Proteste in Iran "Ich bin Neda"
Tod in Teheran: Bilder aus dem Netz attackieren die Diktatur – und bedrängen die klassischen Medien

© Mark Ralston/AFP/Getty Images
Das Bild der ermordeten Neda ist mittlerweile auf vielen Plakaten der Demonstranten zu sehen – auch in den USA
Es war der Sonnabend, der Tag nach der Predigt von Ajatollah Chamenei, die keine Hoffnung ließ. Nur 3000 Demonstranten noch. Nicht Hunderttausende, Millionen wie noch in den Tagen zuvor, die Einschüchterungspolitik schien erfolgreich. Und doch, auf Youtube und Facebook, den verbliebenen frei zugänglichen Bilderquellen, wurden weiter im Minutenabstand Videos hochgeladen. Bilder von durch die Straßen jagenden, gejagten Menschen, die sich hinter Mauern in Privathöfe flüchten, deren Türen sich auftun und wieder zu schließen suchen, Bilder von nachdrängenden Milizionären, Prügelbilder, aufgenommen von Häuserbalkonen.
Undeutliche, verpixelte, verruckelte, verwackelte Realzeitminuten von eskalierender, partikularer Gewalt, festgehalten für jeden Erdenbewohner mit Internetanschluss, nur vier Klicks und ein Suchwort nah. Und dann der Schock. "Iranian girl is dying by shot in lung." Zu sehen: eine zusammengebrochene junge Frau in schwarzem Pulli und Jeans, um die sich eilig Menschen in Zivil bemühen, und nach Sekunden nur brechen ihr die Augen, schauen starr und wie unmittelbar in die Kamera. Kurz darauf, während Umstehende rufen und immer mehr Blut über ihr Gesicht strömt, wird das Bildzentrum des auf Youtube verbreiteten Kürzestfilms mit feinem Grauraster und dem Hinweis "extremely violent“ verdeckt. Ein Akt der Pietät, aber der Schrecken sitzt. Sofort und tief.
Sterben live: Im Internet ist der erschütternde Tod einer Frau auf offener Straße zu sehen, offenkundig eine Szene aus dem aufgewühlten Setting dieser Teheraner Tage, aber Fernsehen und Zeitungen verbreiten diese ungeheuer symbolhaltigen Szenen während des gesamten Wochenendes nicht. Mit aller Moral des seriösen Journalismus wehren sich die klassischen Medien gegen die Macht dieser Bilder – und stecken in einem beispiellosen Dilemma. Zwar ist das Internet angesichts der vielfältigen Berichterstattungshemmnisse durch die iranischen Behörden das einzig verbleibende freie und zudem unablässig Material liefernde Medium; als sichere Quelle aber eignet es sich nur beschränkt, weil die Herkunft seiner Bilder oft nicht überprüft werden kann. Andererseits: Wer etwa könnte so perfide sein, aus welch freiheitsdurstigen Motiven auch immer in diesen Tagen mit einem trickreich inszenierten Video den Widerstandsgeist anzustacheln – einem Video, in dem eine Frau ihr Sterben bloß spielt?
Genau so sieht es das staatliche iranische Fernsehen in Teheran. Am Dienstagmittag berichtete der Sender Khabar, das Video über den Tod der 19-jährigen Neda sei gefälscht. Es sei offensichtlich, dass diejenigen, die die Aufnahmen machten, auf etwas gewartet hätten und das Ganze dann aus mehreren Winkeln gefilmt hätten, hieß es. Zudem wurde in dem Beitrag die Identität eines Mannes angezweifelt, der sich später gegenüber US-Medien als Verlobter Nedas ausgegeben hatte. Weitere Beweise für den Fälschungsvorwurf lieferte der Sender nicht.
Auch in Medienberichten im Ausland war immer darauf hingewiesen worden, dass es keinen Beweis für die Echtheit des Videos gebe. Doch vertreten Experten die Meinung, es sei authentisch. Am Montagmorgen sendete dpa – noch mit Hinweis auf die unsichere Internet-Quellenlage – Screenshots des Videos (unser Foto). Und Hadi Ghaemi von der Internationalen Kampagne für Menschenrechte im Iran sagt gegenüber dem Tagesspiegel, es gebe mehrere Zeugen, die den Vorfall bestätigen. Neda Soltani heißt die 27-jährige Philosophiestudentin, die am Sonnabend kurz nach 19 Uhr durch die Kugel eines Scharfschützen der Basij-Milizen auf dem Teheraner Karekar-Boulevard binnen weniger Minuten starb. Ein Arzt, der sie mit Herzmassage vergeblich zu retten suchte, leitete den von einem Freund aufgenommenen 37-Sekunden-Film an eine Familie in Holland mit den Worten weiter: "Bitte lasst es die Welt wissen." Der weißhaarige Mann, der auf dem Video "Hab keine Angst, Neda! Bleib bei mir, Neda, bleib bei mir!" ruft, ist ihr Vater.
