Krisenpolitik Regierung will Abwrackprämie nicht verlängern

Die Koalition will die Prämie nicht länger zahlen. CDU und FDP hatten zuvor vor den langfristigen Folgen gewarnt – und die Industrie mit einem Drogenabhängigen verglichen

"Es bleibt bei dem Deckel fünf Milliarden Euro. Es wird keinen Cent mehr geben", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Die Höchstsumme von fünf Milliarden Euro sei im Mai festgelegt worden, wohlwissend, dass diese noch vor dem Jahresende ausgeschöpft sein werde, sagte Steg. Es zeichne sich nun ab, dass dies möglicherweise auch schon im September der Fall sein könnte, dem Monat der Bundestagswahl.

Der haushaltspolitische Sprecher der Union, Steffen Kampeter, hatte zuvor Forderungen aus der SPD nach einer Verlängerung der Abwrackprämie zurück gewiesen. "Die Autoindustrie wartet auf die Prämie wie der Drogenabhängige auf den nächsten Schuss", sagte er der Financial Times Deutschland. Stattdessen sollte die Branche lieber Konzepte vorlegen, "wie sie mit den strukturellen Herausforderungen umgehen will".

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Ähnlich äußerte sich der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle. Die "harte Droge" Abwrackprämie sei ökologischer und ökonomischer Unsinn und führe zu erheblichen Marktverzerrungen, sagte er den Ruhr Nachrichten. Die "Entziehung" wäre umso härter. "Die Abwrackprämie wird schon jetzt dazu führen, dass der Neuwagenmarkt im nächsten Jahr richtig einbrechen wird".

Nach Angaben des zuständigen Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn steht derzeit noch Geld für rund 280.000 Fahrzeugkäufe zur Verfügung. An jedem Werktag gingen 7000 bis 8000 neue Anträge ein, sagte ein Bafa-Sprecher. Bleibt die Nachfrage auf dem Niveau, wäre das Gelder aus dem Fonds vor der Wahl aufgebraucht. Eigentlich sollte es bis zum Jahresende reichen. Politiker der SPD hatten deshalb gefordert, die Prämie länger zu zahlen. Die Landeschefs aus Niedersachsen und dem Saarland, Garrelt Duin und Heiko Maas, plädierten dafür, die Frist bis zum Jahresende zu verlängern.

Doch das stößt auch innerhalb der SPD auf Widerstand. Die Wirtschaftspolitikerin Ute Berg erinnerte daran, dass die Summe erst im Mai von 1,5 auf fünf Milliarden Euro aufgestockt worden sei. "Und damit wollten wir das dann aber auch deckeln", sagte Berg im Westdeutschen Rundfunk. Auch SPD-Chef Franz Müntefering lehnte eine Verlängerung ab: "Der Betrag wird nicht erhöht werden."

Durch die Abwrackprämie hat die Autoindustrie zuletzt deutlich mehr verkauft. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Verkäufe um 40 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage allerdings drastisch einbrechen wird, falls der Kaufanreiz wegfällt. Schätzungen zufolge werde die Industrie im kommenden Jahr 22 Prozent weniger Autos verkaufen. "Die eigentliche Krise der Autoindustrie steht erst noch bevor, wenn die Anreiz-Programme der Regierungen auslaufen, ist die wahre 'Stunde Null'", schreibt die Unternehmensberatung AlixPartners in einer Studie.

Der Deutschland-Chef der VW-Tochter Seat, Rolf Dielenschneider, hatte unlängst gesagt, 30 Prozent der prämienbedingten Käufe seien vorgezogen. "Diese Fahrzeuge fehlen kommendes Jahr dann bei den Umsätzen und Margen."

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 08.07.2009 um 15:35 Uhr

    CDU und FDP hatten zuvor vor den langfristigen Folgen gewarnt – und die Industrie mit einem Drogenabhängigen verglichen

    und wer war der dealer der dem Junkie als erstes den Stoff gegeben hat?

  1. Aber Hallo, liebe Mit-Leut,
    nun will ich auch noch meinen Senft dazu geben.

    Ich halte diese sogenannte Abwrack-Prämie für einen ausgemachten Humbug. Wie kann "man" nur Autos in den besten Jahren verschrotten? Welche Werte werden da vernichtet.

    Käme denn jemand auf die Idee Menschen Mitten im Leben aufs Altenteil zu schicken? Wenn es doch genug Arbeit gibt, die aber keiner bezahlen will.

    Denoch: Führe mich nicht in Versuchung.

    Ich war nahe dran, ein neues Auto zu kaufen und die Abwrackprämie für unseren zwanzig Jahre alten Sierra zu kassieren. Wirklich verschrottungsreif. (Kann den jemand gebrauchen - für die Prämie)

    Der neue Fiesta hätte noch etwa 8.000 Euro gekostet. Ich war im echten Entscheidungsnotstand, und es ging mir immer schlechter. Auch deshalb noch dazu, weil die Hauptuntersuchung nun schon nahezu vier Monate überfällig war. Ich rechnete jeden Tag mit dem "ultimativen" Knöllchen. Anderen hat "man" die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder die HU ist innerhalb einer Woche gemacht oder der Wagen wird stillgelegt.

    Dann lief ER mir sozusagen über den Weg. Ein roter Vento GLX aus dem Jahre 1997. 140.000 Kilometer gelaufen. Mit allen möglichen Sonderausstattungen für knapp 3.000 Euro. Mit Klima und mein Erster mit Automatic. In meinem Alter kann.... Ich bin mehr als zufrieden und mit mir wieder im Reinen.

    Und dann reichte es noch für einen etwas älteren Escort für 1.250 Euro als Leihgabe für die Tochter, die mit fünfundzwanzig grad ihren Chemie-Doktor und den Master of BWL macht.

    Und ich konnte auch endlich noch dazu den zehn Jahre alten PC - da las ich stets en Buch nebenher, so langsam war der geworden - ins Altenteil schicken. "Der Alte" wird jetzt nur noch für "Spezialprogramme" genutzt, die von der Jugend nicht mehr gehändelt werden können.

    Nun sind wir alle nahezu glücklich und fast zufrieden.
    Wenn, ja wenn...

    Mit herzlichem Gruß und kühl-rauchendem Kopfe
    Ihr Mit-Leid -äh- Mit-Leut
    klaus w.
    Dat KlaKoWa
    Mit Glied der MU - materiellen Unterschicht

    Ach ja, für viele, viele Kleinigkeiten reichte es dann auch noch zusätzlich.
    Zum Beispiel für einen Blumenstrauß für die Frau (;-)))

    • Katana
    • 08.07.2009 um 21:02 Uhr

    Von der wirtschaftlichen Sinnlosigkeit der Abwrack Prämie ist sie für die meisten auch noch eine Milchmädchen Rechnung .

    Bekommt man denn für die 2500 Euro ein Auto ?? Mitnichten ,man bekommt das Geld nur wenn man noch mehr Geld ausgibt .
    Für viele bedeutet dies eine Kreditaufnahme mit der Begründung , das dieser gerade mal nicht ganz so hoch ausfällt .

    Trotzdem ist eine Kreditaufnahme zu Beginn einer Wirtschaftskrise für einen Privat Menschen wohl so ziemlich das dümmste was er tun kann .
    Sich in Zeiten , wo jeden Moment der Job weg sein kann in Schulden zu stürzen um dann vielleicht noch schneller dem Staat auf der Tasche zu liegen , kann kaum der Weisheit letzter Schluss sein .

    MfG Katana

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