Michael Jackson Eine Frage der Hautfarbe

Als Michael Jackson weißer wurde, empfanden viele Schwarze das als Verrat. Jetzt gehört er wieder dazu

In dem Song "Black or White" erklärte Jackson seine Hautfarbe für irrelevant. Aber warum ließ er sie dann aufhellen?

Der Tod überwindet die Zweifel und Verletzungen. Als Michael Jackson noch sang und tanzte, waren schwarze Amerikaner nicht immer gut auf ihn zu sprechen. Je heller seine Haut im Zuge seiner Metamorphosen geworden war, desto mehr hatten sie sich verraten gefühlt. Auf sie wirkte es so, als wolle Jackson seine Herkunft aus einer schwarzen Familie und seine künstlerischen Wurzeln in der afroamerikanischen Kultur verleugnen. Doch nun, in den Stunden des Abschieds, trauern die Schwarzen um ihn, als hätten sie eine Leitfigur verloren.

Besonders augenfällig war das, als am Sonntagabend die Verleihung der Black Entertainment Television Music Awards übertragen wurde. Afroamerikanische Künstler zollten Jackson Tribut."Wir wollen diesen schwarzen Mann feiern", sagte der Gastgeber Jamie Foxx. "Er gehört zu uns. Wir haben ihn mit allen anderen geteilt."

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Im Publikum saß Vater Joe Jackson neben Pfarrer Al Sharpton. Foxx machte den Abend zur Hommage an Jackson. Er trug Kostüme aus dessen Konzerten, ließ die bekannte Inszenierung des Beat it-Musikvideos aufleben und imitierte den Moonwalk. Michaels Schwester Janet trat im langen weißen Mantel ans Mikrofon, während Kindheitsbilder von gemeinsamen Auftritten der Jackson 5 über die Leinwand zogen. Der kleine Michael mit dem Afrolook aus fülligem Kraushaar wurde in den USA jetzt ein "schwarzes Erzengelchen" genannt.

In schwarzen Kirchen war der Tod des Sängers Predigtthema. "Er war nicht der König der Könige, aber er war der King of Pop und ein Geschenk Gottes" an die Menschheit, sagte, zum Beispiel, Carolyn Herron in der First African Methodist Episcopal Church in Los Angeles. Anderswo hieß es, Jackson habe dieselbe ikonografische Bedeutung für das afroamerikanische Selbstbewusstsein in der Musik wie der Basketballer Michael Jordan im Sport und Barack Obama in der Politik.

Der Pfarrer und Bürgerrechtler Jesse Jackson – er fungiert, obwohl nicht verwandt, derzeit als Sprecher der Familie des Popidols – vereinnahmt den Sänger gar für die schwarze Emanzipationsbewegung. Wie der Boxer Muhammad Ali oder die Tänzerin Josephine Baker habe Michael Jackson die Berufs- und Erfolgsmöglichkeiten Schwarzer neu definiert.

In den Jahren der Solokarriere Michael Jacksons war das Verhältnis der Schwarzen zu ihm ambivalent gewesen. Er hatte sich mehrfach operieren lassen, um typische Merkmale wie die breite Nase oder die dunkle Haut abzulegen. Das führte zu einer Entfremdung.

Als er beschuldigt wurde, Kinder belästigt zu haben, erfuhr er jedoch viel Solidarität von Afroamerikanern. Die Ermittlungen wurden, ähnlich wie bei der Mordanklage des Football-Stars O. J. Simpson, als rassistischer Versuch des "weißen Systems" interpretiert, einen erfolgreichen Schwarzen zu stürzen. Jacksons Song Black or White erklärt die Hautfarbe für irrelevant. Jahrelang haderten Schwarze mit der Frage, warum er dennoch seine Haut aufhellte. Er wird sie nicht mehr beantworten, aber mit seinem Tod verliert sie an Gewicht.

 
Leser-Kommentare
  1. Was man aus dem Artikel in erster Linie herauslesen kann, ist eine Bestätigung der alten Erkenntnis, dass es nichts verlogeneres gibt als eine Leichenrede. Was immer Jackson im Leben verbrochen haben mag, eine derartige Leichenfledderei hat er nun wirklich nicht verdient. Und mal ehrlich: gibt es wirklich jemand, der gern mit ihm getauscht und dieses Leben gern gelebt hätte?

  2. Michael jackson wurde weißer. Seine Nase veränderte sich im Laufe seiner Karriere. Dies war Stoff für Spekulationen und Gerüchte und Kritik (auch von Menschen mit dunkler Hautfarbe). Dennoch war ihm das erlaubt. Es ist ja auch nicht verboten oder moralisch verwerflich, sich tätowieren zu lassen. Mich hat Jacksons körperliche Verwandlung deswegen nie wirklich gestört. Seine Musik war und ist genial. Sein Tanzstil bahnbrechend. Ich fand es eher befremdlich, wie die Menschen auf seine privaten Angelegenheiten reagierten. Andererseits sind solche Reaktionen aber auch wieder menschlich (und typisch menschlich).

    Interessant: Beim Lesen des Artikels darüber, wie sich die afro-amerikanische Gemeinde von Michael Jackson verabschiedete dachte ich so bei mir, wie heuchlerisch das jetzt wirkt. Denn zu seinen Lebzeiten hat niemand von denen sich bereit erklärt, ihm durch schlichte menschliche Gegenwart Hilfe für seinen "Leidensweg" anzubieten. Also finde ich DIESEN Artikel jetzt sehr gut und es wundert mich wieder, mit welcher verfehlten Bezeichnung der erste Kommentar darauf als Reaktion darauf überschrieben ist.

