Online-Protest in Iran "Wir twittern auf jeden Fall weiter"
Die Regierung in Teheran droht allen Internet-Nutzern, die über die Proteste berichten. Die lassen sich aber nicht einschüchtern. Interview mit einem iranischen Twitterer

© AFP/Getty Images
Ein Jugendlicher mit einer grünen Armbinde, dem Symbol für den Oppositionskandidaten Mussawi, während des Wahlkampfs in einem Internetcafe. Inzwischen ist der Zugang zum Netz sehr eingeschränkt
Der Name des Twitterers und Bloggers aus der studentischen Widerstandsbewegung und auch die Adresse seines Twitterfeeds werden nicht veröffentlicht, um ihn nicht zu gefährden.
ZEIT ONLINE: Wie gefährlich ist es derzeit, aus Iran zu twittern?
C.M.: In den ersten Tagen hatte ich gar keine Angst. Es schien das normalste der Welt, online mitzuteilen, was geschieht, und ich habe mich sehr über das Echo und die vielen Retweets und Nachrichten gefreut. Mittlerweile habe ich weit über Tausend Follower, die meine Einträge verfolgen, mein Twittername wurde in amerikanischen Fernsehstationen genannt. Jetzt beginne ich zu fürchten, dass mir die Regierung schon auf den Fersen ist. Aber solange ihre Schergen nicht kommen, mache ich weiter.
ZEIT ONLINE: Die Regierung hat alle Blogger aufgefordert, „unruhestiftende Inhalte“ aus dem Netz zu nehmen, sonst würden sie strafrechtlich verfolgt. Schreckt Sie das nicht?
C.M.:Wir twittern auf jeden Fall weiter. Es gibt hier keinerlei Medien mehr, die unabhängig berichten: Das Signal des iranischen Programms von BBC wird gestört, andere ausländische Satellitenkanäle funktionieren auch nicht. Die inländischen Medien sind sämtlich zensiert. Das Handy-Netz funktioniert nur sehr selten, und die meisten Internetseiten sind gesperrt. Auch wenn es gefährlicher wird – ich sehe es als meine Aufgabe an, weiter zu berichten, was ich sehe, und verlässliche Nachrichten, Fotos und Videos zu verbreiten. Es gibt ja außer uns niemanden mehr, der die Welt darüber informieren kann, was hier wirklich geschieht. Und es gibt sehr viel Desinformation.
ZEIT ONLINE: Wie kommt es, dass es in Iran so eine aktive Blogger-Szene gibt und Twitter zum wichtigsten Medium wurde?
C.M.: Das Internet ist unter Iranern sehr beliebt. Wir haben eine sehr junge Bevölkerung, die ein großes Bedürfnis hat, mit der Welt draußen zu kommunizieren, jenseits aller staatlichen Kontrollen. Wir hängen also alle dauernd im Netz, suchen nach Nachrichten und nutzen Twitter, Facebook oder Friendfeed mehrmals pro Stunde. Es war nur natürlich, dass wir die beginnenden Proteste getwittert haben.
ZEIT ONLINE: Der Wächterrat hat angekündigt, die Stimmen teilweise neu auszuzählen. Reicht Ihnen das erst einmal?
C.M.:Auf keinen Fall. Eine Neuauszählung ist völlig unnütz, es zählen dieselben Leute, die für den Wahlbetrug verantwortlich sind. Das ist den Leuten nicht genug, die Proteste werden weitergehen.
ZEIT ONLINE: Kündigt sich in Iran eine neue Revolution an?
C.M.:Eine Revolution ist sehr unwahrscheinlich, weil die Repression zu stark ist. Wir haben hier zwei Armeen – die normale und die Pasdaran, die Revolutionswächter, die die Regierung schützen. Deren Milizen gehen unglaublich brutal vor. Manche von denen, die jetzt Leute auf der Straße umbringen, sollen nicht einmal Iraner sein.
ZEIT ONLINE: Ist Ihr Ziel, dass der Oppositionskandidat Mussawi doch noch zum Wahlsieger erklärt und Präsident wird? Oder geht es um mehr?
