Finanzkrise Steinbrücks Kreditklemme

Der Finanzminister kritisiert die Banken – zu Unrecht. Wenn er will, dass diese wieder mehr Kredite vergeben, muss er ein neues Konjunkturprogramm auflegen

Horten die Banken in Deutschland ihr Geld?

Horten die Banken in Deutschland ihr Geld?

Die Attacken werden schärfer: Die Banken, so fordern es Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bundesbankpräsident Axel Weber, sollten gefälligst mehr Kredite vergeben. Dazu habe man sie schließlich gerettet.

Derlei Bankenschelte mag beim Wähler ankommen, doch sie hilft nicht weiter. Banken vergeben Kredite, um Geld zu verdienen. Das ist ihr Geschäft. Wenn sie jetzt weniger Kredite vergeben, dann weil ein nicht geringer Teil der deutschen Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten steckt.

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Kein ehrbarer Bankier – und genau nach diesem ruft ja die Politik – darf diesen Firmen Geld verleihen, nicht zuletzt weil er die Einlagen der Sparer riskieren würde. Das Problem liegt bei den Kreditnehmern, nicht bei den Banken. Wenn der Staat etwas dagegen tun will, muss er neue Konjunkturprogramme auflegen. Dann kommt wieder Geld in die Kassen der Firmen und ihre Bonität steigt.

Natürlich kommt es immer häufiger vor, dass auch gesunde Unternehmen keinen Kredit bekommen. Das aber liegt daran, dass die Bilanzen der Banken noch nicht repariert sind. Bei vielen wird das Eigenkapital knapp. Ohne Kapital aber können sie keine Kredite vergeben, da helfen auch die Milliardenspritzen der Europäischen Zentralbank nichts. Denn die versorgt die Banken mit Liquidität (also mit geliehenem Geld), nicht mit Kapital. Letzteres kann nur der Staat verabreichen.

Wenn Steinbrück will, dass die Banken mehr Kredite vergeben, muss er also mehr für die Konjunktur tun und die Banken rekapitalisieren. Doch dazu ist er nicht bereit. Es kommt eben beim Wähler nicht gut an.

Völlig falsch ist die Forderung der Gewerkschaften, der Staat solle die Institute, an denen er beteiligt ist, dazu zwingen Kredite zu vergeben. Er kann für diese Banken allgemeine Richtlinien erlassen. Über die Vergabe von Krediten sollten hingegen weiter Experten entscheiden.

 
Leser-Kommentare
  1. Über die Vergabe von Krediten sollten Experten entscheiden? Die gleichen Experten die den ganzen Mist angerührt haben? Spareinlagen zu verzinsen und Kredite zu vergeben sollte das Kerngeschäft von Banken sein, war aber bei vielen nicht so sehr im Mittelpunkt, weil das keine Renditen von 25 % abwirft, wie das Zocken mit irgenwelchen Derivaten.
    Steinbrück hat schon recht, die Banke sollten einfach mal beginnen wieder normal zu arbeiten für Renditen wie andere auch, aber die eröffnen gerade wieder das Kasino.
    Oder lieber noch ein steuerfinanziertes Konjukturprogramm was wieder als Boni versickert?

    • politz
    • 25.06.2009 um 16:27 Uhr

    ... sollte ein neues Konjunkturprogramm denn bestehen? Fast alle, die das fordern, planen ein neues Infrastrukturprogramm. Doch Experten warnen wegen der zunehmenden Baustellen schon jetzt vor massiven Staus auf deutschen Autobahnen, weil jetzt die Versäumnisse der vergangenen Jahre in einem Schlag abgearbeitet werden sollen. Wenn nun noch mehr Straßen aufgerissen werden, könnte das leicht zu einem Verkehrsinfarkt führen und den Ölverbrauch in die Höhe treiben. Staus führen jedoch zu volkswirtschaftlichen Verlusten.

    Außerdem macht sich die Krise nicht vorrangig beim Tiefbau bemerkbar, sondern im verarbeitenden Gewerbe. Es droht eine Inflation in Teilsegmenten der Volkswirtschaft. Wir haben schon bei der Abwrackprämie gesehen, dass konjunkturstimulierende Maßnahmen zu der grotesken Situation führen können, dass inmitten der Krise in manchen Bereichen ein echter Boom herrscht, größer als der vor der Krise. Auf die Gesamtwirtschaft hat das jedoch keinerlei stabilisierende Wirkung.

