Ökologie Wo die glücklichen Menschen leben
Im Happy-Planet-Index wird die Selbstunterwerfung unter das Wachstumsparadigma gegeißelt. Doch die Studie ist keine Spinnerei, sie könnte uns Reichen beim Umdenken helfen

© Mayela Lobez/AFP/Getty Images
Laut dem Happy-Planet-Index ist Costa-Rica das glücklichstes Land der Welt. Im Bild das Romeria-Pilgerfest in Cartago nahe der Hauptstadt San Jose
Haben wir ein Recht, glücklich, lange und zufrieden zu leben? Ja, warum nicht? Ein langes gutes Leben wäre eine schöne Idee. Könnte ein Wahlslogan sein.
Aber damit ist mehr gemeint, als das wahrheitswidrige Gutreden von schlechten Zeiten. Zum guten Leben gehören auch nicht scheinheilige Wahlversprechen wie das Senken von Steuern und die Verheißung, die Arbeitslosigkeit werde dann nicht weiter steigen. Ein langes glückliches Leben als politische Zukunftsverheißung braucht mehr. Ehrlichkeit, Mut zur Wahrheit und offene Worte über das, was dazu notwendig ist, zumal in Zeiten wie diesen. Von der Politik ist dazu wenig zu hören. Nur der Papst mahnt angesichts der fundamentalen Krise der Welt zur Besinnung auf ethische Tugenden. Zum Umlernen und Umdenken.
Ganz allein ist Benedikt XVI. damit nicht. Eine Revolution des Denkens fordern seit Langem auch alle jene, die ebenso lange von den praxisnahen Prätorianern des bestehenden Systems erfolgreich als praxisferne Theoretiker, Träumer und Spinner verspottet und diffamiert wurden. Der Club of Rome hat seinerseits zwar den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Aber von den Ökonomen der Wachstumswirtschaft ernteten sie umso mehr Anfeindungen, Spott und Widerstand, auch aus dem Milieu sozialdemokratischer Reformtechnokraten, wo man 1972 von dem Report über "Die Grenzen des Wachstums" mitten in der Arbeit an einem rein quantitativ ausgerichteten "Langzeitprogramm der SPD" überrascht worden und entsprechend verärgert war.
Als einzige Großorganisation hatte damals in Deutschland, in einem hellen Moment ihrer jüngeren Geschichte, die IG Metall sich der Fragestellung geöffnet und dem Thema im selben Jahr unter dem Titel "Qualität des Lebens" einen dreitägigen Kongress gewidmet: Was macht Gutes Leben aus, worin besteht es, was müssen wir ändern, um diese nächste Stufe des Fortschritts zu erreichen? Hauptredner war Erhard Eppler, der die bedrohliche Dimension des herrschenden Systems schon damals erkannt hatte, der polnische Philosoph Adam Schaff war dabei und nicht zuletzt der unvergessene Austro-Franzose André Gorz. Damals war Epplers Parteifreund Helmut Schmidt in Bonn gerade Finanzminister geworden. Und Schmidt war – gelinde gesagt – ganz anderer Meinung. Den Begriff "Raubtier-Kapitalismus" hat er sich erst in einem späteren Leben angeeignet. Dem Konflikt zwischen der herrschenden Wachstumsorthodoxie und den Qualitäts-Visionären verdanken wir übrigens die Existenz der Grünen.
Inzwischen sind alle Parteien irgendwie grün. Und kein internationaler Gipfel, nicht einmal, wenn ein politisch-moralischer Bankrotteur wie Silvio Berlusconi der Gastgeber ist, kann es sich heutzutage leisten, nicht über den Klimawandel zu reden. Aber Umdenken? Umsteuern? Anders leben? Anders wirtschaften?
In der politischen Debatte spielt diese grundsätzliche Dimension keine Rolle. Die Frage aber, was künftig im Gefolge der Jahrhundertkrise wesentlicher Bestandteil des "guten Lebens" sein, worauf die Zufriedenheit der Bürger gründen wird, könnte nach der Bundestagswahl umso brisanter werden. Dann nämlich, wenn die Krise endgültig angekommen und spürbar ist, weder weggeredet noch weggelächelt werden kann.
