Kulturflatrate Nur eine Rate

Die Musikmesse Popkomm wurde mit Verweis auf Musikklau im Internet abgesagt. Dabei gibt es ein alternatives Geschäftsmodell. Wie funktioniert die Kulturflatrate?

popkom

Der Popkom-Gründer und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny, macht den Diebstahl geistigen Eigentums im Internet für das Aus der Messe verantwortlich.

Im Prinzip passt die Musikindustrie in die Zeit. Während die Piratenpartei innerhalb weniger Wochen in Schweden zur drittgrößten Partei aufgestiegen ist mit ihren Forderungen nach weniger Kontrolle im Netz, will der Verband der Musikindustrie mit seiner Absage der Musikmesse Popkomm ein Zeichen gegen Musikklau im Netz setzen. Beide haben etwas gemein: die Frage, wie in Zeiten der Digitalisierung Urheberrechte geschützt und entlohnt werden können. Nur, dass sie unterschiedliche Wege gehen. Die Musikindustrie setzt auf Strafen und Verbote, die Piratenpartei auf Legalisierung.

Allerdings sind die Piraten nicht allein. Auch Grüne und SPD machen sich für andere Modelle stark. „Es darf nicht permanent darum gehen, die Kriminalisierung der Verbraucher voranzutreiben“, sagt Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand der Grünen. Er hält eine Art Pauschalvergütung im Internet für den besten Weg. Eine solche Vergütung könnte die sogenannte Kulturflatrate sein. Eine Art GEZ-Gebühr, wie sie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erhoben wird, für das Internet. Fünf bis zehn Euro müsste dann jeder seinem Internetanbieter zahlen. Dieser würde das Geld mittels einer Verwertungsgesellschaft an die Künstler und Rechteinhaber weiterleiten – abhängig zum Beispiel davon, wie oft ein bestimmter Musiktitel oder ein Film auch in den eigentlich illegalen Tauschbörsen heruntergeladen wurde.

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Das kostenlose Tauschen von Musik im Netz wäre damit de facto legalisiert und auch finanziell abgegolten.

„Noch sind viele Fragen offen“, gibt Spitz zu. Das betreffe die Verteilung der Gelder genauso wie die Höhe der Abgabe. Aber prinzipiell müsse anders auf ein gesellschaftliches Phänomen wie die Digitalisierung der Musik reagiert werden, als es die Musikindustrie tut. „Denn es sind längst nicht nur 15- bis 17-Jährige, die Tauschbörsen nutzen, sondern eine ganze, seit gut zehn Jahren gewachsene Generation“, sagt Spitz.

Dass durch eine solche Flatrate die schon heute existierenden kommerziellen Anbieter für Musikdownloads im Netz gefährdet wären, glaubt Spitz nicht. „Diese könnten dann Premium-Produkte anbieten, beispielsweise indem sie die Musik in besserer Qualität, virengeprüft und mit zusätzlichen Angeboten wie Texten, Noten und Hintergrundinformationen zum Kauf bereitstellen“, erklärt Spitz. Seine Partei hat jüngst auch beim Institut für Europäisches Medienrecht eine Studie in Auftrag gegeben, die prüfen sollte, ob eine Kulturflatrate mit nationalem und europäischem Recht in Einklang stünde. Das Ergebnis: Ja – unter bestimmten Voraussetzungen. So müsse beispielsweise eine Anpassung des nationalen und europäischen Urheberrechts erfolgen.

Neben den Grünen hat auch die SPD die Prüfung einer solchen Kulturflatrate in ihr vor wenigen Tagen beschlossenes Wahlprogramm aufgenommen. Allerdings haben sich viele Spitzengenossen wie beispielsweise Justizministerin Brigitte Zypries immer wieder skeptisch zu einer solchen Pauschalabgabe geäußert. FDP und Union halten ebenfalls nicht viel von diesem Modell.

Der Text erschien im Tagesspiegel vom 22. Juni

 
Leser-Kommentare
  1. nichts von einem solchen Modell. Die lassen sich doch nicht ein Mittel aus der Hand nehemen, ihr Lüstchen auf Bürgerrepression zu stillen.

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  2. "...abhängig zum Beispiel davon, wie oft ein bestimmter Musiktitel oder ein Film auch in den eigentlich illegalen Tauschbörsen heruntergeladen wurde."

    Tauschbörsen an sich sind nicht illegal, beziehungweise so legal oder illegal wie das Internet - Es hängt eben davon ob das was heruntergeladen wird urheberrechtlich geschützt ist.

