Kapitalismus für Anfänger Bei der Staatsschuldenberatung

Warum zahlen Staaten ihre Schulden nicht einfach zurück? Kommt die Inflation? Unsere Autorin sucht nach Antworten

Der Kapitalismus steckt in Schwierigkeiten

Der Kapitalismus steckt in Schwierigkeiten

Überall steht geschrieben, dass eine Inflation übers Land käme. Das sei die einzige Möglichkeit, die steigenden Staatsschulden elegant loszuwerden. Derzeit beträgt die "Schuldenquote" unseres Landes 65 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, bald vielleicht schon 85 Prozent. Das geht in Ordnung, solange die Tilgungsraten nicht zu hoch werden. Aber genau das könnte in den nächsten Jahren passieren.

Wäre es da nicht naheliegend, die Schulden einfach abzubezahlen? Oder so weit zu reduzieren, dass wir auf keinen Fall in die Todeszone geraten? Einem Menschen, der Schulden in Höhe von 65 Prozent seines Jahreseinkommens hat, würde man ja auch raten, jedes Jahr Zehntel seines Einkommens zur Seite zu legen, und ein paar Jahre später wäre er schuldenfrei. Könnte unser kleines Land sich nicht auch dazu entschließen?

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schuldenberg

Auf der Suche nach einem vernünftigen Plan sprang ich aus meinem Zimmer, wann immer ein Kollege aus "der Wirtschaft" den Gang vorbei kam, und verwickelte ihn in ein Gespräch über Staatsschulden.

"Wieso können wir sie nicht einfach abbezahlen?" fragte ich Marc, unseren Wirtschaftskorrespondenten.

Er legte den Kopf schief und blickte mich halb wohlwollend (endlich interessiert sie sich mal für substanzielle Themen), halb mitleidig (aber sie steht noch sehr am Anfang, die Gute) an.

"Weißt du, für dich als Privatperson mag das vielleicht einfach sein", sagte er. "Aber so ein Staat hat den größten Teil seiner Einnahmen schon verplant! Für Zinsen, Rentenversicherung, Sozialausgaben. Und an das restliche Geld wollen alle möglichen Politiker ran, die Familienministerin, wenn sie Kitas bauen will, der Forschungsminister, wenn er in Forschung investieren will und so weiter."

"Verstehe. Sparen – unrealistisch."

"Das hat der Eichel ja versucht. Aber das verschärft in der Krise nur den Abschwung."

"Bleibt also nur…"

Er nickte, aber bevor ich weiterfragen konnte hatte er mich schon an Fritz übergeben, unseren gemeinsamen Kollegen. "Frag ihn, er hat VWL studiert", sagte Marc, und schon war er weg.

"Kommen wir wirklich, wirklich nicht um die Inflation herum, Fritz?" sagte ich. "Es muss doch einen gerechteren Weg geben!"

Leser-Kommentare
    • LH
    • 25.06.2009 um 17:13 Uhr

    Schade dass Herr Strobl das nicht erwähnt hat, aber wenn der Staat seine Schulden tilgen würde, dann wäre auch fast alles Geld weg. Denn zumindest vor der Finanzkrise wollten Notenbanken gewöhnlich Staatspapiere als Sicherheiten für die Geldausgabe haben.
    Die Staatsschulden abtragen zu wollen, wäre ein verdammt guter Weg in Pleite. Auf solche Ideen kommen eigentlich nur Leute, die nicht verstanden haben, wie das instutionelle Fundament unserer Wirtschaft funktioniert.
    Das alles ändert natürlich nichts daran, dass der Zwang zur stetigen Steigerung der Staatsverschuldung absurd ist. Aber das ist wohl der Preis des Systems. Irgendwo müssen die Marxisten diese Ideen von den Selbstwidersprüchen des Kapitalismus wohl herhaben.

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    wenn der Staat / alle Staaten ihre Schulden begleichen würden - welche AAA Papiere für unsere Versicherungen & Co. würde es dann noch geben?

    Sobald der Staat seine Verschuldung beendet, bricht unser Gesellschaftssystem wie wir es bisher kennen zusammen.

    wenn der Staat / alle Staaten ihre Schulden begleichen würden - welche AAA Papiere für unsere Versicherungen & Co. würde es dann noch geben?

    Sobald der Staat seine Verschuldung beendet, bricht unser Gesellschaftssystem wie wir es bisher kennen zusammen.

  1. wenn der Staat / alle Staaten ihre Schulden begleichen würden - welche AAA Papiere für unsere Versicherungen & Co. würde es dann noch geben?

    Sobald der Staat seine Verschuldung beendet, bricht unser Gesellschaftssystem wie wir es bisher kennen zusammen.