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    Nicht missverstehen: ich halte die in dem Artikel beschriebenen Reaktionen für Leichenfledderei, nicht den Artikel selbst - den finde ich auch sehr gut.

    Nicht missverstehen: ich halte die in dem Artikel beschriebenen Reaktionen für Leichenfledderei, nicht den Artikel selbst - den finde ich auch sehr gut.

  3. Nicht missverstehen: ich halte die in dem Artikel beschriebenen Reaktionen für Leichenfledderei, nicht den Artikel selbst - den finde ich auch sehr gut.

    Antwort auf "Kommentar"
  4. Es ist schade, dass viele Menschen erst begreifen was sie verloren haben, wenn es unwiderruflich verloren ist.
    Dieser Hass der "Schwarzen" gegen jemanden, der einfach nicht sagen wollte, dass er eine Hautkrankheit hatte und lieber die auffälligen weißen Flecken mit weißer geblichener Haut ausglich ist schon wirklich durch all die Jahre hinweg mir völlig unverständlich gewesen. Entweder man mag die Musik oder nicht. Das Aussehen eines Künstlers hat für mich eigentlich den niedrigsten Stellenwert (ich weiß bei anderen Menschen sieht es anders aus).
    Ich muss mich auch dem Kommentator 1 anschließen, diese Leichenfledderei ist Michael Jacksons Vermächtnis nicht würdig. Zudem diese positive Berichterstattung über Jacksons Vater, der ihn ausgepeitscht hat und Dinge getan hat mit ihm, die Kinder nicht erleben sollten widert mich an.
    Plötzlich fällt allen ein, wie toll sie Jackson fanden.
    Aber Michael Jackson hatte schon immer längst gewusst was das wichtigste für ihn war - die Fans, die ihn liebten für das was er machte - Musik, ungeachtet all der Neider, die ihm alles anhängen wollten.

  5. Kann mir mal endlich jemand beschreiben,
    was nun die tatsächliche, unter Wissenschaftlern akzeptierte, fundierte Begründung für die Tatsache ist, daß ein vollkommen schwarzer Mann auf einmal weiß wird ?
    Gibt es andere Menschen denen genau dasselbe passiert ist? Wen?
    Danke.

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    Gerne!
    Einfach nur Suchen unter Michael Jackson und Hautkrankheit.

    Gerne!
    Einfach nur Suchen unter Michael Jackson und Hautkrankheit.

  6. Gerne!
    Einfach nur Suchen unter Michael Jackson und Hautkrankheit.

  7. Und ich dachte immer Tod durch übermäßigen Betäubungsmittel-Konsum ist in den VS sowieso == [...]

    Hm, getäuscht.

    [Gekürzt, bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. /Die Redaktion pt.]

    • xtraa
    • 30.06.2009 um 12:17 Uhr

    MJ hatte wie auch ich eine harmlose aber unschöne Krankheit namens Vitiligo, die weitgehend unbedenklich ist, allerdings mit zunehmenden weißen Hautflecken einhergeht, auf denen sich keine Pigmente mehr bilden. Ein kosmetisches Problem, also.

    Besonders schlimm sieht das natürlich bei Farbigen aus, da sich die fehlenden Pigmentierungen zuallererst an den Fingern und im Gesicht, vor allem an den Augen zeigen.

    Als eine Person die der Öffentlichkeit zur Verfügung stand, kann man ihm da keine Eitelkeiten vorwerfen.

    Die fehlnde pigmentierung an den Fingern war zunähst ein noch einfach zu lösendes kosmetisches Problem. So trug er teils Handschuhe, und klebte sich später die Fingerkuppen ab, den Bereich, an dem sich die Flecken zuerst bilden.

    Durch die Vitiligo lief er dann auch mit Sonnenschirm rum und entschied sich aus kosmetischen Gründen letztlich für eine komplette Depigmentierung, um eben die sichtbaren Stellen somit zu relativieren bzw. verschwinden zu lassen.

    Ich habe Michael bei meinen Interviews und auch privat als sehr menschliche aber vor allem sensible Person erlebt. Die Blase in der er aufwuchs, ließ nur wenige Freunde zu. Daher wohl unbewusst auch die Namensgebung seines Haustieres.

    Seinen Vater hab ich gott sei Dank nie live erlebt, nach Ike Turner vermutlich der Bodensatz. Als Joe Jackson bei Verhinderung seines Sohnes einfach ein Double zum eigenen Geburtstag engagierte, zeigte das für mich, wie er Michael wirklich bewertet hat: Als Produkt. Mehr nicht. Klar, dass auch das Sorgerecht für den Nachwuchs da schon in trockenen Tüchern ist.

    Na ja. Schlaf gut, MJ!

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    Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich mir vorstelle, dass dieser eiskalt wirkende Mann, Joe Jackson, der sich schon ausgiebig an seinen eigenen Kindern versündigt hat, jetzt auch noch seine Enkelkinder in die gierigen Finger kriegen soll.

    Ich hoffe inständig, dass das nicht geschehen wird!

    Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich mir vorstelle, dass dieser eiskalt wirkende Mann, Joe Jackson, der sich schon ausgiebig an seinen eigenen Kindern versündigt hat, jetzt auch noch seine Enkelkinder in die gierigen Finger kriegen soll.

    Ich hoffe inständig, dass das nicht geschehen wird!

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