Iran-Symbol Neda Lasst der Sterbenden ihre WürdeSeite 2/2
Doch mit der ständigen Wiederholung entleert sich das Ikonografische des Videos. Zwar wirken Bilder wie diese eindringlich und liefern uns einen Authentizitätsbeweis. Sie beanspruchen "komplexe Phänomene zu verdichten und Geschichte stellvertretend wiederzugeben", wie die Historikerin Cornelia Brink schreibt.
Doch aus der fotografischen, videotechnischen Konfrontation mit dem Grauen entsteht nicht notwendigerweise Reflexion. Denn was fesselt uns an der sterbenden Neda? Das Sterben. Es berührt uns existenziell. Aber es sagt nichts über den Kampf der Oppositionellen, über einen Widerstand zwischen Revolution und Zusammenbruch aus.
So verlieren ausgerechnet die Bilder des Entsetzlichen ihre Kraft, weil sie keinen Raum mehr lassen für das Nichtgesagte, weil sie uns daran hindern, uns an unseren inneren Bildern abzuarbeiten, die uns die Dimension des Grauens erst erkennen lassen und zur Erkenntnis führen: Das darf niemals geschehen.
Wer so denkt, scheut nicht davor zurück, die Welt wahrzunehmen, wie sie ist, in all ihrer Brutalität. Aber was wir sehen, ist eben kein lebloser Körper, kein entstellter Leichnam. Hier geschieht keine politische Tat, sondern hier stirbt ein Mensch, dessen Würde wir zu achten haben.
Es ist gut, dass wir von Neda wissen. Sie ist das Opfer eines brutalen Regimes, einer menschenverachtenden Politik, die es zu bekämpfen gilt. Doch wer dafür eintritt, muss das Video ihres Sterbens nicht ansehen.
Ist es richtig, die Bilder der sterbenden Neda Soltani zu zeigen? Diskutieren Sie mit!
- Datum 24.06.2009 - 13:39 Uhr
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