Star-Geiger Garrett "Jackson war ein klassischer Künstler"Seite 2/2
Garrett: Ich glaube, es war genau andersherum: Michael Jackson hat sich, was seinen Perfektionismus betraf, viel eher an der Klassik orientiert. Wenn man seine Platten hört, die Art, wie alles zusammengestellt ist, die Arrangements und auch sein Gesang, stellt man fest, dass er fast ein bisschen wie Jascha Heifetz war. Das mag sich nach einem gewagten Vergleich anhören. Er war sehr kompromisslos, wenn es um seine Musik und seinen Gesang ging. Wenn man selber diese Perfektion sucht, entsteht ein enorm hoher Druck, diesem allem über Jahre hinweg gerecht zu werden. In der Hinsicht war Jackson ein echter Klassiker-Künstler. Das ist im Pop- und Rockbereich heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Michael Jackson war Old School.
ZEIT ONLINE: Jackson stand immer im Rampenlicht. Er hatte keine Rückzugsmöglichkeiten und fühlte sich doch einsam.
Garrett: Diese Einsamkeit kann ich sehr gut nachvollziehen. Je mehr Menschen dich kennen, desto mehr ziehst du dich zurück. Die ganz normale Freundschaft wird umso schwieriger, je populärer man wird. Weil jeder, der dich anruft, irgendetwas von dir will. Das kann schon sehr entmutigend sein.
ZEIT ONLINE: In der griechischen Tragödie gibt es den Begriff Hybris, also die Anmaßung, die den Zorn der Götter auf sich zieht. Inwieweit hat Michael Jackson ein mythisches Schicksal erlitten?
Garrett: Ich glaube nicht, dass er es selbst so gewollt hat. So etwas kann man auch nicht kalkulieren. Manche Situationen kann ein Mensch allein einfach schlecht verarbeiten. Man kann sich kaum vorstellen, unter welchem Druck er in den letzten Jahren gelebt hat, als die positive Popularität ins Negative umschlug. Die Medien haben nur noch das Bizarre und Verrückte gesucht. Möglicherweise hat er sich dann in sein Schicksal ergeben.
Das Gespräch führte Burkhard Schäfer.
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- Datum 30.06.2009 - 23:01 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ob MJ ein "klassischer Künstler" war, wird allein die Historie beurteilen können.
Und auch wenn es im Leben manch eines Mozarts allerlei Eskapaden gab: Bei Jacksons Glamour á la Hollywood seien leise Zweifel erlaubt, wie dieses Urteil ausfallen mag.
Vielleicht war die Gestalt von MJ doch nur ein Art personifizierte Hochrechnung einer auf Schein aufgebauten US-Unkultur mit weltweit fragwürdigen Folgen, einschließlich "Big Brother", Dschungel Camp und Botox...
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