CO2-Einlagerung Ärger über das Scheitern der Operation Untergrund Seite 2/2

Merkels Entscheidung könnte dennoch Folgen für die Potsdamer Wissenschaftler haben. Sie sind nämlich auch an einem Speicherprojekt in der Altmark beteiligt, wo Vattenfall demnächst CO2 aus dem Kraftwerk Schwarze Pumpe in den Untergrund bringen will. Und die Genehmigung dafür hatte das Wirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt an das CCS-Gesetz geknüpft. Noch hat das Magdeburger Ministerium nicht entschieden. "Sollte das Vorhaben nicht genehmigt werden, müssen wir gemeinsam mit dem Bundesforschungsministerium überlegen, wie es weitergeht", sagt Kühn.

Doch nicht nur Geowissenschaftler sind vom Aufschub des Gesetzes betroffen. Mit der Abtrennung des CO2 aus dem Abgas, dem Transport in Rohrleitungen und Verfahren zum Einpressen in den Untergrund sind vorrangig Ingenieure befasst. Einer der Forschungsschwerpunkte ist an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. "Wenn das CCS-Gesetz aufgeschoben wird, ist auch die Förderung für künftige Forschungsprojekte nicht mehr sicher", sagt Hans Joachim Krautz, Professor für Kraftwerkstechnik. Deutschlandweit seien allein an den Universitäten gut 350 Ingenieure mit der CCS-Technik befasst, zahlreiche hochqualifizierte Mitarbeiter eigens dafür eingestellt worden. "Wenn unsere Projekte nicht fortgeführt werden können, gehen diese Leute in die freie Wirtschaft." Selbst wenn die Arbeitsgruppen nach einem halben Jahr neue Fördermittel bekämen, sei es sehr schwierig, die Experten zurück an die Unis zu holen.

Die Technik ist nicht nur für die heimischen Kraftwerke interessant, sondern könnte auch exportiert werden. "Aber die Konkurrenz im Ausland, vor allem in den USA, Frankreich und Skandinavien, ist groß", sagt Krautz. "Bereits eine Pause von wenigen Monaten kann dazu führen, dass wir im internationalen Vergleich ins Hintertreffen geraten."

Die dringende Suche nach Klimaschutzoptionen sollte allerdings nicht dazu führen, übereilt zu handeln, sagt Christian Hey, Generalsekretär des Sachverständigenrats für Umweltfragen. Aus Sicht dieses Beratergremiums hatte das CCS-Gesetz viele Schwachpunkte: Beispielsweise sollten die Energiekonzerne nur 30 Jahre lang für eventuelle Schäden haftbar gemacht werden. Anschließend sollte die Verantwortung auf die Bundesländer übergehen. "Man ist davon ausgegangen, dass die Versiegelung der CO2-Lager hält", sagt Hey. "Aber nach gegenwärtigem Wissensstand kann niemand ernsthaft versichern, dass sie wirklich über Jahrtausende dicht bleiben." Aus seiner Sicht ist das Gesetz nach den Interessen der Kohleindustrie formuliert worden, was andere Nutzungen des Untergrunds wie die Stromerzeugung aus Erdwärme erschwert hätte.

Auch der Sachverständigenrat setzt sich dafür ein, CCS weiter zu erforschen. "Aber man sollte die Technik im Zusammenhang mit anderen Optionen für den Klimaschutz sehen", sagt Hey. Das sei langfristig der Umstieg auf erneuerbare Energiequellen statt Kohle, Öl und Gas. Nach Ansicht der Experten ist das ab Mitte des Jahrhunderts machbar – sofern der Ausbau der Erneuerbaren nicht durch eine Vielzahl neuer Kohlekraftwerke verhindert wird.

 
Leser-Kommentare
    • peto1
    • 29.06.2009 um 20:35 Uhr

    Hört sich sehr Abenteuerlich an.

  1. Na da hat sich der Autor wohl mal kräftig aus den Werbe-Prospektchen der Kohlelobby bedient, wie? Anders ist diese einseitige Darstellung der CO2-Sequestrierung wohl kaum zu erklären.

    Wie wäre es denn mit einem ganz verwegenen Vorschlag: CO2-Vermeidung

    Die Kohle-Lobby versucht nur Ihre Kraftwerke aus der Energie-Steinzeit so lange wie möglich zu retten. Und der Steuerzahler soll das bezahlen.

    Erneuerbare Energien und Gas statt Kohle und Atom, das wäre mal was.

    Das sichert im übrigen auch wesentlich mehr Arbeitsplätze in Deutschland, als es die CO2-Abscheidung jemals könnte. Erneuerbare Energien made in Germany sind Exportschlager ... Atom - und Kohletechnologie aber schon lange nicht mehr.

