VernetzungSoziale Netzwerke bringen kein Geld

Wachstum kostet: Für jeden neuen Nutzer muss Facebook einen Dollar in Hardware investieren. Durch Werbung ist das nicht einzunehmen von 

Social networks haben ein riskantes Geschäftsmodell: Viele Nutzer bedeuten nicht unbedingt viele Einnahmen

Social networks haben ein riskantes Geschäftsmodell: Viele Nutzer bedeuten nicht unbedingt viele Einnahmen  |  © Dan Kitwood/Getty Images

Wer im Internet surft, ist zumeist auch in mindestens einem sozialen Netzwerk aktiv. Laut dem Medienanalysten Nielsen Online steuert jeder zweite deutsche Internetnutzer regelmäßig eine Internet Community an. Weltweit besuchen sogar zwei Drittel aller Menschen mit Internetzugang solche Netzwerke. Die meisten Nutzer aus den westlichen Industrieländern sind beim amerikanischen Anbieter Facebook angemeldet. Doch selbst beim Branchenprimus weiß man nicht, wie aus diesem Kundenverkehr Profit geschlagen werden kann.

Bisher ist Facebook auf Kredite und millionenschwere Investments angewiesen. Einfach ist das nicht. Im Frühjahr erst trat Finanzvorstand Gideon Yu zurück, nachdem er mehrere Monate nach neuen Geldgebern gesucht hatte. Vertreter des Unternehmens versicherten trotzdem mehrfach, dass man nicht in finanziellen Schwierigkeiten stecke und auch während der Finanzkrise expandiere.

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Aber Wachstum allein bringt keine Gewinne, im Gegenteil, es kann die Probleme vergrößern: Auf Internetseiten muss viel los sein, damit sie für Anzeigenkunden interessant sind. Doch je größer die Datenmengen werden, die die Nutzer erzeugen, desto teurer ist es, die Seite zu betreiben. Nur auf Wachstum aus zu sein und zu hoffen, dass irgendwann die Einnahmen aus Werbung größer sind als die Betriebskosten, ist deswegen ein riskanter Plan.

Bereits 2007 musste Facebook 200 Millionen Dollar in neue Hardware investieren, um mit den steigenden Userzahlen Schritt halten zu können. Im selben Zeitraum hatte das Unternehmen nach Angaben von Firmenchef Mark Zuckerberg aber nur knapp 50 Millionen Dollar einnehmen können.

Und der wahre Ansturm der Nutzer auf Facebook setzte erst danach ein. In den letzten 18 Monaten hat sich die Zahl der aktiven Nutzer von 50 Millionen auf über 200 Millionen vervielfacht.

Wie hoch die Kosten der Datenverwaltung wirklich sind ist ungewiss und ein sensibles Thema. Allein die Gebäude, in denen die Server des Unternehmens stehen, kosten jedes Jahr zwischen 20 und 25 Millionen Dollar. Insidern zufolge muss Facebook für jede Registrierung eines Benutzerkontos ungefähr einen Dollar in neue Hardware investieren. Und pro Tag registrieren sich durchschnittlich 600.000 neue User. Dazu kommen noch die Kosten für die Server, die die Seite am Leben erhalten. Weil das Unternehmen aber eher Rechenzentren miete, statt eigene zu bauen, habe es eine vergleichsweise kosteneffiziente Infrastruktur, schreibt Rich Miller von datacenterknowledge.com.

Trotzdem verliert Facebook jeden Monat 20 Millionen Dollar, schätzt Michael Arrington von Techcruch.com. Zuckerberg glaubt angesichts dieser Summen jedenfalls nicht mehr daran, dass das klassische Social Media-Modell "Viele Nutzer plus Werbung gleich Gewinn" funktioniert. Der Gründer will deswegen aus Facebook eine flexible Plattform machen, die mit zahllosen anderen Angeboten vernetzt ist. Erste Schritte in diese Richtung sind bereits erfolgt: Dank des Connect-Programms können sich Internetnutzer mit ihrem Facebook-Passwort nun auch auf anderen Seiten anmelden.

Leserkommentare
    • Anonym
    • 27. Juni 2009 14:15 Uhr

    Wenigstens wundert sich niemand darüber. Dass man dieses "Geschäftsmodell" als Umverteilung betrachten kann, fällt aber kaum jemandem auf. Denn die Werbebudgets werden letztlich durch die Konsumentenpreise finanziert. Damit erhalten Menschen, die niemals einen Cent für Facebook zahlen würden, eine Art privatwirtschaftlicher Subvention von Menschen, die für ganz andere Dinge oftmals etwas zu viel Geld ausgeben (müssen).

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    • Manu84
    • 27. Juni 2009 15:41 Uhr

    Naja, funktioniert nicht jedes Produkt dann auf diese Art und Weise? Mit jedem Produkt, für welches geworben wird und das sie dann kaufen, verteilen sie einen gewissen Teil ihres Vermögens um auf den Werbeproduzenten. Scheint nicht wirklich was neues zu sein...