C.M.:Es geht uns nicht um Mussawi als Person. Wir wollen einen richtigen, großen Wandel. Wir hoffen, den obersten geistigen Führer Chamenei dazu bewegen zu können, eine demokratische Öffnung zu ermöglichen. Das müsste auch im Interesse der Führung liegen, denn sonst wird die Situation nur schlimmer. Das Regime zwingt uns, unter sehr strengen Regeln zu leben, das haben die Menschen satt. Wir wollen Kontakt mit vielen Menschen auch in anderen Ländern.
ZEIT ONLINE: Das gilt aber wohl vor allem für Ihre Studentengeneration
C.M.:Alle Iraner wollen mehr Offenheit. Für viele ist das aber gar nicht mehr möglich, besonders auf dem Land, wo die Menschen nicht englisch sprechen und keinen Internetzugang haben. Viele dort haben deshalb ein völlig verzerrtes Bild von der Außenwelt. Umgekehrt gilt das allerdings genauso: Das Bild, das die meisten in Europa und den USA bislang von uns Iranern hatten, ist völlig falsch. Sie glaubten, dass wir alle derselben Meinung sind wie Präsident Ahmadineschad. Die meisten jungen Menschen hassen ihn, und sie hassen auch Chamenei. So etwas darf man in der Öffentlichkeit aber natürlich nicht sagen, das wäre sehr gefährlich.
ZEIT ONLINE: Die Regierung verschärft nun die Sicherheitsmaßnahmen, es heißt sogar, dass Demonstranten exekutiert werden könnten. Wird das die Protestbewegung zum Erliegen bringen?
C.M.:Die Regierung hat die Zahl der Polizisten in allen Städten des Landes stark erhöht und weist die Menschen an, zu Hause zu bleiben. Selbst Mussawi hat seine Anhänger am Dienstag aufgerufen, nicht mehr auf die Straße zu gehen. Aber das hat nichts genützt: Es waren trotzdem Hunderttausende auf der Straße. Die Leute sind unglaublich wütend – wegen des Wahlbetrugs, aber vor allem auch wegen der Gewalt der letzten Tage. Sie haben unsere Freunde umgebracht, das kann man nicht einfach akzeptieren. Die Wut darüber ist unglaublich groß, die Leute haben wirklich genug. Die Proteste waren schließlich friedlich. Wir sammeln die Fotos und Videos der Gewalttaten und versuchen, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
ZEIT ONLINE: Was ist das Ziel der Protestbewegung unter den Studenten?
C.M.:Wir hoffen, dass Iran eine echte, demokratische Zukunft haben kann – mit einem fair gewählten Präsidenten und ohne Mullahs, die alles kontrollieren. Wir wollen mit der westlichen Welt befreundet sein. Derzeit sind die USA, Australien und die europäische Länder alle unsere Feinde, nur wegen dieser Regierung. Das muss aufhören. Ich hoffe auf einen freien Iran. Dafür lohnt es sich, weiter zu kämpfen.
C.M. ist ein 20-jähriger iranischer Student. Im nächsten Jahr will er in die USA, um dort sein Studium zu beenden. Er twittert seit Beginn der Protestbewegung über die Ereignisse in Iran.
Das Interview führte Corinna Milborn vom österreichischen Wirtschaftsmagazin Format telefonisch
- Datum 19.06.2009 - 11:35 Uhr
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http://www.mirhoseyn.ir/P...
Alleine auf der ersten Politik Seite sind 13 der 19 Artikel über Iran. Die Artikel werden wie auf dem Fließband erstellt, mit fragwürdigen quellen und ohne wirklichen Informationswert. Hat die Zeit aus dem Propaganda Desaster (bei dem die Zeit gerne mitgemacht hat) in dem Georgien Konflikt nix dazu gelernt?
es werden nur mit westlich orientierten Menschen Interviews geführt.Interviews mit dem Gegenlager würden weit mehr bringen und nicht immer das wiederholen,was uns auch immer einheimische "Experten" vorbeten.
die Anonymisierungsdienst, den die meisten verwenden, ist TOR. Ohne TOR oder ähnliche Dienste wäre ein Berichterstattung im Iran lebensgefährlich, auch so ist sie natürlich riskant.
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