hatte seine Anhänger aufgerufen, den Donnerstag den Opfern der Protestbewegung zu widmen: Mit friedlichen Demonstrationen oder Besuchen in den Moscheen solle der bei den Protesten gegen die umstrittene Wahl getöteten Demonstranten gedacht werden, rief er auf seiner Internetseite auf. "Ich bitte die Menschen, ihre Solidarität mit den Familien zu zeigen [...], indem sie in die Moscheen kommen oder sich an friedlichen Demonstrationen beteiligen."

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Staatlichen Medien zufolge sind am Rande der Proteste gegen die Wiederwahl von Amtsinhaber Mahmud Ahmadineschad bisher sieben Menschen ums Leben gekommen. In Medienberichten war am Mittwoch von mehr als 100 Festgenommenen die Rede. Sicherheitsleute nahmen mit dem früheren Außenminister Ebrahim Jasdi ein weiteres Mitglied der Oppositionsbewegung fest, wie ein Anhänger von Jasdis Organisation Freiheitsbewegung schilderte.

Mussawi war in der Wahl vom Freitag laut offiziellen Angaben dem Amtsinhaber Mahmud Ahmadineschad unterlegen, der mit zwei Dritteln der Stimmen als Sieger aus der Wahl hervorging. Mussawis Anhänger sehen sich um den sicher geglaubten Wahlsieg betrogen und demonstrieren seither gegen die vermutete Wahlfälschung und für Neuwahlen. Der Wächterrat hatte eine teilweise Neuauszählung in Aussicht gestellt, eine Annullierung der Wahl aber abgelehnt.

Trotz des bestehenden Demonstrationsverbots versammelten sich auch am Mittwoch Anhänger Mussawis in der Innenstadt von Teheran. Augenzeugen schätzten die Zahl der Demonstranten auf mehr als 100.000. Sie protestierten gegen die von ihnen vermutete Fälschung der Präsidentenwahl vom Freitag und verlangen, die Abstimmung zu annullieren.

Kartenausschnitt Iran

Kartenausschnitt Iran

Wie viele kamen, lässt sich wegen des staatlichen Versammlungsverbotes nicht verlässlich sagen. Auch sind Medien zunehmend auf Amateurvideos und -fotos von Webportalen wie Twitter sowie Augenzeugenberichte angewiesen, weil das von der Regierung verhängte Arbeitsverbot für Journalisten am Ort des Geschehens mehr und mehr Wirkung zeigt.

Auch ZEIT ONLINE dokumentiert die Mitteilungen der iranischen Gegenöffentlichkeit. Oft bleibt den Foto- und Fernsehagenturen nur das Verbreiten vom Staat ausgehändigter Bilder und Informationen. Deren Echtheit und Plausibilität lasse sich nur aus der Erfahrung heraus beurteilen, sagte der Fernsehdirektor des BBC World Service, Peter Horrocks.

Der von Mussawis Anhängern angegriffene Präsident Ahmadineschad verteidigte das bekannt gegebene Wahlergebnis erneut in einer Kabinettssitzung. Die Wahl demonstriere die Unterstützung für seine Regierungsarbeit. "De facto war die Wahl eine Volksabstimmung über das islamische System", sagte er.

Die größte Protestwelle seit der Islamischen Revolution vor 30 Jahren hat neben Teheran längst auch andere Städte des Landes erfasst. BBC berichtete, auch in Schiras, Täbris und Maschad habe es Proteste gegeben. In einem offenen Brief verlangte Mussawi, alle bei den Demonstrationen der vergangenen Tage Inhaftierten freizulassen.

Leser-Kommentare
  1. ..."Oft bleibt den Foto- und Fernsehagenturen nur das Verbreiten vom Staat ausgehändigter Bilder und Informationen. Deren Echtheit und Plausibilität lasse sich nur aus der Erfahrung heraus beurteilen, sagte der Fernsehdirektor des BBC World Service, Peter Horrocks."

    Und bei Twitter und Youtube kann man alles für bare Münze nehmen ?

    Journalismus Quo Vadis ?

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    if u don't believe millions of videos. All faked, surely. Only a handful (some hundreds) of protesters (Peter Scholl Latour)...

    http://zeitgeistpolitics....

    if u don't believe millions of videos. All faked, surely. Only a handful (some hundreds) of protesters (Peter Scholl Latour)...

    http://zeitgeistpolitics....

    • Buker
    • 18.06.2009 um 10:15 Uhr
    2. ? ? ?

    Das hat doch gar niemand gesagt! Dass man in einem Land wie dem Iran den staatlichen Quellen aber auch nicht rückhaltlos glauben kann sollte irgenwie aber auch JEDEM klar sein.
    Da Journalisten in dem Land nicht frei arbeiten können bleibt der Presse wohl nicht viel anderes übrig, als auch auf Portale wie Youtube zurückzugreifen, wenn sie sich nicht zu einem Sprachrohr der iranischen Propaganda machen will!

    Solange die Quelle immer angegeben ist finde ich es auf jeden Fall gut, dass die deutsche Presse auch solche Informationen in ihre Berichterstattung einfließen läßt. Nur die jubelnden Ahmadineschad-Anhänger der staatlichen Nachrichtenagenturen zu zeigen entspräche halt nun mal einfach nicht der Wahrheit...!!!

  2. dem geschulten auge, fallen immer sofort kleinigkeiten auf:

    auf den neuesten demonstrationsfotos sieht man immer mehr frauen ohne kopfbedeckung
    http://www.spiegel.de/fot...

    im gegensatz zu den reinen männeransammlungen
    http://www.spiegel.de/fot...

    bei den demos geht es um viel viel mehr

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    • Uthred
    • 18.06.2009 um 11:21 Uhr

    Hier kann man sehen, wie Fotos von der pro Ahmadinejad Demo frisiert werden. Waren wohl nicht genug Anhänger vor Ort.
    http://kheirkhah.ir/media...

