Agrarsubventionen EU eröffnet Verfahren gegen Deutschland

Die Europäische Kommission macht ernst: Sie hat ein Verfahren eingeleitet, weil Bayern die Empfänger von EU-Agrarsubventionen nicht öffentlich bekannt macht

Weil die bayerischen Empfänger von EU-Agrarsubventionen nach wie vor im Dunkeln bleiben, informierte die Behörde die Bundesregierung darüber, dass jetzt ein Verfahren eröffnet ist. Angesichts der Verweigerungshaltung Bayerns bleibe keine andere Wahl, hieß es zur Begründung. Das Vertragsverletzungsverfahren kann zu einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) führen und hohe Strafgelder für die Bundesregierung nach sich ziehen. Die EU-Kommission kann aber nur gegen nationale Regierungen vorgehen, nicht gegen einzelne Bundesländer.

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) sagte dem Deutschlandfunk, sie werde Bayern die Aufforderung zur Veröffentlichung der Daten weiterleiten. Sie sagte, die Bauern hätten nichts zu verbergen. Die Direkthilfen aus Brüssel seien keine Geschenke, sondern ein Ausgleich für die Leistungen der Landwirte.

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Der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) sagte zu dem Verfahren: "Wir bedauern, dass die EU-Kommission nicht zuvor die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes abgewartet hat." Bayern wolle Rechtssicherheit in der Frage, ob eine Veröffentlichung der Daten gegen grundsätzliches EU-Recht zum Datenschutz verstoße. Genau dieses prüfe derzeit der Gerichtshof.

Eigentlich hätten alle Empfänger der Milliarden-Subventionen am 30. April im Internet veröffentlicht sein müssen. Einzig Bayern weigert sich wegen rechtlicher Bedenken weiter, die Namen und Daten offenzulegen. Auch alle anderen 26 EU-Staaten haben bereits die Namen von Empfängern veröffentlicht.  Die Bundesregierung hat jetzt zunächst einen Monat Zeit zu reagieren.

Im Jahr 2008 erhielt Deutschland mindestens 4,87 Milliarden Euro Agrarhilfen aus Brüssel zuzüglich der fehlenden Angaben aus Bayern.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Klar, dass es der Filz-Partei nicht passt, aber dann sollen sie halt austreten aus Deutschland und der EU, wenn sie die Subventionen nicht mehr wollen.

  2. Das Datenschutzgesetz muss so eine Veröffentlichung zulassen. Wenn nicht, müßte es geändert werden.
    Die EU wird wohl ihre sebst gemachten Gesetze kennen.

    EU-weit gibt es keine der befürchteten Debatten. Daß die Subventionen abgebaut werden müssen, ist doch beschlossen. Diese sind reine Geldverbrennung.

  3. Die CSU mag manchmal tapsig sein; dumm ist sie nicht. Große Empfänger von Agrarsubventionen in Bayern sind u. a. auch Bistümer, Konzerne, aber in den einzelnen Landkreisen auch Landwirte, die in der CSU politisieren. Das sind nicht einmal so sehr MdBs oder MdLs, sondern Menschen, die mehr im Hintergrund stehen, also Dorfbürgermeister, kreisräte, die oftmals mehrere hunderttausend EURO Subventionen erhalten pro Jahr. Wenn das herauskommt, gibt es vor Ort eine gewisse Unzufriedenheit.
    Und da läuft vieles ja auch nicht rund. Schwestern, Brüder, Schwager,
    von Großbauern sind oft im Amt f. Landwirtschaft tätig.
    Ergo: Es gibt personelle Verflechtungen. Es gibt Verflechtungen Mehrheitspartei-Bauernverband-Landwirtschaftsamt-Genossenschaftswesen (BAYWA/Genobanken)- Landwirtschaftsschulen.
    Über die Kommunalpolitik suchen Agrarier gute Grundstücksgeschäfte (Planungswert-Zuwachs) zu tätigen. Also: Es ist viel Musik drin. Es geht um vieles und um sehr viel Geld in toto.
    Deshalb: EU bleibe hart. Alle Zahlen müssen raus. Wer Geheimniskrämerei will, hat offensichtlich etwas zu verbergen.
    Nebenbei: Wäre schon seit Jahrzehnten fällig. Auch übrigens eine Prosperitätsklausel (Fördersummenobergrenze)

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