    • eras
    • 29.06.2009 um 21:23 Uhr

    Das glauben doch wohl auch nur die Leute, die daran verdienen. Wir haben doch gerade erst am Beispiel der Asse erlebt, welche Halbwertszeit die Prognosen von Experten "mit Stallgeruch" haben.

    CCS ist eine weitere Hypothek für die kommenden Generationen. Denn selbst die Befürworter gehen ja nur davon aus, dass die Speicher zwischen 200 und 10.000 Jahren halten (und während der Zeit natürlich ständig kleine Lecks vorhanden sind). Und dann? Klimakatastrophe ein paar Jahre nach hinten verschieben ist nicht gleich Klimakatastrophe verhindern. Mal abgesehen von den Folgen eines eventuellen Supergaus. Ein schmuckes Erdbeben an der falschen Stelle - und Teilen Deutschlands ergeht es wie den Menschen rund um den Nyos-See (http://de.wikipedia.org/w...).

    Wenn das Thema effiziente Energienutzung endlich mal mit dem gleichen Eifer wie CCS angepackt würde, dann würden wir einer Problemlösung wesentlich näher kommen.

    • eras
    • 29.06.2009 um 21:49 Uhr

    Wieso schreibt der Autor Ralf Nestler eigentlich ständig und in allen möglichen Zeitungen über das Geoforschungszentrum Potsdam (wo "zufällig" gerade auch die Verpressungsversuche durchgeführt werden)? Mit einer einfachen Google-Suche komme ich schon auf 8 Artikel in den letzten Monaten. Darunter Jubelarien auf den neuen und den alten Chef. Hier haben offensichtlich nicht nur die Experten "Stallgeruch"...

  2. Irgendwie finde ich es bedenklich. Ständig hört man aus einer "grünen" Ecke: Wir wollen kein CCS, wir wollen keine alten Kohlekraftwerke, wir wollen keine Atomkraftwerke.
    Schön zu wissen was alles nicht gewollt wird, aber ich würde gerne einfach mal Fakten sehen:
    X kW/h durch Kohle
    Y kW/h durch Atomkraft

    Z kw/h können durch reg. Energien sicher erzeugt werden

    Dazu dann mal realistische Rechnungen um wieviel die regenerative Energie pro Jahr gesteigert werden kann.

    Das Problem an solchen Rechnungen wären ganz einfach: ganz viel Regenerative Energien können mal ganz viel Energie liefern, und dann sehr schnell auch wieder nur sehr wenig. Sehr wechselhaft halt. Jetzt wird das noch durch die großen Kraftwerke "abgefedert", und natürlich durch Gas.
    Wenn man Kohle und Atom abschalten würde, dann müsste man im gegenzug dazu Gaskraftwerke bauen (die können schnell zugeschaltet werden, Kohle und Atomkraftwerke brauchen länger zum Anfahren). Also ersetzt man die eine Fossile Energie durch eine Andere. Und Gas kommt aus Pipelines, die aus Russland kommen. Mir wirds da irgendwie anders wenn ich dran denke wie schnell Russland mal eben Gas abdrehen kann (auch wenn schon viel passieren müsste damit dies gegenüber Deutschland passiert, die brauchen ja auch das Geld)
    Hätte man aber fast nurnoch Regenerative und Gas als Stromerzeuger, dann müsste man quasi beides bereithalten. Dadurch würde der Strom massiv teurer (was auch keine Lösung sein kann in einer Welt in der so viel von Energie abhängt)

    Meines Erachtens sollte stärker auf Atomkraft gesetzt werden. Zusätzlich dazu auch regenerative Energien stärken. Dafür CO2 Erzeuger stärker abbauen. Das wäre wirklich grün. Zwar fahren die Betreiber Ihre Atomkraftwerke nicht gerne in teillast, bzw. mit verringerter Last, aber es ist möglich. Atomkraft und Regenerative Energien schließen sich also nicht gegenseitig aus.

    Natürlich könnte man auch über Fusionskraftwerke sprechen, oder aber über die effiziente Speicherung von Energie. Beides ist leider zur Zeit noch nicht in Sicht. Also aufhören zu Träumen, weiterforschen und in der zwischenzeit CO2 erzeugung verringern. Durch Stromsparen und durch CO2 freiere Erzeugung.

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    jetzt habe ich eine Sache vergessen. Regenerative Energie können "viel" und "wenig" Energie erzeugen. Deshalb müsste man für eine sichere Stromerzeugung soviel Regenerative Energiequellen aufbauen, das auch bei Windstille genug erzeugt wird. Das ist aber leider nicht so ohne weiteres und nicht von Heute auf Morgen möglich sein.

