Konjunktur Eine Korrektur, mehr nicht

Schlechte Konjunkturdaten drücken derzeit in den USA die Kurse. Doch es bleibt dabei: Der Aufschwung steht kurz bevor, sagt das Börs-o-Meter

Der Aufschwung in den USA lässt vorerst auf sich warten: Der Einkaufsmanagerindex ISM liegt noch immer deutlich unter der Marke von 50, die gemeinhin als Grenze zwischen Auf- und Abschwung gilt. Im Juni verschwanden eine halbe Million Jobs, deutlich mehr als erwartet.

An den Märkten ging es deshalb vergangene Woche abwärts. Und das, obwohl die Amerikaner am Samstag ihren Unabhängigkeitstag feierten. Normalerweise steigen kurz vor und nach dem Feiertag die Kurse. In diesem Jahr allerdings fiel der Dow Jones zwei Tage vorher um drei Prozent. Das gab es noch nie.

Anzeige

Dennoch sind die neuen Arbeitslosenzahlen kein Grund zur Panik. Der Arbeitsmarkt ist eben ein nachlaufender Indikator. Jobs entstehen erst wieder wenn die Konjunktur rund läuft. Selbst wenn sich die Konjunktur leicht erholt, können Stellen wegfallen. Das war in früheren Abschwüngen nicht anders: Ein Jahr nach der Rezession des Jahres 1991 etwa gingen noch 450.000 Stellen verloren. Nach 2001 waren es sogar rund 900.000 Stellen. Diesmal ist es nicht anders. Bis die Unternehmen wieder einstellen, dauert es noch eine Weile.

Der Markt hatte offenbar bereits mit besseren Zahlen gerechnet. Deshalb fielen die Kurse so deutlich. Der langfristige Trend seit März aber deutet nach oben. Der Einbruch ist eher eine Korrektur, die völlig normal ist. Es ist ein wenig wie Bergsteigen: Kein Pfad führt immer nach oben, es geht auch mal bergab, man kann Luft holen und Kraft schöpfen auf dem Weg zum Gipfel.

Wie stark wird die Korrektur ausfallen? Das ist schwer zu sagen. Entscheidend wird sein, wie risikobereit die Anleger sind. Entweder sie warten noch, bis die Korrekturphase vorüber ist. Dann dauert es länger. Oder aber sie steigen jetzt schon ein und setzen auf eine dauerhafte Erholung der Märkte. Dann geht es schneller.

Mittelfristig wird der Aufschwung an den Märkten kommen. Schließlich haben die Notenbanken so viel Liquidität wie noch nie zur Verfügung gestellt. Das Geld muss irgendwo hinfließen. Womöglich wird sich eine neue Blase aufpumpen, die dann in ein, zwei Jahren platzen wird. Bis dahin aber steigen die Kurse. Wie sollte man sich angesichts dieser Aussichten verhalten?

Anlegern bleibt zweierlei: Entweder sie regen sich über die neue Blasenbildung auf, warnen davor und ärgern sich, nicht dabei zu sein, wenn wieder Gewinne gemacht werden. Oder aber sie machen mit und legen vorher einen Zeitpunkt fest, an dem sie aussteigen. So kann man seine Verluste begrenzen und die Gewinne erst einmal laufen lassen – einer der ehernen Empfehlungen der Behavioral Finance.

Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er immer montags die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.

 
Leser-Kommentare
    • gayorg
    • 06.07.2009 um 15:34 Uhr

    Die ZEIT entwickelt sich immer mehr zum neoliberalem Sprachrohr.
    Hier mal was Anderes:
    http://www.jjahnke.net/ru...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hagego
    • 06.07.2009 um 15:44 Uhr

    Von wem wird denn dieser vermeintliche Zweckoptimismus bezahlt? Von Ihnen, weil Sie die ZEIT als Print-Ausgabe gekauft haben?

    Sollten Sie es aber anders gemeint haben, legen Sie Ihre Belege doch einfach mal offen.

    • hagego
    • 06.07.2009 um 15:44 Uhr

    Von wem wird denn dieser vermeintliche Zweckoptimismus bezahlt? Von Ihnen, weil Sie die ZEIT als Print-Ausgabe gekauft haben?

    Sollten Sie es aber anders gemeint haben, legen Sie Ihre Belege doch einfach mal offen.

    • hagego
    • 06.07.2009 um 15:44 Uhr

    Von wem wird denn dieser vermeintliche Zweckoptimismus bezahlt? Von Ihnen, weil Sie die ZEIT als Print-Ausgabe gekauft haben?

    Sollten Sie es aber anders gemeint haben, legen Sie Ihre Belege doch einfach mal offen.

  1. Dass "der Dow am Freitag um drei Prozent fiel", ist mit Sicherheit unzutreffend, denn alle US-Börsen waren schon seit Donnerstag nachmittag 16 Uhr wegen des Nationalfeiertags geschlossen.

  2. Redaktion
    4. NYSE

    Lieber Dunnhaupt,
    Sie haben Recht. Wir haben den Fehler mittlerweile korrigiert.
    Beste Grüße,
    Philip Faigle
    Redaktion ZEIT ONLINE

  3. Nur wohin? Schafft es Aufschwung oder Inflation? Ist das das Licht am Ende des Tunnels oder der entgegenkommende Zug? Die Talfahrten der Vergangenheit dauern länger, das ist jetzt nur die leichte Erholung in der Mitte, weil das dicke Ende noch kommt.

  4. Mir wird schon ganz schlecht von dem vielen Aufschwung, und die Erde ist eine Scheibe!!!!!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service