Agrarwirtschaft Niemand braucht Klonfleisch

Gesundheitlich unbedenklich, aber ethisch nicht vertretbar? Die Debatte um geklonte Nutztiere ist eine über Produkte, die die Welt nicht braucht. Ein Kommentar

In den USA werden Zuchtbullen bereits geklont – das Fleisch ihrer Nachkommen gelangt in den Handel. Individuelle Unterschiede – wie zwischen diesen braunen und schwarz-weißen Kühen – gibt es dann nicht mehr

In den USA werden Zuchtbullen bereits geklont – das Fleisch ihrer Nachkommen gelangt in den Handel. Individuelle Unterschiede – wie zwischen diesen braunen und schwarz-weißen Kühen – gibt es dann nicht mehr

Die Debatte um Klonfleisch gehört in die Kategorie: Produkte, die die Welt nicht braucht. Die EU-Agrarminister wollen Milch und Fleisch von Nachkommen geklonter Tiere auf dem europäischen Markt zulassen, wenn die EU-Lebensmittelbehörde Efsa keine Bedenken hat.

Grundsätzlich sieht die Efsa keinen Unterschied zwischen konventionell erzeugtem Fleisch und Fleisch von Klon-Nachkommen. Von einer Verschärfung der Regeln zu sprechen, wie das die deutsche Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) tut, ist also ziemlich abwegig. Aber irgendwie muss sie ja auf den Protest des Europaparlaments, von Umweltschützern und sogar dem Bauernverband reagieren.

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Gesundheitliche Bedenken führt dabei niemand ins Feld. Aber ethisch geht das Klonfleisch den meisten gegen den Strich. Denn geklonte Tiere altern schneller und werden schneller krank. In den USA ist das umstrittene Fleisch bereits zum Verzehr zugelassen – und nicht als solches gekennzeichnet. Dort versprechen sich Züchter noch produktivere Tiere aus der Vervielfältigung besonders wertvoller Rinder oder Schweine.

Dabei verarmt der Genpool der Nutztiere weiter. Die meisten Hochleistungstiere, die uns derzeit mit Milch und Fleisch versorgen, stammen aus wenigen Zuchtlinien. Kein Wunder, dass engagierte Bauern versuchen, den Genpool durch die Zucht von Nutztierrassen, die vom Aussterben bedroht sind, wieder etwas zu vergrößern.

Doch mit den geklonten Zuchttieren wird die Schraube der intensiven Landwirtschaft noch weiter gedreht. Schon heute können Hochleistungskühe nicht mehr auf die Weide, weil sie auf ihre übergroßen Euter trampeln.

Dass das Fleisch der Nachkommen dieser Tiere sich nicht von dem Fleisch konventionell gezüchteter Nutztiere unterscheidet, dürfte die Verbraucher kaum besänftigen. Wie bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln fordern Verbraucherverbände und das Europaparlament auch hier zumindest eine Kennzeichnung.

Wird es gekennzeichnet, ist der nächste Handelskrieg mit den USA absehbar. Die Agrarminister wollen das offenbar vermeiden. Denn beim ältesten Handelskrieg ist gerade Abrüstung angesagt.

Der Streit um das Importverbot für Hormonfleisch aus den USA soll in den kommenden vier Jahren beigelegt werden. Seit Anfang der achtziger Jahre weigert sich die EU, Fleisch aus den USA zu akzeptieren, das von Tieren stammt, die mit Wachstumshormonen behandelt worden sind. Das war ziemlich teuer, weil die USA seit Jahren auf immer neue Produkte hohe Zölle verlangen dürfen, weil die Welthandelsorganisation (WTO) das Vorsorgeprinzip der EU nicht anerkennt.

Um diesen Zöllen auf Agrarprodukte zu entgehen, hat sich die EU nun entschlossen, den USA fast eine Verdopplung ihrer zollfreien Fleischimporte aus konventioneller Produktion zu erlauben. In dieser Situation wollen die Agrarminister offenbar kein Risiko eingehen. Fragt sich nur, ob die Protestwelle der Verbraucher nicht viel riskanter für sie ist.

 
Leser-Kommentare
  1. ...das geklonte Nachkommenfleisch ist als solches zu erkennen. Dann kauf ichs nicht. Es wäre skandalös wenn es nicht gekennzeichnet werden muss. Dann bleibt nur noch Biofleisch. Eigentlich auch gut.

    • peto1
    • 23.06.2009 um 12:43 Uhr

    Wiso nicht gleich die Toten wieder zum leben erwecken in dem man sie klont oder gefallene Soldaten oder am besten gleich lebende menchen klonen?
    Es wird schon seinen grund haben warum in der Natur keine klone gibt, weil es Nachteilig ist, alles künstlich erschaffene Beeinflusst die natur und keiner sollte behaubten man kann es kontrollieren, Die Industrie würde sogar Tote Menschen zu Fleich wurst verarbeiten und verkaufen wen es damit geld verdienen könnte, weil sie keinen Moral kennt das ist kein Fortschritt das ist Rückschritt.

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    als ich das las, war ich ja eine Sekunde lang von den Socken, aber dann dachte ich "Ja, das wäre einer Industrie zuzutrauen, deren Abnehmer alles essen, was möglichst wenig kostet. Und so können dann die ALtenheime auch gleich zu Schlachthöfen umfunktioniert werden. "

    Soilent Green lässt grüßen und zeigt, dass die Zukunft noch nie so nah war!

