Film Mut zum Eklat beim Filmfest
Die Jury auf dem Münchner Filmfest hat entschieden: Es wird keine Förderpreise Deutscher Film für Regie und Drehbuch geben. Die Nominierten seien derer nicht würdig
Die Jury, bestehend aus Oscar-Preisträgerin Caroline Link, dem Produzenten Uli Aselmann und dem Schauspieler Maximilian Brückner, war die ganze Woche schon mit recht betretenen Mienen auf dem Münchner Filmfest unterwegs gewesen. Man haderte mit der Auswahl und der Qualität der für insgesamt fünf Sparten nominierten Filme. Der Förderpreis Deutscher Film wird für Schauspiel (weiblich und männlich), Drehbuch, Produktion und Regie vergeben. Die Jurorin Caroline Link erklärte: "Wir haben händeringend nach einem Film gesucht, der eine Geschichte erzählt, der in irgendeiner Weise relevant ist - von einer politischen oder gesellschaftlichen Bedeutung wage ich schon gar nicht mehr zu reden. Aber da war nichts, was uns berührt oder interessiert hätte. Man fragt sich dann schon, woran das liegt. Gab es in diesem Jahr nicht mehr spannendes, junges Kino? Wollen die entsprechenden Filmemacher nicht nach München, wollen sie woanders hin? Oder sieht das Filmfest München nicht die richtigen Filme, wählt also die falschen aus? Im Moment sind wir alle noch auf der Suche."
Diese Suche endete dann Mittwochmittag mit einem kleinen Eklat: Die Jury entschied sich nach vielen Diskussionen und einer schlaflosen Nacht, den Förderpreis Deutscher Film 2009 in den Sparten Regie und Drehbuch nicht zu vergeben. Das ist aufgrund der Qualität der nominierten Filme nachvollziehbar.
Als prinzipielles Problem gilt aber schon seit längerer Zeit die geringe Anzahl der Werke, die für die Jury überhaupt zur Auswahl stehen. Die Stifter des Preises, die HypoVereinsbank, die Bavaria Film und der Bayerische Rundfunk, die letztlich mit der Auswahl der nominierten Filme durch die Programmmacher des Filmfestes leben müssen, versprachen gestern, über die Regularien nachzudenken und mit den Verantwortlichen des Filmfestes zu sprechen. Bereits in den vergangenen Jahren gab es wiederholt Auseinandersetzungen um den Förderpreis Deutscher Film. Die aktuelle Jury hat nun sehr mutig ein Zeichen ihrer Unzufriedenheit gesetzt. Sie nennt es "eine Entscheidung für die Zukunft". Sie hat den Film Draußen am See immerhin mit dem Produzentenpreis ausgezeichnet, außerdem Hauptdarstellerin Elisa Schlott. Und für das Drama um zwei Brüder Hangtime – Kein leichtes Spiel wurde Max Kidd als bester Nachwuchsdarsteller prämiert.
Nach der Bekanntgabe Mittwochmittag während einer Pressekonferenz kam es dann zu heftigen Diskussionen zwischen der Jury, den Stiftern des Preises und den anwesenden Nachwuchsfilmemachern. Vertreter des Filmfestes München waren leider nicht anwesend.
Die nominierten Regisseure und Drehbuchautoren, die leer ausgingen, fühlten sich um die ausgelobten Preisgelder betrogen und meinten, wie etwa Felix Fuchssteiner, der an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film Regie studiert hat, es sei lächerlich, dass die Differenzen um den Förderpreis auf ihrem Rücken ausgetragen würden: "Ich finde, jeder Film, der überhaupt fertig geworden ist, müsste schon ausgezeichnet werden. Es bedeutet eine solche Anstrengung, einen Film zu drehen – wenn man dann für einen Preis nominiert ist, und der wird nicht vergeben, weil es da irgendwelche internen Konflikte gibt, das ist schon sehr bitter und deprimierend."
Die Preissumme in Höhe von 30.000 Euro, die nicht vergeben wurde, soll nun der Münchner Hochschule gespendet werden. Das ist eine noble Geste. Wichtiger erscheint es aber, den Förderpreis Deutscher Film für nächstes Jahr wieder zu einer ernstzunehmenden Auszeichnung zu machen. Da zumindest gibt es eine Menge Stoff für Gespräche.