Kein finsteres Straßentheater also, kein anderweitiges found footage, kein Arrangement: Mit ungeheurer Wucht fegen in diesen Tagen die nutzergesteuerten Medien Youtube, Twitter und Facebook die guten, alten Nachrichtenkanäle beiseite, die prinzipiell in strittigen Fällen am liebsten doppelt abgesichertes Wissen in Umlauf bringen. Schon ist Neda, der Vorname heißt auf Persisch „Stimme“, eine Ikone des Aufstands. Fernab abendländischer Recherche-Skrupel wirkte die Authentizität des Videos in Iran unmittelbar. "Neda, die Welt weint, als sie deine letzten Atemzüge sah", heißt es seit dem Wochenende überall auf Twitter. Tausende, die dort ihr Profil angelegt haben, haben ihr Foto unter dem Motto "Ich bin Neda" durch das der Toten ersetzt. Während der Hoffnungsträger Mussawi den Weg des Märtyrers nicht mehr ausschließt, hat die neue iranische Revolution ihre erste Märtyrerin – und rührt mit dem Begriff an fundamentale schiitische Überlieferung.
Ob die Volkserhebung der Iraner gegen den Wahlbetrug vom 12. Juni eine blutig niedergeschlagene Revolte bleibt, ist derzeit noch die unklare, jedes Freiheitsbewusstsein aufrührende Frage. Dass sie eine Medienrevolution bedeutet, ist dagegen gewiss. Während der professionelle Journalismus von der Straße gedrängt wird und sich mit Deutungsposen im Studio oder vor symbolisch grünem Buschwerk begnügen muss, füllt die ausschließlich nutzergesteuerte Nachricht die Lücke – und triumphiert wie nie zuvor. Community schlägt Hierarchie. Kommunikation ist Information. Fortan gilt: Diktaturen, die die freie Berichterstattung fürchten und durch Anwendung von Gewalt zu zerstören suchen, machen sich mit ihren Text- und Bilderverboten nur noch lächerlich. Und der Begriff "Nachrichtensperre" gehört ins Lexikon der toten Wörter.
- Datum 24.06.2009 - 08:19 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Einen Satz wie den folgenden: "Hinzu kommt: Das klassische Glaubwürdigkeitsproblem, das die massenhaft anonym ins Netz gestellten Wirklichkeitspixel in Sachen Quellenlage haben, machen sie durch ihre unmittelbare ästhetische Plausibilität mehr als wett. " über die Bilder des Sterbens einer jungen Frau zu schreiben, erscheint mir - gelinde gesagt - pervers.
So sehen Artikel aus, wenn es politisch nicht passt. Da gerät man schnell in Ja-Nein- Mitleid-Krise und widmet seine Humanität lieber keinen Hunden.
Das Leid der anderen
Wenn es passt dann mal so und wenn nicht dann sind das bloß die Anderen.
Ich trauere um Neda genau so wie um die mit Phosphor-Bomben ermordete Kinder in Gaza. Ich mache keinen Unterschied und philosophiere nicht, wenn es um das Leid von Menschen geht. Ich missbrauche ihr Leid nicht für politische Zwecke, wo anderswo das Leid von Zivilisten als kollaterale Schaden bezeichnet werden, oder die politische Haltung gegen Menschenrechte und Freiheit faulen Einwenden gerechtfertigt wird.
Ich schäme mich sehr für solche Menschen, die alles aber wirklich alles missbrauchen, für eigne Interessen.
PS. vorgestern glaube ich hat die US-Arme zugegeben, 26 Zivilisten in Afghanistan irrtümlicherweise ermordet zu haben. Werden wir Bilder von diesen Menschen und den anderen ermordeten vor ihnen in den humanen Medien je sehen können?
