Brennende Barrikaden, Steine werfenden Autonome, vorpreschende Polizisten, Wasserwerfer, die in Menschenmengen sprühen, von Tränengas getrübte Luft und Tausende Globalisierungsgegner, die ihre weiß gefärbten Hände mahnend in den Himmel recken. Wenn die Regierungschefs der Gemeinschaft der acht größten Industriestaaten, die Gruppe der Acht (G 8), in den vergangenen Jahren zu Beratungen zusammenkamen, dann forderten auf den Straßen vor dem Tagungsort unzählige Demonstranten aus aller Welt eine gerechtere Wirtschaftsordnung, die Entschuldung der armen Staaten und eine Besteuerung der Finanzmärkte.

In Genua war das so 2001, ebenso in Heiligendamm 2007 und im vergangenen Jahr in Tokyo. Am Mittwoch treffen sich nun Barack Obama, Angela Merkel, Gastgeber Silvio Berlusconi und die Staatschefs oder Premiers der anderen großen Industrienationen in Italien. Doch diesmal rechnen die Sicherheitskräfte mit kleinen Demonstrationen und nur wenigen sogenannter Gewalttouristen.

Die Globalisierungsgegner zeigen wenig Interesse an dem Gipfel. "Von uns ist kein Vertreter nach Italien gereist", sagt eine Attac-Sprecherin ZEIT ONLINE. "Es sind sicherlich einige Attacis aus Deutschland dort – wir wissen nur nicht wer."

Vor zwei Jahren rechnete die italienische Regierung noch mit Massenprotesten gegen die G 8 – das war vor der Wirtschaftskrise, bevor die Finanzjongleure sich verzockt hatten und bevor ein smarter Präsident das Weiße Haus erobert hatte.

Geplant wurde die aktuelle Konferenz noch vom damaligen italienischen Ministerpräsidenten Prodi. Er wollte auf Nummer sicher gehen und wählte einen Tagungsort auf der abgelegenen Insel La Maddalena vor der sardischen Küste aus. Dort, so hofften die Organisatoren, würde ein zweites Genua unmöglich sein. Vor acht Jahren hatte ein Polizist einen jungen Demonstranten erschossen und damit eine Eskalation der Gewalt ausgelöst. Es kam zu bürgerkriegsähnlichen Szenen auf den Straßen der italienischen Stadt.

Silvio Berlusconi verlegte das Treffen der Mächtigen nun in das im Frühjahr vom Erdbeben zerstörte L’Aquila. Dort, so hofft der Premier, in der "Hauptstadt des Leides“, könnte niemand gewaltsam demonstrieren, ohne den Zorn der Italiener zu erregen.

Attac Italien beschwerte sich darüber, dass Berlusconi den symbolträchtigen Ort missbrauche. Gewaltbereite Autonome wollen dennoch in Rom gegen die G 8 demonstrieren. Dort wird es der Polizei auch schwerer fallen, gegen den schwarzen Blcok vorzugehen als in der Trümmern von L’Aquila.