Grosse Koalition Verlorene schwarz-rote Jahre

Die Große Koalition hat unter ihren Möglichkeiten regiert. Mit der letzten regulären Bundestagssitzung endet heute weitgehend die Zusammenarbeit. Eine Bilanz

Auch bei der letzten regulären Sitzung des Bundestages werden Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier noch einmal gemeinsam auf der Regierungsbank Platz nehmen

Die Tagesordnung war noch einmal Mal prall gefüllt. An diesem Freitag hat sich der Bundestag zu seiner letzten ordentlichen Sitzung vor der Bundestagswahl getroffen. Die Große Koalition verabschiedete das Bad-Bank-Gesetz und auch das Gesetz zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung. Das war es dann mehr oder weniger mit der zweiten gemeinsamen Regierung von Union und SPD – wenn der Wähler im Herbst nicht anders entscheidet.

Ende August und Anfang September kommen die Abgeordneten noch zu zwei Sondersitzungen zusammen, um den Nachtragshaushalt zu beschließen und das vom Bundesverfassungsgericht verlangte neue Begleitgesetz zum Lissabon-Vertrag. Der Rest ist Wahlkampf.

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Und das ist die Zeit, in der die Koalitionspartner vor allem darum bemüht sein werden, ihre Differenzen zu betonen. Je näher der Wahltag rückt, desto schärfer werden die gegenseitigen Angriffe werden, obwohl die inhaltlichen Divergenzen zwischen den beiden großen Parteien – zumal in der Krise - gar nicht mehr so groß sind. Schon jetzt polarisiert SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gegen die Union, Kanzlerin Angela Merkel stichelt gegen die Sozialdemokraten. Selbstbewusst tönen beide Seiten dazu, sie hätten der Großen Koalition ihren Stempel aufgedrückt.

Dabei fällt die Bilanz der vier gemeinsamen Jahre eher nüchtern aus. Es fing nach der doppelten Niederlage von Schwarz-Gelb und Rot-Grün bei der Bundestagswahl im September 2005 damit an, dass Union und SPD zur Zusammenarbeit verdammt waren. Aus der Not versuchte die Große Koalition eine Tugend zu machen und formulierte vollmundig einen hohen Anspruch: Die großen Probleme wollte die Große Koalition angehen. Jene komplizierten Reformblockaden auflösen, an die sich die kleinen Regierungsbündnisse Schwarz-Gelb und Rot-Grün nicht herangetraut hatten, weil sie den Zorn der Besitzstandswahrer fürchteten, oder weil die jeweilige Opposition im Bundesrat dagegen stand.

Diesen Anspruch hat die Große Koalition, Alles in Allem, nicht eingelöst. Man braucht kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass viele vermeintlich große Reformvorhaben der Großen Koalition in den kommenden vier Jahren einer Generalrevision unterzogen werden. Die mühsam vereinbarte Gesundheitsreform zum Beispiel wird schon bald durch die nächste ersetzt werden. Die Reform der Reform der Arbeitsmarktreform wird sich die kommende Bundesregierung ebenso auf die Fahnen schreiben, egal welche Parteien diese stellen werden.

Auch eine dritte Föderalismuskommission wird es geben, weil es weder in der ersten noch in der zweiten Runde wirklich gelungen ist, die Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern neu zu entflechten und die kleinen, vom finanziellen Kollaps bedrohten Länder zu schlagkräftigen Einheiten zusammenzuschließen. Und auch dort, wo eine Große Koalition dem Wahlvolk außenpolitisch hätte reinen Wein einschenken müssen, hat sie stattdessen die rot-grüne Lebenslüge, die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan seien nicht im Krieg, sondern vor allem als Wiederaufbauhelfer im Einsatz, um vier Jahre verlängert.

Natürlich gibt es zukunftsweisende Projekte, die die Große Koalition auf den Weg gebracht hat. Die Einführung des Elterngeldes könnte zu einem familienpolitischen Wendepunkt werden. Der Mindestlohn war zwar ein ständiger Zankapfel zwischen Schwarz und Rot, aber am Ende ist der Großen Koalition mit den Branchenlösungen zumindest ein Einstieg gelungen. In der Umweltpolitik hat sie den Weg in die Nutzung der regenerativen Energien unumkehrbar gemacht.

Leser-Kommentare
  1. Man muss meiner Meinung nach die Arbeit von Schwraz-Rot in zwei Phasen gliedern: Die vor und die nach der Finanzkrise.
    Vor der Finanzkrise war zumindest noch der Wille da, den Föderalismus etwas klarer zu strukturieren; in Sachen Familienrecht und dem Wert der Arbeit hat sich dei Union, da hat der Autor recht, ziemlich bewegt.
    Am Ende bleibt aber das Fazit, dass das Land verwaltet, nicht gestaltet wurde. Ähnlich wie in vielen Gebieten bei der ersten Großen Koalition.
    Nach Ausbruch der Finanzkrise hat die GK meiner Meinung nach ziemlich den Überblick verloren. Ordnungspolitik vs. Rettung der Wirtschaft vs. (in den letzten Monaten) blanker Populismus. Was es geholfen hat, werden wir in den kommenden 12 bis 18 Monaten sehen. Ich befürchte, es wurde einfach nur sehr viel Geld verschwendet.

