Lance Armstrong Der Totengräber der Tour de FranceSeite 2/2
Armstrongs Biograph Dan Coyle hatte schon am Tag der Comeback-Ankündigung gesagt, dass Armstrong vor allem auch wieder fahre, um den Wert seiner "Marke" zu steigern. Die war zuletzt in Mitleidenschaft gezogen worden, weil der letzte Tour-Sieg langsam in Vergessenheit geriet, die Klatschgeschichten über seine Affären in der öffentlichen Wahrnehmung in den Vordergrund traten und selbst in den USA immer mehr über Doping gesprochen wurde. Das Marketingtalent Armstrong spürte, dass etwas geschehen muss. Was er letztlich mit seiner Marke anstellen möchte, ob er tatsächlich, wie viele spekulieren, in die Politik gehen wird, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Erst einmal geht es nur darum, sich neu in Stellung zu bringen.
Das ist ihm bereits jetzt blendend gelungen. Bei jeder Gelegenheit trägt Armstrong das Trikot seines Unternehmens Livestrong – ob er nun von Zeitschriften beim Training fotografiert wird oder sich für das Videotagebuch seiner Website filmen lässt. Livestrong fördert die Krebsforschung, verkauft aber auch die Armstrong-Philosophie des intensiven Lebensstils, sowie die ur-amerikanische Ideologie, dass jeder jede Hürde überwinden kann. Mehr als 260 Millionen Euro hat Livestrong seit seiner Gründung eingespielt, eine Million zahlende Mitglieder hat die Website heute. Und durch sein Comeback, das dort ausführlich dokumentiert wird, erfährt sie enorme Zuwachsraten. Die Livestrong-Armbändchen haben sich seit Jahresbeginn 1,9 Millionen Mal verkauft – im Vorjahr waren es nur 1,3.
Doch Livestrong ist nur ein Teil des Imperiums, das ausschließlich an der Person Armstrong hängt und das Walsh in seinem neuen Armstrong Buch "Le Sale Tour" – Die schmutzige Tour - im Detail beschreibt. Dort dokumentiert Walsh auch, wie willig die Tour für Armstrong den Steigbügelhalter gibt und warum. Zum einen geschah das laut Walsh um der enormen Publicity willen, die Armstrong zwangsläufig verursacht, ganz gleich ob positiv oder negativ. Zu dem Schulterschluss führten jedoch auch höhere Interessen: Die Tour weichte in diesem Jahr ihre Anti-Dopinghaltung auf und versöhnte sich mit dem vorher als in Dopingsachen für zu nachlässig befundenen Radsportverband UCI, weil die Tour-Organisationsgesellschaft ASO Vermarktungsinteressen an den Olympischen Spielen hat. Dazu musste man sich mit dem IOC gut stellen, wo wiederum der ehemalige Radsportchef Hein Verbruggen eine mächtige Rolle spielt.
Armstrong ist das alles nur allzu recht. Er wird in den kommenden drei Wochen im Rampenlicht stehen, egal, ob er gewinnt oder Hundertster wird. In den USA, seinem devoten Zielmarkt, wird man gierig seine Videotagebücher und Twittereinträge lesen, mit denen er auch die wenigen kritischen Stimmen im Land noch umschifft. In Europa wird man sich derweil in den Zeitungen und unter den Zuschauern viel über ihn beschweren und das wird ihn sicher auch anpieksen. Beirren lässt er sich dadurch jedoch sicherlich nicht.
- Datum 04.09.2009 - 17:03 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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... ist doch eh nur noch eine Leistungsschau der pharamzeutischen Industrie. Dass dann ausgerechnet Armstrong dort nochmal mitfahren will, aber auch nochmal mitfahren darf, spricht doch eine deutliche Sprache.
[entfernt, bitte mäßigen Sie Ihre Ausdrucksweise/ Redaktion; svb]
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