Zum Tod von Pina Bausch Grande Dame des modernen TanzesSeite 2/2

Als Bausch 1975 Strawinskys Le Sacre du Printemps choreografiert, muss das Publikum mindestens verwirrt gewesen sein. Sie treibt ihre Tänzer zur körperlichen Erschöpfung, die sich dann im Schweiß und der über der Bühne verteilten Erde keuchend wälzen. Ihre Stücke wachsen von innen nach außen, statt von vorn nach hinten, erklärte sie. Sie, die in Interviews nicht so gern Fragen zu ihrem Werk beantwortet.

Es bleibt aber auch später in Wuppertal abenteuerlich, wenn das Premierenpublikum über dem Programmheft die Brauen hochzieht und nur "Neues Stück" lesen kann, während dieses hinter dem Vorhang schon längst gespielt wird. Bauschs Leidenschaft inspirierte Helmut Newton zu einer einzigartigen Fotografie, auf der ein Krokodil eine nackte, graziöse Frau verspeist. Ende dieses Jahres wollte auch Wim Wenders einen Film über die Grande Dame des Tanztheaters machen.

Das Sterben, dieser seltsame Abschied hinterlässt gerade in diesen Tagen eine Unwirklichkeit, als wären ein paar Koordinaten verloren gegangen, als hätte einen jemand zu sehr geschüttelt. Also malt man sich lieber aus, wie es der französische Schriftsteller Frédéric Beigbeder in seinem Roman 39,90 fantasiert: Die vorgeblich Verstorbenen sind wahrscheinlich nur auf einer hübschen Karibik-Insel, zusammen mit Michael Jackson, Elvis, vielleicht hat Dahrendorf auch Platz und jetzt die Königin des europäischen Tanztheaters.

Pina Bausch hätte nun, während sie sich eine Camel anzündet, möglicherweise gesagt: "Irgendwie kann man die Dinge ahnbar machen, aber nicht konkretisieren. Etwas, was man weiß und ahnt, aber es ist nicht fassbar. Und es ist uns allen bekannt. Es ist uns allen verwandt, über alle Grenzen. Und das ist das Fantastische, glaube ich." Sie starb mit 68 Jahren.
 

 
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