Ressourcenmanagement Zu viel Wasser wird verschwendet
Wasser ist knapp und kostbar – Unternehmen sollten es sparsam nutzen, denn auch ihr Geschäft hängt von seiner Verfügbarkeit ab

© Roslan Rahman/AFP/Getty Images
Wasserspiele in Singapur. Will man die Armut in Asien bekämpfen, sind hohe Investitionen in die Wasser-Infrastruktur nötig, sagen Entwicklungs-Finanzexperten
Branchen, die für ihre Produktion viel Wasser benötigen, gehen nicht unbedingt umsichtig mit der Ressource um. Unternehmen der Energie- und Chemiebranche sind nicht so sparsam wie jene der Lebensmittelindustrie.
Das zeigt die 19. Ausgabe der Eurosif-Le Monde Indikatoren (s. Tabelle), herausgegeben von Le Monde Economie zusammen mit ZEIT ONLINE, El País, La Stampa und Le Temps. Beteiligt ist außerdem das European Sustainable Investment Forum (Eurosif), ein Zusammenschluss von Investmentfirmen, die sich auf europäischer Ebene für nachhaltige Geldanlagen einsetzen.

Für die Studie hat die Beraterfirma Ernst & Young fünf Branchen ausgewählt, die am stärksten von den Herausforderungen des hohen Wasserverbrauchs betroffen oder, wie die Lebensmittelindustrie, auf Wasser guter Qualität angewiesen sind. Innerhalb dieser Branchen betrachteten die Berater die drei oder vier auf Grundlage der Verkaufszahlen größten internationalen Unternehmen. Ihre zentrale Frage: Was tun die Firmen, um ihren Wasserverbrauch zu senken?
Das Problem der Berater: Wie der Wasserverbrauch einer Firma zu berechnen ist, ist bislang nicht allgemein gültig geklärt, sagt Richard Abdelnour von Ernst & Young. Deshalb sei es schwierig, die Unternehmen zu vergleichen. Ist "Wasserverbrauch" die Menge an Wasser, deren Qualität durch den Produktionsprozess verändert wird, etwa durch Verschmutzung? Oder bezeichnet der Begriff das Gesamtvolumen, das nach seiner Verwendung in die Umwelt zurückgeleitet wird? Die Unternehmen selbst müssten das klären.
Ganz allgemein lässt sich dennoch sagen, dass die Landwirtschaft am meisten Wasser verbraucht: 70 Prozent des weltweiten Süßwasserverbrauchs entfällt auf die Agrarindustrie, wie eine 2008 von Eurosif und der Swiss Ratingagentur INrate erstellte Studie ergab. Weitere 8 Prozent verbrauchen die Haushalte, 22 Prozent die verarbeitenden Industrien. In den entwickelten Ländern sind die Verhältnisse freilich anders. In Europa liegt der industrielle Wasserverbrauch auf 51 Prozent, in Nordamerika bei 48 Prozent.
Für Firmen der verarbeitenden Industrie stellt der aktuelle Wassermangel eine große Gefahr dar. Investoren sind sich dessen zunehmend bewusst. Die Lebensmittelindustrie beispielsweise ist auf ausreichend sauberes Wasser angewiesen, um produzieren zu können, und viele ihrer Produkte enthalten Wasser. Zugleich schwanken die Preise ihrer Rohstoffe stark, etwa wenn sie durch Dürren in die Höhe getrieben werden, wie im vergangenen Sommer.
Die Bergbau-, Chemie- und Papierindustrie hingegen braucht ebenfalls Wasser für ihre Produktion, muss sich aber vor allem um die finanziellen, rechtlichen und Reputationsrisiken kümmern, die durch die Verschmutzung von Wasserressourcen entstehen. Im Energiesektor ist Wasser essentiell für die Kühlung von Kraftwerken, unabhängig davon, welcher Brennstoff verwendet wird. Während der Hitzewelle 2003 musste ein Viertel der französischen Kernreaktoren mangels ausreichender Wasserversorgung abgeschaltet werden.
Ein gutes Wassermanagement kann diese Risiken einschränken und dazu beitragen, dass Wasser als gemeinsames globales Gut verfügbar bleibt. Technologien, die von Firmen, die in der Wasseraufbereitung tätig sind, die genutzt werden, um Wasser zu messen, seine Qualität zu prüfen und es zu reinigen, erlauben beträchtliche Produktivitätsgewinne und führen dazu, dass Wasser in der Produktion effizienter genutzt wird.
Jenseits technischer Errungenschaften können Unternehmen ihre Mitarbeiter schulen oder organisatorische Verfahren entwickeln, um die Wasserressourcen an einem gegebenen Ort effizienter zu nutzen. Ein besonders umfassender Management-Ansatz ist die Analyse des "Wasserfußabdrucks", einer Art Bilanz des Wasserverbrauchs. Sie wird vom "Water Footprint Network" angeboten, einer privaten holländischen Stiftung, gegründet von der Unesco, der Umweltschutzorganisaiton WWF, der Universität Twente, dem Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung und der Weltbank.
Durch die Berechnung des Fußabdrucks soll ein Preis für die Menge an Wasser definiert werden, die während des gesamten Lebenszyklus eines Produkts verwendet wird. Er würde den Unternehmen helfen, ihren Verbrauch besser zu regeln. Bislang nutzen jedoch noch nicht viele Firmen die Methode.
Übersetzung: Katrin Schmidt
- Datum 04.08.2009 - 14:51 Uhr
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- Serie Nachhaltigkeit
- Quelle ZEIT ONLINE, Le Monde, 25.6.2009 - 15:28 Uhr
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Wenn ich so aus em Fenster schaue, habe ich nicht den Eindruck, daß wir hier unter Wassermangel leiden.
vor lauter Wasser sparen werden die Abwasserrohre nicht mehr richtig durchgespühlt.
Wo steckt da der Teufel im Detail?
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