    Ausserdem wären nach der Einführung einer Kulturflatrate diese Downloads ja auch nicht mehr illegal, der oben zitierte Satz ist also irreführend und kriminalisiert auf suggestive Weise die Benutzer von P2P Netzwerken.

  3. Flatrate !?

    Von mir aus gerne. Dies kann man auch grad noch gerne auf Printmedien ausdehnen so das nebst Radio, TV, Zeitungen auch Onlineinhalte davon ihre Einkommen erhalten.

    Dies alles schön eingebettet in Demokratisch kontrollierte Strukturen so das jeder von links bis rechts sich seine Inhalte zu Gemüte führen kann ohne sich gleich den Renditehungrigen Aktionärsansprüchen aussetzen zu müssen. So das tatsächlich mal geredet, diskutiert, gedichtet, komponiert und geschrieben werden kann was sich die Journalisten und Künstler so ausdenken. Es geht ja nicht an, das konstant auf Werbeeinnahmen bei der Meinungsbildung rücksicht genommen werden sollte.

    Vielmehr sollte es soweit kommen das sich die Anzeigekunden Mühe geben müssen überhaupt ihre oft fragwürdigen Botschaften unter das Volk bringen zu dürfen. So wie das jetzt organsiert ist geht es ja offensichtlich nicht.

    So ganz nebenbei kann man auch gleich noch die künstlerischen Aktivitäten damit unterstützen.

    All dies ist nicht gratis, also warum nicht jeden Monat einen fixen Beitrag abgeben und dann ehrlich das Angebot warnehmen dürfen? Die von bestimmten Interessengruppen so verunglimpfte GEZ ist so ein Ansatz den man gerne noch ausbauen kann und sollte.

    Demokratisch legitimierte Meinung versus Werbeindustrie- und Profitlegitimierte Meinung. Es liegt an uns von wem wir uns unsere tägliche Meinung vorgeben lassen müssen/wollen.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  4. Bei der GEZ kann ich nicht über den Inhalt der öffentlich-rechtlichen Sender bestimmen und zahle, obschon ich deren Angebote nicht wahrnehme. Wenn ich also dafür zahle, dass Mäxchen Müller sich Filme herunterlädt und Musik tauscht, was ich nicht tue, dann wäre das auch nicht zwingend schön. Das ist ein aufgezwungener Solidarbeitrag, für die Legalisierung dessen was andere schon vor einer solchen Gebühr taten.

    Würden sie jeden Tag 15,-Euro blechen, damit andere kiffen könnten, mit dem zweifelhaften 'Vorteil', dass sie es auch dürften?

    Dieser Sozialbeitrag ist zweifelhaft, denn nach welchen Regularien würden die gelder an Produktionsfirmen vergeben? Ein kleines Label, welches kleine bzw., nicht dem Mainstream entsprechende Bands mit Auflagen von, sagen wir mal 1000 Album-Exemplaren produziert würde damit mit jedem kopierten Album einen höheren Verlust einfahren, als eine Bohlen-Produzierte Retorten-Band mit 1000.000 Alben.

    Ich halte diesen Vorschlag für eine staatliche Subvention von großen Produktionsfirmen, nicht zu vergessen die Medienanstalten, die ihre Ausfälle an ZuschauerInnen und HörerInnen ja auch mit dem legalen Download zu begründen wissen und Ausgleich zu verlangen und das auf Kosten des ehrlichen Internet-Nutzers.

    Auf diese Art von Alimentierung des Mainstreams und Gewöhnlichen hab ich keine Lust!
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    "Diese Zustände werden wir nicht weiter hinnehmen - gegen diesen Haufen kann man sich ja kaum mehr auf der Straße blicken lassen!"

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    sollte man also schon vorher die Regularien einer solchen 'Flatrate' transparent gestalten und alle Produzenten von urheberrechtlich geschützten Inhalten berücksichtigen.

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    "Diese Zustände werden wir nicht weiter hinnehmen - gegen diesen Haufen kann man sich ja kaum mehr auf der Straße blicken lassen!"

    sollte man also schon vorher die Regularien einer solchen 'Flatrate' transparent gestalten und alle Produzenten von urheberrechtlich geschützten Inhalten berücksichtigen.

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  5. sollte man also schon vorher die Regularien einer solchen 'Flatrate' transparent gestalten und alle Produzenten von urheberrechtlich geschützten Inhalten berücksichtigen.