    Was bleibt, wären neue Steuer- und Abgabensenkungen. Gegen die sperrt sich aber Steinbrück, auch wenn er in der Vergangenheit durch Absetzung von Fahrtkosten und Krankenversicherungsbeiträgen sowie durch die Erhöhung des Bundeszuschusses für die Krankenversicherungen Gegenteiliges durchgeführt hat. Weitere Steuersenkungen lehnt er jedoch ab. Und sie würden auch zu einer weiteren dramatischen Ausweitung der Neuverschuldung führen.

    Diese zunehmende Neuverschuldung ist tatsächlich sehr schädlich. Durch die absehbaren Risiken aus dem deutschen Finanzsektor, die allgemeine Rezession und den jüngsten Steuersenkungen droht sich letztlich auch das strukturelle Defizit des Bundes massiv zu vergrößern. Wir stünden bald auf einer Stufe mit Großbritannien und den USA. Dieser Umstand trägt nicht nur die Gefahr deutlich steigender Zinslasten für zukünftige Regierungen mit sich.

    In Gefahr ist auch das AAA-Rating der Bundesrepublik auf den internationalen Finanzmärkten. Schon Ende 2005 drohte Standard & Poors mit einer Herabstufung der Bundesrepublik, falls man das Defizit nicht in den Griff bekäme. Heute ist die Situation anders, Deutschland steht noch besser da als andere Länder, aber das Defizitniveau ist höher. Eine Änderung des AAA-Ratings bedeutet weiter steigende Zinslasten, also noch höhere Neuverschuldung, also noch höhere Zinslasten usw.

    Irland hat die Herabstufung durch die Ratingagenturen bereits zu Sparmaßnahmen gezwungen. Anders als der Rest der Welt steuert dieses Land nicht mit Konjunkturprogrammen der Rezession expansiv entgegen, sondern fährt eine restriktive Fiskalpolitik. Mal abseits vom konjunkturellen Effekt, der umstritten ist, bedeutet dies neuen Sozialabbau. Deutschland müsste ähnlich verfahren, wenn es herabgestuft wird. Daran ändert auch die lt. Steinbrück zur Besänftigung der Finanzmärkte eingeführte "Schuldenbremse" wenig.

    Die einzige Möglichkeit, unsere Wirtschaft durch Konjunkturprogramme zu gesunden und die Belastung künftiger Regierungen und Parlamente zu verhindern, besteht im Drucken neuen Geldes. Die Aufnahme von Anleihen an den Kapitalmärkten verteilt das bestehende Geld nur um, die Schöpfung neuen Geldes erweitert dagegen das der Volkswirtschaft zur Verfügung stehende Geld. Nun ist es aber so, dass sich die deutsche Regierung und vor allem Steinbrück intensiv gegen diese Form der Geldpolitik wehrt.

    Er befürchtet eine deutlich steigende Inflation. Steinbrück müsste also erstmal die EZB auffordern, Staatsanleihen anzukaufen, bevor er ein neues Konjunkturprogramm befürwortet. Wie sich ein solches Programm übrigens schnell auf die Bilanzen der deutschen Unternehmen auswirken soll, bleibt unklar. Effekte sind zu erwarten, aber die für die nächsten Monate vorausgesagte Kreditklemme lässt sich damit doch nicht verhindern. Konjunkturprogramme wirken bekanntlich mit großer Zeitverzögerung, aber die Probleme der Banken sind jetzt da.

    Viel Zeit bleibt angesichts der kommenden Insolvenz- und Abschreibungswelle nicht mehr.

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    @(Worin) sollte ein neues Konjunkturprogramm denn bestehen?

    Das beste Konjunkturprogramm besteht in der direkten und massiven Zuführung von Kaufkraft an die einheimischen Verbraucher der unteren und mittleren Einkommensschichten, um den Binnenmarkt anzukurbeln. Damit könnte man den Abruf der Produktionskapazitäten in Deutschland erreichen, die im Moment die geringste Auslastung haben, welche in den letzten Jahrzehnten gemessen wurde. Wir haben es hier nicht mit einer Investitionskrise, sondern mit einer akuten Nachfragekrise zu tun, welche durch den schlagartigen Wegfall der Auslandsnachfrage vor allem der US-Konsumenten zu tun, die über beide Ohren verschuldet sind.