Stellen wir uns kurz das Netz als "nicht rechtsfreier Raum" nach amtlichen deutschen Vorstellungen vor: Das fragliche Video wäre als "jugendgefährdend" verboten, Youtube würde entsprechend in die geheimpolizeiliche Zensurliste aufgenommen -- im Grunde genau das, was man in Iran versucht.
Ein Grund mehr, entschlossen CDU/CSU und SPD zu bekämpfen, damit nach der Bundestagswahl die unselige "große Koalition" keine Mehrheit mehr hat!
dieser artikel war längst überfällig und spricht mir aus der seele.
es ist eine beunruhigende diskrepanz zwischen den berichterstattungen der alten schule und portalen wie youtube entstanden.
ich weiss einen gewissen journalistenethos durchaus zu schätzen, der in etwa besagt:
"videos aus youtube o.ä. sind nicht von überprüfbaren quellen, und somit zuerst einmal nur behauptungen."
jedoch macht sich langsam aber sicher die alte riege der fernseh- und printmedien total lächerlich in ihrer zurückhaltung und ihrem gekränkten stolz, die kontrolle über die information verloren zu haben. ständig werden fast neurotisch floskeln in die artikel gestreut, wie " es kann die Authentizität des Films nicht überprüft werden."
Ich kann das nicht mehr hören. wenn man einen hauch von schauspielerei und inszenierung versteht, dann weiß man, dass die eingefangenen situationen in ihrer masse niemals gestellt werden können und wollen, in ihrer gesamtheit durchaus ein authentisches bild ergeben, dass dem alten journalismus haushoch überlegen ist.
ob man es gut findet oder nicht, die stunde der neuen internetkommunikation hat schon längst geschlagen.
als iraner bin ich traurigerweise inzwischen auf twitter und youtube angewiesen, da das fernsehen und die printmedien überhaupt nicht mehr mitkommen.
ich hoffe, dass der etablierte journalismus nicht vollends den zug abfahren lässt und endlich lernt, mit den neuen kommunikationsformen wie youtube und konsorten besser umzugehen, ich hoffe, dass er seinen widerwillen ablegt und die pflicht erkennt, die neue masse an material weitaus lückenloser auszuwerten, zu kommentieren UND AUCH ZU VERWENDEN, um wie im irankonflikt einen ersatz für schweigende nachrichtenagenturen zu haben.
sonst schauen die leute bald nur noch ungefiltert in youtube und co nach neuigkeiten.
für diese krise gibt es von mir höchstens eine note 5 für die alte riege, es muss viel nachgeholt werden, damit es schneller und besser wird – damit beim nächsten konflikt dieses trauerspiel nicht so weiter geht.
@2: Anzumerken ist: Spiegel Online ignorierte das Thema fast 24h lang. Erst am Sonntag abend begann man dann darüber zu berichten und es förmlich auszuschlachten.
Da traute man sich wohl erst nicht, oder hat es schlicht verschlafen, was mich bei der Berichterstattung am Samtag (2-3 Aktualisierungen den ganzen Tag über - fail!) nicht wundern würde. Als dann CNN das Video (erst mit örtlicher unschärfe, dann unzensiert) brachte, dachte man sich dann wohl "na gut, das können wir auch".
Übrigens: das Video (komplett) verpixelt/mit Unschärfe und womöglich noch ohne Ton (Motto: versteht ja sowieso keiner) zu zeigen, ist in meinen Augen wesentlich sensationsheischender als die unzensierte Version. Ersteres schielt auf Klickzahlen/Auflage/Einschaltquoten, der geneigte Zuschauer wird aber in der Regel nicht mehr als ein wolliges Schaudern empfinden und sich dann dem nächsten Artikel widmen. Erst die unzensierte Version erzeugt die Betroffenheit die meiner Meinung nach angemessen ist. Ich habe es im Bekanntenkreis erlebt. "kenn ich schon, hab ich im Fernsehen gesehen" (unscharf). Danach war diejenige wirklich fassungslos und hatte Tränen in den Augen. Ja richtig, das ist kein Hollywood. Da sterben wirklich Menschen und hinter "Teheran: 12 Tote - und nun zu den Lottozahlen" stecken solche Gesichter und das realisieren viele dann erst.