- Datum 03.07.2009 - 07:08 Uhr
- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 14
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Zitat: "Ich finde, jeder Film, der überhaupt fertig geworden ist, müsste schon ausgezeichnet werden."
Klingt ein wenig nach: "Ich hab mir soviel Mühe gemacht und nun hat mich keiner lieb...." Sorry, offenbar haben die Herren Filmemacher einfach Mist abgeliefert (was sie in Deutschland meiner Meinung nach fast nur tun...). Nun diese Kritik als internen Konflikt abzutun und nach Preisen für jeden Mist zu fragen, zeigt recht deutlich das die Aktion der Preisvergeber richtig war...
Eine "betretene Mine" (sic!) ist ein deutscher Film stets für den Zuschauer. Und das war, für meinen Geschmack, schon immer so. Beim Anschauen deutscher Filme fragt man sich, wie es die Schauspieler schaffen, so unglaubwürdig zu spielen, und wie es die Drehbuchautoren schaffen, sich so belanglosen Kram auszudenken. In einem Land, wo Til Schweiger als Talent gilt, dürfte es eigentlich gar keinen Filmpreis geben...
sehr beruhigend zu hören, dass es noch andere mit dieser Auffassung gibt! Vom filmischen Inhalt abgesehen, spielt die schauspielerische Fähigkeit scheinbar ebenfalls eine nur untergeordnete Rolle.
Hier in München waren im Rahmen des Filmfestes die letzten Tage (scheinbar ersatzweise) jede Menge "Jungschauspieler" aus dem Fernsehen unterwegs, die Szene-üblich abfeierten und auf diversen gesponsorten Veranstaltungen so taten, als hätte das Filmfest etwas mit ihnen zu tun - ich habe mich ernsthaft gefragt, ob diese jungen Menschen wirklich daran glauben, dass sie Schauspieler seien, nur weil sie sich vom Grünwalder Kabelträger aus den Bavariastudios zum Seriendarsteller im deutschen Privatfensehen hochge.. (arbeitet?) haben...
Eine angebliche Regieassistentin einer Polizeiserie hat mir auf meinen Einwand, ob es denn wirklich nötig sei, dass in jedem Film ständig Autos explodieren und Polizistinnen mit Pistolen herumfuchteln geantwortet: da werde viel Geld und Know-How in Effekte reingesteckt und das sei schliesslich genau das was der Zuseher auch sehen wolle...
Sollte sie Recht haben sind wir wieder beim Bild-Zeitungs-Paradoxon..
sehr beruhigend zu hören, dass es noch andere mit dieser Auffassung gibt! Vom filmischen Inhalt abgesehen, spielt die schauspielerische Fähigkeit scheinbar ebenfalls eine nur untergeordnete Rolle.
Hier in München waren im Rahmen des Filmfestes die letzten Tage (scheinbar ersatzweise) jede Menge "Jungschauspieler" aus dem Fernsehen unterwegs, die Szene-üblich abfeierten und auf diversen gesponsorten Veranstaltungen so taten, als hätte das Filmfest etwas mit ihnen zu tun - ich habe mich ernsthaft gefragt, ob diese jungen Menschen wirklich daran glauben, dass sie Schauspieler seien, nur weil sie sich vom Grünwalder Kabelträger aus den Bavariastudios zum Seriendarsteller im deutschen Privatfensehen hochge.. (arbeitet?) haben...
Eine angebliche Regieassistentin einer Polizeiserie hat mir auf meinen Einwand, ob es denn wirklich nötig sei, dass in jedem Film ständig Autos explodieren und Polizistinnen mit Pistolen herumfuchteln geantwortet: da werde viel Geld und Know-How in Effekte reingesteckt und das sei schliesslich genau das was der Zuseher auch sehen wolle...
Sollte sie Recht haben sind wir wieder beim Bild-Zeitungs-Paradoxon..
Das ist doch mal ein Ruck, der durchs Land geht!
Statt "unter den Blinden ist der Einäugige König" die Republik auszurufen -
doch, das hat was!
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"Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
A Fish called Wanda
Ich habe erst gestern einen deutschen Film gesehen (Alle anderen). Die Erzählung war lahm und pseudo-künstlerisch, die Geschichte plump aufgemacht, mit vielen einfachen Tricks wie sie nur in billigen Hollywood-Streifen verwendet werden. Man konnte aus der Erzählung ablesen, dass hier nach Schema-F verfahren wurde.