Insofern hoffen auch die Ökologen auf eine neue Aufmerksamkeit. Zum Beispiel die Autoren der neuen Studie des Happy-Planet-Index: Sie vermuten, nun sei leichter einsichtig, dass "die Dogmen der letzten 30 Jahre" unglaubwürdig geworden sind. Die freiwillige Selbstunterwerfung unter das Wachstumsparadigma und das Diktat des Bruttosozialprodukts – "hinterließ über eine Milliarde Menschen in bitterer Armut, es hat auch weder wesentlich den Wohlstand derer gesteigert, die bereits reich waren, noch hat es uns ökonomische Stabilität verschafft". Stattdessen habe es einen unvorstellbaren Klimawandel bewirkt. "Kein Wunder", so die Autoren des Happy-Planet-Index (HPI), "dass die Menschen verzweifelt nach einer alternativen Vision suchen, die unsere Gesellschaften leiten könnte. In 2008 stimmten Amerikaner vor allem für 'Change' und 'Hope'". Für Obama, den politischen Visionär für einen "glücklichen Planeten".
Der HPI ist ein Produkt des britischen Öko-Thinktanks The New Economics Foundation (nef). Die Autoren versuchen damit, im Prinzip an der Idee des Weltmodells und des "dynamischen Gleichgewichts" von Dennis Meadows (Grenzen des Wachstums) anknüpfend, messbare und vergleichbare Kriterien für gutes, erfülltes und nicht zuletzt langes Leben zu finden, das außerdem der Bedingung der Nachhaltigkeit entspricht: Es soll den Planeten nichts kosten.
- Datum 09.07.2009 - 13:44 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 45
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Es ist manchmal schon zum Verzweifeln: "Nur der Papst mahnt angesichts der fundamentalen Krise der Welt zur Besinnung auf ethische Tugenden. Zum Umlernen und Umdenken. Ganz allein ist Benedikt XVI. damit nicht. Eine Revolution des Denkens fordern seit Langem auch ... " -- Was nun, nur der Papst, oder seit Langem schon ganz Viele? Auch Herr Köhler und Frau Merkel haben in den letzten Wochen nach Moral im/am Markt gerufen, ausführlich und öffentlich. Jeder eigentlich, und der Papst als Letzter!
Wie ist das mit der Moral-Bilanz der Kirchen - was zahlen die ihren Angestellten, damit die menschenwürdig leben können? Wie ist deren Umweltrechnung?
Ich finde es auch sehr verständlich, wenn Menschen in anderen Ländern auf Mitteleuropa schauen und sagen: Badezimmer, sauberes und auch heißes Wasser, Restaurants und Notebooks ... das wollen wir auch. Vielleicht sind viele auch glücklich, weil sie keine Alternativen kennen.
Theo Rem
"Ich finde es auch sehr verständlich, wenn Menschen in anderen Ländern auf Mitteleuropa schauen und sagen: Badezimmer, sauberes und auch heißes Wasser, Restaurants und Notebooks ... das wollen wir auch"
Das ist natürlich verständlich,nur wird es nicht gehen.Das ist ja die Lüge der Überflussgesellschaft,dass nur angeblich diejenigen die hart genung dafür arbeiten auch den Lohn dafür kriegen.Nein,eben nicht.Die Ressourcen des gesamten Planeten reichen nach Stand der Dinge nicht aus um allen Indern und Chinesen ein mitteleuopäischen Lebensstandard zu sichern.Stellen sie sich mal vor jede chinesische Familie hätte mindestens ein Auto,dann würde der Smog uns alle endgültig umbringen.In Westeuropa konnte in einem 60jährigen Frieden - was es so nie in Europa gegeben hat - ein Wirtschaftssaufschwung stattfinden weil der eiserne Vorhang die billigen Arbeitskräfte von den heimischen Märkten ferngehalten hat.Ironischerweise war es also der Kommunismus der den Kapitalismus gezügelt und sozial gemacht hat.Es gibt deswegen "Nostalgiker" die am liebsten die Mauer wieder hochziehen würden.
Mich würde folgendes interessieren: Man stelle sich vor, man tausche die Bevölkerung von Costa Rica im Denkmodell mal 1 zu 1 mit Deutschen aus. Also genau so viele Deutsche nach Costa Rica verfrachten wie umgekehrt. Beiden gute 10 Jahre Anpassungszeit mal an die jeweiligen Landessitten und Lebensarten zu geben und dann die Deutschen in Costa Rica nochmals befragen und die Costa Ricaner in Deutschland.
Es ist also zu fragen, ob DEUTSCHE der JETZTZEIT, die offenbar "unglücklicher" sind als die derzeit lebenden Costa Ricaner denn tatsächlich glücklicher wären, wenn sie dort unter den gleichen Bedingungen lebten. Vermutlich nicht. Da käme nämlich viel zusammen. Umgekehrt wäre es wiederum eine Frage. Aber sicher gäbe es dennoch eine ganze Reihe aus BEIDEN Lagern, die dennoch genau ihr Glück im jeweils anderen Land dann mehr hätten als im eigenen.
