Irisches Referendum Europas Zukunft entscheidet sich am 2. Oktober

Zum zweiten Mal stimmen die Iren über den Lissabon-Vertrag ab. Sollten sie am 2. Oktober Ja sagen, könnte dieser endlich in Kraft treten. Doch noch ist das ungewiss

Das Datum für das zweite Referendum in Irland zum EU-Vertrag von Lissabon steht: Die Volksabstimmung werde am 2. Oktober gehalten, teilte der irische Ministerpräsident Brian Cowen am Mittwoch in Dublin mit. In einem ersten Referendum vor einem Jahr hatten die Iren das Vertragswerk mit 53 Prozent der Stimmen abgelehnt und die Europäische Union damit in eine schwere Krise gestürzt.

Bevor die irische Regierung die neue Volksabstimmung in die Wege leitete, wurden ihr von der EU diverse Garantien zugesichert. Das Land verlangte unter anderem Zugeständnisse zu seiner militärischen Neutralität. Auch das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen in dem katholisch geprägten Land sowie Fragen zur Steuerhoheit waren bisher ein Zankapfel. Auf dem EU-Gipfel im Juni hatten die übrigen Mitgliedsländer ihre Zustimmung signalisiert. Dort war Dublin zudem versprochen worden, dass das Land einen ständigen EU-Kommissar behalten darf.

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Irland ist das einzige der 27 EU-Länder, in dem das Volk über den Vertrag abstimmen muss. "Wir denken, dass der Vertrag gut für Irland und gut für Europa ist", fasste Außenminister Michael Martin die Position der Regierung zusammen. Die Opposition dagegen warnte jedoch vor zu viel Optimismus. Der Vertrag würde auch ein zweites Mal nicht allzu leicht Zustimmung finden.

Die Umfragen signalisieren das Gegenteil: Die Chancen für ein positives Votum stehen derzeit gut. So gaben mehr als die Hälfte der Befragten nach der Europawahl am 5. Juni an, dem Lissabon-Vertrag jetzt zuzustimmen. Grund dafür ist auch die Wirtschaftskrise, die Irland so schwer wie kaum ein anderes Land in der EU ergriffen hat. Viele hoffen auf die schützende Hand Europas. Zudem fehlt der Gegen-Kampagne ein bekannter Aktivist: Der Geschäftsmann und Chef der europakritischen Libertas-Partei, Declan Ganley, hat sich nach seiner Niederlage bei der Europawahl aus der Politik zurückgezogen.

Der Lissabon-Vertrag soll die EU reformieren und effektiver machen. Damit das mühsam verhandelte Werk in Kraft treten kann, ist ein "Ja" aus Irland notwendig. Die Entscheidung von der "Grünen Insel" ist auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil davon die weitere Entwicklung in Polen und Tschechien abhängt. Dort warten die Präsidenten auf das irische Ergebnis, bevor sie den Vertrag endgültig ratifizieren.

Auch in Deutschland steht das Reformwerk noch vor Hürden: Das Bundesverfassungsgericht billigte den Vertrag vergangene Woche zwar grundsätzlich, stoppte aber den laufenden Ratifizierungsprozess, bis die Beteiligungsrechte von Bundestag und Bundesrat gestärkt werden.

 
Leser-Kommentare
  1. Europas Zukunft am 2. Oktober?
    Der EU-Vertrag von Lissabon ist nach der Ratifizierung in den anderen Ländern nicht mehr der EU-Vertrag von Lissabon, der ratifiziert werden wird.
    Hier wird mal wieder die Bevölkerung für dumm und unkundig verkauft.

  2. Der Vertrag hatte noch nie eine Mehrheit in der Bevölkerung...man kann nur hoffen, dass die Iren uns nochmal den Hals retten.

  3. 3. Europa

    Nachdem die Mehrzahl der Abgeordneten des Bundestages, trotz hoher Diäten ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben und wir Deutschen in einer Repräsentativ -"Demokratie" nicht abstimmen dürfen, schauen alle voll Hoffnung auf die Entscheidung des irischen Volkes um dieses undemokratische Machwerk vom Tisch zu fegen und die Freiheit der Europäer zu sichern.

  4. Nach der Einführung eines Verdienstordens für Tapferkeit schlage ich einen Verdienstorden für eine verständliche Übersetzung des Vertrags von Lissabon in schwarz-rot-gold vor.
    Vor mir liegt der deutsche Text "Der Vertrag von Lissabon" - Konsolidierte Fassungen -....und... Dieser Band ergänzt das Textbuch "Völker und Europarecht im WTO-Recht" und enthält die konsolidierten Texte des geplanten europäischen Primärrechts nach der Unterzeichnung des Vertrages von Lissabon...Abgedruckt sind sie jeweils in der Fassung des Vertrages von Lissabon.
    Schon beim letzten Satz geriet ich ins Grübeln. Was bedeutet das wohl ?...."jeweils in der Fassung des Vertrages von Lissabon". Jeweils in der Landessprache hätte ich verstanden.
    Der gesamte Vertrag in der "konsolidierten Fassungen" umfaßt 242 Seiten einschließlich Präambel, Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEU), Protokollen, Charta der Grundrechte der Europäischen Union und Stichwortverzeichnnis. Jedoch bei "Entschlossen, Schöpfend, Eingedenk, In Bestätigung, In dem Wunsch, Im Hinblick auf ...Diese sind nach Austausch ihrer als gut und gehörig befundenen Vollmachten wie folgt ÜBEREINGEKOMMEN:..setzen meine in langen Lebensjahren erworbenen Deutschkenntnisse aus.
    Ich bewundere unsere Bundestagsabgeordneten, die das alles gelesen und verstanden haben und, von wenigen Ausnahmen abgesehen, uns die mühsame Arbeit einer Volksabstimmung erspart haben.
    Erleichtert war ich jedoch über das "Ja, aber" des Bundesverfassungsgerichts. Also brauchen wird doch noch einen Bundestag und Bundesrat wegen des "aber". Dennoch wage ich den Vorschlag zu machen, wegen des "aber" den Bundetag zu verkleinern. Vielleicht reicht ja solch eine Art von Hauptausschuss. Den Rest erledigt ohnehin das EU-Parlament, oder die Kommission, oder der Ministerrat in Brüssel und Straßburg. Dennoch gilt meine Bewunderung der sturen Iren. Ich hab sie immer schon gemocht auch wegen ihres langen Befreiungskampfes gegen das UK. Die Schotten mag ich auch, aber die gehören nunmal zum UK.
    Aber ich weiß auch warum Schotten und Iren uns Deutsche mögen. Weil die Engländer die Deutschen nicht mögen. Ist eigentlich irgendwie logisch

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