ZEIT ONLINE: Wie oft kommen Studenten zu Ihnen, die ihr Studium abbrechen wollen?

Walburga Wolters: Mit einem offen angesprochenen Abbruchwunsch kommen Studenten nur selten zu mir. Häufiger kommen sie mit Problemen im Studium, die so groß sind, dass sie einen Abbruch zumindest in Erwägung ziehen.

ZEIT ONLINE: Was sind häufige Gründe für einen Studienabbruch?

Wolters: Beispielsweise mangelnder Studienerfolg. Wenn jemand gute Noten gewohnt ist, kann ein Studium, in dem man nur mäßig erfolgreich ist, demotivieren. Auch wenn die Identifikation mit der Materie nicht so groß ist, ist es wahrscheinlich, dass er das Studium abbrechen möchte. Ein eindeutiger Abbruchgrund ist das endgültige Nichtbestehen von Prüfungen.

ZEIT ONLINE: Ist ein Abbruch dann der einzige Ausweg?

Wolters: Nein. Manchmal reicht ein Fachwechsel aus. Wenn der Studiengang nicht zu den individuellen Interessen und Fähigkeiten passt, gibt es Alternativen an der Hochschule. Manchmal hilft es auch, das Studium für eine begrenzte Zeit zu unterbrechen.

ZEIT ONLINE: Kommen viele Studenten zu Ihnen, die aufgrund finanzieller Schwierigkeiten abbrechen möchten?

Wolters: Nein, das Problem hat nur ein sehr kleiner Teil. Dazu gehören die, die es von ihrem Alter oder ihrem Status her schwer haben, unterstützt zu werden. Ab einem bestimmten Alter bekommt man ja kein BAföG mehr. Dann sprechen wir über zeitweise Darlehen und Stipendien.

ZEIT ONLINE: Würden Sie sagen, dass die Wirtschaftskrise Studenten eher von einem Abbruch abhält?