Zum Thema des persönlichen Glücks gehören ungeheuer viele Details, die weit über Reichtum/Armut, Luxus/Bescheidenheit usw. usw. hinausgehen, so dass es zwar einerseits interessant sein mag, es mal festzustellen aber zugleich unmöglich wird, das Modell auf auch nur einen einzigen anderen Staat oder Volk zu übertragen.
Dennoch kann so manches an solchen Studien besprechenswert sein. Hüten muss man sich jedoch vor falschen Schlüssen, die mit der Formel enden könnten: "Och, die sind glücklich? Dann müssen wir es ja nur nachmachen..." Wird nie und nimmer gelingen und winzige Parameter der Veränderung wiederum bei den Glücklichen kann dieses zerbrechliche Etwas schnell zerstören.
Auch hätte mich interessiert, ob diese Frage denn nun auch konkret spezifiziert war und ob diese Spezifizierung kulturell überhaupt übertragbar war... denn ganz sicher versteht jeder auch etwas anderes darunter, was evtl. die ganze Frage auch schon wieder in Zweifel ziehen könnte bzw. sie durchaus vielleicht ehrlich konstatiert, jedoch keinesfalls vergleichbar macht.
Aber verglichen wird!..... Und deshalb vorsicht mit falschen Schlußfolgerungen, ohne deshalb vom Bestreben abzulassen.
"Zum Thema des persönlichen Glücks gehören ungeheuer viele Details, die weit über Reichtum/Armut, Luxus/Bescheidenheit usw. usw. hinausgehen, so dass es zwar einerseits interessant sein mag, es mal festzustellen aber zugleich unmöglich wird, das Modell auf auch nur einen einzigen anderen Staat oder Volk zu übertragen."
Guter Punkt!
Zwei Dinge.
1. Eine Vergleichbarkeit von Glück über kulturelle Grenzen hinweg ist unmöglich. Wer sich mal mit den Ausgleichszahlungen für ExPats beschäftigt hat, weiss wovon ich spreche. Wenn ich in einem anderen Land arbeite, habe ich IMMER auch einen Wohlstandsverlust. Vielleicht auch gleichtzeitig einen hohen Gewinn, aber der Verlust ist immer da und lässt sich mit dem empfundenen Kulturschock beschreiben. Das ist nun aber nichts schlechtes, sondern aus meiner Sicht wunderbar so, denn diese Vielfältigkeit definiert uns als Menschen und als Kulturen. Deshalb sollte dieser Teil zwar berücksichtigt werden, aber nicht mit dem Ziel diese Unterschiede weltweit anzugleichen.
2. Der Begriff Glück hat reine Effekthascherei als Hintergrund. Als wäre man in der Lage Glück international zu vergleichen, wenn man es sogar nicht mal zwischen 2 oder 3 Menschen vernünftig vergleichen kann, weil viele der Kriterien dafür viel zu sehr im Unbewussten liegen. also vergesst diesen Begriff am Besten gleich wieder in diesem Zusammenhang. Besser ist der Begriff Wohlstand, auch wenn er eine vernüftige Definition benötigt, die nicht offentlichlich ist.
2. Der Score ist vollkommen falsch berechnet. Wenn man nur die kulturell unabhängigen Teile des Glückes betrachtet, dann fehlen immer noch viele wesentliche Wohlstandsindikatoren in dem Score. Ich nenn hier einfach mal Persönliche Freiheiten, Rechtssicherheit als Beispiele. Außerdem sollten Erkenntnisse der Bedürfnis Hierarchie und der Unterscheidung zwischen Motivatoren und Demotivatoren berücksichtigen, um eine vernüftige Score Berechnung zu ermöglichen. Dies zu erläutern ist nicht so einfach und nicht im Rahmen eines Kommentars möglich, aber ich hoffe es ist klar, warum diese Scores nur einen Zweck verfolgen: Polarisieren. Und das tun sie entsprechend gut, also haben sie ihrem Zweck wohl erfüllt. Aber ich würde mir wünschen, dass jemand einen Score zusammenstellt, der die zumindest die Grundkriterien erfüllt.
Toreon
@ZEIT: Kommentarbewertungsfunktion wieder einschalten!!!
"Zum Thema des persönlichen Glücks gehören ungeheuer viele Details, die weit über Reichtum/Armut, Luxus/Bescheidenheit usw. usw. hinausgehen, so dass es zwar einerseits interessant sein mag, es mal festzustellen aber zugleich unmöglich wird, das Modell auf auch nur einen einzigen anderen Staat oder Volk zu übertragen."