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    Antwort auf "Solidarbeitrag???"
  6. kann eigentlich mal wer statistiken präsentieren, die nicht von der mi zusammengelogen wurden, wieviele leute eigentlich tauschen? und um welche summen es sich handelt?

    von der mi werden regelmässig horrorzahlen präsentiert, die genauso regelmässig als m,ilchmädchenrechnung zurückgewiesen werden -- die mi ist natürlich interessiert, politischen (wirtschaftlicher schaden!) und juristischen (irreale streitwerte) druck aufzubauen und braucht deshalb möglichst hohe nummern.

    aber ich zb habe mich für tauschbörsen noch nie erwärmen können (wenn ich die produkte schon in radio/tv nicht ertrage, warum sollte ich die dann noch tauschbörsen wollen?) und kenne auch niemanden (mehr), der tauschbörsen zur beschaffung illegaler inhalte nutzt.

    um eine pauschalabgabe zu rechtfertigen müsste ja schon internetnutzer im zweistelligen bereich _illegal_ (das bitte immer im hinterkopf haben! p2p als solches ist nur für musikindustrie und ahnunglose journalisten illegal) tauschen, sonst kann von einer legalisierungsbedürftigkeit nicht ernstahft gesprochen werden.

    stattdessen scheint mir doch das mittlerweilen langsam sich formierende geschäftsmodell der individuellen flatrate weitaus angmessener -- wer den bohlen-müll oder sonstige automatengenerierte bummsmucke unbedingt haben will, soll halt seine X eur pro mionat löhnen, um sich das bis zum erbrechen oder der frühertaubung reinzuziehen.

    dass die mi durch inkompetenz, inflexibilität und viel zu viel politisches wohlwollen eine ganze generation vorsätzlich in die tauschbörsen getrieben hat, kann nun kein anlass sein, die mi nach dem muster öffenetlich-rechtlicher rundfunk noch weiter fett zu füttern. wo das hinführt, kann man in ard ubnd zdf deurtlich beobachten -- permanente gebührenerhöhungen mit lächerlichsten argumenten, geistesfaulheit und unterirdisches niveau im angebot und permament neue gebührentatbestände (interntfähige pc zb).

    leute, die den kick des illegalen vorziehen oder einfach nur hamstertriebe haben, wird es immer geben -- wegen des breiten medienechos und weil's hipp war, sind in den letzten jahren vornehmlich musik und filme relevant gewesen. wenn der collness-faktor wegfällt, werden sich diese truppen, denen es gar nicht um die eigentliche inhalte geht, was anderes suchen.

    eine kulturflatrate würde diejenigen, die me in der mehrheit sind, benachtieligen, die kein bedürfnis verspüren, sich in tauschbörsen mühsam inhalte zusammenzusuchen.
    zudem würde sie noch ein verwaltungsmonster wie die gez schaffen, die ebenfalls ineffektive (und deshalb umso mehr geifernde) drohbriefe zu immensen kosten verschickt und mit einem weiteren heer nebenberuflicher blockwarte kooperiert.
    und last, not least, wie bereits gesagt würde die musikindustrie, die seit jahren an ihrer 08/15-geräuschentwicklung (musik mag man das gar nicht nennen, so einfallslos und vollautomatisiert wird der klangbrei gemixt) a la bohlen und dsds geld verliert, auch noch kräftig alimentiert und damit jeder druck aus dem markt genommen, der sonst vielleicht zu einer bereinigung und verbesserung führen würde.

  7. Nicht neu aber eine Diskussion wert ist die freiwillige Flatrate bei der Internet Nutzer, die bisher Musik, Filme oder E-Books aus urheberrechtlich zweifelhaften Quellen beziehen einen Ablass entrichten der sie vor Verfolgung durch die Inhalte Industrie schützt.

    Die Höhe einer solchen Abgabe wäre Verhandlungssache zwischen Internet Anbietern und den Verwertungsgesellschaften. (<- Das sind die, die jetzt schon im Namen der Kreativen alle öffentlichen Kulturereignisse abzocken und Abgaben auf fast alle Produkte der Wissens- und Unterhaltungsindustrie abziehen. Die Praktiken der GEMA sind da ein Thema für sich, wenn doch der Saftladen im Rahmen einer Internet Flat mal richtig aufgeräumt würde ....)

    Wie bei allen Beiträgen zu öffentlichen Gütern, eine Internet Flatrate wäre nichts anderes als das, gibt es immer Nutzer die mehr, und andere die weniger für ihr Geld bekommen. Solange es keinen Konsens gibt, der Filesharing die gleiche Wertigkeit wie z.B. öffentlichem Rundfunk gibt, werden wohl weiter Kunden kriminalisiert und der notwendige Umbau der Inhalte-Industrie bleibt aus.

