ZEIT ONLINE: Herr Ozawa, feiert die Kammermusik ein stilles Comeback?

Seiji Ozawa: Ja. Ich kann es zwar nicht an bestimmten Punkten fest machen, aber mein Gefühl sagt mir, dass die Kammermusik zurückkehrt. Als wir diese Akademie vor mehr als zehn Jahren in Japan gegründet haben, war die Kammermusik gerade auf dem Weg ins Abseits. Eine Zeit lang dachte ich, das Publikumsinteresse daran lässt noch mehr nach. Aber nun, während der letzten fünf Jahre, blüht die Kammermusik wieder auf. Die Konzerte sind ziemlich erfolgreich. Auch die Medien berichten verstärkt darüber.

ZEIT ONLINE: Warum haben Sie als Orchester-Dirigent ausgerechnet die IMAS ins Leben gerufen, eine Akademie für Kammermusik?

Ozawa: Ich denke, das Streichquartett ist das beste Werkzeug, um die einzelnen Komponisten zu studieren und etwas über sie und ihre Musik zu lernen. Haydn, Mozart oder Bartók – alle Komponisten, die an dem Kanon der Kammermusik mitgearbeitet haben – machten dies mit höchster Ernsthaftigkeit. Den größten Einblick in Beethoven und sein Werk konnte ich aus seinen Streichquartetten gewinnen. Dasselbe gilt für Schostakowitsch oder Bartók. Und das will ich an die jungen Menschen weitergeben.

ZEIT ONLINE: Wann und wie sind Sie auf die Idee gekommen, diese Akademie zu gründen?

Ozawa: Mein früherer Lehrer hat mich dazu veranlasst. In seinem Gedächtnis war das gesamte musikalische Fundament festgeschrieben, das sich über Sinfonien, Ensemble-Musik bis hin zu Quartetten erstreckte. Von ihm lernte ich, wie Beethovens Musik zu verstehen ist. Am Ende der Ausbildung hat er mir beigebracht, wie man in einem Quartett musiziert. Er sagte mir: "Dieses Können musst du in deinem Herzen bewahren." Und so beschäftige ich mich seit 20 Jahren mit Streichquartetten.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie von Anfang an Förderer des Projekts?