Guter Punkt!
Zwei Dinge.
1. Eine Vergleichbarkeit von Glück über kulturelle Grenzen hinweg ist unmöglich. Wer sich mal mit den Ausgleichszahlungen für ExPats beschäftigt hat, weiss wovon ich spreche. Wenn ich in einem anderen Land arbeite, habe ich IMMER auch einen Wohlstandsverlust. Vielleicht auch gleichtzeitig einen hohen Gewinn, aber der Verlust ist immer da und lässt sich mit dem empfundenen Kulturschock beschreiben. Das ist nun aber nichts schlechtes, sondern aus meiner Sicht wunderbar so, denn diese Vielfältigkeit definiert uns als Menschen und als Kulturen. Deshalb sollte dieser Teil zwar berücksichtigt werden, aber nicht mit dem Ziel diese Unterschiede weltweit anzugleichen.
2. Der Begriff Glück hat reine Effekthascherei als Hintergrund. Als wäre man in der Lage Glück international zu vergleichen, wenn man es sogar nicht mal zwischen 2 oder 3 Menschen vernünftig vergleichen kann, weil viele der Kriterien dafür viel zu sehr im Unbewussten liegen. also vergesst diesen Begriff am Besten gleich wieder in diesem Zusammenhang. Besser ist der Begriff Wohlstand, auch wenn er eine vernüftige Definition benötigt, die nicht offentlichlich ist.
2. Der Score ist vollkommen falsch berechnet. Wenn man nur die kulturell unabhängigen Teile des Glückes betrachtet, dann fehlen immer noch viele wesentliche Wohlstandsindikatoren in dem Score. Ich nenn hier einfach mal Persönliche Freiheiten, Rechtssicherheit als Beispiele. Außerdem sollten Erkenntnisse der Bedürfnis Hierarchie und der Unterscheidung zwischen Motivatoren und Demotivatoren berücksichtigen, um eine vernüftige Score Berechnung zu ermöglichen. Dies zu erläutern ist nicht so einfach und nicht im Rahmen eines Kommentars möglich, aber ich hoffe es ist klar, warum diese Scores nur einen Zweck verfolgen: Polarisieren. Und das tun sie entsprechend gut, also haben sie ihrem Zweck wohl erfüllt. Aber ich würde mir wünschen, dass jemand einen Score zusammenstellt, der die zumindest die Grundkriterien erfüllt.
Toreon
@ZEIT: Kommentarbewertungsfunktion wieder einschalten!!!
Nur mal so eine kleine Statistik
1975
Weltbevoelkerung: 4 Mrd. Hungernde: 976 Mill. = 25%
1990
Weltbevoelkerung: 5.3 Mrd. Hungernde: 786 Mill. = 15%
2007
Weltbevoelkerung: 6.7 Mrd. Hungernde: 920 Mill = 14%
Glaubt wirklich jemand dass dieser Erfolg moeglich gewesen waere ohne das Wacshtum der Weltwirtschaft. Hungerproblematik is in grossen Teilen Asiens besiegt worden. In den 70ern kam ja die Theorie vom Ende des Wachstums auf. Gott sei dank war das totaler Bloedsinn. Die vielen Millionen von Menschen die durch das Wachstum der Weltwirtschaft nicht nur dem Hunger entkommen sind, sondern die auch ihren Lebensstandard steigern konnten haben Glueck gehabt das diese Theorien der satten Europaer nur Theorien geblieben sind.
Die Grenzen des Wachstums sind kein "Blödsinn", sondern Naturgesetz: Die Welt ist endlich, und alles was herinnen ist. Deshab braucht Kapitalismus ja auch hin und wieder einen Reset -- wie alle natürlichen Wachstumsprozesse.
Nur wo genau die Grenzen des Wachstums liegen, das ist nicht so genau festzustellen.
Es hängt ja schon wesentlich davon ab, *wie* wir leben wollen.
Die Grenzen des Wachstums sind kein "Blödsinn", sondern Naturgesetz: Die Welt ist endlich, und alles was herinnen ist. Deshab braucht Kapitalismus ja auch hin und wieder einen Reset -- wie alle natürlichen Wachstumsprozesse.
Nur wo genau die Grenzen des Wachstums liegen, das ist nicht so genau festzustellen.
