Militärputsch in Honduras Die Rückkehr der Generäle

Der Putsch in Honduras weckt in Lateinamerika Erinnerungen an die Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts - und ist auch eine Warnung an machtversessene linke Regierungen

Vor dem Präsidentenpalast in Tegucigalpa: Protest gegen das Militär nach dem Putsch gegen den Präsidenten

Vor dem Präsidentenpalast in Tegucigalpa: Protest gegen das Militär nach dem Putsch gegen den Präsidenten

Als Roberto Micheletti ans Rednerpult trat, kochte die Stimmung im Nationalkongress hoch: "Honduras, Honduras", riefen die Abgeordneten und feierten den neuen Präsidenten des mittelamerikanischen Landes demonstrativ mit Sprechchören und lauten Beifallsstürmen. Die Botschaft sollte eindeutig sein: Die Parlamentarier stehen hinter dem Staatsstreich, der am Sonntag das ganze Land in Atem hielt und die Region in Angst und Schrecken versetzte.

Da half es auch wenig, dass der ehemalige Vorsitzende des Kongresses und neue starke Mann des Landes bei seiner Antrittsrede "mehr Demokratie als jemals zuvor" für Honduras versprach. Tausende Menschen waren zeitgleich in der Hauptstadt Tegucigalpa vor den Präsidentenpalast gezogen, um gegen den Staatsreich zu demonstrieren. Trotzdem blieb die Lage vergleichsweise ruhig.

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Unterdessen reagierte vor allem der sozialistisch geführte Teil Lateinamerikas geschockt und konsterniert. Venezuelas wortgewaltiger Präsident Hugo Chavez drohte mit einem Militärschlag, sein bolivianischer Amtskollege Evo Morales rief den Rest der Welt zur Hilfe. Aus gutem Grund: Der spektakuläre Militärputsch in Honduras weckte in Mittel- und Südamerika Erinnerungen an dunkelste Epochen in der Region. Brutale Militärdiktaturen kontrollierten im 20. Jahrhundert fast ganz Lateinamerika. Gleichzeitig ist der Putsch in Honduras aber auch eine Warnung an die links geführten Regierungen des Kontinents, dass sich der Wille zum Machterhalt auf Ewigkeit nicht überall so rücksichtslos durchsetzen lässt.

Honduras ging den mittlerweile typischen lateinamerikanischen Weg: Wie in Venezuela, Ecuador oder Bolivien wollte auch Präsident Manuel Zelaya nicht akzeptieren, dass seine Macht endlich ist. Auch er wählte den mittlerweile klassischen Weg des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", den Vordenker Chavez in Caracas so gerne propagiert. Darin ist kein Platz für ein Abdanken vom Altar der Macht. In Honduras hätte sich Zelaya ohne Verfassungsänderung beim nächsten Urnengang im November nicht mehr zur Wiederwahl stellen dürfen. Doch was in anderen sozialistischen Ländern bislang trotz erbitternden Widerstands der Opposition funktionierte, sollte in Honduras am Gegenwind der verfassungsgebenden Organe scheitern.

Die Eskalation des Streits zwischen Manuel Zelaya und den Militärs sowie der Justiz hatte sich bereits vor Tagen angedeutet. Zelaya entließ die Militärführung und den Verteidigungsminister, weil diese sich weigerten das umstrittene Referendum über eine Verfassungsänderung mitzutragen. Als sich auch noch der oberste Gerichtshof gegen Zelaya stellte, wurde offensichtlich, dass der Präsident nicht mehr die Kontrolle über den staatlichen Machtapparat hatte.

Am Ende stand die "Entführung" des Regierungschefs nach Costa Rica am Sonntagmorgen. Eine Armee-Einheit hatte Zelaya nach dessen Angaben gegen seinen Willen außer Landes gebracht. Anschließend sprach Zelaya auf einer Pressekonferenz im Exil von einer "politisch-militärischen Verschwörung".

Leser-Kommentare
  1. Wenn bei uns Helmut Kohl fast eine ganze Generation lang regieren darf ist das kaum erwähnenswert, aber wehe ein Linker am anderen Ende der Welt versucht sowas...