    "Wiso nicht gleich die Toten wieder zum leben erwecken in dem man sie klont"

    Wie Sie das machen wollen, interessiert mich sehr. Nehmen wir an, Sie verstürben im Alter von 80 Jahren. Daraufhin produzieren wir einen Klon von Ihnen. Das wäre so, als ob Ihr Zwillingsbruder 80 Jahre und 9 Monate später geboren werden würde. "wieder zum leben erwecken", was für ein Unsinn...

    "Es wird schon seinen grund haben warum in der Natur keine klone gibt"

    Das ist falsch. Stichwort Parthenogenese

    als ich das las, war ich ja eine Sekunde lang von den Socken, aber dann dachte ich "Ja, das wäre einer Industrie zuzutrauen, deren Abnehmer alles essen, was möglichst wenig kostet. Und so können dann die ALtenheime auch gleich zu Schlachthöfen umfunktioniert werden. "

    Soilent Green lässt grüßen und zeigt, dass die Zukunft noch nie so nah war!

    "Wiso nicht gleich die Toten wieder zum leben erwecken in dem man sie klont"

    Wie Sie das machen wollen, interessiert mich sehr. Nehmen wir an, Sie verstürben im Alter von 80 Jahren. Daraufhin produzieren wir einen Klon von Ihnen. Das wäre so, als ob Ihr Zwillingsbruder 80 Jahre und 9 Monate später geboren werden würde. "wieder zum leben erwecken", was für ein Unsinn...

    "Es wird schon seinen grund haben warum in der Natur keine klone gibt"

    Das ist falsch. Stichwort Parthenogenese

  2. Auch ideale Arbeitnehmer kann man sich bald zusammenklonen. Die können sich dann von Klonfleisch ernähren.

    Dahinter stecken vor allem Handelsinteressen.

    rheinelbe

  3. als ich das las, war ich ja eine Sekunde lang von den Socken, aber dann dachte ich "Ja, das wäre einer Industrie zuzutrauen, deren Abnehmer alles essen, was möglichst wenig kostet. Und so können dann die ALtenheime auch gleich zu Schlachthöfen umfunktioniert werden. "

    Soilent Green lässt grüßen und zeigt, dass die Zukunft noch nie so nah war!

  4. es geht nicht um den verkauf von geklonten tieren (bei einem stueckpreis von etwa 30.000$ bekaeme man die wohl kaum los), sondern um die nachkommen von geklonten tieren. geklont werden also zuchttiere (meist maennliche tiere), die dann zur besamung eingesetzt werden. wo hier irgendein gesundheitliches risiko sein soll bleibt mir unklar. es handelt sich nicht um genmanipulierte tiere. der vergleich mit dem sogenannten gen-food waere also nicht statthaft.

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    Es hat schon einen Grund warum sich Säugetiere nicht durch ungeschlechtlich fortpflanzen. Beim der geschlechtlichen Fortpflanzung mischen sich die Gene der Elterntiere, kein Jungtier hat die exakt selben Gene wie die Eltern. Die genetische Vielfalt nimmt beim klonen ab. Was wenn es in Zukunft Krankheiten gibt denen die heute geklonten Tiere nichts entgegenzusetzen haben?

    Es hat schon einen Grund warum sich Säugetiere nicht durch ungeschlechtlich fortpflanzen. Beim der geschlechtlichen Fortpflanzung mischen sich die Gene der Elterntiere, kein Jungtier hat die exakt selben Gene wie die Eltern. Die genetische Vielfalt nimmt beim klonen ab. Was wenn es in Zukunft Krankheiten gibt denen die heute geklonten Tiere nichts entgegenzusetzen haben?

    • Manu84
    • 23.06.2009 um 13:59 Uhr

    Würde gerne mal einen längeren und aufschlussreicheren Artikel über diese Klongeschichte lesen...Hintergründe! wie quotetheraven schon gesagt hat, das Schlachten von geklonten Tieren ist wohl nicht das Problem...

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    -

    Redaktion

    Liebe Leser,

    zu den Hintergründen über Tierklone, die für die Zucht eingesetzt werden lesen Sie in diesem Interview mehr. Ansonsten verweise ich auf den bereits oben verlinkten Artikel zum Thema Tierklone und das diese mittlerweile keine Besonderheit mehr sind.

    Grüße aus der Redaktion,

    Sven Stockrahm

    Volontär Wissen, ZEIT ONLINE

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    Redaktion

    Liebe Leser,

    zu den Hintergründen über Tierklone, die für die Zucht eingesetzt werden lesen Sie in diesem Interview mehr. Ansonsten verweise ich auf den bereits oben verlinkten Artikel zum Thema Tierklone und das diese mittlerweile keine Besonderheit mehr sind.

    Grüße aus der Redaktion,

    Sven Stockrahm

    Volontär Wissen, ZEIT ONLINE

  5. Aber ethisch geht das Klonfleisch den meisten gegen den Strich. Denn geklonte Tiere altern schneller und werden schneller krank

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass mehr Krankheiten bei den Tieren keine Gesundheitsrisiken bei den Konsumenten zur Folge haben. Es dürften dadurch auf jeden Fall vermehrt Arztneimittelrückstände im Fleisch bleiben.
    Davon abgesehen, ich es denke, dass die Regierung selbstverständlich auch aus rein ethischen Gründen Nahrungsmittel verbieten kann (wie beispielsweise im „Gesetz über das Schlachten von Tieren“ vom 21. April 1933).

  6. Der Geist ist aus der Flasche heraus. Es wäre wunderschön käme er wieder hinein.

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