    @Außerdem macht sich die Krise nicht vorrangig beim Tiefbau bemerkbar, sondern im verarbeitenden Gewerbe. Es droht eine Inflation in Teilsegmenten der Volkswirtschaft.

    Wo in aller Welt soll bei dieser geringen Auslastung der Produktkapazitäten und des massiven Wegfalls der Auslandsnachfrage die Inflation herkommen? Wir haben es mit einer deflationären Entwicklung zu tun, deren Auswirkungen wir erst jetzt nach und nach im Zweitrundeneffekt zu spüren bekommen.

    @Diese zunehmende Neuverschuldung ist tatsächlich sehr schädlich. Durch die absehbaren Risiken aus dem deutschen Finanzsektor, die allgemeine Rezession und den jüngsten Steuersenkungen droht sich letztlich auch das strukturelle Defizit des Bundes massiv zu vergrößern.

    Diese Neuverschuldung von über 300 Mrd. Euro bis 2013 werden wir so oder so bekommen. Der Unterschied besteht lediglich darin, ob diese neuen Schulden für die Finanzierung des Stillstandes über die Alimentierung der Arbeitslosigkeit und die steuerliche Ersetzung der dann massiv ausfallenden Sozialbeiträge oder aber produktiv für den Abruf und damit Erhalt des Kapitalstocks einsetzen, der durch die Investitionen der letzten Jahre aufgebaut wurde.

    @(Worin) sollte ein neues Konjunkturprogramm denn bestehen?

    Das beste Konjunkturprogramm besteht in der direkten und massiven Zuführung von Kaufkraft an die einheimischen Verbraucher der unteren und mittleren Einkommensschichten, um den Binnenmarkt anzukurbeln. Damit könnte man den Abruf der Produktionskapazitäten in Deutschland erreichen, die im Moment die geringste Auslastung haben, welche in den letzten Jahrzehnten gemessen wurde. Wir haben es hier nicht mit einer Investitionskrise, sondern mit einer akuten Nachfragekrise zu tun, welche durch den schlagartigen Wegfall der Auslandsnachfrage vor allem der US-Konsumenten zu tun, die über beide Ohren verschuldet sind.

    @Außerdem macht sich die Krise nicht vorrangig beim Tiefbau bemerkbar, sondern im verarbeitenden Gewerbe. Es droht eine Inflation in Teilsegmenten der Volkswirtschaft.

    Wo in aller Welt soll bei dieser geringen Auslastung der Produktkapazitäten und des massiven Wegfalls der Auslandsnachfrage die Inflation herkommen? Wir haben es mit einer deflationären Entwicklung zu tun, deren Auswirkungen wir erst jetzt nach und nach im Zweitrundeneffekt zu spüren bekommen.

    @Diese zunehmende Neuverschuldung ist tatsächlich sehr schädlich. Durch die absehbaren Risiken aus dem deutschen Finanzsektor, die allgemeine Rezession und den jüngsten Steuersenkungen droht sich letztlich auch das strukturelle Defizit des Bundes massiv zu vergrößern.

    Diese Neuverschuldung von über 300 Mrd. Euro bis 2013 werden wir so oder so bekommen. Der Unterschied besteht lediglich darin, ob diese neuen Schulden für die Finanzierung des Stillstandes über die Alimentierung der Arbeitslosigkeit und die steuerliche Ersetzung der dann massiv ausfallenden Sozialbeiträge oder aber produktiv für den Abruf und damit Erhalt des Kapitalstocks einsetzen, der durch die Investitionen der letzten Jahre aufgebaut wurde.

  2. Steinbrück und Verteilungskonflikte.

    http://www.sueddeutsche.d...

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  3. Antwort auf "Wer soll das bezahlen?"
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    doch die Materie kennen wir. Haltet den Dieb, da läuft er. Die neben einem stehen, die sieht man nicht.

    doch die Materie kennen wir. Haltet den Dieb, da läuft er. Die neben einem stehen, die sieht man nicht.

  4. @(Worin) sollte ein neues Konjunkturprogramm denn bestehen?