    Ich denke zu lange an der Macht zu sein korrumpiert mit hoher Wahrscheinlichkeit, also halte ich was da in Lateinamerika vor sich geht keineswegs für eine gute Entwicklung. Ich frage mich allerdings, wie man so unreflektierten Journalismus betreiben kann. Und das hier ist ja kein Einzelfall.

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    Helmut Kohl aufgrund seiner langen Regierungszeit mit lateinamerikanischen Militärputschisten in eine Reihe zu stellen, ist nicht mehr ganz in Ordnung. Vielleicht ist es Ihnen ja entgangen, und ganz ohne Zweifel kann man über Helmut Kohl und seine politischen Inhalte geteilter Meinung sein (ich beispielsweise hätte ihn nie gewählt), aber es besteht ein definitiver Unterschied zwischen einem Militärputsch nach dem regulären Ende der Amtszeit und mehrfacher demokratischer Wiederwahl.

    Wenn Sie schon solch hypermoralische Maßstäbe anlegen, weshalb ist es Ihnen dann noch nicht in den Sinn gekommen, sich zu fragen, wie es die Familie von Weizsäcker geschafft haben mag, quasi staatsformunabhängig durch das gesamte 20. Jahrhundert hindurch in gesellschaftliche Spitzenpositionen zu gelangen (ich rede hier nicht von den Wissenschaftlern, sondern von den Beamten und Politikern)? Ist das Ihrer Ansicht nach auch schon bedenklich?

    Helmut Kohl aufgrund seiner langen Regierungszeit mit lateinamerikanischen Militärputschisten in eine Reihe zu stellen, ist nicht mehr ganz in Ordnung. Vielleicht ist es Ihnen ja entgangen, und ganz ohne Zweifel kann man über Helmut Kohl und seine politischen Inhalte geteilter Meinung sein (ich beispielsweise hätte ihn nie gewählt), aber es besteht ein definitiver Unterschied zwischen einem Militärputsch nach dem regulären Ende der Amtszeit und mehrfacher demokratischer Wiederwahl.

    Wenn Sie schon solch hypermoralische Maßstäbe anlegen, weshalb ist es Ihnen dann noch nicht in den Sinn gekommen, sich zu fragen, wie es die Familie von Weizsäcker geschafft haben mag, quasi staatsformunabhängig durch das gesamte 20. Jahrhundert hindurch in gesellschaftliche Spitzenpositionen zu gelangen (ich rede hier nicht von den Wissenschaftlern, sondern von den Beamten und Politikern)? Ist das Ihrer Ansicht nach auch schon bedenklich?

  2. Helmut Kohl aufgrund seiner langen Regierungszeit mit lateinamerikanischen Militärputschisten in eine Reihe zu stellen, ist nicht mehr ganz in Ordnung. Vielleicht ist es Ihnen ja entgangen, und ganz ohne Zweifel kann man über Helmut Kohl und seine politischen Inhalte geteilter Meinung sein (ich beispielsweise hätte ihn nie gewählt), aber es besteht ein definitiver Unterschied zwischen einem Militärputsch nach dem regulären Ende der Amtszeit und mehrfacher demokratischer Wiederwahl.

    Wenn Sie schon solch hypermoralische Maßstäbe anlegen, weshalb ist es Ihnen dann noch nicht in den Sinn gekommen, sich zu fragen, wie es die Familie von Weizsäcker geschafft haben mag, quasi staatsformunabhängig durch das gesamte 20. Jahrhundert hindurch in gesellschaftliche Spitzenpositionen zu gelangen (ich rede hier nicht von den Wissenschaftlern, sondern von den Beamten und Politikern)? Ist das Ihrer Ansicht nach auch schon bedenklich?

    Antwort auf "Zweierlei Maß?"
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    Sie haben offenbar den Artikel nicht gelesen (oder verstanden) und daher meinen Kommentar nicht verstanden (wofür der Kontext notwendig gewesen wäre).

