Lehrerbewertung Dürfen Schüler ihre Lehrer benoten?

In einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs geht es nicht nur um die Klage einer gekränkten Lehrerin, sondern auch um Online-Bewertungen von Anwälten oder Ärzten

Generationen von Schülern dürften davon geträumt haben - im Zeitalter des Internet ist es Wirklichkeit: Auf spickmich.de können Schüler ihren Lehrern Noten geben, und zwar in Fächern wie "fachlich kompetent" oder "gut vorbereitet". Sogar eine Art Verhaltensnote gibt es, bewertet werden Eigenschaften wie "menschlich" oder "cool und witzig". Weil eine Lehrerin aus Moers in Nordrhein-Westfalen das weder witzig noch cool fand - bei einem Notenschnitt von 4,3 wenig verwunderlich - verhandelt am Dienstag der Bundesgerichtshof (BGH) über den Fall.

Die Kernfrage lautet: Ist das Persönlichkeitsrecht der Frau verletzt, weil sie in einem wenig nachprüfbaren und noch dazu anonymen Verfahren mit schlechten Zeugnissen an den Pranger gestellt werden kann? Bisher haben Gerichte der unteren Instanzen die Frage durchweg verneint.

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Das Oberlandesgericht (OLG) Köln, Vorinstanz im BGH-Verfahren, entschied im Sommer 2008: Die Zeugnisse sind von der Meinungsfreiheit gedeckt. Unter anderem, weil lediglich die "Sozialsphäre" der Lehrer betroffen sei - also ihr berufliches Wirken - und nicht etwa das deutlich stärker geschützte Privatleben.

Außerdem: Dass die Pädagogen damit an einen "öffentlichen Pranger" gestellt würden, stellt das OLG schon wegen des beschränkten Zugangs zum Portal in Abrede. Wer auf spickmich.de Bewertungen abgeben oder einsehen will, muss sich online anmelden, mit Name und Email-Adresse. Und auch dann bleibt der Zugang auf "seine" Schule beschränkt.

Allerdings ist es nicht sonderlich schwierig, sich Zugang zu verschaffen. Ein Selbsttest zeigt: Ob mit korrektem oder falschem Namen, das Log-in ist eine Angelegenheit von anderthalb Minuten. Das räumt auch Manuel Weisbrod vom Kölner Betreiber der Internetseite ein. Für die Anmeldung sei nur eine Mail-Adresse notwendig, eine Nachprüfung finde nicht statt. Er vertraut auf die Aufmerksamkeit der anderen Schüler. Sie sollen Auffälligkeiten im eigens eingerichteten Feld "Hier stimmt etwas nicht!" umgehend melden.

Auch das OLG vertraut auf die Selbstkorrektur durch die spickmich- Schüler - schon deshalb, weil die sichere Identifizierung jedes einzelnen Nutzers einen "unverhältnismäßigen Aufwand" bedeute. Mehr als 1,1 Millionen Nutzer sind nach Angaben von Weisbrod registriert, 450 000 Lehrer aus 32 500 Schulen seien zu finden.

Leser-Kommentare
  1. Benoten bedeutet offensichtlich "mit Not versehen". Und das möchte man nicht werden aber durchaus tun. DRUCK ausüben möchte man aber Gedrücktwerden nicht. Man soll sein ICH KANN nur für das DU MUSST gebrauchen. So dressieren wir in Du-musst-Schulen junge Menschen zu SUPER-MÜSSERN und lassen sie nicht KÖNNER werden. Sie sollen uns in dieselbe Schablone folgen, in die schon wir gezwängt wurden.
    Als Ich-kann-Schule-Lehrer habe ich eine andere Idee von Lernen, Schule und Leben, die nicht auf dem Druck- sondern auf dem SOGprinzip basiert. Ich höre und sehe den HUNGER des Geistes und der Seele und ihrer Kräfte. Es wird ihnen und damit unseren Lebensbedürfnissen nicht gerecht, wenn wir nur immer noch perfektere Einfügeschablonen für die Kräfte des Geistes und der Seele konstruieren und sie weiter hungern lassen, aus Angst, sie könnten STARK werden und uns unsere pädagogisch verbrämte Nötigung heimzahlen.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

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