Bachmann-Preis Glanzstück in der Rumpelkammer
Der diesjährige Literatur-Wettbewerb in Klagenfurt war größtenteils enttäuschend. Glücklicherweise hat die Jury den mutigen Jens Petersen zum Sieger gewählt
Jedes Jahr das Gleiche. Sobald der Sieger des Bachmann-Preises feststeht und sich der dreitägige Literaturbetriebsauflauf wieder verflüchtigt hat, wird man über Sinn und Unsinn des Wettbewerbs diskutieren. Gar, was er über den Zustand der deutschen Literatur verrät – besonders dann, wenn eine Vielzahl der Texte in Klagenfurt blass sind. So wie diesmal.
Ja, dieser Jahrgang war bestenfalls mittelmäßig. Ja, viele der Texte waren in ihrer ambitionslosen Bearbeitung des Althergebrachten öde. Ja, man könnte sich fragen: Hat die Jury nichts Besseres gefunden? Könnte man. Versöhnlich nun, dass sie doch den besten Teilnehmer zum Sieger gekürt hat: Jens Petersen. Der 33-jährige Wahlschweizer hatte als einer der wenigen Autoren überzeugen können.
Der Romanauszug Bis dass der Tod erzählte von Euthanasie, vom Verzweiflungsmord eines Mannes an seiner kranken Freundin, die bloß noch puppenhafte Hülle war, nicht sprechen konnte, nicht mehr am Leben teilnehmen – es war eine beklemmende Geschichte. Inszeniert hatte er sie in einer beinahe postapokalytischen Welt, in der der Tod schon allgegenwärtig ist, stets als Menetekel über dem Text schwebt. Die fein gebauten Dialoge, der thematische Mut und Petersens erzählerische Radikalität verdienen die Auszeichnung allemal. Im Wettbewerb war sein Beitrag eine Wohltat.
Wie quälend indes war vieles vom Rest! Wie mutlos und konventionell dahinerzählt waren einige Geschichten! Selten verunglückt, doch eben reizlos brav. Ohne Dringlichkeit, ohne Verve. Stundenlanges Geplätscher, zwischen „ganz ordentlich gearbeitet“ und – wie im Fall der Österreicherin Linda Stift – kräftig missraten.
Keinen Vorwurf ist der Jury zu machen, in der besonders positiv Meike Feßmann, Alain Claude Sulzer und Ijoma Mangold auffielen. Die Diskussionen waren stets um Freundlichkeit bemüht, geurteilt wurde zumeist in wohltemperierter Emphase. Man merkte: Der Funke wollte selbst auf das Kritikerhalbrund nicht so recht überspringen. So war es vielleicht der Sehnsucht nach stofflicher Substanz geschuldet, dass plötzlich Diskussionen über deutschdeutsche Vergangenheiten und allgemeine Historizität forciert wurden – auch, wenn der diskutierte Text kaum die Grundlage dazu lieferte.
Glücklicherweise: Über den Zustand der deutschen Literatur sagt der Bachmann-Wettbewerb wenig aus. In Klagenfurt blickt man nur durch ein kleines Fenster auf die laufende Produktion. In diesem Jahr erwischte man die Luke zur Rumpelkammer, in der es selten schmuckvoll glänzte. Das kann uns ärgern. Aber es muss uns keine Sorgen bereiten.
- Datum 28.06.2009 - 14:39 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
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Ich will mir die Stirn aufschlitzen wie einst Rainald Goetz. Auf dass mein Blut hinabläuft und das Papier rötet- Wo ist meine Rasierklinge? In der Hosentasche. Aua!
Geht alles den Bach runter, Mann?
rheinelbe
... zu. Ganz und gar nicht!
Liebe Jury!
Könnt Ihr lesen????!!!!!!
Wahrscheinlich schon - dafür aber hattet Ihr wohl alle in PhysikMatheChemie
ne 6, wie? Ihr hab den Text doch gar nicht kapiert!!!!!
Bönts Text war der innovativste, mutigste Beitrag, eine echte Perle unter den langweiligen Ergüssen der teilnehmenden Klagenfurter Möchtegernschreiberlinge - er hätte den Bachmannpreis auf jeden Fall verdient!
Tja! Stattdessen der unterbelichtete Langweilertext dieses Spinnen-Schützlings - Beihilfe zum Selbstmord - gähn - das kann auch nur dieser Möchtegernpriesterseminarist Spinnen noch irgendwie dramatisch finden - dabei ist genau dieses Thema sowas von abgevespert wie kaum ein anderes (Euthanasie? In Zeiten, in denen vollkommen lebensfähigen, lebenswilligen Menschen, die halt zufälligerweise am Down-Syndrom - man kann kaum sagen "leiden", denn sie leiden nicht, sie leben und zwar oft genug sehr fröhlich - das Menschsein abspricht - "mußte DAS denn sein, man kann doch abtreiben.....", ist das eine Vokabel, die gerade im Kontext des Petersenschen Beitrags äußerst "merkwürdig" anmutet.... )
Bitte bitte - ersetzt Herrn Spinnen doch für den nächsten Wettbewerb durch einen fähigen Juror, danke.
[Anmerkung: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und bemühen Sie sich um eine sachliche und niveauvolle Diskussion. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
Wenn es sich um einen Wettbewerb um die Auszeichnung des kitschigsten Texts gehandelt hätte, so wäre der diejährige Gewinnertext zu Recht geehrt worden. Ich dachte aber, es gehe hier um Literatur und selbstverständlich bin ich sehr enttäuscht darüber, dass der Text zu Faraday nicht gewonnen hat. Aber bitte: Wenn Sie meinen, dass meine Wortwahl nicht angemessen war, so löschen Sie doch meine Kommentare hierzu. So wichtig ist die Sache nämlich auch wieder nicht, nein, wahrhaftig nicht ;-)
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