    Es geht in dem Artikel darum, dass ein Linker Politiker, der sich demokratisch wiederWÄHLEN lassen wollte, militärisch weggeputscht wird, weil die Verfassung so geändert werden sollte, dass (s)eine Wiederwahl ermöglicht wird. Und in dem Artikel wird suggeriert, dass das doch irgendwie auch eine gute Sache sei, weil es ja nicht angehe, dass ein linker Politiker sich ständig wiederwählen lassen wolle.

    Das ist aus deutscher Perspektive schwer nachvollziehbar, weil die Verfassung bei uns eine unbegrenzte Wiederwahl bereits erlaubt und niemand auf die Idee kommt deswegen einen Militärputsch durchzuführen.

    Sie haben offenbar den Artikel nicht gelesen (oder verstanden) und daher meinen Kommentar nicht verstanden (wofür der Kontext notwendig gewesen wäre).

    Es geht in dem Artikel darum, dass ein Linker Politiker, der sich demokratisch wiederWÄHLEN lassen wollte, militärisch weggeputscht wird, weil die Verfassung so geändert werden sollte, dass (s)eine Wiederwahl ermöglicht wird. Und in dem Artikel wird suggeriert, dass das doch irgendwie auch eine gute Sache sei, weil es ja nicht angehe, dass ein linker Politiker sich ständig wiederwählen lassen wolle.

    Das ist aus deutscher Perspektive schwer nachvollziehbar, weil die Verfassung bei uns eine unbegrenzte Wiederwahl bereits erlaubt und niemand auf die Idee kommt deswegen einen Militärputsch durchzuführen.

    • Logeg
    • 29.06.2009 um 13:21 Uhr

    Ja, das ist bedenklich.

    Bei Helmut Kohl muss ich ihnen, obwohl ich kein Freund von ihm bin, absolut rechtgeben.

  3. Sie haben offenbar den Artikel nicht gelesen (oder verstanden) und daher meinen Kommentar nicht verstanden (wofür der Kontext notwendig gewesen wäre).

    Es geht in dem Artikel darum, dass ein Linker Politiker, der sich demokratisch wiederWÄHLEN lassen wollte, militärisch weggeputscht wird, weil die Verfassung so geändert werden sollte, dass (s)eine Wiederwahl ermöglicht wird. Und in dem Artikel wird suggeriert, dass das doch irgendwie auch eine gute Sache sei, weil es ja nicht angehe, dass ein linker Politiker sich ständig wiederwählen lassen wolle.

    Das ist aus deutscher Perspektive schwer nachvollziehbar, weil die Verfassung bei uns eine unbegrenzte Wiederwahl bereits erlaubt und niemand auf die Idee kommt deswegen einen Militärputsch durchzuführen.

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    "Der Putsch in Honduras weckt in Lateinamerika Erinnerungen an die Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts - und ist auch eine Warnung an machtversessene linke Regierungen."

    Um es auf den Punkt zu bringen: Ich habe Kohl nicht mit Militärputschisten verglichen, sondern mit (in diesem Fall linken) Regierungen, die sich öfters wiederwählen lassen wollen.

    "Der Putsch in Honduras weckt in Lateinamerika Erinnerungen an die Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts - und ist auch eine Warnung an machtversessene linke Regierungen."

    Um es auf den Punkt zu bringen: Ich habe Kohl nicht mit Militärputschisten verglichen, sondern mit (in diesem Fall linken) Regierungen, die sich öfters wiederwählen lassen wollen.

  4. "Der Putsch in Honduras weckt in Lateinamerika Erinnerungen an die Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts - und ist auch eine Warnung an machtversessene linke Regierungen."

    Antwort auf "Am Thema vorbei..."
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    • hardob
    • 29.06.2009 um 20:40 Uhr

    Vielen Dank für alle Ihre Kommentare in diesem Thread.

    "In Lateinamerika sind die Medien zu 80 bis 90 Prozent in Händen mächtiger Familien und Wirtschaftsgruppen. Einige Medienkonzerne konnten ihre marktbeherrschende Stellung im Schutze von Militärdiktaturen auf- und ausbauen. Die einstigen Propagandisten autoritärer Macht erteilen nun Lektionen in Demokratie. Jeder Versuch, die Medien zu demokratisieren, stößt auf ihren Widerstand." Deutschlandfunk am 17.3.