Es hängt ja schon wesentlich davon ab, *wie* wir leben wollen.
da geht ja einiges durcheinander. Angefangen bei dem Faktor, dass Glück und Zufriedenheit mit der Zeit abnehmen, wenn der Lebensstandard und die anderen Einflußfaktoren längere Zeit stagnieren. Der Mensch gewöhnt sich halt an alles und nimmt es früher oder später als selbstverständlich hin.
Aber gut: Costa Rica. Sehen wir einmal davon ab, dass die Costa Ricaner in einem Land mit weitgehend angenehmen Klima wohnen, in dem man morgens mit Blick auf die Karibik frühstücken kann um dann das Mittagessen, welches man sich praktischerweise gleich unterwegs pflückt, am Pazifik einzunehmen. (Hätten wir eine jährliche Durchschnittstemperatur von 20 Grad Celsius, dann wären wir vermutlich auch ein ganzes Stück glücklicher) Es bleibt immer noch die Tatsache, dass Costa Rica eben kein Entwicklungsland ist, wie unterschwellig vorausgesetzt, sondern eigentlich schon dem Status eines Schwellenlandes nahekommt. Dazu trägt nicht nur die ertragreiche Landwirtschaft bei, sondern auch die Ansiedlung einer Reihe von Industrieunternehmen, durch die in den letzten 10 Jahren eine ganze Menge vergleichsweise gut bezahlter Arbeitsplätze entstanden sind. Costa Rica verdankt das Glück seiner Einwohner also auch der Tatsache, dass es dort seit einiger Zeit langsam aber stetig aufwärts geht. Volkswirtschaftlich bezeichnet man solch eine Entwicklung als - oha - Wirtschaftswachstum (o weih, o weih).
Aber genug von den angeblich so genügsamen Mittelamerikanern. Wenn wir bei uns den CO2 Fußabdruck veringern wollen, dann geht das z.B. dadurch, dass wir den öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Dafür müssen wir die entsprechenden Bahnstrecken bauen, die dafür notwendigen Materialien herstellen und auch noch die Fahrzeuge produzieren. Da sich alle diese Dinge im Laufe der Zeit abnutzen und ersetzt werden müssen, bedeutet jede neue Strecke für unsere Volkswirtschaft - W..., Wwww... (Ich traue mich gar nicht das auszusprechen, das böse W-Wort).
Wir wollen deshalb darauf verzichten, genau zu erörtern, was passierte, wenn in Indien und China flächendeckend Bahnstrecken gebaut würden. Das wäre für das Weltklima sicherlich besser, als wenn sich dort alle ein Auto kauften. Wachstum bedeutete es aber trotzdem, denn mit den besseren Verkehrsverbindungen steigen auch Handel und Wandel.
Neulich musste ich übrigens an eine Klimaanlage denken, die sich mein Onkel vor etwa 30 Jahren einmal gekauft hatte. Ein Riesending, direkt aus den USA importiert. Wenn er sie anmachte, konnte er gleichzeitig nicht mehr fernsehen, das gab das Stromnetz nicht her. Heutige Geräte verbrauchen bei gleicher Leistung keine 10 Prozent an Strom. Offenbar gelingt es den so verfehmten Industriekapitalisten doch immer wieder, die Ressourcenbilanz zu verbessern, zumindest wenn die Gefahr besteht, dass der Konkurent eher damit auf den Markt kommen könnte. Eventuell müsste man doch einmal überlegen, zwischen Raubtier-, Kasino-, Turbo- oder Wasauchimmerkapitalismus und ganz normaler unternehmerischer Tätigkeit zu unterscheiden.
Viele ökonomische Vorgänge sind halt nicht ganz so einfach zu betrachten, wie es die politischen Meinungsmacher gerne hätten.
die herrschenden klasse will der vom sozialen absturz bedrohten mittelschicht in den westlichen industrienationen die verarmung schönreden. "seht her, der südamerikanische slumbewohner ist doch viel glücklicher. und das ganz ohne eigentumswohnung, auto und fernreisen (und übrigens auch ohne rechtsstaat)".
das ganze wird dann noch ein wenig mit der langsam zur religion mutierenden klimapanik garniert und schon hat die globale geldelite sich eine ideologie zurechgezimmert, gegen die sich niemand mehr anzuargumentieren traut, möchte er nicht in politisch unkorrekte gefilde abdriften. dabei sollte klar sein, daß der den westlichen mittlelschichten entzogene wohlstand NICHT dazu beitragen wird irgendwo sonst auf der welt not zu lindern sondern direkt in die taschen der globalen eliten fließen wird. es ist wirklich nur noch widerlich, wie diejenigen, durch deren gier eine umstellung der wirtschaft auf nachhaltige produktionsmethoden jahrzehntelang verhindert wurde, jetzt, da es evtl. schon zu spät ist, auf einmal die moralkarte zu spielen versuchen. daß der stets gegen famillienplanung hetzende und somit das problem der überbevölkerung anheizende oberkatholik sich diesbezüglich auch noch zu wort meldet ist hier nur noch das sahnehäubchen auf einem berg von sch*!?e.
