Seinen Spitznamen hatte es schnell weg. "Erdbeerkörbchen". Oder, wenn auch seltener, "Henkelmann". Das war durchaus nicht nett gemeint. Den Spott zog sich das Golf Cabrio wegen eines Details zu: Einem Sicherheitsbügel, der das Auto seitlich überspannte, und der das Modell aussehen ließ wie einen Erdbeerkorb mit Tragegriff. Ästheten unter den Autofahrern empfanden das als Zumutung, als das Golf Cabrio im Frühjahr 1979 auf den Markt kam.

Auch die Nostalgiker waren traurig, als Volkswagen das Cabriolet ein halbes Jahr vorher, im Herbst 1978, erstmals vorstellte. Sie ahnten, dass der kastige Golf das Käfer Cabriolet beerben würde. Das war zwar damals bereits eine Legende, technisch aber von vorgestern. Wer nicht allzu traditionsbewusst war, kaufte deshalb fortan den Golf mit dem Henkel.

Der hatte schließlich moderne Motoren, zunächst mit 70 und 110 PS. Hinzu kamen eine Technik, die sich schon millionenfach bewährt hatte, und eine funktionierende Heizung. Im Golf Cabrio konnte man den Himmel sehen. Die kantige Karosserie nahm man in Kauf.

Schon bald stand der Erdbeer-Golf im Ruf, ein "Popper-Auto" zu sein. Die Besitzer der meist weißen Exemplare beförderten die Tolle per Kopfschwung aus der Stirn und rückten den Knoten zurecht, mit dem der Kaschmirpulli über dem Polohemd befestigt war. Auf der Rückbank konnte man Tennisschläger sehen.

Auch die Joghurette-Werbung kam nicht ohne Golf Cabrio aus. Selbst wenn das Radio nicht lief, konnte man ein leises "You’re my heart, you’re my Soul" hören.

Zum Prototyp des Golf-Cabrio-Fahrers wurde Sascha Hehn alias Dr. Udo Brinkmann. Sein Cabrio war weiß, täglich fuhr er in ihm zur Schwarzwaldklinik. Die Fahrertüre des Dr. Brinkmann hätte man auch zuschweißen können. Schließlich pflegte der Jungmediziner sein Cabrio stets mit angezogenen Beinen und einem Sprung über die Türe hinweg zu verlassen.

Das Product Placement blieb nicht ohne Wirkung: Der Wagen wurde zum bevorzugten Abitur-Geschenk für Söhne und Töchter aus gutem Hause. Wer wohlhabende Eltern, jedoch weniger Glück hatte, durfte zumindest hin und wieder Mamis Exemplar ausborgen.