Wer im Internet surft, ist zumeist auch in mindestens einem sozialen Netzwerk aktiv. Laut dem Medienanalysten Nielsen Online steuert jeder zweite deutsche Internetnutzer regelmäßig eine Internet Community an. Weltweit besuchen sogar zwei Drittel aller Menschen mit Internetzugang solche Netzwerke. Die meisten Nutzer aus den westlichen Industrieländern sind beim amerikanischen Anbieter Facebook angemeldet. Doch selbst beim Branchenprimus weiß man nicht, wie aus diesem Kundenverkehr Profit geschlagen werden kann.

Bisher ist Facebook auf Kredite und millionenschwere Investments angewiesen. Einfach ist das nicht. Im Frühjahr erst trat Finanzvorstand Gideon Yu zurück, nachdem er mehrere Monate nach neuen Geldgebern gesucht hatte. Vertreter des Unternehmens versicherten trotzdem mehrfach, dass man nicht in finanziellen Schwierigkeiten stecke und auch während der Finanzkrise expandiere.

Aber Wachstum allein bringt keine Gewinne, im Gegenteil, es kann die Probleme vergrößern: Auf Internetseiten muss viel los sein, damit sie für Anzeigenkunden interessant sind. Doch je größer die Datenmengen werden, die die Nutzer erzeugen, desto teurer ist es, die Seite zu betreiben. Nur auf Wachstum aus zu sein und zu hoffen, dass irgendwann die Einnahmen aus Werbung größer sind als die Betriebskosten, ist deswegen ein riskanter Plan.

Bereits 2007 musste Facebook 200 Millionen Dollar in neue Hardware investieren, um mit den steigenden Userzahlen Schritt halten zu können. Im selben Zeitraum hatte das Unternehmen nach Angaben von Firmenchef Mark Zuckerberg aber nur knapp 50 Millionen Dollar einnehmen können.

Und der wahre Ansturm der Nutzer auf Facebook setzte erst danach ein. In den letzten 18 Monaten hat sich die Zahl der aktiven Nutzer von 50 Millionen auf über 200 Millionen vervielfacht.

Wie hoch die Kosten der Datenverwaltung wirklich sind ist ungewiss und ein sensibles Thema. Allein die Gebäude, in denen die Server des Unternehmens stehen, kosten jedes Jahr zwischen 20 und 25 Millionen Dollar. Insidern zufolge muss Facebook für jede Registrierung eines Benutzerkontos ungefähr einen Dollar in neue Hardware investieren. Und pro Tag registrieren sich durchschnittlich 600.000 neue User. Dazu kommen noch die Kosten für die Server, die die Seite am Leben erhalten. Weil das Unternehmen aber eher Rechenzentren miete, statt eigene zu bauen, habe es eine vergleichsweise kosteneffiziente Infrastruktur, schreibt Rich Miller von datacenterknowledge.com.

Trotzdem verliert Facebook jeden Monat 20 Millionen Dollar, schätzt Michael Arrington von Techcruch.com. Zuckerberg glaubt angesichts dieser Summen jedenfalls nicht mehr daran, dass das klassische Social Media-Modell "Viele Nutzer plus Werbung gleich Gewinn" funktioniert. Der Gründer will deswegen aus Facebook eine flexible Plattform machen, die mit zahllosen anderen Angeboten vernetzt ist. Erste Schritte in diese Richtung sind bereits erfolgt: Dank des Connect-Programms können sich Internetnutzer mit ihrem Facebook-Passwort nun auch auf anderen Seiten anmelden.