Proteste in Iran Iranische Internetuser werden mild

Die Massenproteste in Iran sind fast vorbei. Das wirkt sich auch auf die Notizen auf Twitter oder Facebook aus. Es kursieren vor allem Warnungen und Schutzmaßnahmen

Ajatollah Ahmad Chatami hat in seinem Freitagsgebet auch dazu aufgerufen, die ausländischen Medien besser zu kontrollieren

"Ahmad Chatami hat uns gerade den Krieg erklärt. Seid vorbereitet. Versucht organisiert zu handeln, mit klaren Zielen." Solche und ähnliche Warnungen machten heute im Internet die Runde. Beim Freitagsgebet hatte der erzkonservative Geistliche Ahmad Chatami die Justiz aufgefordert, ohne jede Gnade "die Unruhestifter" zu bestrafen. In seinen Augen hätten sie den Tod verdient.

Anders als Ahmad Chatami äußerten sich die Gegner von Ahmadineschad heute im Internet relativ mild. Überhaupt, nach der gewaltsamen Beendigung der Proteste am letzten Samstag hat sich der erhitzte Ton der Protestierenden im Internet allmählich abgekühlt. Es gibt immer noch vereinzelt Twitters oder Blogeinträge, die mit Parolen wie "Wir werden siegen" oder "Die Tage des Regimes sind gezählt" den Unzufriedenen Mut machen wollen. Doch praktische Vorschläge, um den eventuellen Repressalien zu entgehen, haben die Oberhand gewonnen: "Wie können wir die Motorräder der Basidschis, der paramilitärischen Schlägertrupps, stoppen? Indem wir Nägel auf die Strasse streuen." "Ändert die Strategie des Protestes. Lasst uns jeden Morgen massenweise zum Basar gehen, so als wollten wir dort einkaufen. Damit legen wir den Basar lahm und zeigen, dass unser Protest weitergeht."

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Internet als wichtigste Plattform für beide Lager

Auch Regimetreue Internetuser haben heute Strategien für die Verfolgung der Regierungsgegner angeboten. Im Netz wurden Fotos von Protestierenden veröffentlicht, um die Arbeit der Sicherheitskräfte zu erleichtern. Und "das Volk" wurde aufgerufen, den Behörden die Adressen der Protestierenden mitzuteilen.

Auf der anderen Seite kursierten hilfreiche Nachrichten im Sinne der Regimegegner. Um die Arbeit der Sicherheitskräfte zu erschweren, verleiht ein IP-Anbieter in den USA ab sofort seine IP-Adressen an Iraner kostenlos. Der Besitzer soll ein sympathisierender Iraner sein. Mit diesen amerikanischen Adressen, so hoffen die Internet-User, kann die Regierung nicht mehr so leicht den Wohnort der Protestierenden ausfindig machen.

Gegen das Schweigen der einflussreichen Großajatollahs

Iranische Internetuser stellen seit mehr als eine Woche die gleiche Frage: Warum schweigen die Großajatollahs über das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte? Es ist allgemein bekannt, dass nicht alle einflussreichen Geistlichen die Politik der Hardliner um Ajatollah Ali Chamenei und den Präsidenten Ahmadineschad befürworten. Heute ging ein Vorschlag im Internet herum, man solle sich an jedes der Büros der 12 Groß-Ajatollahs wenden, sie anrufen, ihnen E-Mails schreiben und mindestens einen Link der Internetseiten schicken, die die Videoaufnahmen der Gewalt gegen die Protestierenden zeigen.

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