    Tobias Käufer hat scheint seine Ausbildung bei diesen Medien zumindest ergänzt zu haben. "Vor allem dort werden nicht nur die angeschlagenen Staatschefs die Entwicklung in Honduras aufmerksam verfolgen, auch die Generäle schauen interessiert zu.": Die Hoffnung mächtiger Familien und Wirtschaftsgruppen Lareinamerikas, dem demokratischen Spuk doch endlich ein Ende zu machen.

    • hardob
    • 29.06.2009 um 20:40 Uhr

    Vielen Dank für alle Ihre Kommentare in diesem Thread.

    "In Lateinamerika sind die Medien zu 80 bis 90 Prozent in Händen mächtiger Familien und Wirtschaftsgruppen. Einige Medienkonzerne konnten ihre marktbeherrschende Stellung im Schutze von Militärdiktaturen auf- und ausbauen. Die einstigen Propagandisten autoritärer Macht erteilen nun Lektionen in Demokratie. Jeder Versuch, die Medien zu demokratisieren, stößt auf ihren Widerstand." Deutschlandfunk am 17.3.

    Tobias Käufer hat scheint seine Ausbildung bei diesen Medien zumindest ergänzt zu haben. "Vor allem dort werden nicht nur die angeschlagenen Staatschefs die Entwicklung in Honduras aufmerksam verfolgen, auch die Generäle schauen interessiert zu.": Die Hoffnung mächtiger Familien und Wirtschaftsgruppen Lareinamerikas, dem demokratischen Spuk doch endlich ein Ende zu machen.

  5. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich habe Kohl nicht mit Militärputschisten verglichen, sondern mit (in diesem Fall linken) Regierungen, die sich öfters wiederwählen lassen wollen.

    Antwort auf "Am Thema vorbei..."
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    Aber vielleicht sollten Sie Ihren Kommentar bei nächer Gelegenheit einfach präziser formulieren. Sie schreiben: »Wenn bei uns Helmut Kohl fast eine ganze Generation lang regieren darf ist das kaum erwähnenswert, aber wehe ein Linker am anderen Ende der Welt versucht sowas...«. Daran erkenne ich, vollkommen kontextunabhängig und jenseits der tatsächlichen Vorgänge, einen Ansatz zur Medienkritik: Was bei Helmut Kohl medial recht war, kann bei Linken wohl schwerlich unbillig sein.

    So jedenfalls habe ich Ihren Kommentar verstanden, und so steht er da. Und dem galt mein Einwand.

    Aber vielleicht sollten Sie Ihren Kommentar bei nächer Gelegenheit einfach präziser formulieren. Sie schreiben: »Wenn bei uns Helmut Kohl fast eine ganze Generation lang regieren darf ist das kaum erwähnenswert, aber wehe ein Linker am anderen Ende der Welt versucht sowas...«. Daran erkenne ich, vollkommen kontextunabhängig und jenseits der tatsächlichen Vorgänge, einen Ansatz zur Medienkritik: Was bei Helmut Kohl medial recht war, kann bei Linken wohl schwerlich unbillig sein.

    So jedenfalls habe ich Ihren Kommentar verstanden, und so steht er da. Und dem galt mein Einwand.

  6. Aber vielleicht sollten Sie Ihren Kommentar bei nächer Gelegenheit einfach präziser formulieren. Sie schreiben: »Wenn bei uns Helmut Kohl fast eine ganze Generation lang regieren darf ist das kaum erwähnenswert, aber wehe ein Linker am anderen Ende der Welt versucht sowas...«. Daran erkenne ich, vollkommen kontextunabhängig und jenseits der tatsächlichen Vorgänge, einen Ansatz zur Medienkritik: Was bei Helmut Kohl medial recht war, kann bei Linken wohl schwerlich unbillig sein.

    So jedenfalls habe ich Ihren Kommentar verstanden, und so steht er da. Und dem galt mein Einwand.