Es war und ist aber auch ihr und ihresgleichen Fehler, wenn sie eines der kapitalistischen und liberalen Grunddogmen glauben oder bis jetzt geglaubt haben:
"Dass Teilen nicht notwendig ist, denn es ist für alle genug da. Jeder ist seines Glückes Schmied. Wer zu kurz kommt, ist selber schuld. Und zukünftiges Wachstum wird zumindest potentiell alle zufriedenstellen".
Es stimmt eben nicht, dass genug da ist. Es stimmt nicht einmal für die rund 2.5 Milliarden, die heute nach westlichem Muster leben, geschweige denn für alle rund 6.7 Mill. Erdbewohner. Einige Beispiele aus vielen sollen das verdeutlichen:
Erdöl ist noch immer mit fast 40% der größte Primärenergieträger. Mit dem Pro Kopf Verbrauch der USA, die knapp 23% des weltweit geförderten Erdöls verbrauchen, könnten mit der derzeitigen, nicht mehr steigerbaren Weltölförderung nur rund 1.3 Milliarden versorgt werden. Bei Gas und sogar Kohle schauts nicht viel besser aus. Bis Mitte dieses Jahrhunderts wird es mit den fossilen Energieträgern zu Ende gehen, Öl zuerst. Und ob dessen Energiemengen durch erneuerbare Energien ersetzt werden können, ist mehr als zweifelhaft, denn auch dafür dringend benötigte Rohstoffe wie zum Beispiel Kupfer sind bei weitem nicht unbegrenz vorhanden. Für Kupfer wird von vielen Rohstoffspezialisten schon jetzt angenommen, dass seine Produktion nicht mehr gesteigert werden kann, in einigen Jahrzehnten entscheidend zurück gehen wird. Ganz zu schweigen von so raren Metallen wie Neodym, das für effiziente Elektromotren und Generatoren in der neuen Welt der erneuerbaren Energien gebraucht würde. Ein anderes Beispiel ist Phosphat, wichtiger Bestandteil von Kunstdünger und durch nichts ersetzbar. Seit mehr als 20 Jahren ist der Abbau von organischem Phosphat im Niedergang. Er wurde ersetzt durch den Abbau mineralischem Phosphats. Für das es derzeit nur ein großes Abbaugebiet gibt in Marokko/Mauretanien. Erwarteter Niedergang der weltweiten Phosphatproduktion: 2035 laut USGS (US Geological Society). Aber schon weit vorher ist mit enormen Preissteigerungen für Kunstdünger zu rechnen. Was das für die weltweite Nahrungsmittelproduktion bedeutet, braucht hier nicht extra betont zu werden.
Nein, diese Beispiele, einige unter vielen, sind nicht einer Weltverschwörung der Reichen und Wohlhabenden entnommen, die ihre Strategie geändert haben. Gestern sagten sie uns, wir brauchen nicht teilen, denn es ist für alle genug da. Und heute, so meinen sie, sagen die uns, wir sollten uns zum Wohle dieser Welt bescheiden, denn auch arm kann man glücklich leben. Ich meine, es ist ein Fehler von uns allen, nichts oder zuwenig für ein gerechteres Weltwirschaftssystem zu tun und den Plattitüden der Kapitalisten, der Reichen und Wohlhabenden, zu glauben. Gerade weil nicht genug da ist, ist die Verteilungsfrage neu zu stellen und zu fragen, wie wir alle zukünftig in einer Welt mit nachhaltiger Wirtschaftsordnung leben werden, denn ohne Nachhaltigkeit wird es in einer begrenzten Welt nicht gehen.
Es war und ist aber auch ihr und ihresgleichen Fehler, wenn sie eines der kapitalistischen und liberalen Grunddogmen glauben oder bis jetzt geglaubt haben:
"Dass Teilen nicht notwendig ist, denn es ist für alle genug da. Jeder ist seines Glückes Schmied. Wer zu kurz kommt, ist selber schuld. Und zukünftiges Wachstum wird zumindest potentiell alle zufriedenstellen".