    Hier mal der diskussionswürdige Teil Ihres Kommentars:

    Das Problem an solchen Rechnungen wären ganz einfach: ganz viel Regenerative Energien können mal ganz viel Energie liefern, und dann sehr schnell auch wieder nur sehr wenig. Sehr wechselhaft halt. Jetzt wird das noch durch die großen Kraftwerke "abgefedert", und natürlich durch Gas.
    Wenn man Kohle und Atom abschalten würde, dann müsste man im gegenzug dazu Gaskraftwerke bauen (die können schnell zugeschaltet werden, Kohle und Atomkraftwerke brauchen länger zum Anfahren). Also ersetzt man die eine Fossile Energie durch eine Andere. Und Gas kommt aus Pipelines, die aus Russland kommen. Mir wirds da irgendwie anders wenn ich dran denke wie schnell Russland mal eben Gas abdrehen kann (auch wenn schon viel passieren müsste damit dies gegenüber Deutschland passiert, die brauchen ja auch das Geld)

    Gaskraftwerke sind billig zu bauen - viel billiger als Kohle- und Atomkraftwerke. Sie sind auch sehr schnell zu bauen, ebenfalls viel schneller als Kohle- und Atomkraftwerke. Auch ist der Gasverbrauch in Teillast ziemlich gering.

    Darüber hinaus können sie auch mit Biomethan betrieben werden, welches zunehmend in Deutschland produziert wird. Das russische Erdgas kann so problemlos ersetzt werden.

    Und natürlich sind effizente Speichermöglichkeiten für Strom bekannt und in Betrieb - die Pumpspeicherkraftwerke und die wenigen Druckluftspeicherkraftwerke.

    jetzt habe ich eine Sache vergessen. Regenerative Energie können "viel" und "wenig" Energie erzeugen. Deshalb müsste man für eine sichere Stromerzeugung soviel Regenerative Energiequellen aufbauen, das auch bei Windstille genug erzeugt wird. Das ist aber leider nicht so ohne weiteres und nicht von Heute auf Morgen möglich sein.

    Hier mal der diskussionswürdige Teil Ihres Kommentars:

    Das Problem an solchen Rechnungen wären ganz einfach: ganz viel Regenerative Energien können mal ganz viel Energie liefern, und dann sehr schnell auch wieder nur sehr wenig. Sehr wechselhaft halt. Jetzt wird das noch durch die großen Kraftwerke "abgefedert", und natürlich durch Gas.
    Wenn man Kohle und Atom abschalten würde, dann müsste man im gegenzug dazu Gaskraftwerke bauen (die können schnell zugeschaltet werden, Kohle und Atomkraftwerke brauchen länger zum Anfahren). Also ersetzt man die eine Fossile Energie durch eine Andere. Und Gas kommt aus Pipelines, die aus Russland kommen. Mir wirds da irgendwie anders wenn ich dran denke wie schnell Russland mal eben Gas abdrehen kann (auch wenn schon viel passieren müsste damit dies gegenüber Deutschland passiert, die brauchen ja auch das Geld)

    Gaskraftwerke sind billig zu bauen - viel billiger als Kohle- und Atomkraftwerke. Sie sind auch sehr schnell zu bauen, ebenfalls viel schneller als Kohle- und Atomkraftwerke. Auch ist der Gasverbrauch in Teillast ziemlich gering.

    Darüber hinaus können sie auch mit Biomethan betrieben werden, welches zunehmend in Deutschland produziert wird. Das russische Erdgas kann so problemlos ersetzt werden.

    Und natürlich sind effizente Speichermöglichkeiten für Strom bekannt und in Betrieb - die Pumpspeicherkraftwerke und die wenigen Druckluftspeicherkraftwerke.

  3. jetzt habe ich eine Sache vergessen. Regenerative Energie können "viel" und "wenig" Energie erzeugen. Deshalb müsste man für eine sichere Stromerzeugung soviel Regenerative Energiequellen aufbauen, das auch bei Windstille genug erzeugt wird. Das ist aber leider nicht so ohne weiteres und nicht von Heute auf Morgen möglich sein.

    Antwort auf "Irgendwie finde ich es"
    • narrot
    • 29.06.2009 um 23:08 Uhr

    Wie wäre es denn mit einem ganz verwegenen Vorschlag: CO2-Vermeidung

    Die Kohle-Lobby versucht nur Ihre Kraftwerke aus der Energie-Steinzeit so lange wie möglich zu retten. Und der Steuerzahler soll das bezahlen.

    Erneuerbare Energien und Gas statt Kohle und Atom, das wäre mal was.

    Gaskraftwerke haben leider mit CO2-Vermeidung nichts zu tun (nur mit CO2-Austoss-Reduzierung pro Leistung).