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    Das ist nicht schwer in meinem Kommentar einen Ansatz zur Medienkritik zu finden. Lassen Sie mich zwei Zitate anfügen (auch wenn ich mir schwer vorstellen kann, dass Ihnen das nicht selbst auffällt):
    "Auch er wählte den mittlerweile klassischen Weg des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", den Vordenker Chavez in Caracas so gerne propagiert. Darin ist kein Platz für ein Abdanken vom Altar der Macht."
    -In Deutschland auch nicht.

    "Der Putsch in Honduras [...] ist auch eine Warnung an machtversessene linke Regierungen"
    -Natürlich kann man kritisieren, dass eine Regierung links ist und man selbst es lieber rechts, mittig oder gar ganz ohne Regierung mag. Aber die Machtversessenheit nur bei linken zu kritisieren, wo es bei uns in der Frage der Wiederwahl des Regierungschefs nicht anders läuft erscheint mir fragwürdig. Entweder Machtversessenheit ist schlecht, dann ist sie auch bei uns schlecht und zwar unabhängig bei welcher politischen Richtung, oder sie ist nicht schlecht, dann ist sie eben nirgends schlecht.
    Sobald man sich aber auf den Standpunkt stellt, dass die Machtversessenheit z.B., wie hier, nur bei linken Regierungen schlecht sei, misst man mit zweierlei Maß (was ein Grund meiner Medienkritik war).
    Wenn Sie also meinen Ansatz zur Medienkritik wiederlegen wollen, müssten Sie wohl darlegen, warum es richtig ist hier mit zweierlei Maß zu messen (wofür ich bisher noch kein Argument gefunden habe).

    Aber es ging mir um mehr, als die bloße Medienkritik an sich. Medien werden als Sozialisationsinstrument verwendet.
    Unsere heutigen Massenmedien sozialisieren uns, aus meiner Sicht, z.B. auf Ablehnung gegenüber den "Rändern" egal ob links, rechts oder religiös, hin zu einer vermeintlich guten Mitte. So werden z.B. auch schon völlig harmlose linke Positionen gerne als kommunistisch oder linksextrem bezeichnet. Aber es geht mir eben nicht darum hier linke Positionen zu verteidigen. Ich habe neulich einen interessanten Aufsatz eines CSU Abgeordneten über Mediensozialisation von Kindern durch Benjamin Blümchen gelesen. Dieser kritisierte vehement die dort vertretenen linksalternativen bis anarchistischen Tendenzen, die für unsere Kinder schädlich seien, weil sie diese unkritisch übernähmen.
    Obwohl mir einige dieser Positionen mehr oder weniger zusagen, finde ich es richtig so etwas aufzudecken, damit man sich selbst bewusst und aktiv entscheiden kann, anstatt sich unkritisch auf eine bestimmte weise passiv sozialisieren zu lassen. Darum ging es mir. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn jemand andere politische Ansichten als ich vertritt, ich habe aber ein Problem damit, wenn jemand versucht seine politischen Ansichten z.B. mittels Propaganda anderen aufzudrängen. Aber genau das wird in fast allen Medien (egal aus welchem Lager) regelmässig versucht. Es ist ein politischer Wettkampf, eine Art Sozialisationswettbewerb zwischen linken und rechten Medien (oder auch einzelnen Journalisten innerhalb dieser Medien). Wahrheit oder Richtigkeit scheinen nur wenige als Ziel zu haben. Vielleicht auch, weil dieses Ziel sehr hoch gesteckt ist. Aber aus meiner Sicht ist jeder Artikel, der nicht das hohe Ziel der Wahrheit verfolgt ziemlich überflüssig. Das gilt z.B. für fast alle Artikel von Christoph Seils oder Josef Joffe hier im Blatt. Das Ziel deren Artikel ist erkennbar idR nicht Wahrheit, sondern sozialisation hin zu einer bestimmten politischen Richtung, wobei das Streben nach Wahrheit oder Richtigkeit nur vorgegaukelt oder nur soweit verfolgt wird, wie es die eigene Position stützt.

    P.S. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich durchaus der Meinung bin, dass es jedenfalls auch ein Ergebnis von Sozialisation ist, dass ich ein Interesse an Wahrheit oder Richtigkeit entwickelt habe.

