Konjunktur Industrie hat Talsohle durchschritten
Es geht wieder leicht bergauf: Die deutsche Industrie hat im Mai mehr Aufträge aus dem In- und Ausland erhalten als erwartet. Eine echte Erholung ist das noch nicht
Dem Wirtschaftsministerium zufolge stieg das Auftragsvolumen der Industrie im Mai im Vergleich zum Vormonat um 4,4 Prozent. Damit erhöhten sich die Ordereingänge das dritte Mal in Folge. Bereits im April hatte sich die Auftragslage der Industrieunternehmen leicht verbessert.
Damit mehren sich die Hoffnungen, dass sich der Abschwung in Deutschland abschwächt. Die Auftragslage der Unternehmen gilt – neben der Industrieproduktion – als ein wichtiger Frühindikator für den weiteren Konjunkturverlauf.
Allerdings erhält die deutsche Industrie noch immer weit weniger Aufträge als im Vorjahr. Das Volumen der abgeschlossenen Verträge lag im vergangenen Monat um 33,5 Prozent niedriger als im Mai 2008. Der deutschen Industrie geht es etwas besser, aber noch immer schlechter als in den Jahren zuvor.
Vor allem aus dem Ausland erhalten die Unternehmen wieder mehr Aufträge: Im Mai stieg das Volumen im Vergleich zum Vormonat um 5,2 Prozent, im Inland um 3,9 Prozent. Das Wirtschaftsministerium verwies darauf, dass der Anteil an Großaufträgen im Mai "leicht überdurchschnittlich" gewesen sei. Besonders Hersteller von Investitionsgütern erwarten wieder bessere Geschäfte (plus 5,9 Prozent), aber auch Produzenten von Kraftwagen und Kfz-Teilen (plus 9,8 Prozent).
- Datum 07.07.2009 - 14:43 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Die optimistische Headline wird durch den Inhalt des Artikels Lügen gestraft. Bei einem durchschnittlichen Auftragsrückgang von über 48 % kann von einer Erholung tatsächlich nicht die Rede sein, wenn gemessen an diesem Ausgangslevel die Auftragseingänge gegenüber dem Vormonat um etwas mehr als 4 % steigen.
Interessant aber der Anstieg für die Zulieferindustrie der Kfz-Industrie, der 9,8 % beträgt. Das zeigt, daß die Abwrackprämie als kaufkrafterhöhender Zuschuß für die einheimischen Konsumenten das derzeit einzige und offensichtlich wirksamste Element der Konjunkturförderung ist. Das sollte den Verantwortlichen in der Politik zu denken geben, wenn es um die Verabschiedung weiterer derartiger Maßnahmen geht. Sie müssen realisieren, daß wir es hier nicht mit einer Kreditklemme, sondern mit einer Nachfragekrise zu tun haben, die aus dem drastischen Auftragsrückgang infolge der weggebrochenen Auslandsnachfrage vor allem der amerikanischen Konsumenten rührt.
Die Daten sind diesmal tatsächlich positiv – sie gleichen in erstaunlicher Weise der Entwicklung in Japan, das ebenfalls zuvor besonders stark eingebrochen war. Es handelt sich um eine Zwischenerholung. Die hohe Zuwachsrate von 4,4 % zum Vormonat sollte jedoch nicht täuschen. Die reine Mathematik führt dazu, dass vom Volumen her ein Anstieg von 5 % auf dem Niveau von voriges Jahr heute einem Ansteig von fast 10 % entspricht. Dasselbe lässt sich bei vielen Aktienkursen beobachten, die von einem dreistelligen Niveau auf ein einstelliges eingebrochen sind und dann plötzlich Zuwachsraten von 70 % erzielen – den einstelligen Bereich aber nicht verlassen.
Was vielmehr beunruhigen sollte, ist die Unfähigkeit aller Ökonomen, die starken Auf- und Abwärtsbewegungen vorherzusagen, dass sie diese vielmehr immer dramatisch unterschätzen. Statt 0,8 % gab es jetzt 4,4 % - das beweist eigentlich, dass der durchschnittilche Ökonom überhaupt keine Ahnung davon hat, was in der Wirtschaft vor sich geht, warum die Industrieaufträge jetzt wieder steigen. Das heißt nichts anderes, als dass sie auch den nächsten Einbruch nicht vorhersehen werden. Den jetzigen Trend einfach in die Zukunft fortzuschreiben, wäre törricht.
Am aktuellen Rand deuten leider einige Indikatoren wieder auf einen erneuten Rückschlag hin. Bis wir dies in den "harten Fakten" bestätigt bekommen, wird es aber schon September sein. Die Industrieaufträge aus dem Mai sind gemessen an den momentanen Auf- und Abschwungzyklen schon ferne Vergangenheit.
Mich beunruhigt die regierungskonforme Berichterstattung.
Alles im grünen Bereich. Ach, die paar Millarden in dreistelliger Höhe den Banken vorgeworfen? Systemrelevant! Kürzungen der Sozialleistungen? Tja, leider hat der Staat kein Geld mehr usw. usw. Wir haben schließlich über unsere Verhältnisse gelebt. Abrt wenn es der Wirtschaft wieder besser geht, dann......
Hoffentlich stabilisiert sich die Lage! Bei der Bundesbank sind Statistiken zum Großteil nur bis 04/09 verfügbar (http://www.bundesbank.de/...) und ausser den Auftragseingängen gibt es wenig rationalen Anlass zum Aufatmen -- Durchatmen aber ist erlaubt, auch wenn die Krise noch lange nicht vorbei ist.
Alles Gute
Kai Hamann
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