Joseph "Joe" Biden, Obama-Vize, plaudert gern, reichlich und manchmal unbedacht. Deshalb ist das Interessanteste an seiner Einlassung zu einem israelischen Angriff auf das iranische Bombenprogramm, dass das Weiße Haus bislang noch nicht reagiert hat.

Immerhin hatte Biden in einem Interview mit ABC den Israelis praktisch die Erlaubnis für eine solche Attacke gegeben. Wörtlich: Die USA "können einem anderen souveränen Staat nicht diktieren, was er tun und lassen soll." Und weiter: "Israel kann für sich selbst entscheiden, wie es sich gegenüber Iran oder sonst wem verhält."

Theoretisch hätte das Weiße Haus den Vize freundlichen, aber bestimmten Wortes korrigieren müssen, ist doch Obama von Kopf bis Fuß auf Diplomatie eingestellt - obwohl auch der Präsident gesagt hat, dass er eine iranische Bombe nicht akzeptieren könne. Diese Korrektur wird gewiss noch kommen. Denn es gibt für einen israelischen Angriff keinen Weg in Richtung Natanz und Isfahan (zwei neuralgische Punkte im iranischen Programm), der Amerika nicht in den Krieg ziehen würde.

Die israelischen F-15 I (mit verlängerter Reichweite) müssten etwa 700 km irakischen Luftraums durchqueren, der von den USA kontrolliert wird. Das heißt: Israel müsste eine explizite Erlaubnis bekommen, und damit wären die USA Komplizen. Es gilt also das Prinzip "Mitgefangen, mitgehangen". Das hieße wiederum, dass sich die iranische Vergeltung gegen Amerika richten würde: Terrorangriffe in den USA selber, verstärkte iranisch-organisierte Angriffe auf die US-Truppen im Irak, Luft- und See-Attacken gegen Tanker im Golf, zumal an der Meerenge von Hormuz.

Wenn das der Preis ist, müssten die Amerikaner die Israelis im Vorhinein stoppen oder selber die Regie übernehmen. Ein solches Szenario wäre kein Nachmittagsausflug. Es bedeutet wochenlange Luftangriffe auf alles, was die Iraner in die Schlacht werfen könnten - auf ihre Luftverteidigung, auf ihre Seestützpunkte am Golf, auf ihre Luftwaffe.