    Ich halte Forschung am CSS-Verfahren für sehr wichtig. Natürlich handelt es sich dabei nicht um DIE Lösung aller Energie/Klimaprobleme, aber die Technik könnte durchaus ihren Teil leisten. Aber schon sind wieder alle am Nörgeln: Geht nicht, wollen wir nicht, wir wollen alles Öko, aber trotzdem ne Klimaanlage im Büro ...

    Aber wir wissen ja alle: Strom kommt aus der Steckdose ...

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    1. Gibt es diese nette Funktion "Auf diesen Kommentar antworten"

    Dadurch gewinnt die Diskussion erheblich an Übersicht. Nutzen Sie das bitte in Zukunft.

    2. Zu Ihrer Meinung:

    Gaskraftwerke haben leider mit CO2-Vermeidung nichts zu tun (nur mit CO2-Austoss-Reduzierung pro Leistung).

    Das ist Augenwischerei und dürfte - wie viele dieser Halbwahrheiten - wohl direkt aus der PR-Abteilung der Kohle-Lobby kommen.

    Denn erstens sind GuD-Kraftwerke mit >55% Wirkungsgrad el. bedeutend effizienter als die Kohlekraftwerke mit 35-45% el.
    Zweitens erzeugt eine kWh aus Erdgas lediglich ca. 400 g CO2 - eine kWh aus Kohle aber ca. 900-1200 g CO2.
    Und drittens können Erdgaskraftwerke auch mit Biomethan betrieben werden.

    Fazit: Selbstverständlich trägt Gas statt Kohle ganz erheblich zur Minderung der CO2-Emissionen bei. Dies nennt man CO2-Vermeidung!

    1. Gibt es diese nette Funktion "Auf diesen Kommentar antworten"

    Dadurch gewinnt die Diskussion erheblich an Übersicht. Nutzen Sie das bitte in Zukunft.

    2. Zu Ihrer Meinung:

    Gaskraftwerke haben leider mit CO2-Vermeidung nichts zu tun (nur mit CO2-Austoss-Reduzierung pro Leistung).

    Das ist Augenwischerei und dürfte - wie viele dieser Halbwahrheiten - wohl direkt aus der PR-Abteilung der Kohle-Lobby kommen.

    Denn erstens sind GuD-Kraftwerke mit >55% Wirkungsgrad el. bedeutend effizienter als die Kohlekraftwerke mit 35-45% el.
    Zweitens erzeugt eine kWh aus Erdgas lediglich ca. 400 g CO2 - eine kWh aus Kohle aber ca. 900-1200 g CO2.
    Und drittens können Erdgaskraftwerke auch mit Biomethan betrieben werden.

    Fazit: Selbstverständlich trägt Gas statt Kohle ganz erheblich zur Minderung der CO2-Emissionen bei. Dies nennt man CO2-Vermeidung!

  4. Darum geht es vorrangig. Kurzfristiger Umweltschutz ist lediglich eine positive Begleiterscheinung, denn katastrophale Auswirkungen von CCS in der Zukunft können nicht ausgeschlossen werden.
    Hier habe ich einen interessanten Link:

    http://www.mpg.de/bilderB...

    Diese Mitteilung ist zwar pessimistisch im Bezug darauf, wie sehr Aufforstung von brachliegenden Ackerflächen den von Menschen erzeugten CO2 Ausstoss in Europa kompensieren können. Er geht allerdings von einer weiteren Steigerung des CO2 Ausstosses aus. Wenn es aber gelingt, den CO2 Ausstoss sogar zu verringern, dann ist eine Aufforstung von Ackerflächen die weitaus bessere und billigere Alternative zu CCS. Insbesondere dann, wenn man EU Agrarsubventionen für Brachland an eine Aufforstung knüpft. Natürlich müssen weltweit die Waldbestände wieder vergrößert werden. Vor allem da wo die grünen Lungen der Erde rücksichtslos abgeholzt wurden und noch immer werden. Statt in CCS sollte eher in Geothermie, Solarthermie (ich meine nicht Photovoltaik) bessere Energienetze und vor allem weltumspannende Energienetze investiert werden um, z.B. isländischen Geothermiestrom und australischen und afrikanischen Solarthermiestrom nach Europa zu bringen um hier die Energielücke nach Wegfall von fossilen und Atomkraftwerken zu schließen.
    Da können dann deutsche Wissenschaftler und Ingenieure in Technik und Materialforschung eine Spitzenposition einnehmen.
    Das wichtigste ist jedoch den Energiekonsum vernünftig zu gestalten und Verschwendung zu beseitigen um den Energieverbrauch drastisch zu senken.

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