    Das beste Konjunkturprogramm besteht in der direkten und massiven Zuführung von Kaufkraft an die einheimischen Verbraucher der unteren und mittleren Einkommensschichten, um den Binnenmarkt anzukurbeln. Damit könnte man den Abruf der Produktionskapazitäten in Deutschland erreichen, die im Moment die geringste Auslastung haben, welche in den letzten Jahrzehnten gemessen wurde. Wir haben es hier nicht mit einer Investitionskrise, sondern mit einer akuten Nachfragekrise zu tun, welche durch den schlagartigen Wegfall der Auslandsnachfrage vor allem der US-Konsumenten zu tun, die über beide Ohren verschuldet sind.

    @Außerdem macht sich die Krise nicht vorrangig beim Tiefbau bemerkbar, sondern im verarbeitenden Gewerbe. Es droht eine Inflation in Teilsegmenten der Volkswirtschaft.

    Wo in aller Welt soll bei dieser geringen Auslastung der Produktkapazitäten und des massiven Wegfalls der Auslandsnachfrage die Inflation herkommen? Wir haben es mit einer deflationären Entwicklung zu tun, deren Auswirkungen wir erst jetzt nach und nach im Zweitrundeneffekt zu spüren bekommen.

    @Diese zunehmende Neuverschuldung ist tatsächlich sehr schädlich. Durch die absehbaren Risiken aus dem deutschen Finanzsektor, die allgemeine Rezession und den jüngsten Steuersenkungen droht sich letztlich auch das strukturelle Defizit des Bundes massiv zu vergrößern.

    Diese Neuverschuldung von über 300 Mrd. Euro bis 2013 werden wir so oder so bekommen. Der Unterschied besteht lediglich darin, ob diese neuen Schulden für die Finanzierung des Stillstandes über die Alimentierung der Arbeitslosigkeit und die steuerliche Ersetzung der dann massiv ausfallenden Sozialbeiträge oder aber produktiv für den Abruf und damit Erhalt des Kapitalstocks einsetzen, der durch die Investitionen der letzten Jahre aufgebaut wurde.

    Antwort auf "Worin..."
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    • politz
    • 25.06.2009 um 18:59 Uhr

    Ich bin überhaupt nicht gegen ein richtig finanziertes Konjunkturprogramm – auch wenn ich erst einmal die Wiederinstandsetzung der Banken versuchen würde. Die Tendenzen durch die massive Unterauslastung der Kapazitäten sind natürlich deflationär, damit haben sie vollkommen recht. Auch wenn es keinen Automatismus à la "starke Rezession" -> "Deflation" gibt. Die Löhne sind dazu viel zu rigide, und manch ein Unternehmen hebt derzeit zur Kostendeckung die Preise an.

    Doch staatliche Investitionsprogramme können in den davon profitierenden zu einer Inflation inmitten einer Preisstagnation in der Gesamtwirtschaft führen. Die Inflation ist nicht mal das Problem. Es könnte aber darauf hinauslaufen, dass steigende Ausgaben des Bundes für die Sanierung und den Ausbau von Straßen und Bahnwegen sich statt in einer Mengen- in einer Preiserhöhung niederschlägt. Das heißt, dass die Kapazitäten bei den dafür tätigen Firmen begrenzt sind.

    Der Wirtschaftsabschwung hat seinen Grund darin, dass die Unternehmen (z.T. gezwungenermaßen) ihre Investitionen zurückführen und die Privathaushalte ihren Konsum. Er hat nicht seinen Grund in einer staatlichen Sparpolitik. Daher ist der Glaube, wir würden die Wirtschaftskrise durch eine Begünstigung der für den Staatssektor tätigen Unternehmen überwinden, eine Illusion. Die Kapazitäten sind dort nicht unterausgelastet, der deflationäre Druck ist nicht vorhanden.

    Statt Investitionsprogrammen sollten die staatlichen Transferleistungen erhöht und ggf. befristete Steuersenkungen eingeführt werden. Die Renten könnten um 4 % und die Hartz IV-Sätze um 30 % erhöht werden. Das würde den Konsum deutlich stützen. Das würde uns helfen, aber die Probleme nicht ganz lösen, da vor allem die Exporte und die Investitionen der Exportwirtschaft eingebrochen sind. Und doch stehen diese Ausgabenprogramme unter einem Finanzierungsvorbehalt.

