Mika sagte, sie habe sich diesen Schritt bereits seit Längerem überlegt: "Zehn Jahre hatte ich mir ursprünglich für die Chefredaktion gegeben. Nun sind es wegen der Blattreform und unserer 30-Jahr-Feier elf geworden."

Die 55-jährige Mika gilt als diejenige, die sich am längsten auf dem Chefredakteursposten aller überregionalen Zeitungen in Deutschland halten konnte. Zu ihren künftigen Berufsplänen wollte sich Mika nicht äußern.

Nachfolgerin bei dem links-alternativen Blatt wird Ines Pohl, die bisher als Korrespondentin für die Mediengruppe Ippen in Berlin arbeitete. Zuvor leitete die 42-Jährige das politische Ressort der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen.

taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch sagte, mit Mikas Weggang gehe eine Ära geht zu Ende. Niemand habe das dritte Jahrzehnt der taz mehr geprägt als sie.

Die taz war 1978 aus der links-alternativen Bewegung als selbst verwaltetes Projekt gegründet worden. Immer wieder hatte das Blatt mit Aktionen Aufsehen erregt. Dazu gehörte unter Mikas Amtszeit die Übergabe der Redaktion für einen Tag an Journalisten der Bild-Zeitung unter Leitung von Chefredakteur Kai Diekmann. Am folgenden Tag erschien erstmals ein Interview mit Altkanzler Helmut Kohl (CDU) im Blatt. Als Stichelei gegen den benachbarten Axel Springer Verlag wurde die von der taz unterstützte Umbenennung der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße empfunden.

Seit ihrem Antritt habe die taz die politische und publizistische Haltung bewahrt, sagte Mika. "Wir sind aber offener geworden und haben Anschluss an die Kommunikation der Gesellschaft bekommen". Mitte April hatte die Zeitung als Wochenendausgabe die sonntaz gestartet. Die Zeitung hat eine Auflage von etwa 56.000 Exemplaren, davon 46.000 im Abonnement.

Nachfolgerin Pohl sagte: "Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dem taz-Team in diesen Zeiten, in denen die sozialen Kosten der Finanzkrise immer deutlicher werden, das Profil der taz zu schärfen und ihre inhaltliche Relevanz auszubauen."

Reiner Metzger bleibt stellvertretender Chefredakteur. Der bisherige stellvertretende Chefredakteur Peter Unfried wird Chefreporter und taz-Autor.