Was ich ansonsten interessant finde, das die Verschwörungstheoretiker hier wieder westliche Meinungsmache suchen und gleichzeitig die Medien die Teilnehmerzahlen immer weit unter den Netzberichten ansiedeln, ohne aber selbst verlässliche Quellen zu haben. Netzangaben zufolge waren es deutlich mehr als 3000 Leute (unverifiziert), der Haken war dabei nur, dass diese 3000 wohl bei der Sammelstelle waren, aber niemand mehr zum Kundgebungsplatz konnten, da die Bereitsschaftspolizei und die Milizen alles abgeriegelt hatte (bestätigt).
Zum Thema: "Mit ungeheurer Wucht fegen in diesen Tagen die nutzergesteuerten Medien Youtube, Twitter und Facebook die guten, alten Nachrichtenkanäle beiseite, die prinzipiell in strittigen Fällen am liebsten doppelt abgesichertes Wissen in Umlauf bringen." braucht es wohl keinen weiteren Kommentares. Die ZEIT ist hier eine der letzten verbliebenen Bastionen, die etwas mehr Recherche betreibt statt ungeprüft Inhalte zu übernehmen. Das ist ja das Problem der "klassischen Medien", die sich so gern als "professionelle Journalisten" sehen. In vielen Fällen sind sie nur noch Recycler von Agenturmeldungen, die klassischen Aufgaben des Journalismus werden idR nur noch in den Kommentaren wahrgenommen. Das ist mir (und vielen anderen) einfach zu wenig.
Haben wir doch alle gemerkt? Doch Masshalten ist eben höchste Tugend, also Kunst.
Ich denke, der kurze Clip hat das Potential, zum nachhaltigen Sinnbild für den mutigen Widerstand des iranischen Volkes und die Brutalität des Regimes zu werden. Das ist das eigentlich entscheidende daran. Man erinnere sich nur an die vielen Bildsymbole des letzten Jahrhunderts, die das Bewusstsein ganzer Generationen verändert haben. Und zu fast keinem dieser Bilder existiert nicht auch die entsprechende "Verschwörungshypothese": Alles gestellt, aus dem Kontext gerissen, falsche Angaben zu den Umständen.
Wichtig ist nicht die lückenlose Beweisbarkeit der Authentizität des Bildmaterials, sondern der Umstand, dass solche Informationen überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen können. Das hätten die "seriösen" Medien ihrer Berichterstattung voranstellen müssen und nicht der entschuldigend-verzagte Hinweis, man wüsste nicht genau ... Denn verwendet haben sie das Material ja doch. Selbst in der Tagesschau gestern abend wurde der Clip gezeigt.
Insofern hat Jan Schulz-Ojalas Artikel den Punkt, um den es bei dieser Berichterstattung "von unten" geht, sehr genau beschrieben.
... der Artikel ist leider nicht auf der Höhe vernünftiger Medienkritik.
Wer am Samstag die Vorgänge verfolgt hat, weiß, dass der Zeugenbericht des namenlosen Arztes die ersten Videopostings begleitet hat.
Hadi Ghaemi hat anscheinend auch nur diese Berichte wiederholt.
Es gibt mehrere Versionen, einmal ist sie mit Professor und Kommilitonen unterwegs, einmal mit ihrem Vater (scheint mir einleuchtender - es gibt ein Video vom selben Tag, in dem sie sehr dicht neben dem Mann im Ringelshirt steht, der sie später auffängt). In einer Version ist sie 27, in einer anderen erst 16. Der Familienname schwankt zwischen Soltani und Agha-Soltan.
Hauptsache aber: das verbreitete Passfoto ist offenbar falsch. Es stammt aus Facebook, und auf Nachfrage hat sich die Inhaberin des Profils gemeldet: Ja, sie trage den gleichen Namen wie das Opfer, aber sie sei am Leben.
Quelle: http://www.memoirevive.tv...
Das zeigt sehr gut sowohl Stärken als auch Schwächen des Netzjournalismus. Schnelligkeit, auch in Falschmeldungen, Unsicherheit, und wiederum die Fähigkeit zur Korrektur.
Wenn man freilich meint, die Welt wisse es genauer, weil es der Boulevard gedruckt hat - nun denn, nächste Folge nach der Werbung.
Genau das finde ich ja auch - und das schlimme ist. Dieser Artikel hier ist noch vergleichsweise positiv den neuen Medienwegen gegenüber.
Perfekt wäre doch eine Ergänzung: die Geschichte hinter verschiedenen Geschehnissen auszugraben, zu recherchieren und journalistische Arbeit zu leisten.
