Fussball und Integration Erfolgsgeheimnis bunte Vielseitigkeit
Die deutsche U21 besteht größtenteils aus Migranten und Migrantenkindern, deshalb ist sie so stark und gilt als EM-Mitfavorit. Doch eine neue Fifa-Regel bereitet Probleme

© Jörn Pollex/Bongarts/Getty Images
Schwarz und Weiß sind die Farben der deutschen Mannschaft: Dennis Aogo hat sich deutsche Tugenden angeeignet und sich afrikanische bewahrt
Hat Multikulti wirklich ausgedient? – wie es Angela Merkel im vergangenen September auf einem Kongress der österreichischen Volkspartei proklamiert hat. Als eine Art positives Gegenmodell zu Merkels These präsentiert sich gerade die deutsche U21-Nationalmannschaft, die heute im zweiten Gruppenspiel der Europameisterschaft auf Finnland trifft (18:15 Uhr, live im ZDF). Das 0:0 im ersten EM-Spiel gegen den Favoriten Spanien am Montag überzeugte die Expertenwelt, weswegen der deutschen Elf nun selbst diese Rolle zuteil wird.
Neun von elf Fußballern, die beim Abspielen der Nationalhymne auf dem Platz standen, haben zumindest einen Elternteil ohne deutsche Wurzeln. Von den Stammspielern kommen nur die Schalker Manuel Neuer und Benedikt Höwedes aus einem rein deutschen Elternhaus. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff findet das wunderbar: "Natürlich bringen Spieler, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben, andere Charaktere mit, einen anderen Spielwitz, eine andere Lebensphilosophie, und das bereichert uns", sagt er. Aus der Mischung entsteht sportliche Stärke, lautet die These. In den lange Zeit bewunderten Auswahlteams von Brasilien, Frankreich oder Holland fügen sich traditionell verschiedene kulturelle Einflüsse zu einem erfolgreichen Fußball zusammen. Die großen Klubteams können ohnehin nicht auf eine ausgeklügelte internationale Mixtur verzichten.
Die Juniorennationalspieler in Schweden reagieren dennoch erstmal vorsichtig, wenn sie auf das Phänomen angesprochen werden, "Das ist für uns kein Thema", sagt Dennis Aogo, dessen Vater aus Nigeria stammt. Der Vorwurf, das Nationalteam sei zu undeutsch, ist nicht erst seit den Anfeindungen gegen Patrick Owomoyela rund um die WM 2006 präsent. Aogo sagt: "Es heißt ja immer, dass Afrikaner eine starke Physis mitbringen und Europäer taktisch gut ausgebildet sind, eine Mischung kann da schon positiv sein für eine Mannschaft." Man brauche sich nur den Deutsch-Türken Mesut Özil ansehen, ergänzt Sami Khedira, der Sohn einer Tunesierin. "Die Leichtigkeit, die Mesut mitbringt, kann schon von Vorteil sein."
Vielleicht ist die bunte Vielseitigkeit das zentrale Erfolgsgeheimnis dieser hoch gelobten Nachwuchsmannschaft, doch natürlich identifizieren sich in Deutschland nicht alle Deutschen mit solch einem Konzept. Bierhoff etwa berichtet von Briefen an den Verband, in denen sich Leute beschweren, dass in der U21 besonders viele Spieler die Nationalhymne nicht mitsingen. Man könne es "eben nicht allen recht machen", sagt der Teammanager, "manche Leute beschweren sich auch über die Frisuren der Spieler." Der DFB stehe für Toleranz, die U21 transportiere diese Botschaft hervorragend. "Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets, da kenne ich das schon aus der Schule", fügt Manuel Neuer hinzu.
Es gibt aber auch Schattenseiten dieser internationalen Komposition. Wie auf den Transfermärkten der Klubs versuchen immer häufiger Verbände, andernorts ausgebildete Spieler abzuwerben. "Ich hatte gerade erst eine Einladung von der nigerianischen Nationalmannschaft", sagt Aogo. Auch das aggressive Gezerre um Mesut Özil liegt erst ein paar Monate zurück. Die jüngste Regeländerung des Weltverbandes Fifa, nach der Spieler jederzeit zu einem anderen Verband wechseln dürfen, so lange sie noch kein Pflichtspiel für die A-Nationalmannschaft eines anderen Verbandes absolviert haben, forciert dieses Problem. Sogar Özil, den Bundestrainer Joachim Löw im Freundschaftsspiel gegen Norwegen eingesetzt hat, könnte theoretisch immer noch ins türkische Team überlaufen. Und der dreifache deutsche Nationalspieler Jermaine Jones liebäugelt gerade mit einem Wechsel zum US-Team.