  2. Danke, dass Sie es sagen...!
    Das Geld, was im Umlauf ist, wurde durch Schulden erzeugt... wenn jemand einen neuen Kredit aufnimmt, egal ob Privatperson oder Betrieb, entsteht Geld aus dem nichts. Trügen alle ihre Schuldenberge ab (inklusive der Staat), gäbe es fast kein Geld mehr - sehen das die Kollegen von Frau Faller nicht?

    • Tobi_G
    • 25.06.2009 um 18:01 Uhr

    Aufklärung gefällig?

    http://video.google.de/vi...

    Bei Aha-Erlebnis bitte weiter verbreiten.

    Liebe Redaktion - bitte erst anschauen, dann beurteilen. Danke!
    __________________
    Errare humanum est...

    • RalphS
    • 25.06.2009 um 20:28 Uhr

    Warum darf die EZB den Regierungen keine Kredite geben?
    Wurde auch diese Regelung von Ackermanns Angestellten in das EZB-Regelwerk reingeschrieben, damit sich die Staaten bei der Deutschen Bank zu horrenden Zinssätzen verschulden ?

    EG-Vertrag Artikel 101 (ex-Art. 104)
    (1) Überziehungs- oder andere Kreditfazilitäten bei der EZB oder den Zentralbanken der Mitgliedstaaten (im folgenden als "nationale Zentralbanken" bezeichnet) für Organe oder Einrichtungen der Gemeinschaft, Zentralregierungen, regionale oder lokale Gebietskörperschaften oder andere öffentlich-rechtliche Körperschaften, sonstige Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder öffentliche Unternehmen der Mitgliedstaaten sind ebenso verboten wie der unmittelbare Erwerb von Schuldtiteln von diesen durch die EZB oder die nationalen Zentralbanken.
    (2) Die Bestimmungen des Absatzes 1 gelten nicht für Kreditinstitute in öffentlichem Eigentum; diese werden von der jeweiligen nationalen Zentralbank und der EZB, was die Bereitstellung von Zentralbankgeld betrifft, wie private Kreditinstitute behandelt.

    .
    Helmut Schmidt 1999 im offenen Brief an Tietmeyer :
    "Weil die Europäische Zentralbank keiner Regierung Kredite geben darf, so wird eine sich fiskalisch nonkonvergent verhaltende Regierung am Markt höhere Zinsen als andere anbieten müssen, um ihre Schuldscheine und Anleihen unterzubringen"
    Dies bedeutet : Die EZB hat die europäischen Banken bereits mit ca. 500 Milliarden Euro Geld ausgestattet, dass die Banken zu 1% Zinsen fast geschenkt bekamen und trotzdem das Geld horten und es durch strikte Kreditverweigerung nicht in Umlauf bringen. Die meisten europäischen Regierungen, die Deutsche eingeschlossen, verschulden sich aber durch Konjunkturprogramme, welche auch auf die Kreditverweigerung der Banken zurückzuführen sind, bei den Banken zu Zinssätzen von 3 bis 9 Prozent.
    Da frag ich mich : Sind die Finanzminister und Wirtschaftsminister eigentlich total verrückt geworden ?
    .
    .
    Artikel 101 EG-Vertrag: Die Bundesrepublik Deutschland darf bei ihren eigenen Banken Kredite aufnehmen.
    Gegen ausufernde Zinszahlungen, welche derzeit aus der Staatsverschuldung bei privaten Banken wie der von Ackermann resultieren, gibt es eine gute Medizin, die man gerne verschweigt: Die Ackermänner en passant umgehen !
    Fast 30% der deutschen Bankenlandschaft ist öffentlich rechtlich und damit quasi in Staatsbesitz. Dies sind Sparkassen und Landesbanken. Banken können mit einem Kredithebel von 20, bei 5% Eigenkapital aus 100 Milliarden Euro, 2 Billionen Euro Geld, also Kredit schöpfen (Geldschöpfung).
    Für den Staat ist es also ganz einfach, sich zu 100% nur über eigene Staatsbanken zu verschulden. Dazu gehört mittlerweile auch die Commerzbank.
    .
    Vorteile für den Staat
    1. Beliebig niedrige Zinsen bis Null Prozent, die er selber bestimmen kann.
    2. Die Zinszahlungen landen über die eigenen Banken direkt wieder in der Staatskasse.
    Die einzigen Ausgaben die der Staat hat, sind die Gehälter der Angestellten oder Beamten im Staatsdienst, Mieten und Unterhalt der Gebäude. Die Beschäftigten des Bundesfinanzministeriums die rund um die Uhr vor riesigen LCD-Monitoren Milliarden Euro Beträge verschieben, um die Staatsverschuldung so günstig wie möglich zu gestalten, könnten dazu verdonnert werden, nur noch bei staatlichen Banken (oder nach der absolut erforderlichen Änderung des EG-Vertrag Artikel 101 bei der EZB, diese Änderung sollten aber diesmal Staatsbeamte und möglichst nicht Angestellte der deutschen Bank vornehmen) Kredite aufzunehmen.
    .
    Derzeit ist dies vermutlich durch Lobbyismus und die eine oder andere Millionen Parteispende nicht so. Möglicherweise gibt es für das Personal des Bundesfinanzministeriums Anweisungen, sich hauptsächlich bei privaten Banken, wie der deutschen Bank zu verschulden.
    Die Hauptverantwortung für diese wie ich meine "Veruntreuung von Staatsgeldern" liegt bei dem Bundesfinanz- und Wirtschaftsminister.
    Merkwürdig ist auch, dass die Linkspartei mit ihren Wirtschaftsexperten Lafontaine und Wagenknecht noch nicht auf diesen Sachverhalt hingewiesen hat.
    Gehört die Linkspartei etwa auch zum System ?
    .
    Fazit
    Die Verschuldung bei privaten Banken kostet den Staat jährlich über 60 Milliarden Euro Zinsen, die ganz einfach vermieden werden könnten.
    .
    .
    We gave the friends of Milton Friedman billion of dollars, and now we have only debts.
    Don't trust them.
    Destroyed the MATRIX.
    (RalphS and Che Guevara)

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    würde ich auch keine Kredite vergeben, wenn ich genau wüsste, dass der Schuldner diesen in absehbarer Zeit nicht mehr bedienen kann. Das Problem liegt nicht an der Kreditklemme, sondern an der fehlenden Massenkaufkraft durch Lohndumping bzw. andere Massenkaufkraftstärkende Funktionen (Soziale Umverteilung, Geldverschenkung ala USA und Subprime)

    würde ich auch keine Kredite vergeben, wenn ich genau wüsste, dass der Schuldner diesen in absehbarer Zeit nicht mehr bedienen kann. Das Problem liegt nicht an der Kreditklemme, sondern an der fehlenden Massenkaufkraft durch Lohndumping bzw. andere Massenkaufkraftstärkende Funktionen (Soziale Umverteilung, Geldverschenkung ala USA und Subprime)

  3. würde ich auch keine Kredite vergeben, wenn ich genau wüsste, dass der Schuldner diesen in absehbarer Zeit nicht mehr bedienen kann. Das Problem liegt nicht an der Kreditklemme, sondern an der fehlenden Massenkaufkraft durch Lohndumping bzw. andere Massenkaufkraftstärkende Funktionen (Soziale Umverteilung, Geldverschenkung ala USA und Subprime)

  4. Das Buch Globalisierungsfalle von Hans Peter Martin ist nun
    schon über 10 Jahre alt. Leider haben die Verantwortlichen
    wenig dagegen unternommen oder unternehmen können,
    damit das nicht passiert.
    Ich denke die Prozesse sind mittlerweile Sonnenklar:
    Bei hohem Sozial-und Öko Standard in Europa z.B
    werden die Betriebe in immer günstigere Länder verlegt und
    die europäischen Staaten zahlen nicht nur die Transportbereitstellung,
    die Arbeitlosengehälter und die Entsorgung der Produkte die schwer zu
    reparieren sind,sie zahlen auch noch die Zinsen die durch die Schulden
    bei diesen Prozeßen entstehen. In den Ländern der billigen Produktion
    gibt es wenig Menschenrechtsstandards und wenig Öko Standards,
    das heißt die Produktion schadet auch den Menschen in den Herstellerländern.
    Am Zinsendienst verdienen laut Globalisierungsfalle die selben die
    auch an der Globalisierung verdienen.
    Das heißt die im Artikel genannte Problematik,dass auf jeden Fall
    komische Leute zur Macht kommen müßten stimmt so nicht.
    Denn wenn der Staat Kostenwahrheit für die Transporte und für
    die Ökoschäden und für die Menschenrechtsschäden, die Produktions-
    auslagerung in Billiglohnländer über Zölle wettmachen würde,
    so würde sich auf einmal wieder hochwertige gute Produktion in
    Europa wesentlich besser rechnen.
    Man kann das Problem auf mehrere Arten lösen :
    Die erste Lösung vielleicht nach Bush : Irankrieg,ansteigende Ölpreise
    und damit Entkopplung der Globalisierung und im zweiten Schritt
    Krieg gegen China und damit Zerschlagung der Werkbank der Welt.

    Die oben genannte Lösung einer heimischen Industrie mit reparaturfähiger
    Produktion,die durch das Reparieren ja auch wieder viele Menschen
    beschäftigen könnte und gleichzeitig Zölle auf Produkte durch Produktion
    mit wenig Öko-und Menschenrechtsstandards wäre mir um vieles lieber.
    Wäre auch durchaus machbar. Diese Lösung würde einen großen
    Mittelstand schaffen,wenig Xenophobie und damit auch keine komischen
    Leute,die letztlich ausser Kritik auch nichts tun können,schaffen.
    Nun was tut man um aus einer Falle zu kommen:
    Reinecke Fuchs denkt nach !

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