Unruhen in Iran Irans schweigende GroßajatollahsSeite 2/2

Politische Enthaltsamkeit – dass ist auch die Überzeugung, die die Spitzengelehrten von Qom eint. Sie alle lehnen die zentrale Staatsidee der Islamischen Republik ab, den Velayat-e faqih. Denn im Dogmengebäude des schiitischen Islam ist dieses, 1979 durch Ajatollah Chomeini eingeführte Amt eines Obersten Religionsführers eine revolutionäre Neuerung. Und aus Sicht der Theologenelite in Qom eine ungesunde Vermischung von Religion und Politik – eine Meinung, die auch der in Nadschaf lehrende irakische Großajatollah Ali al-Sistani immer wieder unverhohlen äußert.

Und so wird in den Denkschulen von Qom immer offener debattiert, den allmächtigen Obersten Religionsführer Ali Chamenei künftig durch einen religiösen Gelehrtenrat zu ersetzen, wie ihn die traditionelle schiitische Lehre favorisiert. Mehrere Berichte wollen wissen, der frühere Präsident Rafsandschani habe entsprechende Gespräche in der heiligen Stadt geführt – unter anderem mit Jawad al-Sharastani, dem Gesandten des irakischen Großajatollahs al-Sistani. Doch im Expertenrat, der als einziges Verfassungsorgan Chamenei absetzen könnte, gibt es für einen solchen fundamentalen Schritt bislang keine Mehrheit.

„Absolute Unterstützung für den Religiösen Führer“, verkündete das 86-köpfige Gremium in einer Ergebenheitsadresse. „Wir hoffen, die Nation wird ihre Ruhe bewahren und ihre Einheit demonstrieren, indem sie den Anordnungen des Obersten Religionsführers folgt.“

 
Leser-Kommentare
  1. der schreibt mit dem Stift im Auge

    • Rehad
    • 28.06.2009 um 5:55 Uhr

    Sehr geehrter Herr Gehlen,

    es geziemt sich nicht als seriöser Journalist, Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen. Wieso wird nicht der andere Aspekt erwähnt, dass die von ihnen genannten Ayatullah-Herrschaften allesamt zur Gesetzestreue aufgerufen haben und somit eine Neuwahl abgelehnt haben?

    Mit freundlichen Grüßen

    Rehad Shayan Arkian

  2. Es gibt auch viele Iraner, die viel Geld besitzen, frei in der Welt herumreisen und sich hinter vorgehaltener Hand kritisch über die politischen Morde äussern. Aber ihnen geht es gut und sie sind offiziell auf keinen Fall gegen das Regime. Wen interessiert es dann, dass einige tausen unter schlimmsten Bedingungen inhaftiert wurden? Dass die Sippenstrafe wie bei den Nazis praktiziert wird, das heisst die ganze Familie wird bestradt, Renten werden einbehalten, Menschen werden brutal aus den Häusern vertrieben? Es betrifft ja nur einige tausend Protestler und deren Angehörige. Bloss nicht auffallen ist jetzt die Devise, dia Angst ist gross, selbst betroffen zu sein. Da werden Protestlern Drogendelikte untergeschoben, damit man sie auch offiziell umbringen kann. Sonst werden sie einfach per Mordauftrag gegen Bezahlung entführt und umgebracht. Die Familie erfährt nichts über den Verbleib und wird noch an den Tötungskosten beteiligt. Das ist so unglaublich und alles wird versucht um diese Fakten im Lande zu lassen und zu löschen. Vielleicht steht es irgendwann einmal in den Geschichtsbüchern.

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