Millionen Internetnutzer installieren heute und in den nächsten Tagen die Version 3.5 des Browsers Firefox. Wieder einmal ist das Programm schneller geworden, wieder einmal haben die Programmierer neue Funktionen wie einen Privatmodus integriert, der das Speichern brisanter Daten verhindert. Wirklich Weichen stellend ist jedoch eine Funktion, die bislang noch kaum eine Rolle spielt: Erstmals kann der Browser selbständig Audio- und Videodateien wiedergeben. 

Bisher waren Browser auf Software von Drittherstellern angewiesen, um Multimediainhalte abzuspielen. In den meisten Fällen heißt die: Flash. Das Programm ist laut Hersteller Adobe auf mehr als 98 Prozent aller Computer weltweit installiert. Ruft man beispielsweise die Seite von YouTube auf, lädt der Browser im Hintergrund einen Flashplayer und blendet das Video direkt auf der Webseite ein.

83 Prozent aller Webvideos werden heute mit Flash-Technik abgespielt, ermittelte der Statistikanbieter Comscore. Diesen enormen Erfolg verdankt Flash vor allem YouTube, das im Jahr 2005 mit dem Einsatz dieser Technologie einen Video-Boom auslöste. Seitdem kommt man im Internet an dem Programm kaum noch vorbei.

Damit könnte es bald vorbei sein. Im neuen Web-Standard "HTML 5" sind Techniken zur Videowiedergabe enthalten, die den Flashplayer überflüssig machen. Statt die Arbeit von einem anderen Programm erledigen zu lassen, sollen die Browser diese Aufgabe in Zukunft selbst meistern.

Hersteller Adobe zeigt sich verständlicherweise misstrauisch: Die Arbeitsgruppe, die HTML 5 entwickelt habe, sei lediglich ein Zusammenschluss von "kleinen Browser-Herstellern", schreibt Firmenblogger John Dowdell. Adobe stehe der Entwicklung daher eher abwartend gegenüber: "Was zählt, ist keine Presseerklärung, sondern was tatsächlich in der realen Welt ankommt", schrieb Dowdell.

Mit dem Hinweis auf die bisher mangelnde Praxistauglichkeit hat Dowdell zweifellos Recht. Bisher gibt es nur einige wenige experimentelle Angebote, die HTML 5 nutzen. Das französische Videoportal Dailymotion hat eine Testplattform für den neuen Videostandard aufgebaut, auf den Seiten der Mozilla Foundation gibt es einige Testvideos und in der Online-Enzyklopädie Wikipedia kann man mit der neuen Technik eine Handvoll historischer Filmschnipsel betrachten. Verglichen mit Hunderten Millionen Flashvideos, die überall im Internet verteilt sind, ist das mehr als kümmerlich.

Doch gibt es bei der neuen Technik einige Vorteile für den Nutzer. So kann man endlich im Browser selbst die Lautstärke von Videos regeln und kann die Filme auch einfacher auf der eigenen Festplatte speichern. Ansonsten sieht die Technik bisher ähnlich aus, wie die bekannten Flash-Portale. Die Videos laden auf Knopfdruck, Vor- und Rückspulen funktioniert wie gewohnt. Allerdings kommt nicht jeder Browser mit jeder Seite schon gleich gut aus, was dazu führen kann, dass das Anschauen nicht ganz so problemlos ist.