Der 61-jährige Joschka Fischer berät den Essener Konzern RWE sowie den österreichischen Versorger OMV, der federführend an dem Pipelineprojekt beteiligt ist. Das gab RWE am Montag bekannt. Der Vertrag des früheren Spitzenpolitikers der Grünen sei zunächst bis Ende 2010 befristet. Die Gaspipeline soll Erdgas aus Zentralasien überwiegend durch die Türkei nach Europa bringen und soll bis 2014 fertig werden. Mithilfe des Projektes möchte die EU ihre Abhängigkeit von russischem Gas verringern.

Fischer werde sich "auf die Kontaktpflege und den Dialog mit der politischen Führungsebene der für die Umsetzung des Nabucco-Projekts relevanten Länder konzentrieren", teilte  RWE mit. Er solle die politische Unterstützung für das Projekt vertiefen und entsprechende Initiativen koordinieren. Nabucco wird politisch und finanziell von der EU und den USA unterstützt, bei den Plänen hatte es allerdings immer wieder Verzögerungen gegeben. Unklar ist bislang, wer das Gas liefern soll.

Zu seiner Zeit als hessischer Umweltminister hatte sich Fischer insbesondere wegen des Streits über die Atomenergie mit großen Versorgern wie RWE immer wieder angelegt. Nach Schröder ist er der zweite Spitzenpolitiker der früheren rot-grünen Bundesregierung, der sich in den Dienst der Energiewirtschaft stellt. Der frühere SPD-Chef Schröder ist Aufsichtsvorsitzender des Betreiberkonsortiums der geplanten Ostsee-Pipeline. Der russische Gazprom-Konzern will mit seinen deutschen Partnern E.on und BASF durch die Röhre ab 2011 sibirisches Erdgas nach Westeuropa liefern.

Die Verträge für das Nabucco-Projekt selbst sollen am 13. Juli in Ankara unterzeichnet werden. Die Kosten werden auf bis zu neun Milliarden Euro geschätzt.