  2. Werden sich die schlechten Nachrichten nach der Wahl hingegen – wie zu befürchten – häufen, dann wird dem schwarz-roten Bündnis vorgeworfen werden, es habe den Wählern das wahre Ausmaß der Krise verschwiegen und den Nachfolgern riesige Aufgaben hinterlassen.

    Wer bezweifelt denn noch, dass es so kommen wird? Schwarz/Rot hat die Krise nicht nur kleingeredet, sie sind auch zu einem nicht unerheblichen Teil Mitschuldige. Erst die Banker die Gesetze schreiben lassen, dann die Konsequenzen daraus klein reden und dann auch noch die Banker zur Krisenbewältigung heranziehen.

    Ich frage mich sowieso, wie lange es noch dauert, bis sich die beiden Volksparteien zusammenschliessen. Unterschiede sind sowieso marginal.

  3. Es ist völlig egal, ob der Kanzler nach der Bundestagswahl nun Merkel oder Steinmeyer heisst: ist wird in sehr vielen POositionen der neuen Bundesregierung mit dem selben Personal und denselben Textbüchern weiter gehen und man wird selbstgefällig die eigene Genialität feiern.

    Aber nun Schluss: Jetzt kommt erst einmal das politische Kasperletheater. Die Rollen sind bereits verteilt: Horst Seehofer mimt den Kasperle, Frank-Walter Steinmeyer den Seppl, Angela Merkel die Gute Oma, Guido Westerwelle das Krokodil und Oskar Lafontaine den bösen Zauberer Zwackelzahn. Titel des zur Auffürung kommenden Stückes ist - richtig: "Ein dreifach Hoch auf's "Weiter-so!""

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    Schon damals hieß es doch, keiner wollte es verstehen, freie Fahrt für freie Bürger. AUDA, AUDE, AUDI, AUDO, AUDU. Findet sich alles wieder, nur manche Räder bewegten sich seit der ZEIT nicht mehr, wenn, dann richtig rückwärts, siehe Bundeswehr. Schon damals hat Dr. Adenauer das Volk belogen. Sein Enkel Kohl hat dieses weiter so irgendwie geprägt und deren Ziehtochter macht uns nun die gute alte Oma. Na, denn Prost für Abtrinker und andere Arten.

    Schon damals hieß es doch, keiner wollte es verstehen, freie Fahrt für freie Bürger. AUDA, AUDE, AUDI, AUDO, AUDU. Findet sich alles wieder, nur manche Räder bewegten sich seit der ZEIT nicht mehr, wenn, dann richtig rückwärts, siehe Bundeswehr. Schon damals hat Dr. Adenauer das Volk belogen. Sein Enkel Kohl hat dieses weiter so irgendwie geprägt und deren Ziehtochter macht uns nun die gute alte Oma. Na, denn Prost für Abtrinker und andere Arten.

  4. Die Bild-Zeitung übt einen derart großen Einfluss auf seine Leser aus, dass letztlich derjenige gewinnt, der von der Bild-Zeitung dazu berufen wird - Meine Beobachtung.

  5. Ich ignoriere seit Anbeginn an. Viermal gekauft, nur um an Wechselgeld (zwei Groschen) damals heranzukommen. Es ist doch ohnehin so'n Ding wie ein Cartoon, nur in großen Überschriften mit Fotos, und der Inhalt, mein lieber Manilup.

  6. Schon damals hieß es doch, keiner wollte es verstehen, freie Fahrt für freie Bürger. AUDA, AUDE, AUDI, AUDO, AUDU. Findet sich alles wieder, nur manche Räder bewegten sich seit der ZEIT nicht mehr, wenn, dann richtig rückwärts, siehe Bundeswehr. Schon damals hat Dr. Adenauer das Volk belogen. Sein Enkel Kohl hat dieses weiter so irgendwie geprägt und deren Ziehtochter macht uns nun die gute alte Oma. Na, denn Prost für Abtrinker und andere Arten.

    • Zapp54
    • 03.07.2009 um 17:02 Uhr

    Bei Disputen gewinnt immer der Optimist (Hermann Hesse) *gg*

    Wozu dann noch wählen ?

    Die Herrschaften machen Ihr Ding weiter mit einer "neuen" Koalition - die Steinmeier-Riege kriegt 19,6% und alles dümpelt wieder von Neuem vor sich hin.

    Welch eine lähmende Demokratie schleicht sich da ein - nixx geht mehr nach vorne.

    Traurige Aussichten.

