Die Welt leidet unter der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Und die internationale Politik versucht fieberhaft - im Rahmen von UN und G 20 -, deren härteste Konsequenzen abzufedern. Doch darf sich das politische Krisenmanagement nicht allein auf die direkten wirtschaftlichen Probleme und die Reform der internationalen Finanzarchitektur beschränken.

Es müssen auch die politischen Probleme, die das Heraufziehen der Krise mit ermöglicht haben, angegangen werden. Wenn ein reformiertes globales Wirtschaftssystem nachhaltig und reaktionsfähig sein soll, muss die demokratische Kontrolle über die Wirtschaft langfristig hergestellt werden.

Die britische Unterhausabgeordnete und frühere Ministerin Clare Short sagte einst: "Man hat mir vorgeworfen, die Globalisierung zu befürworten. Das ist genauso, als würde man mir vorwerfen, dass morgens die Sonne aufgeht." Short, die als prinzipientreue Politikerin gilt, drückte mit ihrem Zitat aus, was in den 1990er und frühen 2000er Jahren weit verbreitete Meinung in den westlichen Politikeliten war: Die wirtschaftliche Globalisierung – angetrieben durch die internationalen Finanzmärkte – ist eine unausweichliche Naturgewalt. Und Versuche, diesen Prozess zu gestalten, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Diese Argumentation war immer schon problematisch und hat ernste demokratische Fragen aufgeworfen: Wenn Politiker freiwillig den Gestaltungsspielraum für einen Prozess aufgeben, der so großen Einfluss auf die Gesellschaften hat, deren Interessen sie als gewählte Repräsentanten vertreten sollen, welche demokratischen Mechanismen bleiben dann den Bürgern um Einfluss auf die Globalisierung zu nehmen? Und wenn es nicht gewählte Volksvertreter sind, die die Spielregeln der internationalen Ökonomie festlegen, ist es unter Demokratiegesichtspunkten legitim, dass die Wirtschaft im Großen und Ganzen ihre eigenen Grenzen festlegt?

Im Zuge der Finanzkrise ist klar geworden, dass dieses Dogma nicht nur demokratische Probleme verursacht hat, sondern auch ein schwerwiegender politischer Fehler war. Die zuvor aufgegebene Gestaltungsrolle wurde den nationalen Regierungen wieder aufgezwungen, nachdem klar wurde, dass die sprichwörtlichen Selbstheilungskräfte der Märkte eine systemische Krise nicht verhindern konnten. Und es gab für Regierungen keine andere Möglichkeit, als diese Verantwortung anzunehmen, weil schlicht keine anderen Institutionen über die notwendigen Mittel verfügen, das international verzweigte Wirtschaftssystem zu stabilisieren.