Das geht mir oft so (aber nicht immer), wenn ich Filme aus diesem Lande sehe. Den Konversationen in den Filmen sieht man an, dass sie auf dem Papier konstruiert wurden. Fürchterlich!
Meinen Respekt für die Entscheidung, die einen Preis nur vergibt, wenn Mindeststandards am Qualität erfüllt wurden. Man kann vielleicht in Zukunft einen Film im Kino anschauen, der diesen Preis gewonnen hat. Verschenken dient nicht der künstlerischen Qualität.
sehr beruhigend zu hören, dass es noch andere mit dieser Auffassung gibt! Vom filmischen Inhalt abgesehen, spielt die schauspielerische Fähigkeit scheinbar ebenfalls eine nur untergeordnete Rolle.
Hier in München waren im Rahmen des Filmfestes die letzten Tage (scheinbar ersatzweise) jede Menge "Jungschauspieler" aus dem Fernsehen unterwegs, die Szene-üblich abfeierten und auf diversen gesponsorten Veranstaltungen so taten, als hätte das Filmfest etwas mit ihnen zu tun - ich habe mich ernsthaft gefragt, ob diese jungen Menschen wirklich daran glauben, dass sie Schauspieler seien, nur weil sie sich vom Grünwalder Kabelträger aus den Bavariastudios zum Seriendarsteller im deutschen Privatfensehen hochge.. (arbeitet?) haben...
Eine angebliche Regieassistentin einer Polizeiserie hat mir auf meinen Einwand, ob es denn wirklich nötig sei, dass in jedem Film ständig Autos explodieren und Polizistinnen mit Pistolen herumfuchteln geantwortet: da werde viel Geld und Know-How in Effekte reingesteckt und das sei schliesslich genau das was der Zuseher auch sehen wolle...
Sollte sie Recht haben sind wir wieder beim Bild-Zeitungs-Paradoxon..
meine lieben Vorposter, sie schießen sich etwas zu stürmisch auf die vermeintliche Filmwüste Deutschland ein. Es gibt durchaus mehr als gute Filme hier ! Was ist zum Beispiel mit Das Weiße Rauschen, Kammerflimmern, Herr Lehmann, Wir können auch anders (!), 21, oder Wholetrain (!). Für mich sind dies so mit die besten Filme überhaupt. Kennen sie die nicht oder ist mein Filmgeschmack wirklich so miserabel und anspruchslos ?
Beste Grüße, monz
Erscheinungsjahr: 1993
Sagt wikipedia.
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"Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
A Fish called Wanda
a) wie alt sind die filme?
b) wievile filme werden jahr für jahr in d produziert (mit üppigen öffentlichen förderungen zudem)?
6 filme aus den vergangenen knapp 20 jahren (und ob man die generell als "gut" einstuft, ist damit ja auch noch längst nicht gesagt).
aber wie schon ein vorposter sinngemäss sagte: ein land, das til schweiger als talentiert betrachtet, hat nichts besseres verdient.
Erscheinungsjahr: 1993
Sagt wikipedia.
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"Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
A Fish called Wanda
a) wie alt sind die filme?
b) wievile filme werden jahr für jahr in d produziert (mit üppigen öffentlichen förderungen zudem)?
6 filme aus den vergangenen knapp 20 jahren (und ob man die generell als "gut" einstuft, ist damit ja auch noch längst nicht gesagt).
aber wie schon ein vorposter sinngemäss sagte: ein land, das til schweiger als talentiert betrachtet, hat nichts besseres verdient.
Ich finde, die Entscheidung der Jury kommt schon beinahe einer kleinen Revolution gleich! In einer Gesellschaft, in der Mittelmaß absolut Trumpf ist und Underperformer unvergleichlichen Welpenschutz genießen (den ja die nominierten und dann doch nicht bedachten Filmemacher fast reflexartig auch tatsächlich eingefordert haben!) ist diese Entscheidung pro Leistung und Qualität eine herausragende Tat. Meinen Respekt!
Erscheinungsjahr: 1993
Sagt wikipedia.
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"Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
A Fish called Wanda
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