Berlin Fashion Week Es war einmal im Goldknopfland
Escada stand für die glamourösen achtziger Jahre. Nun steht die Firma vor der Insolvenz. Auf der Fashion Week präsentierte sie einen Rückblick in bessere Zeiten
Wie konnte es nur so weit kommen? Wenn das riskante Rettungskonzept scheitert, das der Modekonzern Escada derzeit zu realisieren versucht, könnte demnächst ein weiteres deutsches Traditionsunternehmen vor der Insolvenz stehen.
Davon, wie schlecht es Escada geht, konnten sich die Aktionäre auf der letzten Hauptversammlung im April mit eigenen Augen überzeugen: Vorstandschef Bruno Sälzer rang sichtlich um Fassung, als er die aktuellen Zahlen präsentierte.
Normalerweise gibt sich der Manager, der bis vor einem Jahr mit großen Erfolg Hugo Boss geleitet hat, ausgesprochen kämpferisch. Erst im vergangenen Sommer war er angetreten, um Escada wieder auf die Erfolgsspur zu führen, und hatte dazu eine erhebliche Summe privaten Geldes in den Konzern gesteckt. Im April konnte er nur noch wenig Optimismus verbreiten: Wenn im Rahmen des aktuellen Rettungsplans nicht alle Beteiligten mitzögen, werde Escada nicht überleben, lautete sein ernüchterndes Fazit.
Nach zuletzt katastrophalen Ergebnissen blieb Escada im Frühjahr nur noch die Hoffnung auf ein höchst fragiles Konzept. Der aktuelle Rettungsplan sieht eine Kapitalerhöhung und die Verlängerung der Kreditlinien durch die Hausbanken vor, außerdem sollen die Zeichner einer Unternehmensanleihe von 2005 auf einen Großteil ihrer Ansprüche verzichten und einer deutlich verlängerten Laufzeit zustimmen.
Das Perfide an der ambitionierten Konstruktion ist, dass alle drei Punkte realisiert werden müssen. Schert nur eine der betroffenen Parteien aus, scheitert das ganze Konzept – und dann bliebe eben nur noch die Insolvenz. Dass Escada ausgerechnet in dieser Situation erstmals auf der Mercedes-Benz-Fashion-Week in Berlin vertreten ist und dort zu einer glamourösen Rückschau auf die Firmengeschichte ins Bode-Museum lädt, wirkt in dieser Situation fast schon wie ein vorgezogener Nachruf.
Dabei zählte das Unternehmen, das heute in Aschheim bei München beheimatete ist, früher zu den erfolgreichsten Modekonzernen der Welt. Ende der neunziger Jahre erzielte die Escada-Gruppe Umsätze in Höhe von anderthalb Milliarden D-Mark; allein auf die Top-Marke Escada entfielen davon über 900 Millionen. Diese Zeiten sind lange vorbei. Im vergangenen Geschäftsjahr belief sich der Umsatz auf nur 582 Millionen Euro, das Kerngeschäft mit der gleichnamigen Marke brachte noch 388 Millionen. Unter dem Strich stand ein Verlust von rund 70 Millionen Euro.
- Datum 03.07.2009 - 11:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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