Stattdessen liest man immer nur die Fakten die man mit 1min Google auch selbst findet und eh überall (im gleichen Tonfall) zu lesen ist. Das braucht kein Mensch mehr, vielleicht kommt das irgendwann bei den Medienhäusern auch mal an.
Natürlich stecken die klassischen Medien in einem Dilemma (siehe Kommentar #11), nur ist das zum Teil auch selbstverschuldet: Sie wurden und werden nicht müde die Qualität der "neuen Medien" (Bloggs, Twitter & Co.) herunterzureden und -schreiben und sich als den professionellen Qualitätsjournalismus zu preisen, der knallhart recherchiert und nicht so ein dahingeschluderter Billigdreck ist. Ironischerweise ist das vor allem bei den Onlineablegern etablierter Medienprodukten genauso. Da werden ungeprüft Meldungen von Nachrichtenagenturen durchgereicht (ich erinner an den G8-Gipfel), gibt es Tippfehler usw., werden seitenlange Bildstrecken (zum Aufpolieren der W...vorlage IVW-Statistik) mit frei erfundenen Unterschriften "betextet" und in scheinbare Zusammenhänge gebracht (siehe SpOn-Bildstrecke zum Iran am Wochenende) usw.
Ok, ist kostenlos, da darf man vielleicht nicht viel erwarten. Nur a) färbt das "Billig-Image" auch auf den Printableger ab (geht mir zumindest beim Spiegel so) und b) sollte man dann nicht wie wild mit dem Finger auf andere zeigen. Glashause, Steine und so.
Was den Iran angeht meide ich die deutschen Medien mittlerweile großteils. Auch wenn der Twitter-Liveblog der Zeit nicht sooo oft aktualisiert wird wie z.b. der beim Guardian (mit Blogs will ich es gar nicht vergleichen, das wäre unfair) - super Sache, wollte ich noch mal loswerden!
Was ich klasse fände, wäre kostenpflichtiger, aber bezahlbarer (zumindest die reinen Produktionskosten sind ja auch weitaus geringer), Online-Qualitätsjournalismus.
Genau das finde ich ja auch - und das schlimme ist. Dieser Artikel hier ist noch vergleichsweise positiv den neuen Medienwegen gegenüber.
Perfekt wäre doch eine Ergänzung: die Geschichte hinter verschiedenen Geschehnissen auszugraben, zu recherchieren und journalistische Arbeit zu leisten.
Stattdessen liest man immer nur die Fakten die man mit 1min Google auch selbst findet und eh überall (im gleichen Tonfall) zu lesen ist. Das braucht kein Mensch mehr, vielleicht kommt das irgendwann bei den Medienhäusern auch mal an.
Natürlich stecken die klassischen Medien in einem Dilemma (siehe Kommentar #11), nur ist das zum Teil auch selbstverschuldet: Sie wurden und werden nicht müde die Qualität der "neuen Medien" (Bloggs, Twitter & Co.) herunterzureden und -schreiben und sich als den professionellen Qualitätsjournalismus zu preisen, der knallhart recherchiert und nicht so ein dahingeschluderter Billigdreck ist. Ironischerweise ist das vor allem bei den Onlineablegern etablierter Medienprodukten genauso. Da werden ungeprüft Meldungen von Nachrichtenagenturen durchgereicht (ich erinner an den G8-Gipfel), gibt es Tippfehler usw., werden seitenlange Bildstrecken (zum Aufpolieren der W...vorlage IVW-Statistik) mit frei erfundenen Unterschriften "betextet" und in scheinbare Zusammenhänge gebracht (siehe SpOn-Bildstrecke zum Iran am Wochenende) usw.
Ok, ist kostenlos, da darf man vielleicht nicht viel erwarten. Nur a) färbt das "Billig-Image" auch auf den Printableger ab (geht mir zumindest beim Spiegel so) und b) sollte man dann nicht wie wild mit dem Finger auf andere zeigen. Glashause, Steine und so.
Was den Iran angeht meide ich die deutschen Medien mittlerweile großteils. Auch wenn der Twitter-Liveblog der Zeit nicht sooo oft aktualisiert wird wie z.b. der beim Guardian (mit Blogs will ich es gar nicht vergleichen, das wäre unfair) - super Sache, wollte ich noch mal loswerden!
Was ich klasse fände, wäre kostenpflichtiger, aber bezahlbarer (zumindest die reinen Produktionskosten sind ja auch weitaus geringer), Online-Qualitätsjournalismus.
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