    • Uthred
    • 18.06.2009 um 11:21 Uhr

    Hier kann man sehen, wie Fotos von der pro Ahmadinejad Demo frisiert werden. Waren wohl nicht genug Anhänger vor Ort.
    http://kheirkhah.ir/media...

  3. Das ist ja fast wie ein "Cyberwar" Der Guardian hat einen Live-Chat
    in dem es möglich ist die Entwicklungen im Iran minutiös zu verfolgen.

    • Uthred
    • 18.06.2009 um 11:21 Uhr

    Hier kann man sehen, wie Fotos von der pro Ahmadinejad Demo frisiert werden. Waren wohl nicht genug Anhänger vor Ort.
    http://kheirkhah.ir/media...

  4. if u don't believe millions of videos. All faked, surely. Only a handful (some hundreds) of protesters (Peter Scholl Latour)...

    http://zeitgeistpolitics....

    Antwort auf "So, so..."
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    ...was ich glaube. Ich denke hier wird einfach von außen, speziell Deutschland, zuviel hineingeheimnisst und versucht Druck aufzubauen.

    Iran ist ein eigenständiges Land, von allen Staaten völkerrechtlich anerkannt, niemand gibt uns oder anderen Ländern das Recht uns in innenpolitische Angelegenheiten einzumischen.

    Wenn die Bürger im Iran eine neue Regierung wollen, und dies durchsetzen können, haben sie meinen Segen, wenn nicht ebenfalls.

    Was mich bedrückt, ist, daß Herr Steinmeier den iranischen Botschafter einbestellt, um sich in Angelegenheiten einzumengen, die uns nicht tangieren. Allenfalls könnte er das Embargo für deutsche Firmen aufheben, das wäre gut für uns und hilfreich für Iran.

    Den jemenitischen Botschafter einzubestellen, nachdem dort deutsche Bürger ermordet wurden, fällt ihm nicht ein.

    Was würde den Damen und Herren Kommentatoren hier einfallen, wenn die "Weltpresse" sich lautstark in unseren Wahlkampf oder unsere Atomstrategie einmischen würde, und etwa unsere Botschafter "einbestellt" würden um angemessenes Verhalten anzumahnen ?

    Mal ein wenig auf dem Teppich bleiben, denke ich.

    ...was ich glaube. Ich denke hier wird einfach von außen, speziell Deutschland, zuviel hineingeheimnisst und versucht Druck aufzubauen.

    Iran ist ein eigenständiges Land, von allen Staaten völkerrechtlich anerkannt, niemand gibt uns oder anderen Ländern das Recht uns in innenpolitische Angelegenheiten einzumischen.

    Wenn die Bürger im Iran eine neue Regierung wollen, und dies durchsetzen können, haben sie meinen Segen, wenn nicht ebenfalls.

    Was mich bedrückt, ist, daß Herr Steinmeier den iranischen Botschafter einbestellt, um sich in Angelegenheiten einzumengen, die uns nicht tangieren. Allenfalls könnte er das Embargo für deutsche Firmen aufheben, das wäre gut für uns und hilfreich für Iran.

    Den jemenitischen Botschafter einzubestellen, nachdem dort deutsche Bürger ermordet wurden, fällt ihm nicht ein.

    Was würde den Damen und Herren Kommentatoren hier einfallen, wenn die "Weltpresse" sich lautstark in unseren Wahlkampf oder unsere Atomstrategie einmischen würde, und etwa unsere Botschafter "einbestellt" würden um angemessenes Verhalten anzumahnen ?

    Mal ein wenig auf dem Teppich bleiben, denke ich.

  5. 7. die...

    ...resentiments gegenüber auf verschiedenen netzportalen veröffentlichten bilder und videos kann ich nicht nachvollziehen. würden versehanstalten nicht darauf bestehen immer mit monströsen kameras aufzufallen und stattdessen auf kleinere hdtv-modelle zurückgreifen, wäre eine "objektive berichterstattung" sicher möglich. das funktioniert aber wohl nur mit über lange zeit aufgebauten kontakten. gefährlich kann ich mir nicht vorstellen das das ist. denn eine verhaftung ausländischer journos würde zu internationalen protesten führen die die rauschebartträger sicher gerne vermeiden. was stabis (fotos) betrifft vertraue ich fest auf VII und Magnum (nachtwey ,abbas usw.), allerdings nicht darauf aufwendige bildstrecken in reportageform in deutschen tages-, wochenzeitungen und magazinen zu sehen. daneben will doch keiner werbefläche kaufen. na ja, vielleicht becks wegen der flaschenfarbe.

  6. ... daß in Teheran und anderswo tausndfach die Kopie eines "Briefes" vom Innenministerium an Khamenei verteilt wird, der die "echten" Abstimmungsergebnisse enthält:

    "Interior Ministry's letter to the Supreme Leader

    Salaam Aleikum.

    Regarding your concerns for the 10th presidential elections and due to your orders for Mr Ahmedinejad to be elected President, in this sensitive time, all matters have been organised in such a way that the results of the election will be in line with the revolution and the Islamic system. The following result will be declared to the people and all planning should be put in force to prevent any possible action from the opposition, and all party leaders and election candidates are under intense surveillance. Therefore, for your information only, I am telling you the actual results as follows:

    Mirhossein Mousavi: 19,075,623

    Mehdi Karroubi: 13,387,104

    Mahmoud Ahmadinejad: 5,698,417

    Mohsen Rezai: 38,716

    (signed on behalf of the minister)"

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