    • politz
    • 03.07.2009 um 17:06 Uhr

    Die Große Koalition war die schlechteste deutsche Regierung aller Zeiten. Sie hat den Sozialabbau von Rot-Grün weitergeführt und die Strukturen des Überwachungsstaats aufgebaut. Die unsägliche Föderalismusreform I hat einen irrsinnigen Wettbewerb zwischen den Ländern um niedrigste Kosten und niedrigste Standards begründet, das Bildungsangebot verschlechtert und das BKA zu einer Superpolizei umgebaut, die Föderalismusreform II mit ihrer "Schuldenbremse" beschneidet zukünftige Parlamente in ihrem wichtigsten Recht, dem Budgetrecht.

    Der Aufschwung ist ihr weitestgehend in den Schoß gefallen, sie hat ihn vielmehr mit einer dreiprozentigen Mehrwertsteuererhöhung aufs Spiel gesetzt. Zugleich hat sie mit dieser größten Steuerlüge aller Zeiten die Politikverdrossenheit befördert. Durch sinkende Lohnnebenkosten und die Arbeitsmarktgesetzgebung wurden die innereuropäischen Kostenunterschiede, die zulasten der heute darunter leidenden Länder wie Spanien und Portugal gehen, dramatisch ausgebaut.

    Bis vor kurzem wurden auch die Finanzmärkte weiter dereguliert, und man nichts dagegen unternommen, dass die deutschen Banken insgesamt stärker von der Krise betroffen sind als die anderer Staaten. Das ist letztlich das wichtigste Versagen der Großen Koalition. Zum Beginn des letzten Jahres der Koalition, Anfang 2009, wurde ein großer symbolischer Schlusspunkt gesetzt, indem eine Abgeltungssteuer für Kapiterträge eingeführt wurde und somit vor allem die Kosten der zunehmenden Staatsverschuldung einseitig von den unteren und mittleren Einkommensschichten getragen werden.

    Zuletzt hat man schließlich den Staatshaushalt so sehr ausgeplündert wie keine Regierung zuvor. Ein Konjunkturprogramm war vielleicht notwendig, aber durch die Verteilung der Maßnahmen auf drei Jahre und die geringe Wirksamkeit der Steuer- und Abgabensenkungen ist der Wirkungsgrad des Programms viel niedriger, als er sein könnte. Schließlich wurden durch die Wirtschaftskrie die Schleusen für offene Klientelpolitik und Subventionen für die Großindustrie geöffnet.

    Unter dem Vorwand, den Milchbauern mit ihren niedrigen Verkaufspreisen zu helfen, hat man die Besteuerung des Agrardiesels für Großlandwirtschaftsbetriebe in Ostdeutschland gesenkt. Die Kurzarbeit, deren Bezugskriterien gelockert wurden, lädt zu offenem Missbrauch ein und senkt die Lohnkosten für solche Betriebe um 20 %. Zuletzt wurde in einem Akt unglaublicher Korruption eine Klausel eingefügt, nach der vor allem Großunternehmen die Lohnkosten abgenommen werden. Man hat die Arbeitslosenversicherung nicht zuletzt dadurch geplündert, dass man ihr durch eine massive Beitragssenkung auf 2,9 % die Einnahmen entzogen hat.

    An ihrem letzten Arbeitstag hat die Große Koalition ihr wichtigstes Gesetz beschlossen und ist grandios gescheitert. Das Bad-Bank-Gesetz verhindert nicht eine zurückgehende Kreditvergabe und damit die Stagnation unserer Wirtschaft. Ohne Wachstum aber steigt die Arbeitslosigkeit immer weiter an.

    Doch heißt das alles nicht, dass die nächste Regierung nicht noch schlechter sein kann als die bisherige.

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    ..aber leider haben sie recht. Egal ob Blockflöten-CDU oder SPD, der machthungrige verdeckte Beamtenapperat bleibt und fabriziert immer mehr Knüppelparagraphen um uns völlig unter Kontrolle zu bekommen. Mit jedem Ende einer Legislaturperiode müssten sämtliche Spitzenbeamte umgesetzt werden zum Statistikamt oder anderen ungefährlichen Tätigkeiten. Als CDU Mitglied schaudert mich der Gedanke an eine Neuauflage Angela Merkel. Sie ist von ihrer Ausstrahlung her eine Mischung aus Grete Wehner und Däubler-Gmelin.

    ..aber leider haben sie recht. Egal ob Blockflöten-CDU oder SPD, der machthungrige verdeckte Beamtenapperat bleibt und fabriziert immer mehr Knüppelparagraphen um uns völlig unter Kontrolle zu bekommen. Mit jedem Ende einer Legislaturperiode müssten sämtliche Spitzenbeamte umgesetzt werden zum Statistikamt oder anderen ungefährlichen Tätigkeiten. Als CDU Mitglied schaudert mich der Gedanke an eine Neuauflage Angela Merkel. Sie ist von ihrer Ausstrahlung her eine Mischung aus Grete Wehner und Däubler-Gmelin.

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