Es stimmt eben nicht, dass genug da ist. Es stimmt nicht einmal für die rund 2.5 Milliarden, die heute nach westlichem Muster leben, geschweige denn für alle rund 6.7 Mill. Erdbewohner. Einige Beispiele aus vielen sollen das verdeutlichen:
Erdöl ist noch immer mit fast 40% der größte Primärenergieträger. Mit dem Pro Kopf Verbrauch der USA, die knapp 23% des weltweit geförderten Erdöls verbrauchen, könnten mit der derzeitigen, nicht mehr steigerbaren Weltölförderung nur rund 1.3 Milliarden versorgt werden. Bei Gas und sogar Kohle schauts nicht viel besser aus. Bis Mitte dieses Jahrhunderts wird es mit den fossilen Energieträgern zu Ende gehen, Öl zuerst. Und ob dessen Energiemengen durch erneuerbare Energien ersetzt werden können, ist mehr als zweifelhaft, denn auch dafür dringend benötigte Rohstoffe wie zum Beispiel Kupfer sind bei weitem nicht unbegrenz vorhanden. Für Kupfer wird von vielen Rohstoffspezialisten schon jetzt angenommen, dass seine Produktion nicht mehr gesteigert werden kann, in einigen Jahrzehnten entscheidend zurück gehen wird. Ganz zu schweigen von so raren Metallen wie Neodym, das für effiziente Elektromotren und Generatoren in der neuen Welt der erneuerbaren Energien gebraucht würde. Ein anderes Beispiel ist Phosphat, wichtiger Bestandteil von Kunstdünger und durch nichts ersetzbar. Seit mehr als 20 Jahren ist der Abbau von organischem Phosphat im Niedergang. Er wurde ersetzt durch den Abbau mineralischem Phosphats. Für das es derzeit nur ein großes Abbaugebiet gibt in Marokko/Mauretanien. Erwarteter Niedergang der weltweiten Phosphatproduktion: 2035 laut USGS (US Geological Society). Aber schon weit vorher ist mit enormen Preissteigerungen für Kunstdünger zu rechnen. Was das für die weltweite Nahrungsmittelproduktion bedeutet, braucht hier nicht extra betont zu werden.
Nein, diese Beispiele, einige unter vielen, sind nicht einer Weltverschwörung der Reichen und Wohlhabenden entnommen, die ihre Strategie geändert haben. Gestern sagten sie uns, wir brauchen nicht teilen, denn es ist für alle genug da. Und heute, so meinen sie, sagen die uns, wir sollten uns zum Wohle dieser Welt bescheiden, denn auch arm kann man glücklich leben. Ich meine, es ist ein Fehler von uns allen, nichts oder zuwenig für ein gerechteres Weltwirschaftssystem zu tun und den Plattitüden der Kapitalisten, der Reichen und Wohlhabenden, zu glauben. Gerade weil nicht genug da ist, ist die Verteilungsfrage neu zu stellen und zu fragen, wie wir alle zukünftig in einer Welt mit nachhaltiger Wirtschaftsordnung leben werden, denn ohne Nachhaltigkeit wird es in einer begrenzten Welt nicht gehen.
Meine Grossmutter wurde 98 - geboren 1895. Sie war schlank, hat ein Leben lang Haus- und Gartenarbeit gemacht und vier Kinder erzogen. Sie hat zwei Weltkriege überlebt. Sie hat sich immer als glücklich und zufrieden geäussert. Das scheint ein gutes Lebenskonzept gewesen zu sein. Das beste Lebenskonzept aber ist der Frieden.
Mein Grossvater wurde 72 - geboren 1895. Er war Kriegsteilnehmer in den beiden Weltkriegen und dazwischen Industriearbeiter. Mit 50 hatte er einen Arbeitsunfall. Er war zwar Pfeifenraucher aber der Grossvater eines meiner ehemaligen Chefs wurde als Pfeifenraucher 104 Jahre alt - rauchen allein kann also nicht lebensverkürzend sein.
Vielleicht illustriert das Beispiel warum Frauen älter werden als Männer:
Haus-, Garten- und Erziehungsarbeit der Frauen hält länger jung, Industrie- und Militärarbeit ist für Männer lebensverkürzend.
Übrigens: Meine Grosseltern sind beide tot. Ich hoffe sie im Jenseits wieder zu sehen...8-)
Mein Grossvater wurde 72 - geboren 1895. Er war Kriegsteilnehmer in den beiden Weltkriegen und dazwischen Industriearbeiter. Mit 50 hatte er einen Arbeitsunfall. Er war zwar Pfeifenraucher aber der Grossvater eines meiner ehemaligen Chefs wurde als Pfeifenraucher 104 Jahre alt - rauchen allein kann also nicht lebensverkürzend sein.
