Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder hat bei der Amerikagrippe*, auch bekannt als Schweinegrippe,  Entwarnung gegeben. Trotz steigender Krankheitszahlen bestehe keine allgemeine Infektionsgefahr, hieß es am Ende des Treffens in Erfurt. Die Krankheitsverläufe seien in aller Regel milde.

Dennoch werden die Vorsorgemaßnahmen weiter verfolgt. Die Länder hätten bereits Verträge über die Bereitstellung der Impfstoffe abgeschlossen. Die Bestellung solle aber erst ausgelöst werden, wenn die Weltgesundheitsorganisation WHO
Anfang Juli eine entsprechende Empfehlung gebe. Daneben beschlossen die Minister, einen allgemeinen "Nationalen Impfplan" zu erstellen.

Experten werteten zurzeit die Daten der Schweingrippe aus und erarbeiteten Impfempfehlungen, sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Geklärt werden soll, wer zu den Risikogruppen gehört. "Das Durchschnittsalter der Betroffenen ist mit 23 Jahren ungewöhnlich niedrig", sagte die Ministerin. Vor diesem Hintergrund müsse die gängige Praxis, vor allem ältere Menschen zu impfen, überdacht werden.

Schmidt strebt außerdem eine einheitliche europäische Lösung an. "Wir müssen uns wappnen, damit wir nicht zum Spielball der Pharmaindustrie werden." Die Lobby mache zurzeit enormen Druck. "Deshalb müssen wir bei den Impfstoff-Preisen die größtmögliche Transparenz herstellen." Bis die WHO am 7. Juli ihre Empfehlung herausgibt, stehe auch fest, welche Gruppen geimpft werden sollen. Parallel dazu soll bis Mitte 2010 ein nationaler Impfplan erarbeitet werden, um die Durchimpfungsraten in Deutschland Schritt für Schritt zu erhöhen.

Denn nicht jeder soll geimpft werden wie es etwa bei Pocken Usus ist. Dafür sei der H1N1-Erreger in seiner aktuellen
Ausprägung nicht aggressiv genug. Allerdings könne niemand ausschließen, dass in einer zweiten Welle ein mutierter Erreger größere Herausforderungen bringe, sagte Schmidt weiter.

Bei der Bestellung müsse auch darauf geachtet werden, dass die Herstellung des neuen Impfstoffes die Produktion der saisonalen Grippe-Impfstoffe nicht zu stark beeinträchtige, sagte Schmidt. Der Schweinegrippe-Impfstoff könne ab Herbst verabreicht werden. Die Kosten dafür müssten die Kassen übernehmen.

*Amerikanische Grippe ist der korrektere Begriff und orientiert sich an der geographischen Lage der ersten Nachweise des neuen Virus. Der Begriff Schweinegrippe ist  irreführend – denn er klingt, als könnten sich nur Schweine damit anstecken, oder als infiziere sich der Mensch – wie bei den meisten menschlichen Infektionen mit dem Vogelgrippe-Virus – durch den Kontakt mit Tieren. Der aktuelle Erreger vom TypA/H1N1 ist nicht in Tieren isoliert worden. Lediglich das Erbgut des Virus enthält genetisches Material von Erregern, die neben dem Menschen auch Schweine und Vögel befallen.