  8. Ich vermisse eine Antwort im Artikel. Neben den wenigen allgemeinen Aussagen zur Gestaltung einer möglichen Kulturflatrate findet sich keine Auseinandersetzung mit ihrer Funktionsweise, abgesehen davon findet sich im Text nichts Neues - das Konzept ist nun schon in allerlei oberflächlichen Varianten, auch in dieser Zeitung diskutiert worden.
    "... Kulturflatrate .... Eine Art GEZ-Gebühr ... für das Internet .... Internetanbieter ... würde das Geld mittels einer Verwertungsgesellschaft an die Künstler und Rechteinhaber weiterleiten – abhängig zum Beispiel davon, wie oft ein bestimmter Musiktitel oder ein Film auch in den eigentlich illegalen Tauschbörsen heruntergeladen wurde.
    Wie bitte soll dies denn im Detail funktionieren? Das Internet in seiner physikalischen Form besteht aus nicht mehr und nicht weniger als einem ständigen elektronischen Signalaustausch. Darin enthalten sind zwar alle nötigen Informationen, um beim Empfänger solcher Signale Daten zu erzeugen, es wird aber keine Materie transportiert, wie sie beispielsweise im Grenzverkehr zähl- und kontrollierbar ist (weshalb in diesem Zusammenhang auch nicht von Raub gesprochen werden kann). Eine direkte Beobachtung getauschter Inhalte und damit die statistische Auswertung ist schlicht nicht möglich. Es sei denn, aller Datenverkehr würde restlos überwacht und wäre überhaupt interpretierbar, denn sind die Daten verschlüsselt, ist der Inhalt längst noch nicht bekannt. Doch selbst der ausdrückliche Wille nach totaler Überwachung im Internet läßt noch die Frage der Realisierbarkeit aufgrund des enormen Datenaufkommens und dessen internationaler Verflechtung mit all den einhergehenden rechtlichen und politischen Problemen.
    Überhaupt: Wer will denn wen entschädigen? Wäre die besagte Kulturflatrate eine lokale oder globale? Bei internationaler Vergütung - wäre diese einheitlich? Würden nur diejenigen Küstler erfaßt, die in industriellen Verbänden organisiert sind, also Verträge haben?
    Abgesehen von derlei Fragen bleibt weiterhin die drängendste, wie bei oben genannter technischer Problematik die Häufigkeit der Nutzung bzw. des Tausches exakt erfaßt werden soll. Es bedürfte der Auswertung von Statistiken jeder Tauschbörse, überhaupt jeder Möglichkeit eines Downloads, um eine faire Verteilung zu ermöglichen und damit der Kooperation aller "Anbieter". Allerdings könnten jederzeit neue, unabhängige Tauschplattformen usw. entstehen, die sich nicht an die Spielregeln hielten.
    Bliebe noch die Frage, ob ausschließlich Musik und Filme vergütungsberechtigt sein sollen oder nicht etwa auch Texte, Bilder und Programme (was auch immer eben im Internet verfügbar gemacht werden kann), womit eine Verteilung schließlich noch stärker verkompliziert würde. Wer jedoch entscheidet darüber und wer ist hierzu berechtigt?
    Letztlich aber darf man sich sicher sein, daß jede Kulturflatrate Mißbrauch im großen Stil ermöglichte. Manipulation ist auf elektronischem Wege ein Leichtes. Angenommen, alle angeführten Fragestellungen fänden eine befriedigende Antwort und technische Umsetzung: wer garantiert, daß die registrierten Download-Zahlen nicht gefälscht sind?
    Beispielsweise wurden Charts und damit CD-Verkäufe bereits in der Vergangenheit, mit erheblich mehr Aufwand als es im Internet nötig wäre, beeinflußt.

    Eine schlüssige Antwort auf die dem Artikel vorangestellte Frage suche ich dort vergeblich. Gäbe es je eine Lösung, die eine gerechte Verteilung ermöglicht, es sollte jeden, der das Internet nutzt, veranlassen, eine solche Kulturflatrate freiwillig zu zahlen, würde er schließlich selbst in irgendeiner Weise davon betroffen sein und davon profitieren.
    Womöglich aber handelt es sich bei der Idee um nichts als einen Ablaßhandel. Die lautesten Kläger erklären sich bereit einigermaßen wegzusehen, wenn im Gegenzug die Sünder ihre Schuld eingestehen, indem sie ein Bußgeld zahlen. Auch eine Art des Tauschens.

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