    Denn die Vermutung, wir würden die Schulden so oder so bekommen, ist nur zum Teil richtig. Es ist durchaus möglich, dass der Staat seine Bilanz auf Kosten der anderen volkswirtschaftlichen Sektoren verbessert. Sonst wären die großen Verschiebungen in der volkswirtschaftlichen Finanzierungsrechnungen nie möglich gewesen. Wie sollte der Staat je seine Schulden auf Null zurückführen können, wenn das die Wirtschaft abwürgt. In Deutschland ist der Unternehmenssektor massiv beim Staat und bei den Privaten verschuldet, in den USA ist es umgekehrt.

    Das heißt aber nicht, dass das unmittelbar Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum in beiden Ländern hätte. Auf eine Mästung der Unternehmensbilanzen würde aber ein staatliches Konjunkturprogramm hinauslaufen. In der Vergangenheit hatten solche Verbesserungen der Schuldnerposition des Unternehmenssektors kaum Erfolg.

    Außerdem könnten uns die internationalen Finanzmärkte keinen Spielraum lassen. Wenn Sie ein Land zum Sparen zwingen, kann sich das betroffene Land dagegen kaum wehren. Sehen Sie nur, was derzeit in Lettland passiert. Das Land muss Deflationspolitik betreiben, sonst bricht seine Währung zusammen. Die Staatsverschuldung dadurch herunterzubringen, gelingt nicht immer, aber manchmal doch.

    • politz
    • 25.06.2009 um 18:59 Uhr

    Ich bin überhaupt nicht gegen ein richtig finanziertes Konjunkturprogramm – auch wenn ich erst einmal die Wiederinstandsetzung der Banken versuchen würde. Die Tendenzen durch die massive Unterauslastung der Kapazitäten sind natürlich deflationär, damit haben sie vollkommen recht. Auch wenn es keinen Automatismus à la "starke Rezession" -> "Deflation" gibt. Die Löhne sind dazu viel zu rigide, und manch ein Unternehmen hebt derzeit zur Kostendeckung die Preise an.

    Doch staatliche Investitionsprogramme können in den davon profitierenden zu einer Inflation inmitten einer Preisstagnation in der Gesamtwirtschaft führen. Die Inflation ist nicht mal das Problem. Es könnte aber darauf hinauslaufen, dass steigende Ausgaben des Bundes für die Sanierung und den Ausbau von Straßen und Bahnwegen sich statt in einer Mengen- in einer Preiserhöhung niederschlägt. Das heißt, dass die Kapazitäten bei den dafür tätigen Firmen begrenzt sind.

    Der Wirtschaftsabschwung hat seinen Grund darin, dass die Unternehmen (z.T. gezwungenermaßen) ihre Investitionen zurückführen und die Privathaushalte ihren Konsum. Er hat nicht seinen Grund in einer staatlichen Sparpolitik. Daher ist der Glaube, wir würden die Wirtschaftskrise durch eine Begünstigung der für den Staatssektor tätigen Unternehmen überwinden, eine Illusion. Die Kapazitäten sind dort nicht unterausgelastet, der deflationäre Druck ist nicht vorhanden.

    Statt Investitionsprogrammen sollten die staatlichen Transferleistungen erhöht und ggf. befristete Steuersenkungen eingeführt werden. Die Renten könnten um 4 % und die Hartz IV-Sätze um 30 % erhöht werden. Das würde den Konsum deutlich stützen. Das würde uns helfen, aber die Probleme nicht ganz lösen, da vor allem die Exporte und die Investitionen der Exportwirtschaft eingebrochen sind. Und doch stehen diese Ausgabenprogramme unter einem Finanzierungsvorbehalt.

    Denn die Vermutung, wir würden die Schulden so oder so bekommen, ist nur zum Teil richtig. Es ist durchaus möglich, dass der Staat seine Bilanz auf Kosten der anderen volkswirtschaftlichen Sektoren verbessert. Sonst wären die großen Verschiebungen in der volkswirtschaftlichen Finanzierungsrechnungen nie möglich gewesen. Wie sollte der Staat je seine Schulden auf Null zurückführen können, wenn das die Wirtschaft abwürgt. In Deutschland ist der Unternehmenssektor massiv beim Staat und bei den Privaten verschuldet, in den USA ist es umgekehrt.

