Unruhen in Iran Irans Wächterrat, Bastion der Konservativen
Die Hoffnung der Opposition hat sich nicht erfüllt: Irans Wächterrat schließt Neuwahlen aus und bestreitet einen Wahlbetrug. Die Staatsmacht weicht keinen Schritt zurück

© AFP/Getty Images
Iranische Sicherheitskräfte stehen an diesem Dienstag in Teheran Wache
Irans Wächterrat hat an diesem Dienstag eine Wiederholung der umstrittenen Präsidentschaftswahl abgelehnt. Eine Annullierung der Wahl stand für das Gremium aber auch niemals zur Debatte. Hoffnungen der Opposition auf eine Entscheidung in dieser Richtung hatte es gegeben, weil sich der Rat am Samstag dazu bereit erklärt hatte, zehn Prozent der Stimmen nach dem Zufallsprinzip neu auszählen zu lassen.
Am Sonntag meldete dann der staatliche Fernsehsender Press TV auf seiner Internetseite, dass es in 50 Städten mehr Wähler als Wahlberechtigte gegeben habe. Der Sprecher des Wächterrats sagte im Fernsehsender IRIB, die Unregelmäßigkeiten beträfen mehr als drei Millionen Stimmen. Man wisse jedoch nicht, ob diese Stimmen für den Wahlausgang entscheidend gewesen seien.
Beide Ankündigungen sollten vor allem die Gemüter beruhigen und die Demonstranten von der Straße wegbringen. Am Montag kamen prompt Dementis aus dem Rat: Die Berichte westlicher Medien, wonach der Wächterrat Unregelmäßigkeiten eingeräumt habe, seien falsch. Am Dienstag hieß es dann bei Press TV unter Berufung auf einen Sprecher des Wächterrates, dass keine Belege für größere Unregelmäßigkeiten vorhanden seien. Das endgültige Endergebnis der Wahlen würde nun am Mittwoch bekannt gegeben, was bedeutet, dass Amtsinhaber Mahmud Ahmadineschad für eine zweite Amtszeit bestätigt wird. Die Mitglieder des Rates überwachen das Parlament und müssen eben auch die Präsidentenwahl bestätigen.
Wer ist der Wächterrat?
Der zwölfköpfige Wächterrat gehört zu den mächtigsten Bastionen der konservativen religiösen Führung in Iran und unterliegt keinerlei demokratischer Kontrolle. Er besteht aus zwölf Mitgliedern, Vorsitzender ist Ajatollah Ahmed Jannati, ein offener Unterstützer von Präsident Mahmud Ahmadineschad. Die Hälfte des Gremiums sind Theologen und werden vom geistlichen Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, ernannt. Die übrigen sechs sind weltliche Rechtsgelehrte, die der Chef der iranischen Justiz beruft und die vom iranischen Parlament bestätigt werden müssen.
Die Mitglieder des Wächterrats haben die Aufgabe, die Vereinbarkeit aller Gesetze mit dem Islam und der Verfassung zu überprüfen. Sie können durch ihr Veto alle Beschlüsse des Parlaments zu Fall bringen. Diese Funktion geht daher über eine Normenkontrolle, wie sie in Deutschland das Bundesverfassungsgericht ausübt, weit hinaus. In den Jahren unter Reformpräsident Mohammed Chatami beispielsweise blockierte der Wächterrat zwischen 30 und 40 Prozent aller Gesetzesbeschlüsse, unter anderem Reformen für mehr Frauenrechte.
Im Vorfeld von Wahlen spielt der Wächterrat die Rolle des entscheidenden politischen Nadelöhrs: Vor der Präsidentenwahl 2009 ließ er von 475 Kandidaten, die ihre Bewerbung eingereicht hatten, nur vier zu. Noch nie in der 30-jährigen Geschichte der Islamischen Republik ließ der Wächterrat eine Frau kandidieren.
- Datum 03.07.2009 - 12:41 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Ich wünsche dem persischen Volk, dass es diese Diktatur friedlich stürzen und seinen eigenen Weg in Freiheit und Demokratie und ein selbstgewähltes Verhältnis zur Religion finden kann. Weder der Schah noch die Mullahs haben Persien wirklich vorangebracht. Wichtig wäre nur, dass die NAchfolger der Mullahs kein US-Marionettenregime werden...
Mussawi? Er hat sich doch gerade wieder die Systemtreue geschworen. Er hat einbißchen gepokert und scheinbar verloren, und letztlich wird er auf einer pragmatischen Weise nachgeben, und dem System treu dienen.
Einbißchen Herumpokern, einbißchen mediale Wünschdarstellungen, da sind schon viele hier aus dem Häuschen.
Ich finde es etwas seltsam, dass viele Kritiker des iranischen Regimes hierzulande vorzugsweise von "Persien" statt "Iran" sprechen... die Landesbezeichnung "Iran" (wörtlich "Land der Arier", geht auf vorislamische Traditionen der Achämeniden- und Sassaniden-Dynastien zurück, wie überhaupt "Arier" eine frühgeschichtliche Selbstbezeichnung der indo-iranischen Völker ist) wurde nicht etwa erst nach der islamischen Revolution, sondern bereits 1936 eingeführt.