    Das ist nicht schwer in meinem Kommentar einen Ansatz zur Medienkritik zu finden. Lassen Sie mich zwei Zitate anfügen (auch wenn ich mir schwer vorstellen kann, dass Ihnen das nicht selbst auffällt):
    "Auch er wählte den mittlerweile klassischen Weg des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", den Vordenker Chavez in Caracas so gerne propagiert. Darin ist kein Platz für ein Abdanken vom Altar der Macht."
    -In Deutschland auch nicht.

    "Der Putsch in Honduras [...] ist auch eine Warnung an machtversessene linke Regierungen"
    -Natürlich kann man kritisieren, dass eine Regierung links ist und man selbst es lieber rechts, mittig oder gar ganz ohne Regierung mag. Aber die Machtversessenheit nur bei linken zu kritisieren, wo es bei uns in der Frage der Wiederwahl des Regierungschefs nicht anders läuft erscheint mir fragwürdig. Entweder Machtversessenheit ist schlecht, dann ist sie auch bei uns schlecht und zwar unabhängig bei welcher politischen Richtung, oder sie ist nicht schlecht, dann ist sie eben nirgends schlecht.
    Sobald man sich aber auf den Standpunkt stellt, dass die Machtversessenheit z.B., wie hier, nur bei linken Regierungen schlecht sei, misst man mit zweierlei Maß (was ein Grund meiner Medienkritik war).
    Wenn Sie also meinen Ansatz zur Medienkritik wiederlegen wollen, müssten Sie wohl darlegen, warum es richtig ist hier mit zweierlei Maß zu messen (wofür ich bisher noch kein Argument gefunden habe).

    Aber es ging mir um mehr, als die bloße Medienkritik an sich. Medien werden als Sozialisationsinstrument verwendet.
    Unsere heutigen Massenmedien sozialisieren uns, aus meiner Sicht, z.B. auf Ablehnung gegenüber den "Rändern" egal ob links, rechts oder religiös, hin zu einer vermeintlich guten Mitte. So werden z.B. auch schon völlig harmlose linke Positionen gerne als kommunistisch oder linksextrem bezeichnet. Aber es geht mir eben nicht darum hier linke Positionen zu verteidigen. Ich habe neulich einen interessanten Aufsatz eines CSU Abgeordneten über Mediensozialisation von Kindern durch Benjamin Blümchen gelesen. Dieser kritisierte vehement die dort vertretenen linksalternativen bis anarchistischen Tendenzen, die für unsere Kinder schädlich seien, weil sie diese unkritisch übernähmen.
    Obwohl mir einige dieser Positionen mehr oder weniger zusagen, finde ich es richtig so etwas aufzudecken, damit man sich selbst bewusst und aktiv entscheiden kann, anstatt sich unkritisch auf eine bestimmte weise passiv sozialisieren zu lassen. Darum ging es mir. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn jemand andere politische Ansichten als ich vertritt, ich habe aber ein Problem damit, wenn jemand versucht seine politischen Ansichten z.B. mittels Propaganda anderen aufzudrängen. Aber genau das wird in fast allen Medien (egal aus welchem Lager) regelmässig versucht. Es ist ein politischer Wettkampf, eine Art Sozialisationswettbewerb zwischen linken und rechten Medien (oder auch einzelnen Journalisten innerhalb dieser Medien). Wahrheit oder Richtigkeit scheinen nur wenige als Ziel zu haben. Vielleicht auch, weil dieses Ziel sehr hoch gesteckt ist. Aber aus meiner Sicht ist jeder Artikel, der nicht das hohe Ziel der Wahrheit verfolgt ziemlich überflüssig. Das gilt z.B. für fast alle Artikel von Christoph Seils oder Josef Joffe hier im Blatt. Das Ziel deren Artikel ist erkennbar idR nicht Wahrheit, sondern sozialisation hin zu einer bestimmten politischen Richtung, wobei das Streben nach Wahrheit oder Richtigkeit nur vorgegaukelt oder nur soweit verfolgt wird, wie es die eigene Position stützt.