    • Manu84
    • 27. Juni 2009 15:41 Uhr

    Naja, funktioniert nicht jedes Produkt dann auf diese Art und Weise? Mit jedem Produkt, für welches geworben wird und das sie dann kaufen, verteilen sie einen gewissen Teil ihres Vermögens um auf den Werbeproduzenten. Scheint nicht wirklich was neues zu sein...

    • KMurx
    • 27. Juni 2009 19:59 Uhr

    Warum sollte man diesen Service je nutzen?

    Gewinn fuer den Kunden:
    0 - schliesslich kann man - so man will - einfach das gleiche Passwort woanders nutzen
    Risiko fuer den Kunden:
    Hoch - wenn das Facebook-Passwort geknackt ist, weiss der Angreifer
    a) Das Passwort
    b) Aufgrund des Partnerprogramms auch auf welchen anderern Seiten er nachschauen sollte.

    Gewinn fuer die Firma:
    mittel - noch mehr Informationen ueber ihre "Kunden"
    Risiko fuer die Firma:
    0

    • Yadgar
    • 28. Juni 2009 15:41 Uhr

    ...wieso und womit im Internet überhaupt Geld verdient werden kann (von der Bereitstellung des Zugangs durch Provider einmal abgesehen)! Für das, was die eigentliche Domäne der Datenfernübertragung ist, nämlich den Austausch von Informationen, sind bis heute die wenigsten Endbenutzer bereit zu zahlen - was seinen Grund letztendlich darin hat, dass das Internet seine Wurzeln in der egalitär-nichtkommerziellen Kultur der Universitäts-Netzwerke hat.

    Also bleiben nur zwei Möglichkeiten: Werbung oder mehr oder weniger legales "data mining" von persönlichen Benutzerdaten zur Erstellung von Kundenprofilen, die dann meistbietend weiterverkauft werden (und letztlich wiederum der Effizienzsteigerung von Werbung dienen - und nebenbei staatlicher Datensammelwut im Kampf gegen kinderschändende Amoknaziraubkopierislamisten gut gelegen kommen!). Vor allem das data mining dürfte letztlich der Hauptgrund für die Existenz unzähliger Gratis-Webdienste wie Blogs, Foren, Online-Spiele und und und... sein: das Geltungsbedürfnis der Nutzer ansprechen und sie dazu bringen, online möglichst viel von sich preiszugeben, was dann in die Erstellung punktgenauer Persönlichkeitsprofile für maßgeschneiderte Werbung einfließt.

    Ein Blick z. B. auf die AGBs von Twitter, Inc. erklärt recht gut, wieso es überhaupt einen weltumspannenden Service für banales 130-Zeichen-Geschnatter gibt:
    http://de.wikipedia.org/w...

    • ben_
    • 28. Juni 2009 20:44 Uhr

    Myspace ist den schweren Weg, der vor Facebook liegt schon mal vorausgegangen. Von den 580 Millionen, die Murdoch für das Social Network im Jahr 2005 ausgab ist wohl kaum noch was überig. Letzte Woche wurden 300 der insgesamt 1000 Mitarbeiter entlassen.

    --
    der geist in der maschine

  1. Netzwerke bringen kein Geld, weil sie zu einem gewissen Grad einfach wertlos sind. Sowohl für die Betreiber, als auch für die Nutzer. Erst wenn es einen Grund jenseits der persönlichen Zerstreuung geben sollte, sich bei so einem Service anzumelden, wäre auch der Durchschnittsbürger bereit zu zahlen. Weil das aber nicht so ist wird die Bombardierung durch Werbebanner schnell im Hype eines Konkurrenzangebotes enden.

  2. Kein Geschäftsmodell, kein echtes Konzept, keine Innovation, kein dauerhafter Mehrwert ==> kein Erfolg!

    Verwunderlich ist nur, dass viele Investoren so hirnlos werden, hunderte von Millionen in solche wertlosen Angebote zu stecken, also quasi zu verbrennen.

  3. 8. Naja,

    wie schon 2001 haben wieder dieselben Finanz-Idioten zugeschlagen. Nichts neues.

    Ich muss hier jedoch darauf hinweisen, dass es sehr wohl Netwerke im Internet gibt, denen es durchaus gut geht. Ich möchte hier nur Xing, Monster, Partnerschaftsbörsen, spezielle Angebote wie soundclound, reverbnation, last.fm, und hunderte weitere beachtlichen Profit einfahren.

    Bei näherer Betrachtung ist dieser Artikel schlicht oberflächlicher Unsinn. Es werden nur wenige Beispiele betrachtet, sofort schnell und stumpf verallgemeinert.

    Die gesündesten sind wieder mal im Mittelstand zu suchen.

    Genauso stupide wäre es, sich Quelle anzuschauen und zu schreiben: "Firmen bringen kein Geld, was nun?"

    Liebe Redaktion, ihre Web Ausgabe wird von Tag zu Tag flacher. Es wird bunt polemisiert, Fakten werden hartnäckig umgangen. Nur, zu welchem Zweck? Irgendwie Geld im Internet zu verdienen?!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Geld | Google | Dollar | Facebook | Gewinn | Hardware
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