    Das heißt aber nicht, dass das unmittelbar Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum in beiden Ländern hätte. Auf eine Mästung der Unternehmensbilanzen würde aber ein staatliches Konjunkturprogramm hinauslaufen. In der Vergangenheit hatten solche Verbesserungen der Schuldnerposition des Unternehmenssektors kaum Erfolg.

    Außerdem könnten uns die internationalen Finanzmärkte keinen Spielraum lassen. Wenn Sie ein Land zum Sparen zwingen, kann sich das betroffene Land dagegen kaum wehren. Sehen Sie nur, was derzeit in Lettland passiert. Das Land muss Deflationspolitik betreiben, sonst bricht seine Währung zusammen. Die Staatsverschuldung dadurch herunterzubringen, gelingt nicht immer, aber manchmal doch.

  5. Schieritz schreibt: "Kein ehrbarer Bankier – und genau nach diesem ruft ja die Politik – darf diesen Firmen Geld verleihen, nicht zuletzt weil er die Einlagen der Sparer riskieren würde."

    Die EZB Mindestreserveverpflichtung des Banker beträgt lächerliche 2%!
    http://de.wikipedia.org/w...

    Der Banker kann also theoretisch aus den Einlagen jedes Sparers bis maximal die 50-fache Menge an Giralgeld im gesamten Bankensystem schöpfen.

    Wenn also der Staat nicht eigentümlicherweise sein Geldschöpfungsprivileg zugunsten einer superreichen Elite privatisiert hätte, wie viele Ausgaben könnten allein aus der stattlichen Kreditvergabe bestritten werden und um wie viel könnten die Steuern sinken?
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

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    Wieviele Krisen und deren pikante Folgeerscheinungen hätten wir uns schon sparen können, würden wir endlich das gesamte Geldfälschungssystem (das ja auch nicht dadurch besser wird, daß es der Staat betreibt) über Bord werfen und könnten wieder mit einer Währung zahlen, die tatsächlich einen greifbaren Wert besitzt und nicht lediglich bedrucktes Papier darstellt, zu dessen Akzeptanz wir gesetzlich verpflichtet sind?

    Wieviele Krisen und deren pikante Folgeerscheinungen hätten wir uns schon sparen können, würden wir endlich das gesamte Geldfälschungssystem (das ja auch nicht dadurch besser wird, daß es der Staat betreibt) über Bord werfen und könnten wieder mit einer Währung zahlen, die tatsächlich einen greifbaren Wert besitzt und nicht lediglich bedrucktes Papier darstellt, zu dessen Akzeptanz wir gesetzlich verpflichtet sind?

  6. Video: Hypo Real Estate - die Wahrheit
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

  7. Wer Schulden hat soll sie bezahlen. Wer keine hat muß auch nicht zahlen. Wer Kredite in der Vergangenheit vergeben hat, die nunmehr notleidend wurden hat das unternehmerische Risiko in voller Höhe zu tragen. Es gilt leider nicht mehr der allgemeine Verteilungsmodus. Gibst Du mir geb' ich Dir. Wer nichts hat, gibt in der Regel auch nichts zurück. Stillstand allerorten. Oh nein.

    Kein Unternehmer kann sich leisten bei einer Bank zu erscheinen ohne mindestens 20 % EK vorzuweisen, das gilt auch für Newcomer im Unternehmertum. Die Bank hat in der Regel nur 10% EK. Da finden Gespräche regelrecht auf Augenhöhe statt, denn in der Regel macht die Bank das Geschäft und nicht der Unternehmer. Der muß sich verschulden um im Wettbewerb zu bleiben bevor er verdient, die Bank und das ist nun mal der eklatante Unterschied "refinanziert" sich entweder am Markt oder gleich bei der Bundesbank/EZB. Warum wurden Kriteren nach Basel I und II erlassen? Tafelgeschäfte sind nun einmal der Renner unter Banken geblieben. Für die Schieflage sind die "Oberen" in den Etagen von 1 aufwärts zuständig. Zumwinkel wußte wie man es macht. Ihn hat man als Bauernopfer auf die Bühne gestellt. Und wann folgen die Könige mit Ihren Damen und Türmen???

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