    P.S. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich durchaus der Meinung bin, dass es jedenfalls auch ein Ergebnis von Sozialisation ist, dass ich ein Interesse an Wahrheit oder Richtigkeit entwickelt habe.

  7. Was ist daran auszusetzen, wenn Chavez bis zum Ende seiner Tage von den Venezolanern wiedergewählt wird?
    Ob nun Kohl, Merkel, Koch oder
    Kohl zum Ersten, Kohl zum Zweiten und Kohl zum Dritten ist doch egal!
    Das Entscheidende ist, ob Politik für oder gegen die Mehrheit des Volkes gemacht wird!

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    ...an der Korrektheit der letzten Wahlergebnisse in Venezuela, Bolivien und Honduras gibt es ernste Zweifel. Und meine eigenen Informanten in venezolanischen Wahlbüros haben diese nicht gerade ausgeräumt.

    Chávez, Morales und Zelaya änderten die Verfassungen ihrer Länder in unzähligen Punkten. Die unbegrenzte Wiederwahl ist nur einer davon und mit der harmloseste. Letztendlich verfolgen die neuen Linken Lateinamerika, unter der Leitung von Chávez, fast völlig synchron und mit den selben Mitteln, die systematische Abschaffung der Demokratie, der Menschenrechte und jeglicher persönlicher Freiheit. Der Oberste Gerichtshof in Honduras hat nur das verhindert, was Monate zuvor in Venezuela und Bolivien bereits praktiziert wurde. Dazu ist er verpflichtet. Und somit kann von einem Militärputsch keine Rede sein, sondern nur einem legalen und unumgänglichen Akt der Entmachtung eines Präsidenten, der die demokratischen Rechte seines Volkes mit Füssen trat.

    Die Honduraner können stolz darauf sein, dass ihre obersten Richter, Minister, Polizeichefs und Generäle zur Demokratie standen und sich zur rechtzeitigen Entmachtung eines aufkommenden Despoten entschlossen. Dafür verdienen sie Beifall und Unterstützung von der sogenannten "Freien Welt", keine Sanktionen und Drohungen.

    Im Übrigen verkündete Chávez mit Stolz, dass ein Grossteil der demonstrierenden Sympatisanten von Zelaya aus Nachbarländern angereist sind, die meisten von Chávez selber geschickt und bezahlt.

    Pituca

    ...an der Korrektheit der letzten Wahlergebnisse in Venezuela, Bolivien und Honduras gibt es ernste Zweifel. Und meine eigenen Informanten in venezolanischen Wahlbüros haben diese nicht gerade ausgeräumt.

    Chávez, Morales und Zelaya änderten die Verfassungen ihrer Länder in unzähligen Punkten. Die unbegrenzte Wiederwahl ist nur einer davon und mit der harmloseste. Letztendlich verfolgen die neuen Linken Lateinamerika, unter der Leitung von Chávez, fast völlig synchron und mit den selben Mitteln, die systematische Abschaffung der Demokratie, der Menschenrechte und jeglicher persönlicher Freiheit. Der Oberste Gerichtshof in Honduras hat nur das verhindert, was Monate zuvor in Venezuela und Bolivien bereits praktiziert wurde. Dazu ist er verpflichtet. Und somit kann von einem Militärputsch keine Rede sein, sondern nur einem legalen und unumgänglichen Akt der Entmachtung eines Präsidenten, der die demokratischen Rechte seines Volkes mit Füssen trat.

    Die Honduraner können stolz darauf sein, dass ihre obersten Richter, Minister, Polizeichefs und Generäle zur Demokratie standen und sich zur rechtzeitigen Entmachtung eines aufkommenden Despoten entschlossen. Dafür verdienen sie Beifall und Unterstützung von der sogenannten "Freien Welt", keine Sanktionen und Drohungen.

    Im Übrigen verkündete Chávez mit Stolz, dass ein Grossteil der demonstrierenden Sympatisanten von Zelaya aus Nachbarländern angereist sind, die meisten von Chávez selber geschickt und bezahlt.

    Pituca

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