Jugendprojekt Mit einer Zeitung gegen weiße Flecken
Sie kämpfen gegen Propaganda und bestellte Wahrheit: 70 Jugendliche aus vier Ländern recherchieren und veröffentlichen Themen, die von der Nazi-Presse verschwiegen wurden

© Wolfgang Kumm/dpa
70 Jugendliche aus vier Ländern haben eine Zeitung erarbeitet, die weiße Flecken der Geschichte der Nazi-Zeit mit Fakten füllt. Sie überreichten Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jüdischen Museum das erste Exemplar.
Die Gesichter der Toten kann die alte Frau nicht vergessen. Noch 64 Jahre nach der Tat drängen sich die Albtraum-Bilder immer und immer wieder in ihr Bewusstsein. Sie sieht die Ermordeten, die auf dem Boden liegenden ausgemergelten Leichen. Am 7. April 1945 erschossen SS-Männer Hunderte Häftlinge des Zuchthauses Stein in Österreich, und die damals zehnjährige Katharina Fasl sah eine von mehreren Hinrichtungen. Tagelang konnte sie anschließend nichts essen und fand keinen Schlaf. Noch heute ist die 74-Jährige traumatisiert. Dennoch entschloss sich die Rentnerin, diese Geschichte Jugendlichen zu erzählen, damit das Verbrechen nie vergessen wird.
Die 16-jährige Schülerin Elisabeth Czerniak und vier weitere junge Österreicherinnen sorgen nun dafür, dass über den Fall Stein wieder gesprochen wird. Sie recherchierten die Hintergründe einer Massenerschießung von Häftlingen in einem Nachbarort und stießen auf Katharina Fasl. Die fünf Gymnasiastinnen berichten in der Zeitung Weiße Flecken über die massenhafte Ermordung. Das Medienprojekt wird von der Initiative "Step 21" finanziert. Die Jugendlichen aus Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien wurden bei ihren Recherchen von Historikern und Journalisten betreut.
Im Jüdischen Museum in Berlin präsentierten 70 Jugendliche ihre Rechercheergebnisse vor Politikern, Botschaftern und Journalisten. Der prominenteste Gast war Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie sprach mit den Rechercheuren über einzelne Projekte. Das Team von Elisabeth nennt sich "Stein 386" – der Name setzt sich aus dem Ort des Massakers und der Zahl der Opfer zusammen.
"Es gibt kaum noch lebende Zeitzeugen, die über die Erschießung der Gefangenen berichten können", sagt Elisabeth Czerniak. "Und viele Menschen, die heute in Krems und Stein leben, wissen nichts von den schrecklichen Ereignissen." Sie und ihr Team recherchierten neun Monate lang die Geschichte dieses tragischen Verbrechens.
Der Zweite Weltkrieg war fast vorbei, als der Direktor des Zuchthauses Stein im April 1945 beschloss, die meisten seiner Gefangenen nach Hause zu schicken. Der für die Region zuständige Regierungspräsident hatte die Freilassung von Gefangenen genehmigt – von diesem Gnadenakt sollten aber politische Häftlinge ausgenommen bleiben. Zu den "Politischen" zählten Männer, die einen Hitler-Witz erzählt, die ausländische Radiosender gehört oder Flugzettel gegen das Nazi-Regime verteilt hatten. Der Anstaltsleiter wollte auch diese Häftlinge entlassen und ließ die Zellentüren und das Tor öffnen. Doch einer seiner Wärter, ein überzeugter Nationalsozialist, rief bei der Kreisleitung der NSDAP an und meldete eine Revolte im Zuchthaus.
Die Nazis schickten sofort SS-Einheiten zum Gefängnis und alarmierten zusätzlich die SA, den Volkssturm und die Wehrmacht. Im Gefängnishof machten sich viele Freigelassene gerade für ihren Aufbruch bereit, als SS- und SA-Männer eintrafen. Sie schossen in die Menge, richteten den Gefängnisdirektor hin und jagten die bereits entlassenen Häftlinge.
Katharina Fasl, die als Mädchen eine Erschießung ansah, heiratete später einen der wenigen Überlebenden des Massakers. Ihr Mann Gerasimos Garnelis, ein politischer Häftling aus Griechenland, wurde angeschossen und entkam den Mördern: Er stellte sich tot. Ein Häftling, der von der SS gezwungen wurde, die Leichen zu vergraben, entdeckte, dass Garnelis noch lebte, und brachte ihn in ein Lazarett.
- Datum 01.07.2009 - 17:33 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...sich um die Praxis der heutigen Medien zu kümmern.
Damit könnte vielleicht noch etwas bewirkt werden. Aufzudecken, was die Medien im 3. Reich verschwiegen, wäre ja nur dann nützlich, wenn man die Erkenntnisse auf heutige Berichterstattung übertragen würde.
Gerade ZEIT Online hätte allen Grund hier vor der eigenen Tür zu kehren.
...bleiben Sie sachlich, ...vermeiden Sie Polemik, ...werden Sie nicht beleidigend
und deshalb erfahren wir vielleicht irgendwann auch noch etwas genaueres über die Toten von Marienburg (Malbork) ...
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