"Persien" (bzw. griechisch Persis, lateinisch Persia) bezeichnete ursprünglich nur das Kernland der Achämeniden im Altertum, nämlich etwa die heutige Provinz Fars (in diesem Namen ist die Wortverwandtschaft mit "Parsa", "Persis" etc. noch sichtbar) im Süden des heutigen Iran, wo auch die alten Residenzstädte Persepolis und Pasargadai (Parsa) liegen.
Mussawi? Er hat sich doch gerade wieder die Systemtreue geschworen. Er hat einbißchen gepokert und scheinbar verloren, und letztlich wird er auf einer pragmatischen Weise nachgeben, und dem System treu dienen.
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Ich finde es etwas seltsam, dass viele Kritiker des iranischen Regimes hierzulande vorzugsweise von "Persien" statt "Iran" sprechen... die Landesbezeichnung "Iran" (wörtlich "Land der Arier", geht auf vorislamische Traditionen der Achämeniden- und Sassaniden-Dynastien zurück, wie überhaupt "Arier" eine frühgeschichtliche Selbstbezeichnung der indo-iranischen Völker ist) wurde nicht etwa erst nach der islamischen Revolution, sondern bereits 1936 eingeführt.
"Persien" (bzw. griechisch Persis, lateinisch Persia) bezeichnete ursprünglich nur das Kernland der Achämeniden im Altertum, nämlich etwa die heutige Provinz Fars (in diesem Namen ist die Wortverwandtschaft mit "Parsa", "Persis" etc. noch sichtbar) im Süden des heutigen Iran, wo auch die alten Residenzstädte Persepolis und Pasargadai (Parsa) liegen.
Mussawi? Er hat sich doch gerade wieder die Systemtreue geschworen. Er hat einbißchen gepokert und scheinbar verloren, und letztlich wird er auf einer pragmatischen Weise nachgeben, und dem System treu dienen.
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...verstanden habe, hat er kein Wort zu möglichen Personen geäußert. Sie plappern munter drauf los, ohne zu reflektieren. Das ist die Crux an den meisten Kommentaren.
...bleiben Sie sachlich, ...vermeiden Sie Polemik, ...werden Sie nicht beleidigend
...verstanden habe, hat er kein Wort zu möglichen Personen geäußert. Sie plappern munter drauf los, ohne zu reflektieren. Das ist die Crux an den meisten Kommentaren.
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http://www.youtube.com/wa...
(Überschrift entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/jk)
http://www.german-foreign...
Die Nachfolger des revolutionären Ur-Ayatollahs Khomeini sind nach dreißig Jahren schon selbst alt geworden und bekämpfen sich gegenseitig mit Hinterzimmerintrigen, Wahlbetrug und Waffengewalt. Dies hat ihnen in der jüngeren Generation einen Vertrauensverlust eingetragen, den sie wohl nur reparieren können, indem sie einige ihrer eigenen ehemaligen Freunde auf dem Alter der Revolution opfern. Wer jedoch im Westen einen Wandel erwartet, wird enttäuscht bleiben.
der Wandel geht vom Volk aus - und das, was man heute im Iran auf den Straßen sieht, sind eben nicht die abgestellten Islamkader
es sind erfreulich erfrischende Bilder von begeisterten Menschen - begeistert, weil sie ihren Forderungen nach Wandel Ausdruck verleihen können. Das kann für kurze Zeit niedergeknüppelt und niedergeschossen werden
aber KEIN Regime kann solch eine Welle zur Erneuerung auf ewig aufhalten.
der Wandel geht vom Volk aus - und das, was man heute im Iran auf den Straßen sieht, sind eben nicht die abgestellten Islamkader
es sind erfreulich erfrischende Bilder von begeisterten Menschen - begeistert, weil sie ihren Forderungen nach Wandel Ausdruck verleihen können. Das kann für kurze Zeit niedergeknüppelt und niedergeschossen werden
aber KEIN Regime kann solch eine Welle zur Erneuerung auf ewig aufhalten.
rm
Bin überrascht, daß immerhin die Hälfte der Wächter Rechtsgelehrte sind. Ich hatte angenommen, es wäre alles Theologen - die sind sozusagen die Kontrolle des Parlaments, wie bei uns der Bundesrat.
Die Opposion schien seit dem Freitag ganz gezähmt zu sein. Selbst Mussawi macht kaum noch einen lauten Muks. Von den Zehntausenden der Demostraten in der letzten Woche blieb kaum eine Bruchteil übrig. Die Mullas, ob man will oder nicht, haben noch so viel Einfluss, dass die demonstrierende Masse einfach lautlos wegschmolz. Mit einem kleinen Rest (fraglich, ob sie wirklich Mussawi-Anhänger sind) kommt man leider nicht mehr gegen die Staatsgewalt an.
Die Medien beklagen sich ja nun gegen den Wächterrat, der Mussawi erst zum Kandidat gemacht hat. Wie verrückt!
...verstanden habe, hat er kein Wort zu möglichen Personen geäußert. Sie plappern munter drauf los, ohne zu reflektieren. Das ist die Crux an den meisten Kommentaren.
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