Ermittlungen Unstimmigkeiten beim Airbus-Funkverkehr

Die Übergabe des in Rio begonnenen Air-France-Fluges an afrikanische Fluglotsen war offenbar misslungen. Erst Stunden nach dem Absturz vermisste man die Unglücksmaschine

Viel klüger ist die Öffentlichkeit nach einem Zwischenbericht der Unfallanalytiker nicht, nur soviel ist klar: Die Maschine sei weder in der Luft zerborsten noch explodiert, sagte Alain Bouillard vom französischen Amt für Unfallanalyse BEA. Damit scheidet ein Terroranschlag als Absturzursache aus.

Nahezu intakt erreichte demnach der Airbus A330-200 der Air France die Oberfläche des Atlantiks. Kurz zuvor hatte die Bordelektronik lediglich 24 Wartungshinweise gefunkt, darunter den Ausfall der Geschwindigkeitsmessung und des Autopiloten. In den Fluten starben dann alle 228 Insassen, tagelang suchte brasilianisches und französisches Militär und andere Hilfstrupps das Wasser ab. Sie fanden erst Wrackteile, später auch Leichen.

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Möglicherweise hätten die Suchtkommandos früher an der Absturzstelle sein können: Wie der BEA-Experte sagte, gab es Unregelmäßigleiten bei der Übergabe des Fluges AF 447 von den brasilianischen an die afrikanischen Fluglotsen in Dakar. "Dakar hat keinen Flugplan erhalten, man hat sie in der Adressatenliste vergessen", sagte Bouillard. Die Kontrolle wurde deshalb nicht von Brasilien nach Dakar übergeben. Dadurch sei das Verschwinden des Flugzeugs erst Stunden später aufgefallen.

Brasilien wies die Kritik aus Frankreich sofort zurück. Die brasilianische Flugüberwachung habe sehr wohl den Flugplan übermittelt, sagte ein Sprecher des Luftfahrtamtes. Außerdem sei den Kollegen in Dakar telefonisch mitgeteilt worden, dass der Flug um 2.20 Uhr in den von Dakar aus kontrollierten Luftraum einfliegen werde, fügte er hinzu. Die Behörden in Dakar hätten den Erhalt dieser Informationen bestätigt.

Die Maschine hatte um 1.35 Uhr zum letzten Mal Kontakt mit einer brasilianischen Kontrollstation gehabt. Um kurz nach zwei wurden die 24 Funksignale gesendet. Demnach war das Flugzeug nur noch manuell zu bedienen. Um acht Uhr morgens habe die Kontrollstation in Madrid erstmals Alarm ausgelöst, sagte Bouillard. Das erste Suchflugzeug hob gegen Mittag in Dakar ab.

"Das Flugzeug ist ohne technische Probleme abgeflogen", sagte Bouillard. Das Wetter sei schwierig, aber für die Gegend nicht ungewöhnlich gewesen. Mehrere andere Flugzeuge seien von der Route abgewichen, um Unwetter zu vermeiden. Wenn die Flugschreiber gefunden würden, werde man mehr erfahren, sagte Bouillard. Er gehe weiter davon aus, dass die Flugschreiber gefunden würden. Die Suchmethode werde sich in einer Woche ändern, aber die Suche gehe weiter.

Von Mitte Juli bis zum 20. August werde der Meeresboden systematisch mit Robotern nach Trümmerteilen abgesucht. Bislang wurden 640 Teile gefunden. Auffälligerweise wurde keine einzige aufgeblasene Rettungsweste entdeckt.

Verformungen der gefundenen Wrackteile zeigen, dass die Maschine mit hoher Geschwindigkeit mit der Unterseite zuerst aufschlug. Ob die Passagiere da noch lebten, ist unbekannt.

Die Suchtrupps fanden bisher keine entfalteten Schwimmwesten. Die Menschen seien offenbar nicht vorbereitet gewesen, sagte der BEA-Direktor. Der Zustand der Leichen könne mehr Rückschlüsse erlauben. Doch Brasilien habe die Ergebnisse der Autopsien noch nicht übermittelt, sagte Bouillard. "Wir warten noch."
 

 
Leser-Kommentare
    • Flaah
    • 04.07.2009 um 12:35 Uhr

    Möglicherweise hätten die Suchtkommandos früher an der Absturzstelle sein können:
    Kein Wunder dass die Leute vom Kommando zu spät kamen: erst mal eine rauchen und dann noch bissl Koks, da findet man schonmal die Stelle nicht rechtzeitig.

    [Anm.: Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. /Die Redaktion pt.]

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