Bierhoff bezeichnet die neue Regel als "nicht allzu glücklich", sie sei "eine Aufforderung an viele Spielerberater, die Spieler bei dem einen oder anderen Verband anzubringen". Für die Profis ist die neue Option aber natürlich attraktiv, auch wenn das keiner zugeben mag. "Ich identifiziere mich voll mit Deutschland", erwidert Khedira auf die Frage nach der Option Tunesien. Sollte Khedira allerdings der Sprung in die A-Nationalmannschaft misslingen, bleibt ihm immer noch der Wechsel zu den Nordafrikanern. Eigentlich ist diese Offenheit nach vielen Seiten genau das, was eine gelungene Integration auszeichnet.
- Datum 22.06.2009 - 12:50 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Leider läßt sich die Situation im Fußball nicht verallgemeinern. Frau Merkels These ("Multikulti hat ausgedient") wird durch den erfolgreichen Einsatz von Spitzensportlern nicht konterkariert. Natürlich bringt es unser Land weiter, Spitzenkräfte in Sport, Kunst, Forschung zu beschäftigen. Das wird ja auch von niemandem bestritten.
Das Problem ist die Masse der Slacker, der Ungebildeten, der Leistungsempfänger. Kürzlich las ich in der Presse, gut ausgebildete Nordafrikaner gehen in die USA, ungebildete nach Europa. Warum wohl?
Klasse statt Masse.
Damit wollte Merkel offenbar sagen, dass die Multikulti-Ideologie, wonach mehrere Kulturen gleichrangig in Deutschland existieren, ausgedient hat. Die Bildung von Parallelgesellschaften, in denen kein Deutsch gesprochen und deutsche Werteordnung und Kultur abgelehnt werden, zeigt, dass dies nicht funktioniert.
Merkel sagt, dass Migranten willkommen sind, aber sie müssen bereit sein, Deutsch zu lernen und sich in die deutsche Gesellschaft einzuleben. Die U21-Spieler sind daher keine Beispiel für Multikulti, sondern für Integration. Beispiele für Multikulti sind dagegen die Parallelgesellschaften in Neukölln und Kreuzberg.
Damit wollte Merkel offenbar sagen, dass die Multikulti-Ideologie, wonach mehrere Kulturen gleichrangig in Deutschland existieren, ausgedient hat. Die Bildung von Parallelgesellschaften, in denen kein Deutsch gesprochen und deutsche Werteordnung und Kultur abgelehnt werden, zeigt, dass dies nicht funktioniert.
Merkel sagt, dass Migranten willkommen sind, aber sie müssen bereit sein, Deutsch zu lernen und sich in die deutsche Gesellschaft einzuleben. Die U21-Spieler sind daher keine Beispiel für Multikulti, sondern für Integration. Beispiele für Multikulti sind dagegen die Parallelgesellschaften in Neukölln und Kreuzberg.
Das sehe ich genau so.
Das es für den Fußball aber zutrifft, ist doch super.
Man kann nur hoffen. dass der Fall Jones nicht allzu viele Nachahmer findet und die Jungs in 2 Jahren alle in der A-Mannschaft spielen. Da sind echte Juwelen bei.
Es geht nicht darum, aus welchem Land die Eltern der Spieler kommen, sondern ob sie gut spielen. Die These, die Mannschaft sei deshalb stark, weil in ihr soviele Migranten spielten, ist absoluter Blödsinn. Deutschland hat vor 30 Jahren auch starke U21 gehabt, ganz ohne Migranten.
Multikulti ist ein ideologisches Modell, welches nicht funktionieren kann, weil in ihm bereits die Ausbildung von Parallelgesellschaften angelegt sind. Daher ist es nebensächlich, welche Hautfarbe Menschen in Deutschland haben, solange Deutsch zu ihrer Muttersprache wird und sie sich in die Kultur dieses Landes einleben.
Dass die U21 besser ist, weil dort jetzt viele Migrantenkinder spielen, meint ja nicht: weil es Migrantenkinder sind. Die Gründe sind andere: Der DFB hat nun erstens mehr Auswahl. Zweitens ist nun vermutlich tatsächlich so etwas wie ein bereichernder Einfluss vorhanden.
Vielleicht wirkt der Vorspann/Teaser missverständlich, den ich fabriziert habe. Er war auf keinen Fall in einer diffuser Multikultiromantik gemeint (Die Redaktion)
Dass die U21 besser ist, weil dort jetzt viele Migrantenkinder spielen, meint ja nicht: weil es Migrantenkinder sind. Die Gründe sind andere: Der DFB hat nun erstens mehr Auswahl. Zweitens ist nun vermutlich tatsächlich so etwas wie ein bereichernder Einfluss vorhanden.
Vielleicht wirkt der Vorspann/Teaser missverständlich, den ich fabriziert habe. Er war auf keinen Fall in einer diffuser Multikultiromantik gemeint (Die Redaktion)
Damit wollte Merkel offenbar sagen, dass die Multikulti-Ideologie, wonach mehrere Kulturen gleichrangig in Deutschland existieren, ausgedient hat. Die Bildung von Parallelgesellschaften, in denen kein Deutsch gesprochen und deutsche Werteordnung und Kultur abgelehnt werden, zeigt, dass dies nicht funktioniert.
Merkel sagt, dass Migranten willkommen sind, aber sie müssen bereit sein, Deutsch zu lernen und sich in die deutsche Gesellschaft einzuleben. Die U21-Spieler sind daher keine Beispiel für Multikulti, sondern für Integration. Beispiele für Multikulti sind dagegen die Parallelgesellschaften in Neukölln und Kreuzberg.
Dass die U21 besser ist, weil dort jetzt viele Migrantenkinder spielen, meint ja nicht: weil es Migrantenkinder sind. Die Gründe sind andere: Der DFB hat nun erstens mehr Auswahl. Zweitens ist nun vermutlich tatsächlich so etwas wie ein bereichernder Einfluss vorhanden.
Vielleicht wirkt der Vorspann/Teaser missverständlich, den ich fabriziert habe. Er war auf keinen Fall in einer diffuser Multikultiromantik gemeint (Die Redaktion)
Danke für die Rückmeldung. Das ist ja schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, die Kommentare hier zu lesen. Ja, ich finde ich den Vorspann tatsächlich missverständlich. Für mich besagt er: weil dort soviele Migranten spielen, deshalb ist die Mannschaft besser.
Danke für die Rückmeldung. Das ist ja schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, die Kommentare hier zu lesen. Ja, ich finde ich den Vorspann tatsächlich missverständlich. Für mich besagt er: weil dort soviele Migranten spielen, deshalb ist die Mannschaft besser.
Danke für die Rückmeldung. Das ist ja schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, die Kommentare hier zu lesen. Ja, ich finde ich den Vorspann tatsächlich missverständlich. Für mich besagt er: weil dort soviele Migranten spielen, deshalb ist die Mannschaft besser.
"Dennis Aogo hat sich deutsche Tugenden angeeignet und sich afrikanische bewahrt"
Wo soll er die afrikanischen Tugenden denn herhaben ?
So Abrakadabra vom Vater auf den Sohn uebertragen ?
Wahrscheinlich hat die Redaktion noch nicht mitbekommen, dass der Junge in Deutschland geboren wurde und auch hier aufgewachsen ist.
http://de.wikipedia.org/w...
Ich gehe jede Wette ein, dass er in seinem Leben, falls ueberhaupt, allerhoechstens ein paar Wochen in Afrika verbracht hat.
Aber wie gesagt, Phrasen machen sich immer gut.
Differenzieren ist Arbeit.
Ihre Behauptung ist so nicht richtig. Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass sich Eigenschaften/Prägungen aus anderen Kulturkreisen auf die nachkommenden Generation übertragen, ohne dass diese im Herkunftsland der Eltern gelebt hat. Sie wird eben mit der Kultur des Landes, in dem das Kind aufwächst, durchmischt. Genau dieses wird in dem Artikel beschrieben.
Ihre Behauptung ist so nicht richtig. Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass sich Eigenschaften/Prägungen aus anderen Kulturkreisen auf die nachkommenden Generation übertragen, ohne dass diese im Herkunftsland der Eltern gelebt hat. Sie wird eben mit der Kultur des Landes, in dem das Kind aufwächst, durchmischt. Genau dieses wird in dem Artikel beschrieben.
Oh je, Sie haben die Goldwaage dabei. Man kann ein Thema und eine Bildunterschrift auch ernster nehmen als nötig. Außerdem: Selbst wenn man das wirklich wörtlich nimmt - muss man in Afrika gelebt haben, um afrikanische Einflüsse auszuüben? Oder genügt nicht Daddy? Aber auf diese Erörterung sollte das hier gar nicht hinauslaufen.
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