Vielleicht illustriert das Beispiel warum Frauen älter werden als Männer:
Haus-, Garten- und Erziehungsarbeit der Frauen hält länger jung, Industrie- und Militärarbeit ist für Männer lebensverkürzend.
Übrigens: Meine Grosseltern sind beide tot. Ich hoffe sie im Jenseits wieder zu sehen...8-)
LJA hat den Faktor Klima bereits erwähnt - nicht zu unterschätzen, wie das Phänomen Winterdepressionen (englisch: seasonal affective disorder, auch im ICD-10 zu finden) belegt.
Weiterhin ist bekannt, dass Schizophrenie in "Industrieländern" häufiger ist, als in "Entwicklungsländern". Grossstadtbewohner sind allgemein psychotischer als Landeier. Bestimmt lassen sich noch mehr solcher Beispiele finden und man kann Überlegungen anstellen, woran es liegen mag, dass immer mehr psychische Erkrankungen (u.a. Depressionen) in westlichen Kulturnationen diagnostiziert werden (während vornehmlich daran geforscht wird die genetischen Faktoren zu identifizieren...).
Andererseits fragt man sich, ob das Glück, wie es im Zusammenhang solcher Studien definiert wird, besonders viel mit der "Selbstverwirklichung" oder der Erreichung von "Gelassenheit" zu tun hat, welche wohl viele als zu komplex ansehen werden, um von einem 3-Faktoren-Modell ausreichend erklärt zu werden.
1. Die Diagnose psychischer Erkrankungen ist wahrscheinlich auf das Wachstum der Zahl der Psychiater in den sog. "westlichen Kulturnationen" zurückzuführen. Da gilt das altertümliche Say'sche Theorem nach dem sich das Angebot seine Nachfrage selbst schafft - je mehr Psychiater desto mehr Diagnosen psychischer Erkrankungen. Die leben ja gut von ihren Diagnosen. Mit Kultur hat das allerdings nichts zu tun sondern mit westlicher Arroganz und Überheblichkeit von Akademikern.
Volksmund: "In 20 Jahren haben wir nur noch Narrenhäuser und Gefängnisse...".
2. Die Winterdepression kann am besten durch einen Winterurlaub kuriert werden.
3. Die Themen "Selbstverwirklichung" oder "Gelassenheit" haben mit Psychiatrie nichts zu tun. Das erste ist ein Fall für die Humanistische Psychologie nach Lewin, Maslow + Co., das zweite für die Philosophie. Das Problem: Schon immer war die Medizin in den westlichen Ländern mit an der Spitze der Hierarchie der Fakultäten. Sie hatte neben der Juristerei die grösste Macht über die Menschen und die grösste Staatsnähe und löste damit direkt die mittelalterliche Theologie ab.
4. Faktorenmodelle bilden die Realität gut verständlich ab. Wichtiger ist aber die Diskussion dieser Modelle - sei es im Gruppengespräch oder in Internetforen. Wer zu komplex denkt weiss am Ende gar nichts mehr.
1. Die Diagnose psychischer Erkrankungen ist wahrscheinlich auf das Wachstum der Zahl der Psychiater in den sog. "westlichen Kulturnationen" zurückzuführen. Da gilt das altertümliche Say'sche Theorem nach dem sich das Angebot seine Nachfrage selbst schafft - je mehr Psychiater desto mehr Diagnosen psychischer Erkrankungen. Die leben ja gut von ihren Diagnosen. Mit Kultur hat das allerdings nichts zu tun sondern mit westlicher Arroganz und Überheblichkeit von Akademikern.
Volksmund: "In 20 Jahren haben wir nur noch Narrenhäuser und Gefängnisse...".
2. Die Winterdepression kann am besten durch einen Winterurlaub kuriert werden.
3. Die Themen "Selbstverwirklichung" oder "Gelassenheit" haben mit Psychiatrie nichts zu tun. Das erste ist ein Fall für die Humanistische Psychologie nach Lewin, Maslow + Co., das zweite für die Philosophie. Das Problem: Schon immer war die Medizin in den westlichen Ländern mit an der Spitze der Hierarchie der Fakultäten. Sie hatte neben der Juristerei die grösste Macht über die Menschen und die grösste Staatsnähe und löste damit direkt die mittelalterliche Theologie ab.
4. Faktorenmodelle bilden die Realität gut verständlich ab. Wichtiger ist aber die Diskussion dieser Modelle - sei es im Gruppengespräch oder in Internetforen. Wer zu komplex denkt weiss am Ende gar nichts mehr.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren