Iran Ajatollah fordert Todesstrafe für Demonstranten

Scharfe Töne aus Teheran: Der führende konservative Kleriker Ahmad Chatami hat die Machthaber aufgefordert, gnadenlos gegen die Protestler vorzugehen

Ajatollah Ahmad Chatami gilt als Hardliner, hier bei einem Freitagsgebet (Archivbild)

Ajatollah Ahmad Chatami ist einer der führenden Kleriker in Iran. Nach den schweren Zusammenstößen der Polizei mit Demonstranten hat er sich dafür ausgesprochen, dass die Anführer des Protestes mit dem Tod bestraft werden sollen. "Ich will, dass die Justiz die Rädelsführer hart und ohne Gnade bestraft, um allen eine Lektion zu erteilen", sagte er während eines Freitagsgebetes in Teheran. "Nach islamischen Recht muss derjenige, der gegen den islamischen Staat kämpft, bestraft werden." Einem solchen "Feind Gottes" droht die Todesstrafe. Der Geistliche gilt als Hardliner und Vertrauter von Präsident Mahmud Ahmadineschad.

Chatami reagierte während des Freitagsgebets auch auf die Berichte über den Tod von Neda Agha-Soltan, die durch eine Videosequenz zu einer Ikone der iranischen Protestbewegung geworden ist. Die Frau sei bewusst von Demonstranten erschossen worden, um Propaganda gegen das Regime machen zu können. "Sie wurde getötet, damit jemand wie Obama Krokodilstränen vergießen kann", sagte der Ajatollah, der auch Mitglied des einflussreichen Expertenrates ist. Diese Worte zielen auch gegen die Anhänger des bei der Präsidentenwahl unterlegenen Reformers Mir Hossein Mussawi, die ihrerseits am Freutag Tausende Luftballons aufsteigen lassen, um an die getötete Neda zu erinnern.

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Zugleich teilte der iranische Wächterrat mit, dass es bei der Wahl keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Es handele sich um die sauberste Wahl seit der Revolution vor 30 Jahren, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Irna das höchste gesetzgebende Gremium der Islamischen Republik. Die Prüfung der Beschwerden der unterlegenen Kandidaten sei so gut wie abgeschlossen und habe keine gravierenden Unregelmäßigkeiten zutage gefördert, sagte Ratssprecher Abbasali Kadchodai.

Diese Erklärung des Wächterrats lässt kaum noch Raum für weitere rechtliche Schritte. Mussawi hat seine Anhänger zu weiteren legalen Protesten aufgerufen. Auf seiner Internetseite hieß es, es habe Wahlmanipulationen gegeben. Er sei bereit zu beweisen, dass diejenigen, die hinter den Manipulationen steckten, für das Blutbad verantwortlich seien.

Auch auf dem diplomatischen Parkett steht die umstrittene Präsidentenwahl weiterhin auf der Agenda. Die im italienischen Triest tagenden G-8-Außenminister äußerten sich "sehr besorgt" über die gewalttätigen Auseinandersetzungen und fordern das iranische Regime auf, nach einer friedlichen Lösung der Krise zu suchen. Das sagte Italiens Außenminister Franco Frattini nach dem Treffen der sieben führenden Industriestaaten und Russland. Die Entwicklung in Iran ist auch Thema beim Gespräch zwischen US-Präsident Barack Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Freitag in Washington.

Ahmadineschad war am 12. Juni zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt worden. Dagegen hatten Hunderttausende Iraner demonstriert, die der Führung des Landes Wahlfälschungen vorwarfen. Die Sicherheitskräfte waren massiv gegen die Demonstranten vorgegangen, was weltweit verurteilt wurde. Bei den Auseinandersetzungen kamen iranischen Medienberichten zufolge rund 20 Menschen ums Leben.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Es

    widert mich an, diese alten Männer zu sehen und zu hören, die ihre verkalkten dogmatischen Ansichten als den Willen Gottes ausgeben und damit rechtfertigen, anderen und Andersdenkenden nicht nur ein selbstbestimmtes Leben sondern das Lebensrecht selbst abzusprechen. Diese mittelalterliche Regierungsform ist nichts anderes als geriatrischer Totalitarismus und gehört auf den Müllhaufen.

  2. 2. Hybris

    Es handele sich um die sauberste Wahl seit der Revolution vor 30 Jahren,...mein erster Gedanke: "Wie viel haben die vorher gefälscht?"
    Politiker sind auf der ganzen Welt gleich: Augenwischerei, Vorspiegelung falscher Tatsachen, Hybris und Machtbesessenheit.
    Ob nun jene sich als Theokraten bezeichnen oder Demokraten - wieder zeigt sich wie gleich alle Menschen sind.
    Wir haben einen Vorteil bei uns - die Todesstrafe existiert nicht und das Mittelalter und die letzte Hexenverbrennung liegen nun mehr als eine Generation hinter uns.
    Menschen wegen ihrer Gesinnung zu töten ist völlig geisteskrank. Das ist meine persönliche Meinung. Dieser Mensch der dieses fordert, eben andere Menschen zu töten, nur weil sie die sauberste Wahl, als gefälscht bezeichnen, da ist doch wirklich... wirklich krank. Etwas anderes fällt mir dazu nicht ein.
    Zudem "sauberste Wahl" ist sicher nicht gelogen - so sauber gefälscht mit derart genialer Planung - wurde sicher noch nie im Iran.
    Ich hoffe, dass es diesmal so endet wie in allen griechischen Sagen:
    Die Hybris wird von den Göttern bestraft - und diese Kleriker und Machthaber werden es zu spüren bekommen.

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    eine Generation sind 30 jahre, die letzte Hexenverbrennung in -deutschland ist 250 Jahre her.

    • Pindar
    • 26.06.2009 um 17:44 Uhr

    Die Hybris wird von den Göttern bestraft......
    Genau , und darum schreien die Demonstranten ja auch ALLAHU AKBAR (Gott ist groß)
    Gemeint ist glaube ich,,......denkt an Gott , wir sind vielleicht klein und schwach, uns könnt ihr besiegen aber Gott wird euch dafür der verdienten Strafe zuführen, ER/SIE schaut euch zu. Wartet es ab....Im Islan sagt man Gott hat keine Hand um euch zu Bestrafen er macht es indirekt...Tja im Osten nichts neues

    eine Generation sind 30 jahre, die letzte Hexenverbrennung in -deutschland ist 250 Jahre her.

    • Pindar
    • 26.06.2009 um 17:44 Uhr

    Die Hybris wird von den Göttern bestraft......
    Genau , und darum schreien die Demonstranten ja auch ALLAHU AKBAR (Gott ist groß)
    Gemeint ist glaube ich,,......denkt an Gott , wir sind vielleicht klein und schwach, uns könnt ihr besiegen aber Gott wird euch dafür der verdienten Strafe zuführen, ER/SIE schaut euch zu. Wartet es ab....Im Islan sagt man Gott hat keine Hand um euch zu Bestrafen er macht es indirekt...Tja im Osten nichts neues

  3. seiner Religion scheint es ja nicht weit her zu sein, wenn dieser rasende Kleriker sich nicht scheut, zum Staatsterrorismus aufzurufen. Oder ist es tatsächlich so, dass ein Menschenleben im Islam in der Verfügbarkeit anderer Menschen ist?

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    ist es - warum noch diese Frage?

    ist es - warum noch diese Frage?

  4. Was genau hat Chatami gefordert?
    Im Artikel werden 3 verschiedene Varianten erwähnt:

    Überschrift: Todesstrafe
    Zusammenfassung: gnadenloses Vorgehen
    Erster Absatz: Bestrafung

    Hat er jetzt explizit die Todesstrafe gefordert oder eine harte Bestrafung, was nach Meinung der Zeit-€xP€RZ gleich mit der Todesstrafe sein müsste in so einem abscheulichen! Land.

  5. er hat doch recht mit den Krokodilstränen. Es scheint mir, dass die Zeit Journalisten so sehnsüchtig auf weiteres Blutvergießen warten, nur ja kein Frieden, wovon soll die Zunft sonst leben......

  6. eine Generation sind 30 jahre, die letzte Hexenverbrennung in -deutschland ist 250 Jahre her.

    Antwort auf "Hybris"
    • keox
    • 26.06.2009 um 15:26 Uhr

    war und ist Kennzeichen eines totalitären Staates, dem das Volk nur als vielfach nutzbare Verfügungsmasse dient.

    Staaten dieser Art verdienen unsere uneingeschränkte Verachtung, ihre Bevölkerungen unsere solidarische Hilfe zu selbstbestimmter Politik.

    Damit meine ich ausdrücklich nicht "regime change", "orangene Revolutionen" und ähnliche Verbrechen.

    Zurück zur Todesstrafe.

    Die geplante €U-"Verfassung" sieht im Ernstfall - die Definition ist schwammig - genau das vor: Die Todesstrafe.

    Diese €U wird das GrundGesetz schleifen bis zur Unkenntlichkeit. Mindestlöhne, Streikrecht, Zwang zur Aufrüstung, das absolute Vorrecht wirtschaftlicher vor sozialen Interessen - nur einige Punkte.

    Entscheidend aber wird sein, daß die €U-Politik auf jeden Ansatz einer demokratischen Legitimation verzichtet.

    Also beten wir für die Iraner, und kämpfen wir für ein anderes Europa, bevor dereinst die Iraner für die europäischen Völker beten müssen.

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    Der Iran ist nicht das einzige Land in der Welt dass Menschen wegen ihrer "falschen" Ideologie einsperrt,foltert und ermordet.Das macht das Unrecht in diesem Land nicht besser aber man sollte doch die Verhältnismässigkeit beachten.Ich meine da gibbet noch Myanmar,China ,Saudi-Arabien...Deutschland hat am Iran einen Narren gefressen.

    Der Iran ist nicht das einzige Land in der Welt dass Menschen wegen ihrer "falschen" Ideologie einsperrt,foltert und ermordet.Das macht das Unrecht in diesem Land nicht besser aber man sollte doch die Verhältnismässigkeit beachten.Ich meine da gibbet noch Myanmar,China ,Saudi-Arabien...Deutschland hat am Iran einen Narren gefressen.

  7. Interessant ist jedoch, dass nach islamischen Recht, Chamenei und Ahmedinedjad bereits jegliche Legitimation zur Herrschaft verloren haben. In dem Moment wo sie unbewaffnete, unschuldige und völlig legal protestierende Menschen attackiert haben, haben sie sich selbst zum Feind des Islams gemacht.
    Man sieht also wie weit es mit der Religiösität her ist.

    Ich hoffe für die Bevölkerung des Irans, dass sie diesen Kraftakt durchstehen. Denn wenn sie sich jetzt zurückziehen war alles umsonst.

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