Merkel bei Obama Atlantische Gesten

"Wir sind uns einig“ – fast jeder Satz Angela Merkels über Barack Obama beginnt so. Die Körpersprache der beiden sieht anders aus

Ton und Bild wollen nicht immer zueinander passen. Die Worte könnten herzlicher kaum sein. „Deutschland hat einen warmen Platz in meinem Herzen“, sagt Barack Obama, und schiebt als Begründung nach: „weil ich Angela Merkel mag.“ Er nennt sie „meine Freundin“.

Die Kanzlerin dankt umgekehrt für die zwei „bewegenden Besuche“ des Präsidenten in Deutschland. „Ich bewundere ihre Führungsfähigkeit“, lobt Obama gleich mehrfach in den nur 30 Minuten Pressekonferenz im Weißen Haus. „Wir sind uns einig“, leitet Merkel wiederholt ihre Bemerkungen zu einzelnen Sachthemen ein.

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Die Körpersprache liest sich lange anders. Nur einen Meter stehen sie auseinander im East Room des Weißen Hauses, hinter zwei blauen Rednerpulten mit hellbraunem Fuß, beide geschmückt mit Siegel samt Adler des US-Präsidenten. Es wirkt gleichwohl, als trenne sie eine unsichtbare Barriere.

Obama macht zwar eine Viertel Körperdrehung, wenn Merkel spricht und wendet sich ihr sichtbar zu. Aber seine Miene bleibt meist ernst und irgendwie geschäftlich. Die Kanzlerin blickt konzentriert, wenn der Präsident redet, mit den für sie so typischen, nach unten weisenden Mundwinkeln, die ihr, vielleicht ungewollt, ein skeptisches Aussehen verleihen. Beide nicken mitunter, um die Zustimmung zu den Erläuterungen des Anderen zu unterstreichen.

So bleibt der Eindruck: Da verstehen sich zwei sachlich ziemlich gut. Aber sie drücken das nicht mit Gesten persönlicher Zuneigung aus. Entweder liegt ihnen das nicht. Oder sie wollen es nicht.

Welch ein Unterschied zu den Treffen Merkels mit George W. Bush im Weißen Haus. Da schien es sich zum Großteil umgekehrt zu verhalten: Deutschland mochte ihm bei vielen politischen Zielen nicht folgen, vom Irakkrieg über die Methoden im Kampf gegen den Terror bis zu der langen Leugnung des Klimawandels und des menschlichen Handelns als eine Hauptursache der Erderwärmung. Bush versuchte diese Differenzen durch körperliche Annäherung zu überspielen.

Er beugte sich zur Kanzlerin hinüber, setzte ein werbendes Lächeln ein, zog sie sanft am Arm zu sich. Das war ihr vielleicht nicht immer recht; sie hielt ihn auch beim Händedruck auf Armes Länge von sich. Es gab ihr aber auch die Gelegenheit, sich Bushs Gunstbeweisen mit einem leicht verschämten Mädchenlächeln zu entziehen. Die körperliche Interaktion damals war unübersehbar. Bei Obama und Merkel fehlt sie weitgehend.

Leser-Kommentare
  1. ...nix gewesen. Die mächtigste Frau und der mächtigste Mann der Welt beim "Liebeswerben", was haben Michelle und Herr Sauer derweil getan ?

    Eine Kleinigkeit hat Frau Merkel dennoch (oder deswegen) zugesagt, die leider eher weniger beleuchtet wird. Nach Berichten hat Frau Merkel gesagt "Wir werden unseren Verpflichtungen bezüglich Guantanamo nachkommen".

    Wie sie das wohl gemeint hat ?

    ...bleiben Sie sachlich, ...vermeiden Sie Polemik, ...werden Sie nicht beleidigend

  2. Es dürfte ja sattsam bekannt sein, daß Frau Merkel mit neokonservativen Hardlinern wie Bush, Cheney oder gar Rumsfeld "besser konnte". Bis zuletzt besorgte sie ja auch deren Geschäfte, von der Parteinahme für Saakaschwili in Georgien bis zur Unterstützung dea israelischen Angriffs auf Gaza. Obamas ausgleichende Art ist ihr suspekt, denn da sie selber keinerlei Grundsätze oder Ideale kennt, benötigt sie konkrete Handlungsvorgaben seitens der westlichen Supermacht, denen sie im Interesse des eigenen Machterhalts kritiklos folgen kann. Barack Obama muß ihr fremd bleiben, da er für alles steht, was sie selbst vermissen läßt: Charisma, eine politische Vision, Verwurzelung in der eigenen Nation. Das erklärt die Distanz trotz aller wohlklingenden Worthülsen.

  3. Was soll uns das nur sagen ? Mit der Körpersprache ?
    Mögen sie sich vielleicht wirklich nicht, ist kein Draht da ?
    Zwischen dem emotionalen Präsidenten und der nüchternen Kanzlerin ?
    Ja, mit manchen Menschen versteht man sich einfach nicht so gut.
    Das stimmt.

    • Tobi_G
    • 27.06.2009 um 19:33 Uhr

    Merkel unterstützt seit Jahren das Kapital in Deutschland. Obama hat die FED als Kontrollorgan über alle Banken eingesetzt. Damit ist doch absolut klar, dass die beiden am gleichen Strang ziehen - deutlicher KANN es kaum noch werden.

    Ich muss gestehen, dass ich mich Anfangs von Hoffnung blenden ließ und Obama Fanboy war. Aber nach der FED Aktion war ich sehr ernüchtert - entweder Obama ist schlicht dumm oder auch er arbeitet nur für das Kapital. Beides wäre fatal. Ich glaube, man wird sich in Zukunft noch sehr über künftige von Obama erlassene Gesetze wundern.

    __________________
    Errare humanum est...

  4. wie z.B. die uneingeschränkte Unterstützung der Politik der israelischen Regierung (früher Olmert, jetzt Netanyahu/Lieberman) gegenüber den Palästinensern durch Merkel. Menschenrechte? Sind lt. Merkel unteilbar - es sei
    denn, es geht um die Menschenrechte der Palästinenser. Dann ist Schweigen
    angesagt.
    Selbst Vorbereitungen eines Krieges werden durch Merkel unterstützt:
    "Man müsse zudem alles daran setzen, dass Iran nicht in den Besitz von Atomwaffen komme...."
    Will denn der Iran überhaupt in den Besitz von Atomwaffen kommen?
    Diese Frage stellt sich für Merkel (und Netanyahu/Lieberman) nicht. Belege für ihre Propaganda braucht sie nicht.
    Laut IAEO (und CIA) gibt es keinen Beweis für eine geplante militärische Nutzung der Kernenergie durch den Iran. Zitat Baradei "Teheran befindet sich formal im Bereich des Erlaubten." Der russische Außenminister Lawrow:"Unsere Partner in den USA und Israel bestehen darauf, dass der Iran Atomwaffen entwickelt. Wir denken, dass in einem solchen Fall Fakten vorgelegt werden müssen, die von der Internationalen Atom-Energie-Behörde gestützt werden. Bislang haben wir keine gesehen."
    Das interessiert Frau Merkel natürlich nicht. Sie wiederholt immer wieder die gleichen Behauptungen, in der Hoffnung: irgendetwas wird schon hängen bleiben , irgendwann wird ein Krieg gegen den Iran akzeptiert werden.
    Netanjahu und Liebermann brauchen Konflikte, um ihre menschenrechtswidrige Politik gegenüber den Palästinensern durchzusetzen und davon abzulenken.
    Und in Frau Merkel haben sie eine aktive Unterstützerin ihrer Politik.

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