Star-Geiger Garrett "Jackson war ein klassischer Künstler"
Der Tod des "King of Pop" erschütterte die Musikszene. Der Star-Geiger David Garrett spricht über Jacksons Leben zwischen Perfektionismus und medialem Druck

© Karsten Woelk
"Es ist schwierig, der Verantwortung seinem eigenen Talent gegenüber gerecht zu werden", sagt David Garrett
ZEIT ONLINE: Herr Garrett, warum berührt der Tod Michael Jacksons sogar Menschen, die seine Musik kaum gehört haben?
David Garrett: Aufgrund seiner fast beispiellosen Popularität wurde Michael Jackson mit der Zeit zu einem Teil der Menschen und ihrer Erinnerungen. Egal, ob man die Musik mag oder nicht. Jackson war ein unglaublich talentierter Mann, der vielleicht gerade damit am Ende nicht mehr zurecht gekommen ist. Wenn man so begabt ist wie er, ist es sehr schwierig, der Verantwortung seinem eigenen Talent gegenüber gerecht zu werden. Viele Künstler zerbrechen daran, und ich fürchte, genau das ist ihm passiert.
ZEIT ONLINE: Michael Jacksons Tod wirft viele Fragen nach der Freiheit und Autonomie des Künstlers im Zeitalter globaler Vermarktungsstrategien auf. Wie denken Sie darüber?
Garrett: Er hat schon als junger Mann Karriere gemacht. Das heißt auch, dass er sehr bald von vielen Leuten fremdbestimmt wurde. Ich habe nach meiner Zeit als Wunderkind glücklicherweise früh genug einen Schlussstrich ziehen können und mich vom Konzertleben zurückgezogen. Michael Jackson hat das, glaube ich, nie so richtig geschafft. Er hat sein ganzes Leben gesucht, was man als Kinderstar verliert: die Kindheit. Wer sich damit emotional nicht abfinden kannn, läuft dieser verlorenen Kindheit das ganze Leben hinterher. Ich glaube, das war die Tragik seines Lebens – und seines Sterbens.
ZEIT ONLINE: Mit Michael Jackson erreichte die mediale Selbstinszenierung und Selbstermächtigung des Künstlers einen einsamen Höhepunkt.
Garrett: Wenn man so früh zum Megastar wird wie er, ist es schwierig, sein Selbstbewusstsein auf natürliche Weise zu entwickeln. Das ist ein langsamer Prozess, zu dem auch gehört, dass man lernt, sich – vor allem in den Teenagerjahren – in seinem eigenen Körper wohlzufühlen. Michael Jacksons Selbstinszenierung war vielleicht einfach eine Flucht nach vorne, ein Schutzmechanismus, um Selbstbewusstsein vorzutäuschen. Dieser Widerspruch zwischen Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung ist schwer zu verarbeiten.
ZEIT ONLINE: Gegen eine derart schillernde Pop-Ikone sehen Klassik-Stars oft sehr alt aus. Was kann die Klassik von einem wie Michael Jackson lernen?
- Datum 30.06.2009 - 23:01 Uhr
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Ob MJ ein "klassischer Künstler" war, wird allein die Historie beurteilen können.
Und auch wenn es im Leben manch eines Mozarts allerlei Eskapaden gab: Bei Jacksons Glamour á la Hollywood seien leise Zweifel erlaubt, wie dieses Urteil ausfallen mag.
Vielleicht war die Gestalt von MJ doch nur ein Art personifizierte Hochrechnung einer auf Schein aufgebauten US-Unkultur mit weltweit fragwürdigen Folgen, einschließlich "Big Brother", Dschungel Camp und Botox...
Am Hotel Bayerischer Hof in München sind zu seinem Todestag unzählige Erinnerungen und Kerzen von Fans aufgestellt. Sehr ergreifende Szene. Bei http://www.emorial.de/mic... kann man eine digitale Kerze für ihn anzünden.
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