Sex-Gewerbe Die Krise erreicht die BordelleSeite 3/3
Viele Südosteuropäerinnen arbeiten mit einem Zuhälter, der über sie verfügt. Die Frauen müssen ihm einen Teil ihrer Einnahmen geben. Dafür holt er von zahlungsunwilligen Kunden das Geld und vertreibt Huren konkurrierender Zuhälter.
Auf den meisten Straßenstrichs sind die Stehplätze der Frauen, also die Zuhälterreviere, genau abgesteckt. Die Wirtschaftskrise führe zu einer "verstärkten Konkurrenzsituation", sagt die Polizei.
Jessica, 29 Jahre alt, hat keinen Zuhälter. An einem Montag steht sie an der Kurfürstenstraße. Sie sieht mitgenommen aus, das Zahnfleisch hat sich zurückgezogen, der weiße Fingernagellack ist abgeblättert, ihre aschblonden Haare fallen immer wieder vor ihre hellen, müden Augen.
Gerade hat Jessica einen Mann angesprochen, läuft neben ihm her, verlangt 50 Euro. Der Brillenträger, Ende 30, sagt: "Ich überleg’s mir." Jessica lässt ihn ziehen, bleibt stehen und blickt teilnahmslos in die Autos, die im Schritttempo den Strich abfahren. In einem nahen Imbiss sagt sie später: "Montag ist ein schlechter Tag." Außerdem gebe es hier zu viele Frauen. "Im März habe ich einmal zwölf Stunden umsonst hier gestanden", sagt Jessica. "Von mittags bis nachts um zwei Uhr, niemand hat angehalten."
Wegen ihres Stiefvaters sei sie mit 14 Jahren von zu Hause abgehauen, landete erst im Heim, dann an Bahnhöfen. Ende der 90er überlebte sie eine Überdosis Heroin. Am Hals hat sie eine auffällige Narbe. "Luftröhrenschnitt", sagt Jessica.
All die Jahre stand sie immer wieder auf dem Strich. Tausende Männer, "irgendwann habe ich aufgehört, zu zählen". Jessicas jüngster Kunde war im Azubi-Alter, ihr ältester 90. Einige ließen sich vorne im Auto von ihr bedienen, während im Kindersitz auf der Rückbank das Baby des Freiers schlief.
Jeder zweite Mann soll, glaubt man Untersuchungen, mindestens einmal bei einer Prostituierten gewesen sein. Offizielle, also von der Branche selbst erhobene und belegte Zahlen gibt es nicht. "Wer soll Interesse daran haben, sie zu erforschen?", fragt Forscher Reichel. Die Frauen wollen ihre Ruhe, Zuhälter und Freier sowieso.
Es klingelt, eine Freundin ruft Jessica auf dem Handy an. "Wir holen jetzt was zum Kiffen", sagt sie. Danach braucht sie aber "noch einen", einen Freier, ihr fehlen 30 Euro. Am nächsten Tag soll die Sonne scheinen, da will sie an den Wannsee. Tags drauf wird sie wieder auf den Strich gehen. Sie hat keine Fünf-Tage-Woche. Sie hat eine Sechs-sieben-Männer-Woche.
In bekannten Bordellen ist das anders. Im "Artemis" zum Beispiel, Charlottenburg. Jede Dame kümmere sich um drei bis 15 Männer am Tag, sagt Jill Rahn, die Buchhalterin des Großetablissements. Bis zu 90 Frauen arbeiten hier. Der Einritt kostet 80 Euro, Essen, Trinken, Sauna inklusive. Die halbe Stunde Sex 60 Euro drauf. Verhandelt wird nicht, "wir wollen keine Unterbietungskonkurrenz", sagt Rahn. Noch ernährt das Bordell mehr als 40 Angestellte: Sicherheitsleute, Köche, Bürokräfte. "Seit ’ner Weile merken auch wir die Krise", sagt Rahn. Zehn Prozent Umsatzeinbußen, bis jetzt.
Etliche Bordelle locken zögernde Kunden mittlerweile mit Preissenkungen. Rabattschlachten im Rotlichtmilieu, Discounter des Geschlechtsverkehrs entstehen. Mit einer Flatrate etwa kämpft ein Klub im Südosten Berlins gegen die Kundenflaute: Sex, Essen und Trinken für 70 Euro – so viel man möchte. Ein winziges Pornokino im Zentrum der Stadt wirbt wie ein Stehimbiss um knauserige Kunden: "25 Euro für 30 Minuten Film – inklusive Kaffee und Blasen."
Sie verlange immer erst mal 50 Euro, sagt Jessica, für oral und Verkehr. Legt der Freier zehn Euro drauf, lotst sie ihn in ein nahes Pensionszimmer statt auf einen Parkplatz. Wenig später erzählt sie dann aber doch, dass auch sie nun häufiger mit sich handeln lässt.
Kürzlich habe sie ein potenzieller Freier, Mitte 40, gefragt, ob für Oralverkehr zehn Euro ausreichen. "Doch unter 25 Euro geh’ ich nicht", sagt Jessica. So viel kostet die Ware Sex. Noch.
- Datum 25.06.2009 - 16:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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eine gute Nachricht in diesen Tagen.
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"Derjenige, der zum ersten Mal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." (Freud)
Anm.: das könnte auch eine SIE gewesen sein
Will ja nicht missverständlich sein: ich meine natürlich nicht das Preisdumping bei den Armutsprostituierten, sondern die Tatsache, dass Männer jetzt offenbar notgedrungen besser ohne diese "Dienstleistung" auskommen können.
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"Derjenige, der zum ersten Mal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." (Freud)
Anm.: das könnte auch eine SIE gewesen sein
Will ja nicht missverständlich sein: ich meine natürlich nicht das Preisdumping bei den Armutsprostituierten, sondern die Tatsache, dass Männer jetzt offenbar notgedrungen besser ohne diese "Dienstleistung" auskommen können.
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"Derjenige, der zum ersten Mal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." (Freud)
Anm.: das könnte auch eine SIE gewesen sein
Will ja nicht missverständlich sein: ich meine natürlich nicht das Preisdumping bei den Armutsprostituierten, sondern die Tatsache, dass Männer jetzt offenbar notgedrungen besser ohne diese "Dienstleistung" auskommen können.
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"Derjenige, der zum ersten Mal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." (Freud)
Anm.: das könnte auch eine SIE gewesen sein
und nun wird keine Staatshilfe fuer die kraenkelnde Sex-Industrie gefordert???
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